Wer nicht verlinkt, schneidet sich ins eigene Fleisch

Zum Thema Links kursieren eine Menge seltsamer Ansichten, die dazu führen, dass manche Menschen damit sehr sparsam umgehen. Die Argumente dafür wirken logisch – sind es aber nur auf den ersten Blick. Tatsächlich gibt es gute Gründe, auf andere Websites zu verweisen. Und das gilt ganz besonders, wenn sie „Konkurrenten“ sind. Warum das so ist, möchte ich hier gern erklären.

Mit der Aktion „Ein Herz für Blogs“ wollte der StyleSpion dieser Tage auch eine gewisse Linkzurückhaltung durchbrechen, die sich in deutschen Blogs eingeschlichen zu haben scheint. Zum Glück hatte er damit einen durchschlagenden Erfolg und vielen ist vielleicht wieder einmal bewusst geworden, wie schön es eigentlich ist zu verlinken und verlinkt zu werden. Es hat mit Wertschätzung zu tun, aber auch damit, seinen Lesern etwas zu empfehlen.

Links sind eine tolle Sache – auch wenn manche anderes behaupten. Zwei Argumente begegnen mir da immer wieder.

Die zwei größten Irrtümer in Sachen Links

1. Wenn wir verlinken, schicken wir unsere Leser weg.
Das bedeutet: Die Leser könnten ja feststellen, dass die verlinkte Seite mindestens genauso spannend ist – oder vielleicht sogar noch spannender. Das will man natürlich nicht. Soll der andere doch zusehen, wie er an Leser kommt. Die eigenen hälten man auf der eigenen Website gefangen, solange es eben geht.

2. Wenn wir verlinken, verschenken wir „Linkjuice“.
„Linkjuice“ ist einer dieser unsäglichen Begriffe, die im Zusammenhang mit Suchmaschinenoptimierung kursieren. Sie werden von vielen nachgeplappert, ohne selbst das Hirn angestrengt zu haben. Das Argument geht so: Google weist jeder Website einen gewissen Wert zu, der sich unter anderem aus der Zahl und Art der Links berechnet, die darauf verweisen. Diesen Wert (oder eben auch „Juice“) gibt diese Seite durch ihre weiterführenden Links anteilig weiter. Die Argumentation der Suchmaschinenoptimierer ist nun: Diesen Wert solle man den eigenen Seiten geben, also lieber intern verlinken, und nicht an jemanden verschenken.

Was an diesen Argumenten falsch ist

Bleiben wir bei der Suchmaschine. Ja: Google berechnet einen solchen Wert. Aber der ist nur ein Maßstab unter sehr vielen für den Gesamtwert einer Website. Wer sich intensiv mit Suchmaschinenoptimierung beschäftigt und eigene Versuche unternommen hat, der weiß: Links auf externe Seiten können die eigene Position in Suchergebnissen verbessern.

Warum ist das so? Weil Google diese Links zum einen noch genauer zeigen, worum es auf der eigenen Seite geht. Auch die Inhalte des Linktextes und der Zielseite werden miteinbezogen. Zum anderen mag Google Seiten, die nicht nur gute eigene Inhalte haben, sondern auch noch auf gute weitere Inhalte zum selben Themenbereich verweisen. Die Logik dahinter ist einfach: Google denkt an den Nutzer. Für den ist eine Seite mit guten externen Links einfach sehr viel mehr wert.

Und damit sind wir auch bei den Nutzern und beim zweiten Argument: Wer seine eigene Seite für so schlecht hält, dass er es nicht wagt, auf thematisch ähnliche Seiten zu verlinken, sollte sie am besten gleich dichtmachen – oder verbessern. Leser lieben es, wenn man ihnen die besten und wichtigsten Links gibt. Sie kehren gern auf die Seite zurück, wo sie diese Links finden, denn dann müssen sie sie nicht selbst suchen. Beste Beispiele dafür sind erfolgreiche Blogs wie Basic Thinking oder Nerdcore, die sich in weiten Teilen der „Trüffelsuche“ verschrieben haben. Gerade deshalb werden sie gelesen.

Die Konsequenz daraus

Google mag es, wenn Du auf gute, inhaltlich passende Seiten verlinkst und belohnt Dich dafür. Deine Leser mögen es, wenn Du auf gute, inhaltlich passende Seiten verlinkst und belohnen Dich dafür.

Es kann nur eine logische Konsequenz geben: Verlinke auf gute, inhaltlich passende Seiten – und zwar so oft es nur geht.

Jetzt.

P.S.

Ja, bei der Aktion „Ein Herz für Blogs“ habe ich leider mit UPLOAD nicht mitgemacht. Das hatte einfach Zeitgründe. Ich versuche allerdings mit UPLOAD immer so zu handeln, wie ich es oben beschrieben habe. Und das werde ich in nächster Zeit noch verstärken. Ich habe kein Problem damit, auf Seiten wie die Blogpiloten oder freshzweinull zu verweisen – gerade wenn sie Themen haben, die ich zu gern auch auf UPLOAD gehabt hätte. Neid und Missgunst sind hier einfach deplatziert. Das bringt uns nicht weiter. Und die Leser haben erst recht nichts davon. Oder wie seht Ihr das?

Artikel vom 22. April 2009