Netz im Netz: Zukunftsmodell Blogverbund?

Obwohl viele Weblogs fachlich fundierte, aktuelle und interessante Informationen bieten, werden sie von der potenziellen Leserschaft kaum gefunden. Sie sind zu klein, um im Stimmengewirr des Internets gehört zu werden. Ein Blogverbund könnte das ändern. Damit das tatsächlich klappt müssen aus meiner Sicht aber drei Voraussetzungen erfüllt sein. Und nicht zuletzt darf der wichtigste Faktor, der hinter allen erfolgreichen Weblogs und Podcasts steckt, nicht vergessen werden.

Vorweg: So würde das Netzwerk aussehen

Damit gleich klar ist, worauf ich eigentlich hinaus will, hier einmal eine grobe Beschreibung eines solchen Blognetzwerks. Die Begründung dafür folgt weiter unten.

Das Blognetzwerk bestünde aus Weblogs, die bereits seit geraumer Zeit aktiv sind. Die Blogger haben bereits gezeigt, dass sie regelmäßig zu ihrem Thema etwas berichten wollen und können. Sie haben sich dadurch auch bereits einen Stamm von Lesern erarbeitet.

Diese Weblogs, die Blogger und ihre Leser sind die Basis des Verbundes.

Diese Blogger schließen sich freiwillig zu einem Netzwerk zusammen. Sie geben dem Projekt einen griffigen Namen und ein schickes Logo, das alle Teilnehmer mit Stolz führen.

Hauptanlaufpunkt des gesamten Netzwerks ist eine komplett neue Seite. Diese Seite übernimmt eine wichtige Aufgabe, denn sie ist das Aushängeschild und führt Leser zu den Weblogs, die sonst mit Blogs noch nicht viel am Hut hatten. Auf dieser zentralen Eingangsseite finden sich mindestens zwei Hauptinhalte:

  1. Ausgewählte und aktiv zusammengestellte Artikel aus den teilnehmenden Weblogs
  2. Nützliche Basisinformationen zum Oberthema des Blogverbundes

Diese Hauptseite speist sich also aus allen Weblogs. Die Blogger schreiben wie gewohnt ihre Artikel, eine kleine Gruppe liest alles und erstellt daraus eine eigene Seite. Neben diesen aktuellen Beiträgen sind die Basisinformationen wichtig, um auch Neulinge an das Thema heranzuführen und neue Leser zu gewinnen. Gute und nützliche Inhalte sind zudem ein Garant, um von außen verlinkt und damit besser gefunden zu werden.

Diese zentrale Seite ist sehr wichtig für den Erfolg des Netzwerks. Sie sollte so gut gemacht sein, dass sie zu einer Autorität in ihrem Themengebiet wird.

Sinnvoll wäre es, diese Hauptseite noch weiter zu denken. Neben den aktuellen Inhalten aus den Weblogs und den grundlegenden Basisinformationen wären Newsletter zu verschiedenen Themen oder ein Forum eine gute Idee. Weitere Angebote ergeben sich aus dem Thema und der Zielgruppe. Wie Problogger Darren Rowse neulich in seinem Artikel „How Blogs Will Merge with Other Types of Websites“ schrieb, werden Weblogs mit anderen Website-Arten verschmelzen. Robert Basic hatte beispielsweise die Idee aufgebracht, aus Weblog-Kommentaren ein Forum zu speisen, das wiederum die Weblogs speist. Aber das ist ein Thema für einen eigenen Artikel.

Klar ist aber: Weblogs können die Kristallisationskeime für wesentlich größere Projekte werden.

Gründe für ein Blognetzwerk

Das Blognetzwerk, das ich mir vorstelle, besteht somit nicht lediglich aus einer Verlinkung zwischen den Blogs. Es ist viel mehr. Alle Blogger arbeiten, ohne etwas an ihrer eigenen Arbeit ändern zu müssen, auch an einem gemeinsamen, größeren Projekt.

Und dieses größere Projekt hat dann Kapazitäten, um zu bestimmten Themen Specials zusammenzustellen und aktive Presse- und Blogarbeit zu machen. Anders gesagt: Gerade weil Blogger bislang meistens nebenher schreiben, ist eine Zusammenarbeit mit anderen sinnvoll. Man kann sich Aufgaben teilen. Beispiel: Man möchte die zehn besten Alternativen zu Microsoft Word vorstellen. Ein Blogger dürfte damit überfordert sein, zehn ausführliche Beispiele und Vergleiche zu schreiben. Zehn Blogger dürften es aber hinbekommen, jeweils einen Text zuzuliefern.

Mal ganz abgesehen davon, dass es die Kreativität enorm befördert, sich gemeinsam mit einer Sache auseinanderzusetzen, anstatt immer nur allein über Ideen und Themen zu brüten. Siehe dazu beispielsweise Alexander Balows Artikel „Bloß nicht im eigenen Saft schmoren“.

Noch mehr Gründe für ein Blognetzwerk

Weblogs sind nur schwer zu finden. Das ist beispielsweise auch eines der Ergebnisse der Blogstudie 2007. Dabei sind Blogs grundsätzlich in Suchmaschinen recht gut vertreten. Man gewinnt als Außenstehenden aber nur schwer einen Überblick.

Einem Außenstehenden vermitteln Blogs zudem selten das Gefühl, hier komplett informiert zu werden. Profinutzer sammeln alle RSS-Feeds in ihrem Reader und haben dadurch einen recht guten Überblick. Das ist aber nicht, was die Masse der Internetnutzer will. Sie möchte, wie bei anderen Medien auch, zumindest eine gewisse Vorauswahl und Gewichtung präsentiert bekommen, ohne sich alles mühsam selbst zusammensuchen zu müssen. Zudem mögen viele das Gefühl, gut informiert zu sein.

Ein aktiv betreutes Blognetzwerk mit einer zentralen Seite könnte sowohl die Blogleser als auch die übrigen Informationshungrigen bedienen. Die Weblogs bleiben wie bisher bestehen, deren Leser müssen sich nicht umstellen. Aus allen Artikeln und dem Fachwissen der Blogger entsteht zugleich aber eine Informationsseite, die es in der Tiefe und Vielfalt der Informationen mit einem professionellen Verlagsprodukt aufnehmen kann und es in fachlichen Fragen sogar hinter sich lassen kann. Da muss dann nicht alles perfekt durchgestylt sein. Aber es muss übersichtlich, verständlich und glaubwürdig sein.

Ein solches Blognetzwerk funktioniert aus meiner Sicht unter drei Voraussetzungen:

1. Voraussetzung: klares Profil

Der Verbund muss sich auf ein Spezialthema beschränken. Beispiele und Anregungen dazu führe ich noch in einem gesonderten Artikel auf.

Bunte Blognetzwerke mit einer Vielzahl von Themen werden nicht benötigt, weil das die Blogosphäre von Natur aus schon wesentlich besser kann.

Das klare Profil des Netzwerks drückt sich auch im Namen und im Logo aus. Alle teilnehmenden Blogger haben eine Grundvorstellung, warum sie bloggen, was sie rüberbringen wollen und an wen sie sich wenden. Diese Zielgruppe haben sie beim Schreiben im Hinterkopf.

2. Voraussetzung: Freiwilligkeit

Ein Blogverbund wird nur überleben, wenn die Teilnehmer selbst von der Idee überzeugt sind. Wenn Sie nur des Geldes oder des „Ruhmes“ wegen an einem solchen Netzwerk teilnehmen, wird es schiefgehen.

3. Voraussetzung: Zusammenarbeit

Wie oben schon erwähnt: Es ist wichtig, dass die Weblogs auf der einen Seite so bestehen bleiben, wie sie vorher waren. Die Blogger müssen an ihrer Arbeitsweise oder ihrer Seite nichts Wesentliches ändern. Es kommt nur etwas Neues hinzu: Der Austausch und die gelegentliche Zusammenarbeit mit anderen. Ist das Netzwerk freiwillig entstanden, sollte das kein Problem sein. Dann wird das Netzwerk als große Chance begriffen und genutzt.

Weitere Erfolgsfaktoren

Neben der gut gestalteten zentralen Seite, vielen spannenden Artikeln und Specials sowie einem einprägsamen Namen und einem wiedererkennbaren Logo gehört auch eine aktive Presse- und Blogarbeit dazu. Wurde ein neues Themenspecial erstellt, sollen es auch alle erfahren. Aktive Blogger haben bereits ihre Kanäle, um besondere neue Inhalte bekannt zu machen. Auch das wieder ein Grund, warum das Blognetzwerk nicht künstlich geschaffen werden sollte, sondern stattdessen besser bereits bestehende und funktionierende Blogs vereint.

Und der wichtigste Faktor

Spaß. Wenn das Netzwerk den Beteiligten keinen Spaß mehr macht, zerfällt es. Genauso wie nur ein leidenschaftlich geführtes Blog oder ein mit Energie und Lust gemachter Podcast letztlich zum Erfolg führen, wird ein Blognetzwerk nur dann bestehen, wenn die Mitglieder voller Überzeugung dabei sind.

Gekaufte und künstlich aufgebaute Blognetzwerke wie beispielsweise Germanblogs werden das kaum leisten können. Vor allem, wenn sie kein klares Ziel vor Augen haben. Germanblogs ist ein Sammelsurium der verschiedensten Themen, die allerdings an anderer Stelle der Blogosphäre oftmals besser behandelt werden. Viele Blogger haben kaum Blog-Erfahrung. Hauptgrund fürs Bloggen war die zeitweilige Bezahlung. Seitdem die nicht mehr in dem Maße fließt, geht es auf Germanblogs sehr gemächlich zu.

Ähnlich wie die Readers Edition hat Germanblogs das Problem, das zunächst die leere Hülle da ist, die dann gefüllt werden muss. Ein Blognetzwerk würde genau umgekehrt vorgehen: Der Inhalt ist schon da, nun wird die gemeinsame Hülle geschaffen.

Aus meiner Sicht ist das das natürlichere Vorgehen. Denn wer bringt denn zunächst eine leere Zeitung oder ein leeres Magazin auf den Markt, und kümmert sich erst danach um Artikel und Autoren? Es ist verwunderlich, dass hinter Germanblogs ein erfahrener Verlag wie Holtzbrinck steht und dieses Grundwissen des Publizierens missachtet. Aber egal, das eröffnet um so mehr Chancen für Blogger und Podcaster.

Und warum eigentlich nur Blogs?

Apropos Podcaster: Das Internet ist inzwischen so multimedial wie vor vielen Jahren prognostiziert. Audio- und Videoinhalte werden in großen Mengen auch von privaten Nutzern erstellt. Es gibt Podcasts zu den verschiedensten Themen, darunter viele qualitativ hochwertige Beispiele. Auch diese Angebote sollten in ein gutes Netzwerk integriert werden. Interviews sind in einem Podcast lebendiger, viele Dinge lassen sich per Video besser zeigen. Und herumexperimentieren kann man mit diesen Medien ebenfalls herrlich. Die Nutzer des Blognetzwerks wird es begeistern. Man stelle sich mal vor, es gäbe dann zu einem Sonderthema nicht nur diverse nützliche Artikel, sondern auch noch Audio- und Videoangebote. Da könnten selbst die Profi-Angebote nur noch schwer mithalten.

Plötzlich würden mehr Menschen entdecken, wie viele nützliche, hilfreiche und fundierte Informationen im Internet abseits der großen und bekannten Medienmarken verborgen sind. Und die Blogs, die bis dahin einzeln unbedeutend und unbekannt waren, haben in gemeinschaftlicher Arbeit etwas Größeres geschaffen.

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Gastbeitrag von Christian Schenkel (swissblogpress) bei UPLOAD: Braucht es ein Blognetzwerk?

Don Alphonso: Nischenblogs: Schnibbeln am langen Schwanz

Artikel vom 12. Februar 2007