Wir brauchen mehr digitalen Menschenverstand!

Wie kann ich Kommunikationssignale nutzen, um nicht auf betrügerische Angebote im Internet hereinzufallen? Woran merke ich, dass hinter meinen Facebook-Freunden echte Menschen stehen? Wie unterscheide ich jemanden, der wirklich einen Partner sucht, von einer erfundenen Person, die es außerhalb des Internets gar nicht gibt? Größtmögliches Misstrauen ist keine Lösung. Vielmehr gilt es, die richtigen Signale zu erkennen und Sicherheit zu gewinnen, um auch im Web vertrauensvoll miteinander umgehen zu können. – Eine Betrachtung aus Kommunikationssicht.

(Foto: © gustavofrazao – Fotolia.com)

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Wie ich kürzlich fast einem betrügerischen Shop aufgesessen bin

Einen Tag, bevor ich diesen bereits geplanten Artikel zu schreiben begann, wäre ich beinahe zum ersten Mal in meinem Leben auf ein betrügerisches Verkaufsangebot im Internet hereingefallen – etwas, von dem ich dachte, dass es mir nie passieren würde. In meinem geschilderten Fall ging es um Handtaschen. Markenhandtaschen. Sehr, sehr günstige Markenhandtaschen. Ich war über eine Facebook-Anzeige, also aus einem mir sehr vertrauten Umfeld, in den Shop gelangt. Die Website wies jede Menge Gütesiegel auf, Trusted Shops und noch andere. Die Seite war ausgesprochen hochwertig aufgemacht, sprachlich fehlerfrei und mit guten Fotos versehen.

Was vor allem schützt, sind Übung und Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien.

Da ich etwas in Eile war, wollte ich den Kauf schnell abwickeln. Ich hatte bereits meine Kreditkartendaten fast vollständig in das Formular eingegeben, einschließlich der Prüfziffer, da wurde ich doch stutzig und schaute nochmals genauer hin. Wohl zu Recht, wie sich herausstellte: Die Gütesiegel auf der Seite ließen sich nicht klicken. Es gab zwar ein PayPal-Logo, aber auch das bestand nur aus einem statischen Bild. Tatsächlich ließ sich die Zahlung per PayPal nicht auswählen. Eine kurze Google-Suche ergab, dass gleich dutzende Shops mit sehr ähnlichen Namen derselben Taschen-Marke als betrügerische Angebote gemeldet worden waren. Natürlich stoppte ich alles Weitere und war einigermaßen betroffen. Nicht so sehr darüber, dass es betrügerische Angebote im Internet gibt, als vielmehr, dass ich beinahe auf eines hereingefallen wäre.

Subtile Signale erkennen

Bisher hatte ich meinen digitalen Menschenverstand für sehr ausgeprägt gehalten, nicht zuletzt deswegen weil die zahlreichen Plattformen des Internets zu meinen täglichen Arbeitsorten gehören. Denn wenn das Medium vertraut ist, dann bindet es selbst nicht so viel Aufmerksamkeit. Es fällt leichter auf das dahinter Stehende zu schauen und zu erkennen, wenn etwas suspekt ist. Doch anzunehmen, man selbst wäre stets und überall aufmerksam genug, sich nicht täuschen zu lassen, ist schlicht unrealistisch und ziemlich überheblich. Doch man kann einiges dafür tun, sich zu schützen – ohne gleich die gesamte Online-Welt als Sündenpfuhl zu verdammen und nur mit größtmöglichem Misstrauen zu surfen.

Generelles Misstrauen ist ebensowenig zielführend wie allzu große Leichtgläubigkeit

Im oben beschriebenen Fall waren es zunächst vergleichsweise subtile Signale und ein unbestimmtes seltsames Gefühl, die mich auf die richtige Spur brachten. Genau solche Signale sind es letztlich, die dabei helfen, Angebote, Seiten und Profile richtig einzuordnen und genauer hinzusehen. Je mehr wir uns darin üben, desto weniger Aufwand wird es uns in Zukunft kosten, die richtige Intuition zu entwickeln: eben so etwas wie einen digitalen Menschenverstand. Wie im richtigen Leben sind wir aber nicht vor jeder Täuschung gefeit. Was vor allem schützt, sind Übung und Sicherheit im Umgang mit digitalen Medien. Alles, was als fremde Welt empfunden wird, erzeugt Unsicherheit – in die eine wie in die andere Richtung. Da ist generelles Misstrauen ebensowenig zielführend wie allzu große Leichtgläubigkeit.

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Betrug ist keine Erfindung des digitalen Zeitalters

Nun hat die Geschichte des Betrugs, der Abzockerei und der gefälschten Identitäten ja nicht erst mit dem Internet begonnen. Wenn also die Rede von der Betrugsgefahr im Web ist, sollte man sich zunächst einmal anschauen, wer vielleicht auch in analogen Kontexten auf ein windiges Angebot oder einen Betrüger hereingefallen wäre. Enkeltricks, Heiratsschwindler oder Anlagebetrug sind nur einige Beispiele dafür.

Doch zugleich kann man nicht in Abrede stellen, dass es im Web besonders leichtfällt, Identitäten aufzubauen. Man kann um eine gefälschte Existenz herum ganze Universen scheinbarer Belege in Form von Websites, Profile und Accounts errichten. So fällt es dem Außenstehenden oft schwer, der Sache wirklich auf den Grund zu gehen. Riskant für denjenigen, der die Betrugsabsicht hegt, wird es immer dann, wenn sich Aktivitäten in die analoge Welt (zurück-) verlagern: Wo etwa Geld fließt, bedarf es schon einer gehörigen kriminellen Energie und entsprechender Fachkenntnis, damit einem niemand auf die Spur kommt. Doch auch dies gelingt bekanntlich immer wieder. Erst recht bei grenzüberschreitenden Geschäftsbeziehungen, in denen der Verkäufer ganz woanders auf der Welt sitzt als der Käufer.

Welchen Schaden können „Fakes“ anrichten?

Nicht immer muss ein Betrug sogleich für finanziellen Schaden sorgen. Auch emotionale Schäden können sich gravierend und dauerhaft auswirken. Schon immer galt: Wenn Menschen sich etwas besonders sehnlich wünschen, sind sie anfälliger für Angebote, die ihnen Hoffnung machen. Dazu gehört auch der Bereich der (Paar-) Beziehungen. Die oben bereits erwähnten Heiratsschwindler, die es angeblich auch heute noch im Nicht-Digitalen gibt, sind ein Beweis dafür. Doch in diesen digitalen Zeiten verändern sich auch die Modelle möglicher Beziehungen. Wie anders wäre es denkbar, dass jemand wie Claus aus diesem Beispiel drei Jahre lang eine Beziehung nur online führt, mit einem Menschen, den es gar nicht gibt?

Jetzt könnte man anführen, dass es reichlich blauäugig sei, sich in einer so langen Zeit nicht von der Existenz des Gegenübers zu überzeugen. Man könnte sogar behaupten, dass es, wenn die Beziehung sowieso nur virtuell ist, ganz gleich wäre, wer nun tatsächlich dahintersteckt. Aber wer will sich eine solche Beurteilung anmaßen? Es gibt schließlich auch Fälle wie den von Victoria, die inzwischen die Seite realfakes.net betreibt. Sie hat sich immer wieder hinhalten lassen, so wie manche Dinge eben eine Eigendynamik entwickeln. Wer irgendetwas Ähnliches noch nie erlebt hat, werfe den ersten Stein!

Die Seite realfakes.net von Victoria Schwartz aus Hamburg informiert über bekannte und neue Betrugsmaschen.

Die Seite realfakes.net von Victoria Schwartz aus Hamburg informiert über bekannte und neue Betrugsmaschen.

Von falschen und echten Freunden

Wer weiß schon wirklich, ob hinter allen Facebook-Freunden ein echter Mensch steckt, der genau so heißt und aussieht? Wer sich hier nur privat bewegt und nur mit echten Freunden aus dem direkten Umfeld austauscht, scheint auf den ersten Blick nicht so gefährdet, auf „gefakte“ Profile hereinzufallen. Anders sieht es bei Menschen aus, die es gewohnt sind, über gemeinsame Kontakte mit anderen das eigene Netzwerk zu erweitern; auch aus beruflichen Gründen. Ich will nicht ausschließen, dass sich unter meinen rund 2.000 Facebook-Kontakten die eine oder andere Luftnummer befindet. Entsprechend gehe ich aber auch mit meiner virtuellen Präsenz dort um, und entsprechend vorsichtig handle ich, bevor ich irgendetwas mit realen oder gar finanziellen Folgen über Facebook abwickle.

Doch paradoxerweise sind es oft doch gerade diejenigen mit den echten, handverlesenen Freunden, die gefährdet sind, auf gefälschte Profile hereinzufallen; etwa auf solche, die anderen Menschen das Geld auf kriminelle Weise entlocken wollen. Gerade in diesem Frühsommer gab es wieder eine ganze Reihe derartiger Fälle: Jemand kopiert ein existierendes Profil und initiiert auf diese Weise sehr trickreich einen PayPal-Betrug, indem er eine Notlage vortäuscht. Wenn ein guter Freund in Not ist, wer würde da nicht zunächst einmal aus Betroffenheit schnell helfen wollen und schaut vielleicht nicht so genau hin? Die Seite mimikama.at, die es sich zur Aufgabe gemacht hat, Fälschungen und Falschmeldungen im Web zu prüfen und vor diesen zu warnen, beschreibt hier die typische Vorgehensweise.

Ich habe übrigens auch schon einmal vorschnell die Freundschaftsanfrage von jemandem angenommen, bei dem ich sehr überrascht war, dass es noch keine Verbindung gab. Allerdings waren es dann wiederum Kommunikationssignale, die mich stutzig machten: keine persönlichen Angaben, keine Historie auf der Pinnwand, keine aktuellen Inhalte. Daher habe ich die Sache gleich noch einmal näher betrachtet und damit das Doppelprofil entdeckt. Eine schnelle Meldung an die ahnungslose Kopierte und eine Meldung an Facebook haben den Spuk schnell beendet. Trotzdem heißt es weiter wachsam sein, denn so etwas kann jederzeit wieder passieren.

Nicht zuletzt deswegen verifizieren soziale Netzwerke wie Facebook und Twitter solche Nutzer, die besonders bekannt sind und damit auch eine hohe Reichweite besitzen. So ist wenigstens einigermaßen sichergestellt, dass niemand anders mit einem nachgemachten Profil einer Person des öffentlichen Lebens Schindluder treibt.

Direkte Kommunikation hilft gegen Täuschung

Gerade im Fall der duplizierten Profile zahlt es sich jedoch vor allem aus, wenn jemand gut vernetzt ist. Je enger und besser gepflegt seine Beziehungen im Web und im richtigen Leben, desto schneller werden seine Kontakte stutzig, wenn irgendein Kommunikationssignal nicht passt. Je unterstützender der- oder diejenige sich bisher selbst gezeigt hat, desto eher werden andere sie oder ihn ebenfalls aktiv unterstützen.

Wo wirtschaftlicher oder emotionaler Schaden entstehen könnte, ist genaueres Hinsehen Pflicht.

Immer da, wo wirtschaftlicher oder auch größerer emotionaler Schaden entstehen könnte, ist das genauere Hinsehen Pflicht. Genau hier aber kommt das ins Spiel, was ich weiter oben bereits den digitalen Menschenverstand genannt habe. Es lohnt sich zunächst immer zu prüfen: Würde ich ein solches Verhalten aus meiner bisherigen Lebenserfahrung in der analogen Welt für suspekt halten? Welche Kriterien habe ich, um die Richtigkeit von Behauptungen und Angeboten zu prüfen? Was kann ich sonst noch unternehmen? Stimmen die Kommunikationssignale, also die verbalen und nonverbalen Botschaften mit dem überein, was ich für glaubwürdig, echt und integer halten würde?

Das Spiel mit Gier und Eile

Welchen Angeboten gehen wir besonders leicht auf den Leim und warum? – Im Fall des eingangs beschriebenen Taschenshops hätten alleine schon deswegen alle Alarmglocken bei mir klingeln müssen, weil es schlichtweg nicht realistisch war, dass so teure Taschen zu einem derartig niedrigen Preis angeboten werden. Immer da, wo Gier im Spiel ist oder wo dem Interessenten ein vermeintlich einmaliges, zeitlich sehr begrenztes Angebot unterbreitet wird, kann Betrug besonders leicht geschehen.

Gier und Hetze schalten normale rationale Denkvorgänge aus. Das gilt auch in der analogen Welt: Lockangebote im Bereich der Geldanlagen mit unrealistisch hohen Gewinnspannen haben zu allen Zeiten seriös denkende Menschen dazu gebracht, ihre Ersparnisse in Pyramidensysteme zu schmeißen, in denen letztlich alle außer einem Betrüger ihr Geld verloren. Für so etwas brauchte man kein Internet.

Aber natürlich ist es im Internet ganz leicht, eine scheinbar seriös aussehende Seite hochzuziehen, und es ist nicht immer ganz so einfach, die Echtheit zu prüfen. Wie Jan Tißler in seinem Beitrag in dieser Ausgabe des UPLOAD Magazins außerdem zeigt, kann man sich eine umfassende und täuschend echte Online-Reputation mit wenig Geld und Mühe zusammenkaufen. In meinem Fall des Handtaschen-Shops hat die Seite der genaueren Prüfung nicht standgehalten; aber das nur, weil ich einfach sehr viele Websites sehe und beispielsweise wusste, dass bestimmte Gütesiegel zugleich Links enthalten und anklickbar sind. Ansonsten war die Seite qualitativ so hochwertig gemacht, dass die Täuschung wirklich fast gelungen wäre.

Nicht zufällig auch gewinnen große Anbieter-Plattformen wie Amazon, Zalando oder Booking.com immer mehr an Bedeutung. Hier kann sich der Käufer ziemlich sicher sein, dass seine Bestellung nicht in einer Luftnummer endet. Das gilt auch für größere Unternehmen im Internet, die jeder kennt. Diesbezügliche Fälschungsversuche sprechen sich meistens schnell herum. Auktionsplattformen wie eBay etablieren Zertifizierungsprogramme und Schutzmechanismen, die Anbietern und Käufern mehr Sicherheit geben sollen. Anbieterübergreifende Bewertungssysteme und Gütesiegel helfen auch kleinen Anbietern, ihre Seriosität zu beweisen.

Dabei gibt es ja nicht nur betrügerische Verkäufer, sondern auch Käufer. Nichtbezahlte Rechnungen stellten seit jeher für den Versandhandel ein großes Risiko dar. Hier versprechen PayPal und andere Systeme beiden Seiten größtmögliche Sicherheit.

Es lohnt sich darüber hinaus nachzuforschen, welche Erfahrungen andere bereits mit einem Angebot gemacht haben. Ebenso könnte man einen unbeteiligten Dritten zu Rate ziehen, der vielleicht einen besseren, weil unverstellten Blick auf die Angelegenheit werfen kann. Auch hier also helfen Vernetzung, Austausch und direkte Kommunikation mit anderen, etwas richtig einzuordnen. Auch die Werkzeuge des Internets sollte man nutzen. Oft liefert eine erste Google-Suche bereits Anhaltspunkte für betrügerisches Vorgehen.

Wenn der Blick von außen fehlt …

Gerade im Bereich der Beziehungen, wo es sehr privat wird, fehlt jedoch eben oft der kritische Blick eines Außenstehenden, weil wir nicht gerne andere in unser Privatestes einweihen. Gerade hier sind Menschen manchmal ebenso leichtgläubig wie andererseits verletzlich. Und wie seit jeher im richtigen Leben auch, ignorieren sie bestimmte Warnsignale, weil sie diese einfach nicht wahrhaben wollen. Auch wenn es immer einen Markt für die sogenannten Heiratschwindler gegeben hat (wobei man ja nicht unbedingt gleich eine Ehe eingehen muss, um jemanden finanziell auszunehmen): Bei vielen wird spätestens dann eine innere Warnlampe aufleuchten, wenn das Gegenüber plötzlich Geld oder andere Werte verlangt.

Doch was ist mit dem völlig neuen Phänomen der Erfinder von „Realfakes“, die aus irgendeinem Grund oft zahlreiche Beziehungen unter zahlreichen Pseudonymen pflegen; niemand weiß eigentlich so recht warum. Wenn keine kriminellen und wirtschaftlichen Interessen dahinterstehen, dauert es viel länger, bis das Gegenüber Verdacht schöpft. Aber selbst hier könnte der Menschenverstand helfen: Wenn jemand immer wieder ein Treffen kurzfristig absagt oder sonstwie eigenartig handelt, dann sollte man näher hinschauen. Das ist dennoch leicht gesagt. Intelligente Menschen wie Claus oder Victoria zeigen, dass so etwas wenn auch vielleicht nicht jedem, so doch vielen Menschen passieren kann. Das sie ihre Erlebnisse mutig öffentlich machen, trägt hoffentlich dazu bei, dass andere nicht mehr auf den Leim gehen.

Gleiches gilt für das Phänomen ungeprüfter Skandalmeldungen, Tatsachenbehauptungen, öffentlicher Anprangerungen oder gefälschter Fahndungsaufrufe: Auch hier neigen Menschen dazu, ungeprüft weiterzuverbreiten, was insbesondere ihnen besonders Vertraute zuvor geteilt haben. Hier hilft es ebenfalls nachzudenken. Selbst manche journalistischen Publikationen sind schon Falschmeldungen aufgesessen, weil sie vergessen haben, dass es zu ihrem Handwerkszeug gehört, immer mindestens zwei Quellen zu haben. Was im journalistischen Bereich ein absolutes Muss ist, kann im Privaten helfen, das Falsche vom Wahren zu trennen. Siehe dazu auch den Artikel „Fakt oder Fake? Wie man Falschmeldungen im Netz entlarvt“ von Bernd Oswald in dieser Ausgabe des UPLOAD Magazins.

Wie die digitale Menschenkenntnis wächst

So lange es Menschen gibt, gibt es Fälschungen und Betrug. Immer dann, wenn Verhältnisse oder Medien sich sehr stark wandeln, versuchen Kriminelle aus der (Noch-) Unkenntnis anderer Menschen besondere Vorteile zu ziehen. In dem Maße, in dem die Medienkompetenz aller Beteiligte zunimmt, wird sich das wieder nivellieren. Doch besonders gewiefte Betrüger werden wiederum neue Mechanismen entwickeln, um ihren Opfern ein Stück voraus zu sein. Daher wird niemand von uns immer vor allen Täuschungen gefeit sein.

Je sicherer Sie sich im Digitalen bewegen, desto weniger müssen Sie unbegründet misstrauisch sein, weil Sie Signale besser einordnen können. Wer alle Sicherungsmaßnahmen ausschöpft und sich seines gesunden Menschenverstandes bedient, kann auch der virtuellen Welt das entgegenbringen, worauf jegliches menschliche Zusammensein aufbaut: nicht Misstrauen und ständige Angst betrogen zu werden, sondern Vertrauen und wertschätzender Umgang miteinander.

Wie man Kommunikationssignale für mehr eigene Sicherheit nutzt

  • Sich gründlich in neue Medien und Plattformen einarbeiten. Das gilt für Shops ebenso wie für Partnerangebote oder Facebook-Freundschaften. Wenn Sie die Gesetzmäßigkeiten und typischen Merkmale kennen, dann bindet das Medium selbst weniger Aufmerksamkeit, und Sie verfügen über bestimmte Prüfkriterien. Je mehr Ihnen dieser Check in Fleisch und Blut übergeht, desto wird er Teil Ihres digitalen Menschenverstandes.
  • Sich nicht drängen lassen. Weder Verknappung noch Zeitdruck („Einmaliges Angebot, nur heute!“) sollten Sie dazu veranlassen, Ihren gesunden Menschenverstand beiseite zu legen. Das gilt insbesondere für Kaufprozesse oder Geldanlagen. Prüfen Sie dennoch alle Kommunikationssignale, und üben Sie sich weiter darin. Auch ein Freund, der dringend finanzielle Hilfe braucht, kann ein paar Minuten warten, bis Sie sich – etwa mit einem persönlichen Telefonat – vergewissert haben, dass alles mit rechten Dingen zugeht.
  • Sich vernetzen und andere fragen. Direkte persönliche Kommunikation ist das A und O bei fast jeglichem Handeln im Internet. Nur weil jemand aus Ihren Kontakten ein anderes Profil schon als Facebook-Freund hat, beweist das noch nicht dessen Echtheit. Fragen Sie in wichtigen Zweifelsfällen direkt nach. Je besser Sie selbst vernetzt sind, desto mehr Unterstützung werden Sie selbst erfahren und desto eher werden Sie mitbekommen, wenn irgendwo etwas grundlegend suspekt ist. Ziehen Sie im Zweifel einen unbeteiligten Dritten zu Rate (Vier-Augen-Prinzip).
  • Unabhängige Plattformen und Prüfinstanzen nutzen. Mag das Shop-Angebot noch so verlockend sein, die Versprechungen des neuen Freundes noch so groß: Wenn ich es mit einem bisher völlig Unbekannten zu tun habe, sollte ich mir Sicherheit verschaffen, ehe ich etwas kaufe oder zu viel preisgebe. Beim Einkauf helfen beispielsweise Prüfsiegel oder verifizierte Bezahlprozesse – aber Achtung: Bitte auch prüfen, ob das Siegel ordnungsgemäß verwendet wird und tatsächlich verliehen wurde. Geben Sie keine Konto- oder Kreditkartendaten ein, wenn Sie sich nicht ganz sicher sind. Vertrauen Sie niemandem etwas an, solange Sie sich nicht von dessen Echtheit überzeugt haben.
  • Keine ungeprüften Informationen verbreiten. Sie können selbst dazu beitragen, dass sich falsche und fehlerhafte Informationen nicht weiterverbreiten. Teilen Sie nicht einfach Meldungen, von denen Sie nicht sicher wissen, ob sie stimmen (Zwei-Quellen-Prinzip).

Artikel vom 04. Januar 2016