Instagram Stories: Anleitung und Tipps für Unternehmen

Instagram Stories ist einerseits die Kopie eines Features von Snapchat, aber zugleich doch viel mehr. Das liegt vor allem am Umfeld: Instagram hat seinen Nutzern sehr viel mehr zu bieten als Snapchat. Das gilt gerade auch für Unternehmen. Instagram ist schließlich deutlich größer als Snapchat, es ist an Facebook angebunden und in vielerlei Hinsicht erwachsener. In dieser kleinen Anleitung für Instagram Stories fassen wir zusammen, was Sie über die neue Funktion wissen sollten.

(Foto: Screengrab aus Instagrams Promovideo)

(Foto: Screengrab aus Instagrams Promovideo)

Eines muss man dem Instagram-CEO Kevin Systrom lassen: Er hat gar nicht erst versucht, das Vorbild für „Instagram Stories“ zu verleugnen. Im Hintergrundgespräch mit TechCrunch gab er unumwunden zu, dass Snapchat alle Ehre gebührt. Aber gut, es wäre auch sehr schwer geworden, diesen Zusammenhang abzustreiten. Schließlich ist sogar der Name gleich.

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Instagrams Platz in der Social-Media-Landschaft

Den Nutzern dürfte die Diskussion um Original und Kopie am Ende herzlich egal sein und von denen hat Instagram eine Menge. 500 Millionen aktive Nutzer konnte man im Juni 2016 vermelden. Satte 300 Millionen davon sind jeden Tag aktiv. In Deutschland sind es immerhin 9 Millionen aktive Nutzer, wie Instagram Anfang 2016 bekannt gab.

Zum Vergleich: Twitter/Vine haben nach eigenen Angaben 12 Millionen Nutzer pro Monat in Deutschland (Stand: März 2016). Allerdings sind damit nicht nur angemeldete Nutzer gemeint, sondern alle Internetnutzer. Weltweit haben Twitter und Snapchat etwa 150 Millionen täglich aktive Nutzer (Stand: Juni 2016). Damit ist Instagram also derzeit etwa doppelt so groß.

Diese Zahlenspielereien erzählen aber nur einen Teil der Geschichte. Schließlich kommt es für Unternehmen, Selbstständige, Freelancer und andere Profis doch sehr viel mehr auf folgende Punkte an:

  • Welche Zielgruppe erreiche ich mit den jeweiligen Angeboten und Netzwerken?
  • Welche Werkzeuge werden mir zur Verfügung gestellt: Gibt es Statistiken? Kann ich externe Tools nutzen? Kann ich Werbung schalten?
  • Welche Art von Inhalten in welchen Formaten werden von den Nutzern hier erwartet?
  • Wie einfach oder schwer ist es, sich eine aktive Followerschaft aufzubauen?
  • Welche Interaktionsmöglichkeiten (Kommentare, Likes, Shares, Klicks) sind möglich?
  • Passt der Charakter des Netzwerks zu mir und meinem Unternehmen?

Snapchat hat sich für viele Nutzer als ziemlich sperrig herausgestellt. Die Bedienung ist ungewöhnlich. Es ist schwer, andere Nutzer zu finden. Es gibt kaum Angebote für Unternehmen. Und die Tonalität von Snapchat als Plattform eignet sich längst nicht für jeden. Wer eine junge Zielgruppe erreichen will, ist hier allerdings wiederum goldrichtig. Wer mehr wissen möchte: Die Beiträge zu unserem Themenschwerpunkt „Snapchat für Unternehmen“ haben wir inzwischen alle gratis veröffentlicht.

Zum Charakter von Instagram: Es ist ein mobil geborenes Social Network, bei dem sich alles ums Visuelle dreht – hauptsächlich Fotos, aber auch kurze Videos. Instagram Stories fügt hier nun ein spielerisches Element hinzu, mit dem sich Vieles anstellen lässt, das vorher so nicht möglich oder empfehlenswert war.

Was Instagram Stories ist und kann

Was aber ist Instagram Stories und wie fügt es sich ein? Wer mag, kann sich dazu mein Video ansehen:

Hier eine kurze Anleitung und Einführung für alle, die es noch nicht ausprobiert haben.

Aus Sicht eines Veröffentlichenden

Fotos und Videos für die Story aufnehmen: Für den Start wischt man entweder auf der Startseite der Instagram-App nach rechts oder nutzen das neue Plus-Symbol oben links. Dadurch gelangt man zur neuen Kamerafunktion, die exklusiv für die Stories zuständig ist. Für Fotos tippt man auf den Auslöser, für Videos belässt man den Finger auf dem Auslöser. Natürlich kann man sowohl die vordere als auch die hintere Kamera des Smartphones benutzen. Tipp: Wenn Sie ein Video aufnehmen und den Finger nach oben bewegen, lösen Sie die Zoom-Funktion aus.

Bearbeiten und veröffentlichen: Vor dem Veröffentlichen lassen sich die Fotos und Videos mit einigen einfachen Mitteln bearbeiten: Einige der typischen Instagram-Filter stehen parat (man findet sich durch Wischen nach links und rechts), man kann Text hinzufügen und wer mag, kann mit einigen Stifttools und Farben arbeiten, um Markierungen hinzuzufügen, etwas hervorzuheben oder seiner Kreativität freien Lauf zu lassen. Ein Tap auf den Häkchen-Button unten genügt und es wird der eigenen Story hinzugefügt.

Elemente löschen und Statistiken einsehen: Ruft man seine eigene Story auf, sieht man am unteren Bildrand eine Zahl. Das sind die Abrufe. Tappen Sie einmal drauf, bekommen Sie eine Liste aller Nutzer angezeigt, die dieses Element angesehen haben. Außerdem können Sie es hier auf dem Gerät abspeichern, es auf dem eigenen Instagram-Profil posten oder ganz löschen.

Wichtig: Nutzer können Ihre Story-Elemente nicht direkt kommentieren, aber eine Nachricht schicken. Das Problem: Sie bekommen keine Notification dazu, wenn Sie diesem Nutzer selbst nicht folgen. Deshalb unbedingt regelmäßig manuell in den Posteingang schauen (das Symbol oben rechts auf der Startseite oder auf dieser Startseite nach links wischen). Wäre doch schade, wenn jemand auf Ihre Story reagiert und Sie es erst Wochen später sehen…

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Aus Sicht eines Nutzers

Ruft ein anderer Nutzer die Story auf, werden alle Elemente eins nach dem anderen angezeigt. Kleine Balken am oberen Rand zeigen, wie viele Elemente es gibt und wie lange das aktuelle noch angezeigt wird. Man kann auch manuell vor- und zurückspringen (durch Tippen auf der linken oder rechten Seite) oder zur Story des nächsten oder vorherigen Nutzers wechseln (durch Wischen nach links oder rechts).

Ist man auf der Startseite der App sieht man oben die Stories aller Nutzer, denen man folgt. Ein bunter Kreis um das Profilbild zeigt an, dass es neue Inhalte gibt, die man noch nicht gesehen hat. Wie die Stories sortiert werden, ist nicht genau bekannt. Es wird aber vermutet, dass mit einbezogen wird, wie aktiv man auf Facebook vernetzt ist. Gut möglich, dass Instagram die Interaktionen mit den Stories direkt ebenfalls mit einbezieht. Aber das ist aktuell alles noch Spekulation.

Generelles

Wie bei Snapchat bleiben alle Inhalte für 24 Stunden erhalten, bevor sie sich von selbst löschen. Man kann seine Fotos und Videos vorher manuell auf dem Gerät speichern oder dem eigenen Instagram-Profil hinzufügen.

Etwas gewöhnungsbedürftig ist, dass Instagram Stories ein separates Feature innerhalb von Instagram ist. Man hat deshalb beispielsweise zwei unterschiedliche Kamera-Funktionen in der gleichen App: Die klassische Kamera, bei der die Bilder direkt auf dem eigenen Profil landen. An ihr hat sich nichts verändert. Und eben die gerade beschriebene neue Kamera, die allein für die Stories zuständig ist – und anders aussieht und anders funktioniert.

Insgesamt gesehen ergibt es durchaus Sinn, das Stories-Feature in Instagram zu integrieren. Es erweitert meiner Meinung nach auf stimmige Art und Weise, was Instagram ist. Normalerweise geht es hier schließlich um besonders schöne, intelligente oder kreative Fotos, die in der Regel für sich alleine stehen. Manche Profi-Instagramer inszenieren gar jedes einzelne Bild. Mit dem Stories-Feature wird das etwas entschärft: Man kann und soll auch mal einfach Fundstücke abbilden, einen kurzen Gedanken in die Kamera sprechen etc. Es muss nicht alles durchgestylt sein. Zugleich kann man über mehre aufeinanderfolgende Elemente auch einen Verlauf zeigen – eine Story eben.

Es ist dabei zu erwarten, dass sich auch die Stories „professionalisieren“. Denn wer viel Zeit und Mühe investiert, kann damit ebenso wie bei Snapchat interessante Dinge anstellen. Um es auf eine Formel zu bringen: Amateurhaftigkeit wird verziehen, Professionalität zieht aber auch hier.

Was sich damit als Unternehmen, Institution, Freelancer anstellen lässt

„Storytelling“ ist das Schlagwort, das einem hier logischerweise sofort einfällt. Also Geschichten erzählen im Netz, die bestenfalls nur indirekt Marketing sind. Geschichten, die unterhalten, die informieren oder beides. Man kann mit den Fotos in einer Reihe sehr einfach solchen Geschichten erzählen. Mit den Mini-Videos eines nach dem anderen geht das je nach Thema noch besser. Und die Profis werden beides kombinieren.

Ansonsten gelten die gleichen Ratschläge wie bei Snapchat. Anregungen dazu wie gesagt in unserem Themenschwerpunkt „Snapchat für Unternehmen“. Denken Sie an Dinge wie:

  • Zeigen Sie Blicke hinter die Kulissen. Wer arbeitet an Ihren Produkten? Woran arbeiten Sie gerade generell? Wie sieht Ihr Alltag aus?
  • Erklären Sie etwas aus Ihrer Branche. Geben Sie eine Anleitung. Posten Sie nützliche Tipps und Tricks.
  • Vermitteln Sie Atmosphäre zum Beispiel bei einer Veranstaltung.
  • Achten Sie wie auch andernorts darauf, dass Ihre Aktivitäten zum Image Ihres Unternehmens passen und die gewünschte Zielgruppe ansprechen.

Die Unterschiede und Stärken gegenüber Snapchat

Jetzt stellt sich die Frage: Instagram Stories oder Snapchat Stories? Beides scheint auf den ersten Blick gleich. Aber es gibt einige Unterschiede und Instagram hat generell Stärken gegenüber Snapchat. Meine Gedanken dazu:

  • Die Zielgruppen sind andere. Snapchat erreicht sehr junge Menschen. Instagrams Nutzer sind älter.
  • Instagram ist wie oben erwähnt derzeit etwa doppelt so groß.
  • Instagram hat inzwischen Business-Profile eingeführt. Hier bekommt man bspw. statistische Auswertungen. Sehr nützlich! Im Blog von Buffer gibt es dazu einen ausführlichen Beitrag auf English.
  • Überhaupt Profile: Nutzer sind sehr viel einfacher auffindbar. Es gibt diverse Wege, um sich bekannt zu machen. Siehe dazu unseren ausführlichen Instagram-Artikel mit vielen Tipps und Hinweisen dazu, wie man mehr Instagram-Follower gewinnt.
  • Instagram hat Facebook im Rücken und ist schon länger an Facebook Ads angebunden. Man kann hier also auch leicht Anzeigen schalten.
  • Die Inhalte sind bei Instagram nicht allein in der App zu finden, sondern auch im Web.
  • Wer will, kann besonders gelungene Schnappschüsse und Videos sehr einfach dauerhaft im eigenen Profil speichern. Hier geht Snapchat gerade mit dem „Memories“-Feature in eine ähnliche Richtung: Die so gespeicherten „Snaps“ sind aber derzeit nur für den jeweiligen Nutzer sichtbar.

Aus meiner Sicht ist Instagram das ausgereiftere Angebot. Logisch: Es ist ja auch schon ein gutes Stück älter. In diesem Jahr hat es zugleich stark Gas gegeben: neues Logo und neues App-Design, algorithmischer Feed, Business-Profile und -Werkzeuge sind hier nur einige Beispiele. Facebook will Instagram ganz offensichtlich auf die nächste Stufe heben.

Siehe dazu auch mein Video über die Neuerungen:

Fazit und Ausblick

Mit Blick auf die Funktionen gibt es Dinge, die bei Instagram Stories noch fehlen. So lieben viele Snapchat-Nutzer die kreativen Filter, mit denen sich die Fotos sehr leicht und kreativ verfremden lassen (vor allem die Selfies!). Solche Funktionen kann Instagram aber natürlich leicht ergänzen, sollte es einen Bedarf dafür sehen. Spannend wird sein, welche neuen Ideen die Instagram-Macher einbringen, die über Snapchat hinausgehen.

Die Instagram Stories sind aus meiner persönlichen Sicht dazu da, um Snapchats Wachstum auszubremsen – vor allem bei Zielgruppen von 25 Jahren an aufwärts. Zudem kopiert es ein Feature, das offensichtlich gut ankommt und viel Potenzial hat. Der Trend geht hin zu „Dark Social“, wie auch schon in unserer Ausgabe zum Marketing der Zukunft zu lesen war: Nutzer ziehen sich aus dem öffentlichen Teil des Social Webs zurück. Messenger sind hier ein großer Trend und „ephemere“ Dienste wie Snapchat, bei denen die Inhalte von allein wieder verschwinden. Facebook will nicht zurückfallen. Deshalb haben sie den Messenger zum eigenständigen Dienst gemacht und deshalb haben sie WhatsApp gekauft.

Ihre Investition in Instagram hat sich inzwischen zigfach bezahlt gemacht. 1 Milliarde US-Dollar haben sie 2012 bezahlt. Das erschien vielen verrückt, denn Instagram war gerade einmal 18 Monate alt, hatte 13 Mitarbeiter und 30 Millionen Benutzer. Vier Jahre später sieht die Rechnung nun ganz anders aus.

2013 wollte Mark Zuckerberg den Trick mit Snapchat wiederholen und bot 3 Milliarden US-Dollar. Snapchat-CEO Evan Spiegel lehnte dankend ab.

Mit Instagram Stories hat Facebook nun endlich, was es damals wollte. Facebooks frühere Anläufe für einen Snapchat-Konkurrenten wie die Apps „Poke“ und „Slingshot“ waren Flops. Mit Instagram Stories könnten Mark Zuckerbergs Leute diesmal die richtige Formel gefunden haben. Aus meiner Sicht ergänzt dieses Feature Instagram sinnvoll.

Jetzt entscheiden die Nutzer.

Tipps zum Weiterlesen

P.S.: Wir haben einen experimentellen Instagram-Account: @uploadmag

Artikel vom 07. September 2016