Linkbaiting: Sinn und Unsinn des gezielten Linksammelns

Nicht nur Suchmaschinenoptimierer wissen: Links sind wertvoll. Sie können für höhere Positionen in Suchmaschinen und mehr Besucher sorgen. Kein Wunder, dass sich mancher dazu hinreißen lässt, Links gezielt anzulocken. „Linkbaiting“ nennt sich das dann. Wie das funktioniert, warum das sinnvoll sein kann und wann es vollkommen fruchtlos bleibt, habe ich in diesem Artikel einmal zusammengefasst.

Wozu Links sammeln?

Wenn Google seinen Pagerank berechnet, spielen die Links darin nach offizieller Lesart die Hauptrolle. Die Grundidee: Wer von vielen Seiten verlinkt wird, hat wohl interessante Inhalte zu bieten. Wenn unter den Linkgebern wiederum vielverlinkte Seiten sind potenziert sich dieser Effekt. Für die Berechnung der Ergebnislisten bei Google und anderen Suchmaschinen spielen die Links und insbesondere die Linktexte noch immer eine wichtige Rolle.

Auch die Blogsuchmaschine Technorati setzt auf dieses Pferd. Hier steht derzeit allerdings nicht die pure Zahl der Links im Mittelpunkt, sondern die Zahl der verlinkenden Weblogs. Weitere Gewichtungen nimmt Technorati nicht vor. Ein Link von einem kleinen Blog hat dasselbe Gewicht wie von einem großen. Allerdings wurde diese Zahl gerade in einen neuen Wert namens „Authority“ („Autorität“) übernommen. Wer weiß, wie Technorati diese Kennziffer weiterentwickelt.

Diese Technorati-Zahl ist nun wiederum die Grundlage für Projekte wie die Deutschen Blogcharts.

Links können somit indirekt über bessere Positionen in Suchmaschinen und Blog-Hitlisten neue Besucher und Stammleser bringen. Im besten Fall tun sie es auch direkt als Empfehlung eines anderen Blogs. Neue Stammleser zu gewinnen sollte aus meiner Sicht der Hauptgrund für Linkbaiting sein. Denn Spitzenpositionen in einer der diversen Blog-Hitlisten sind an sich erst einmal wertlos – außer fürs eigene Ego vielleicht.

Strategien für mehr Links

Mit einem Weblog lassen sich recht gut neue Links bekommen, da das Verlinken anderer Seiten und insbesondere anderer Weblogs eine der wesentlichen Grundlagen des Bloggens ist. Man kann sagen: Es gehört zu seinem Wesen. Das wird auch so bleiben, so lange Neid und Missgunst nicht um sich greifen.

Negative Reaktionen wirst Du auslösen, wenn Deine Aktion allzu vordergründig aufs Linkbaiting ausgerichtet ist. Blogger sind sehr kritische Internetnutzer und lassen sich ungern über den Tisch ziehen. Wenn Du etwas erreichen willst, musst Du ihnen schon etwas bieten.

Beispiele:

  • Eine ausgezeichnete Strategie ist es, die Blogosphäre mit sinnvollen Kommentaren zu bereichern. Nicht selten ist die Diskussion zu einem Beitrag interessanter und gehaltvoller als der Beitrag selbst. Hier hast Du praktisch immer die Chance, Deine Blogadresse anzugeben. Die Kommentare aber bitte nicht mal eben schnell hinpfuschen. Erstens sind sie Deine Visitenkarte und zweitens fliegen nutzlose Kommentare bei manchen Bloggern direkt wieder raus.
  • Eine noch bessere Möglichkeit ist es, auf den Artikel mit einem ausführlichen eigenen Artikel zu reagieren. Dann kannst Du über einen Trackback (Trackback?) oder Pingback (Pingback?) auf Deinen Artikel aufmerksam machen und ihn mit dem anderen Blog verknüpfen. Wichtig: Schicke nie, nie, nie einen Trackback, wenn Du nicht in Deinem Artikel auf das andere Weblog oder dessen Artikel verlinkst. Andernfalls wird Dein Trackback (zu Recht) als Spam angesehen und entsprechend behandelt. Und sobald Du erst einmal auf den Listen der Anti-Spam-Dienste wie Akismet gelandet bist, ist der Ofen in Sachen Trackback/Pingback aus. Ein klassisches Eigentor.
  • Eine gute Chance auf einen Moment Berühmtheit sind (natürlich) nützliche, eigene Inhalte, die sonst keiner hat. Immer wieder gern verlinkt werden Listen und Tutorials. Nimm Dir ein Thema vor und erkläre es möglichst umfassend von A bis Z. Sollte Dein Blog noch sehr klein sein, bekommt Dein aufopferungsvolles Tun vielleicht keiner mit. Dann versuch doch mal, Dich an den ein oder anderen Blogger aus Deinem näheren und weiteren Bekanntkreis zu wenden und um einen Link zu bitten. Oder schick eine nette, kurze (!) Mail an einen bekannteren Blogger. Die Option gilt natürlich nur, solltest Du ihn nicht zwecks Linkbaiting einmal in der Luft zerrissen haben (s.u.). Längst nicht jeder kann damit entspannt umgehen…
  • Biete ein nützliches oder witziges oder noch besser ein nützlich-witziges Tool. Ein Spezi dafür ist beispielsweise DonsTag. Bei ihm kannst Du u.a. herausfinden, welchem A-Blogger Du ähnlich bist (und welche Strategien für den kommenden grandiosen Erfolg des eigenen Blogs sich daraus ergeben) oder welchen Weg sein Blogstöckchen gegangen ist. Moment mal: Blogstöckchen?
  • Ein Blogstöckchen ist eine weitere Möglichkeit. Dabei denkst Du Dir einen Fragestellung oder einen ganzen Fragenkatalog aus und gibst das an drei, vier, fünf Blogger weiter. Die sollen das in ihrem Blog beantworten und ihrerseits an drei, vier, fünf Blogger weitergeben. So wachsen thematisch zusammenhängende Artikel quer durch die Blogosphäre. Mit ein bisschen Glück wirst Du dabei noch eine ganze Weile als Urheber des Stöckchens genannt – und verlinkt.
  • Eine weitere Methode ist sehr old school aber dennoch wirksam: ein Gewinnspiel. Verlose etwas unter Bloggern, die beispielsweise zu einem bestimmten Thema einen Artikel schreiben und auf Dich verlinken. Problogger Darren Rowse macht sowas gern unter dem Titel „Group Writing Project“. Hier zum Beispiel der Aufruf vom Dezember 2006.
  • Nächster Tipp: der „Blogkarneval“. Darunter versteht man eine Aktion, bei der Blogger zu einem bestimmten Thema Artikel zur Verfügung stellen. Diese Artikel werden entweder auf dem veranstaltenden Blog veröffentlicht oder verlinkt. Eine solche Aktion braucht allerdings einiges an Vorbereitung. So sind beispielsweise zunächst einmal ein gutes Thema und passende Blogs herauszufinden. Am Ende kann dabei aber ein Special entstehen, das Dir nicht nur Links von den teilnehmenden Blogs, sondern auch von vielen anderen einbringt.
  • Alles zu mühsam? Dann habe ich noch zwei Tipps für Dich. Immer wieder hervorragend funktioniert es, über bekannte A-Blogs herzuziehen und zu motzen. Mein Stil ist das nicht, aber andere haben das schon erfolgreich als Strategie getestet. Manchmal sicher gar nicht mit dem Hintergedanken, dafür Links einzusammeln. Nimm Dir also die Deutschen Blogcharts vor, schau Dir die Top-Blogs dort an und zieh über den einen oder anderen ordentlich her. Achtung: Nicht beleidigend werden, sonst wird’s unschön. Aber zu meckern gibt es ja immer was. Der eine postet zu viel, der andere zu wenig, der eine zu durcheinander, der andere immer wieder dasselbe, der eine zu kommerziell, der andere nur wirres Zeug… Möglichkeiten gibt es also genug. Du musst Dir nur im Klaren darüber sein, ob Du wirklich als Motzblogger bekannt werden willst. Übrigens: Sollte der Angemotzte nicht reagieren, einfach weitermachen. Irgendwann kann er einfach nicht mehr.
  • Du kannst alternativ auch über etwas anderes herziehen, was andere Blogger gut kennen. Das nennt man dann „Rant“. Alte Journalisten kennen sowas noch als „Schmähkritik“. Aber in den klassischen Medien ist das ein wenig aus der Mode gekommen. Es ist allerdings auch eine große Kunst, einen wirklich guten Verriss einer Sache zu schreiben. Es reicht nicht, einfach alles ins Netz zu rotzen – naja, manchmal reicht auch das.

Meine eigenen Erfahrungen

Mein Blog-Karneval namens „UPLOAD-Einweihungsfete“ hat mir nicht nur ein lesenswertes Special eingebracht, sondern auch sehr wertvolle Links von Achim Schaffrinna, Gerrit van Aaken und Robert Basic. Deren Links brachten nicht nur den ersten Besucherschub für mein noch junges Projekt, sondern vor allem viele neue Stammleser.

Das UPLOAD-Blogstöckchen machte mich vor allem auf viele neue Blogs aufmerksam und lieferte mir zahlreiche interessante Artikel und Meinungen. Die konnte ich in einem eigenen Artikel zusammenfassen. Damit UPLOAD als Urheber des Blogstöckchens nicht so schnell in Vergessenheit gerät, habe ich die Aktion mit einem kleinen Gewinnspiel gekoppelt, was auch ganz gut funktioniert hat. Nicht unterschätzen darf man den Aufwand, die teilnehmenden Artikel tatschlich alle aufzurufen und durchzulesen. Aber interessant war’s.

Dass Spaß, Humor und Unsinn immer noch am meisten Aufmerksamkeit produzieren, hat der Web-2.0-Ruheraum alleinr bewiesen. Er ist seit Wochen der größte Besucherlieferant, noch weit vor Google oder anderen Blogs. Allerdings zeigt sich hier auch, dass viel „Traffic“ allein nichts zu bedeuten hat, denn nur vergleichsweise wenige Besucher werden zu Stammlesern, die RSS-Feed oder E-Mail-Newsletter abonnieren.

Ausführlicher zu diesen und anderen Aktionen mein Fazit aus dem April: UPLOAD – die ersten drei Monate.

Wann Linkbaiting etwas bringt

Viele neue Links, viele neue Besucher klingt erst einmal prima. Aber wie machst Du denn nun aus den Besuchern neue Stammleser. Hier ein paar Tipps:

  • Idealerweise sollten die neuen Besucher am Thema Deines Blogs direkt interessiert sein. Ansonsten kommen sie einmalig und dann nie wieder. Links von thematisch passenden Weblogs sind also am besten. Gehört es dann noch zu den großen der Blogosphäre, ist das für ein neues Projekt wie Ostern und Weihnachten zusammen.
  • Du solltest klar machen, wer Du bist und worum es auf Deinem Blog geht (eine „über dieses Blog“-Seite). Dann wissen die Besucher schnell, ob sich ein Abo lohnt.
  • Zeige deutlich, auf welche Arten man zum Stammleser Deines Blogs werden kann. Setze entsprechend gut sichtbare Links auf die RSS-Feeds und Deinen Newsletter.
  • Sorge dafür, dass es in Deinem Blog in den nächsten Tagen noch andere interessante Artikel zu lesen gibt. Wenn Du ganz schlau vorgehst, bereitest Du das alles vor. Bei den meisten Blogs kannst Du Artikel mit einem Datum in der Zukunft versehen, die dann erst zu diesem Zeitpunkt erscheinen. Auf diese Weise hast Du alles vorbereitet und kannst Dich ganz den Reaktionen auf Deine Linkbaiting-Strategie widmen.
  • Richte es so ein, dass Nutzer auf den Artikelseiten zum Weiterlesen animiert werden. Verschiedene Plugins (Zusatzfunktionen) können Dich dabei unterstützen. Ein Beispiel sind „verwandte Artikel“, ein anderes „die letzten x Artikel“.

Ganz wichtig ist übrigens auch Geduld. Es nützt nichts, alle Linkbaiting-Tipps aus diesem Artikel in schneller Folge auszuprobieren. Damit hast Du bald den Ruf als Aufmerksamkeits-Hure weg. Sieh das hier bitte mehr als Anregung, mal etwas Neues auszuprobieren. Denn letztlich soll das alles Dir und Deinen Lesern Spaß machen…

Wann Linkbaiting unsinnig ist

Wenn Du mit den vielen neuen Lesern nichts anzufangen weißt, kannst Du Dir die Mühe eigentlich gleich sparen. Natürlich ist es sehr schmeichelhaft und meist auch spannend, viele Kommentare zu bekommen. Es ist gut fürs Ego, wenn die eigenen Artikel viel gelesen werden. Aber ist das den Aufwand wirklich wert? Reicht das als Langzeit-Motivation?

Unsinn ist es aus meiner Sicht auch, wenn es um ein Mischmaschblog aus der Kategorie „Alles, was mich interessiert“ geht. Ich abonniere solche Blogs meistens nicht. Ich habe bereits jetzt jeden Tag viel zu viele Informationen zu sichten und zu verarbeiten, oftmals erreichen sie mich bereits mehrfach. Wozu noch mehr lesen? Ausnahmen treten dann ein, wenn ich denjenigen persönlich kenne oder aufgrund eines anderen Projekts schätze. Dann abonniere ich auch gern sein privates Blog. Ansonsten dürfte es angesichts der Vielfalt an Weblogs nur noch mit einem gewissen Profil gelingen, aus der Masse herauszustechen. Das kann ein bestimmtes Thema, eine bestimmte Sichtweise oder eine bestimmte Art des Schreibens sein. Dazu vielleicht an anderer Stelle einmal mehr.

Weiterlesen

Soviel erst einmal zum Thema „Linkbaiting“. Du willst noch mehr lesen? Bei Software Guide gibt es einen sehr umfangreichen und lesenswerte Artikel: Wie starte ich ein Blog und mache dieses bekannt. Und hier gibt es den Werdegang eines erfolgreichen Weblogs zu lesen.

Und bevor Du beim Starren auf wachsende Zahlen vergisst, worum es eigentlich geht:

…das zutiefst befriedigende am Bloggen ist nicht eine wachsende Zahl, sondern die Kommunikation an sich. Der eine Kommentar von jemandem, der genau verstanden hat, was ich sagen wollte, und meine Sätze durch eine Pointe krönt. Der Fremde, der zum Stammgast wird, zum Dauer-Kommentierer, zum Freund. Auch der Gegner, an dem ich mich immer wieder reiben kann.

Stefan Niggemeier: Übers Bloggen

Artikel vom 08. Mai 2007