Wie sich Blogs, Twitter und Lifestreams gegenseitig ergänzen

Falls Ihr es noch nicht wusstest: Blogs sind tot. Schon wieder? Ja. Weil der Admartinator sein Blog dichtgemacht hat, ist eine Diskussion vom August jetzt wieder hochgekocht: Haben Blogs gegen automatisch generierte Seiten („Lifestreams“) überhaupt eine Chance? Natürlich, weil das eine mit dem anderen so viel zu tun hat wie Fernseher und Fernsehzeitschrift. Je nach Situation und Zielsetzung sind die unterschiedlichsten Verbreitungswege sinnvoll. Aber das ist eigentlich nichts Neues. Es sieht nur mal wieder so aus.

Kommunikation
Alles ist Kommunikation… © bilderbox – Fotolia.com

Eigentlich könnte ich gut auf meinen Artikel vom August verweisen, um auf die aktuelle Diskussion bei Robert Basic zu antworten. Viele interessante Meinungen gab es auch im Zuge meiner Anregung, über die Zukunft des Bloggens zu diskutieren. Schließlich ging es auch dort schon um die Frage, ob Lifestreams das Ende für Blogs sind.

Aus meiner Sicht stellt sich diese Frage gar nicht.

Ausgangslage: Kommunikation

Bei allem geht es um Kommunikation, die Verbreitung von Information. Das ist nun wirklich nichts Neues. Sprache dient uns seit vielen tausend Jahren dazu, später kam die Schrift hinzu. Die technischen Wege zur Verbreitung werden im Laufe der Zeit immer vielfältiger und ausgefeilter. Die Erfindung des Papiers war ein wichtiger Meilenstein, später der Buchdruck, die Verbreitung von Bild und Ton per Radiowellen kamen hinzu. Nun das Internet.

Wir haben daneben viele Möglichkeiten, persönlich miteinander zu kommunizieren: Zuerst das direkte Gespräch, später auch Briefe, das Telefon, heute dazu noch E-Mail und Instant Messaging (ICQ, AIM, Skype etc.).

Niemand würde einen dieser Wege gegen den anderen ausspielen. Manchmal ist es sinnvoll, jemanden anzurufen. In anderen Situationen schreibe ich eine E-Mail. Manchmal landet eine Information gedruckt in einem Buch, manchmal wird sie im TV ausgestrahlt oder im Internet zum Beispiel auf einer Website veröffentlicht.

Alles das existiert gleichzeitig und aus gutem Grund: Jede dieser Möglichkeiten hat spezifische Stärken und Schwächen, die je nach Situation und Zielstellung mal das eine, mal das andere sinnvoll erscheinen lassen.

Ebenso ist es mit Blogs, Twitter und Lifestreams.

Blogs, Twitter und Lifestreams: Was kann was?

Blogs brauche ich hier wohl nicht lange zu erklären. Jeder hat die Möglichkeit, darüber Informationen aller Art zu verbreiten. Es ist eine besondere Form der Website, bei der die Inhalte in der Regel umgekehrt chronologisch erscheinen und zusätzlich durch Rubriken und Schlagwörter sortiert werden können. Blogs regen zur Diskussion an: Direkt unter dem Beitrag, aber auch in anderen Blogs, da sie sich weitgehend automatisiert miteinander verknüpfen. Auf diese Weise sind Blogs oftmals stärker miteinander verknüpft als andere Websites. Nicht von ungefähr ist der Begriff „Blogosphäre“ entstanden.

Twitter ist ein Dienst, bei dem ich Kurznachrichten von maximal 140 Zeichen Länge veröffentlichen kann. Wer will, kann sich diese Nachrichten von anderen abonnieren. Rund um Twitter hat sich ein ganzes Universum von Diensten entwickelt, das weiter expandiert und aus dem zunächst sehr simplen Dienst sehr viel mehr macht. Inzwischen kann man beispielsweise auch Bilder und Videos indirekt auf Twitter veröffentlichen und vieles mehr. Man kann diese Nachrichten außerdem sehr einfach von unterwegs schreiben und lesen. Laconica ist wiederum eine Möglichkeit, einen solchen Microblogging-Dienst selbst zu starten. Das ganze beruht auf Open Source und dem OpenMicroblogging-Protokoll. In der Praxis heißt das: Alle Dienste auf Basis von Laconica können miteinander kommunizieren und bilden damit einen großen, dezentralen Gegenentwurf zu Twitter.

Bei Lifestreams wiederum geht es darum, alle Aktivitäten des Nutzers im Internet auf einer Seite automatisch zu sammeln (zu „aggregieren“). Das können seine Blogpostings und Twitter-Nachrichten sein, aber auch seine bei delicious.com abgespeicherten Links, bei Flickr hochgeladene Fotos oder bei YouTube als Favorit gekennzeichnete Videos. Was auf der Seite erscheint, bestimmt man selbst. Andere können diese Inhalte ebenfalls abonnieren. Viele nutzen aktuell Dienste wie FriendFeed dazu. Man kann sich aber mit Tools wie Sweetcron auch einen Lifestream auf dem eigenen Server/Webspace einrichten – ähnlich wie man mit WordPress ein eigenes Blog aufsetzt. In Roberts Artikel habe ich diese schöne Sammlung von Sweetcron-Beispielen gefunden. Mehr über Sweetcron in diesem UPLOAD-Artikel.

Wozu Bloggen?

Im Vergleich zu Twitter und Lifestreams ist das Bloggen behäbig und umständlich. Bei Twitter kann ich aus praktisch jeder Situation heraus etwas veröffentlichen und halte mich dabei bedingt durch das Format von allein sehr kurz. Ein Lifestream macht gar keine eigene Arbeit: Er entsteht ja automatisch aus dem, was ich sowieso tue.

Das Blog aber bietet mir im Vergleich zu Twitter und Lifestream sehr viel mehr Platz für meine eigenen Gedanken und vor allem auch für die Diskussion mit anderen. Wenn ich selbst etwas mitzuteilen habe und mich mit anderen darüber austauschen möchte, wähle ich das Blog als Medium.

Wozu Twittern?

Im Vergleich zu Blogs habe ich bei Twitter überhaupt gar keinen Platz und Diskussionen sind zwar möglich, aber denkbar umständlich nur über die „@-Replies“: Ich antworte in einer Twitter-Nachricht auf eine andere Twitter-Nachricht.

Dafür eignet sich Twitter aber ausgezeichnet für das schnelle Verbreiten von Informationen. Das können Erlebnisse und Meinungen sein, aber auch Links, Fotos oder Videos. Zudem kann man Twitter beispielsweise für spontane Umfragen unter den Abonnenten („Followern“) nutzen. Das geht bei Twitter alles sehr viel schneller als das mit einem Blog überhaupt möglich wäre.

Wenn ich schnell etwas verbreiten, nur einen einzelnen Eindruck oder Gedanken vermitteln will, dann ist Twitter mein Verbreitungsweg der Wahl.

Wozu Lifestreaming?

Bei einem Lifestream wiederum kann ich kaum eigene Gedanken einbringen. Es geht mehr darum, was ich tue und was mich interessiert.

Er ist somit immer dann wunderbar geeignet, wenn ich zu wenig Zeit habe, um über jede kleine Entdeckung ein Blogposting zu schreiben. Und man sollte nicht vergessen: Manche von den Menschen da draußen haben einen Job oder ein Leben neben dem Internet. Doch, das gibt’s wirklich! Für die ist Lifestreaming eine tolle Sache. Und wenn es einen interessanten Menschen gibt, bei dem ich wissen möchte, was ihn aktuell gerade beschäftigt, abonniere ich seinen Lifestream sehr gern.

Mein Fazit dazu

Blogs sind nicht tot, Twitter ist nicht sinnlos und Lifestreams sind nicht kalt und leblos. Alles hat neben dem anderen seine Berechtigung. Es kommt immer darauf, was und wen ich gerade in diesem Moment erreichen will.

Einen Artikel wie diesen kann ich nur über mein Blog verbreiten. Automatisch landet er in meinem Lifestream. Und sobald ich ihn veröffentlicht habe, werde ich meine Follower bei Twitter darauf aufmerksam machen.

Artikel vom 01. Januar 2009