Survivalguide für Social Media Manager

Wer genug hat vom Social Web, ignoriert es einfach mal eine Weile. Das soll, so hört man, sogar gut für die geistig-seelische Gesundheit sein. Wie aber soll das funktionieren, wenn Social Media zum Beruf gehört? Vivian Pein fasst in diesem Beitrag Tipps, Tricks und Tools zusammen, die das Leben für Social Media Manager vereinfachen.

(Foto: © dgem22, depositphotos.com)

Dieser Beitrag nutzt Teile des Kapitels 15 aus dem Buch „Der Social Media Manager“ von Vivian Pein, erschienen im Rheinwerk-Verlag. Mehr dazu am Ende des Artikels!

Das Schöne am Social Media Management ist, dass es niemals langweilig wird. Jeden Tag gibt es neue Herausforderungen, Vorkommnisse und Dinge, die man dazulernen kann – aus meiner Sicht einer der besten Jobs, die es gibt. In diesem Beitrag werde ich Ihnen anschaulich zeigen, was im Alltag als Social Media Manager auf Sie zukommt, und Ihnen mit Tipps, Tricks und Tools zur Seite stehen. Meine Empfehlungen basieren auf mehr als zwölf Jahren praktischer Erfahrung im Social Web und Social Media im Unternehmen sowie nicht zuletzt auf dem jahrelangen Austausch mit anderen Social Media und Community Managern. Einen Anspruch auf Vollständigkeit kann ich trotzdem nicht erheben und werde Sie deswegen unter www.facebook.com/dsomema über neue Tools und aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten. Generell gilt: Probieren Sie alle Tools selbst aus, und testen Sie, welche am besten zu Ihnen und Ihrem Arbeitsstil passen.

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1. Tagesablauf eines Social Media Managers

Als Social Media Manager von einem Alltag zu sprechen ist vielleicht ein wenig hoch gegriffen. Um genau zu sein, ist das Aufgabenpaket per se ein ganz anderes, wenn Sie in einem Unternehmen das Thema Social Media von Grund auf einführen, als wenn Sie in ein laufendes Engagement einsteigen.

Der Tagesablauf

Die Agentur Socialcast hat eine kleine Infografik (siehe Abbildung 15.1) veröffentlicht, die bei vielen Social Media Managern ein zustimmendes Nicken hervorrief und nach wie vor gut passt.

Abbildung 15.1: Der Tagesablauf eines Social Media Managers

Basierend auf dieser Grafik skizziere ich Ihnen einen für manche Tage typischen Tagesablauf – das Ganze mit einem Augenzwinkern und keinerlei Anspruch auf Allgemeingültigkeit.

5:30 bis 12:00

  • Direkt nach dem Aufwachen greift der Social Media Manager nach seinem Smartphone und prüft, ob über Nacht etwas Relevantes passiert ist. Immer daran denken: Social Media schläft nie! Ist alles ruhig, geht es unter die Dusche, gibt es ein Problem, setzt er sich noch im Pyjama an seinen Rechner und arbeitet los.
  • Der Arbeitstag beginnt mit einem ausführlichen Scan des Netzes. Was wurde über mein Unternehmen gesagt, was passiert in der Branche, und welche Themen sind gerade interessant? Arbeitet der Social Media Manager im Büro, liest er schon auf dem Weg dahin auf seinem Smartphone, sonst setzt er sich zu Hause an den Rechner und legt damit los.
  • Während des ersten Kaffees werden interessante Inhalte mit Bookmarks versehen, direkt mit Fans und Followern geteilt oder für später terminiert.
  • Beiträge werden nach Redaktionsplan auf den unterschiedlichen Plattformen veröffentlicht und mit dem Netzwerk geteilt.
  • In seiner Rolle als Schnittstelle fragt der Social Media Manager in der Marketingabteilung nach den Testimonial-Videos von Kunden und im Kundenservice, ob der Blogartikel fertig ist, der übermorgen veröffentlicht werden soll. Währenddessen holt er sich die neuesten Informationen, welche Themen den Kunden gerade besonders wichtig sind. Oh, es gibt Probleme mit der Bedienung des neuen Produkts? Das kommt direkt auf die Liste der How-to-Videos.
  • Interagiert der Social Media Manager selbst mit der Community, werden Nachrichten und Kommentare beantwortet, sonst schließt er sich mit dem Community Management kurz, ob es irgendwelche besonderen Vorkommnisse gab, und beantwortet eventuelle Fragen.
  • Diverse Beiträge für das Unternehmensblog werden gegengelesen, Vorschläge für die neue Headergrafik für Facebook werden gesichtet.
  • Meeting mit dem Marketing, um sich über den jeweiligen Status quo auszutauschen und Kooperationen zu besprechen.

12:00 bis 19:00

  • Zum Mittag trifft sich der SMM mit einem anderen Social-Media-Spezialisten, um sich über die neuen Trends zu unterhalten. Natürlich wird dabei nicht vergessen, ein paar Eindrücke davon auf Instagram Stories zu posten.
  • Das „How-to-Video“ wird sogleich in Angriff genommen und direkt im Anschluss auf YouTube hochgeladen. Vorher fragt der SMM noch vier Kollegen, ob dieses Video wirklich hilft.
  • Leitung des zweiwöchentlichen Redaktionsmeetings.
  • Teilnahme an einer Videokonferenz via Skype mit dem Arbeitskreis zum Thema Corporate Blogging.
  • Das Social Media Monitoring läuft permanent auf einem zweiten Bildschirm; solange nichts blinkt, überfliegt der Social Media Manager alle zwei Stunden, was gerade passiert.
  • Vorbereitung einer Präsentation der Ergebnisse des letzten Monats für den Vorstand, zehn Minuten vor dem Meeting kommt der Anruf, das dieses auf morgen verschoben werden muss.
  • Prüfen der Metriken des Tages, wie viele Unterhaltungen über das Unternehmen gab es, wie oft wurden die Inhalte geteilt, wie viele Kommentare gibt es auf die Beiträge?
  • Workshop nach Feierabend für interessierte Mitarbeiter über Twitter, Facebook und XING.

19:00 bis zur Schlafenszeit

  • Nach Feierabend bewegt sich der Social Media Manager weiter in seinem gewohnten Terrain, er unterhält sich auf Twitter, liest interessante Blogbeiträge, markiert sich schon einmal die Termine der nächsten Barcamps in seinem Kalender und setzt sich den Punkt „Reisekosten für Barcamp Hamburg klären“ auf seine To-do-Liste.
  • Vor dem Schlafengehen ruft er noch schnell seine E-Mails ab, denn man weiß ja nie. Dann stellt er seinen Wecker und schläft ein, sobald er fertig damit ist, von einem zum nächsten interessanten Beitrag zu surfen und noch ein letztes Mal seine E-Mails abzurufen.

2. Zeit- und Aufgabenmanagement

Als Social Media Manager werden Sie tagtäglich mit einer Menge Informationen, Aufgaben und Interessen verschiedenster Parteien konfrontiert. Die Kanäle und Aufgaben sind vielfältig, Unterbrechungen an der Tagesordnung, und immer und überall den Überblick zu behalten ist beizeiten nicht einfach. Ein strukturiertes Zeit- und Aufgabenmanagement hilft Ihnen bei dieser Anforderung.

Der Unterschied zwischen Zeit- und Aufgabenmanagement:

Der Fokus beim Zeitmanagement liegt darauf, Ihre Zeit über einen bestimmten Zeitraum (täglich, wöchentlich und monatlich) möglichst gut zu planen. Mit einer guten Zeitplanung vermeiden Sie Überstunden und beugen Ablenkungen vor.

Im Mittelpunkt des Aufgabenmanagements (Taskmanagements) steht die Vollendung von (Teil)aufgaben, um ein größeres Ziel oder einen Projektabschluss zu erreichen. Im Kern steht die Fähigkeit, Prioritäten von Aufgaben einzuschätzen und bei Bedarf anzupassen sowie die Konzentration darauf, eine Aufgabe ohne Ablenkung zu erledigen.

Grundlage für ein effizientes Zeitmanagement

Die Grundlage für ein effizientes Zeitmanagement ist zunächst einmal, herauszufinden, womit Sie Ihre Zeit verbringen. Dabei helfen Ihnen die folgenden Schritte:

  • Erstellen Sie eine Liste mit allen Tätigkeiten, die Sie ausführen. Ordnen Sie diese den jeweiligen Bereichen zu. Beispiele: Verfassen eines Blogbeitrags – Content; Vorbereitung einer Präsentation mit den Ergebnissen des letzten Monats – Monitoring und Reporting.
  • Priorisieren Sie Ihre Aufgaben auf einer Skala von eins bis fünf, wobei eins extrem wichtig und fünf wenig wichtig bedeutet.
  • Dokumentieren Sie über zwei Wochen hinweg genau, wie viel Zeit Sie für welche Aufgaben benötigen.
  • Auswertung: Welche Aufgaben erfordern die meiste Zeit? Entspricht dies der Priorisierung? Welche Aufgaben benötigen übermäßig Zeit, und lässt sich hier der Prozess beschleunigen?

Tools zur Zeitmessung

Es gibt eine große Zahl von kleinen Programmen, die Ihnen bei der Messung Ihrer Zeit helfen. Davon werde ich Ihnen hier drei vorstellen, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe.

RescueTime ist eine Applikation, die automatisch misst, wo Sie Ihre Zeit verbringen, wenn Sie am Rechner sitzen. RescueTime läuft im Hintergrund und zeichnet dabei auf, wie lange Sie welche Internetseiten und Anwendungen benutzen. Sie haben die Möglichkeit, alle Aktivitäten einer Kategorie zuzuordnen. Eine grafische Auswertung aller Tätigkeiten zeigt Ihnen anschaulich, wo Ihre Zeit bleibt.

In der Lite-Version ist RescueTime kostenlos, die Pro-Version kostet 9 US-Dollar im Monat und bietet dafür noch kleine Extras wie die Eingabe von Zeiten abseits des Rechners. Für mich ist dieses Tool eine klare Empfehlung, wenn Sie mit möglichst wenig Aufwand wissen möchten, wo Ihre Zeit bleibt.

Mite ist ein übersichtliches Online-Tool für die Zeiterfassung von Einzelpersonen und Teams. Die Zeiten werden entweder per Klick auf die Stoppuhr oder per manuelle Eingabe erfasst. Sie können sich Ihre Zeiten grafisch auswerten lassen und Mite in jedem Browser und per iPhone-App nutzen. Mite kostet pro Nutzer 5 Euro im Monat, Sie können aber vor dem Kauf eine 30-tägige Testphase in Anspruch nehmen.

Alternativ können Sie natürlich ganz klassisch Ihre Zeiten in einer Excel-Tabelle festhalten. Dabei hilft Ihnen zum Beispiel die Applikation Klok, die Ihnen bereits in der kostenlosen Basisversion den Export der gestoppten Zeiten in Excel ermöglicht.

Intelligentes Aufgabenmanagement

Wenn Sie wissen, wofür Sie Ihre Zeit verwenden, können Sie anfangen, diese besser zu nutzen. Unerlässlich ist dazu aus meiner Sicht ein gutes System für die Verwaltung von Aufgaben, für den Umgang mit Informationen und den typischen Zeitfressern im Büro.

Um die Fülle an Aufgaben im Überblick zu behalten, ist gutes Taskmanagement unerlässlich. Dazu ist es ein gutes Gefühl, wenn Sie nach erledigter Arbeit eine Position von der Liste streichen können. Weiter oben habe ich Ihnen bereits die Grundlagen für effektives Zeit- und damit auch für ein effektives Aufgabenmanagement vorgestellt: die Auflistung aller Aufgaben, deren Kategorisierung und Priorisierung sowie das Wissen, wie lange die jeweilige Aufgabe in Anspruch nehmen wird. Der nächste Schritt ist die Erfassung in einem System, das Sie dabei unterstützt, die Aufgaben und deren Abgabetermine im Blick zu behalten.

Taskmanagement-Tools

Das Angebot an Tools für die Aufgabenverwaltung ist groß, und es ist stark von Ihren persönlichen Präferenzen abhängig, welches für Sie das beste ist. Um Ihnen die Auswahl zu erleichtern, stelle ich Ihnen ein paar der bekanntesten Taskmanagement-Tools und deren Eigenschaften vor.

Remember the Milk (RTM) ist der Klassiker für die persönliche Aufgabenverwaltung, der auch die Möglichkeit bietet, in Teams zu arbeiten. RTM erlaubt Ihnen, Aufgaben in Listen zu verwalten, mit Tags zu versehen und diesen Orte zuzuweisen. Darüber hinaus bietet RTM eine große Auswahl an Integrationen, wie zum Beispiel Google Calender, Maps und Instant Messaging. Der umfangreiche Basis-Account ist gratis, die Premium-Version kostet 25 US$ im Jahr.

Microsoft To Do ist ein Taskmanager mit einfacher und funktionaler Oberfläche.  Ob Teamfunktion, Listen, Tags, Notizen, Erinnerungen oder intelligenter Tagesplanung, To Do hat alles, was ein Taskmanager braucht, und ist dazu auch noch komplett kostenlos. Neben Apps für Windows, Mac, iOS und Android, gibt es auch eine Weboberfläche (siehe Abbildung 15.11).

Abbildung 15.11: Die Oberfläche von Microsoft To Do.

„Der Alleskönner für Einzelpersonen und Teams“, diesen Kommentar habe ich schon des Öfteren zu Asana gehört. Ob Projekte, Listen, Tags, Filter oder E-Mail- und Kalenderintegration – Asana kann alles. Asana in der Basisversion ist gratis für bis zu 15 Nutzer, die Premiumversion startet bei 21 US-Dollar im Monat.

Wenn Sie sowieso im Google-Universum arbeiten, ist Google Tasks mit der nahtlosen Integration in Google Mail und Google Calender eine gute Ergänzung. Google Tasks ist ein simples Tool, das nur im Browser (Mobil und Desktop) nutzbar, aber dafür auch kostenlos ist.

Die Möglichkeit, das Tool plattformübergreifend, das heißt sowohl am Rechner als auch auf dem Smartphone, nutzen zu können, ist aus meiner Sicht eines der wichtigsten Kriterien. Alle vorgestellten Lösungen erfüllen diese Anforderung.

Probieren Sie unterschiedliche Lösungen gleichzeitig aus. So werden Sie schnell herausfinden, welches Tool am besten zu Ihnen passt.

Generelle Tipps

Abschließend gebe ich Ihnen noch ein paar Tipps mit auf den Weg, mit denen ich gute Erfahrungen gemacht habe:

  • Vergeben Sie ein Schlagwort (Tag) für Aufgaben, die in weniger als fünf Minuten zu erledigen sind. Für den Motivationsschub zwischendurch haben Sie dann eine Liste, die Sie schnell abarbeiten können.
  • Legen Sie sich eine Liste für Ideen an. Begegnen Sie einer guten Idee, wird diese hier aufgenommen.
  • Nutzen Sie die Salami-Taktik: Teilen Sie große Projekte in kleine Schritte auf, und erledigen Sie diese Stück für Stück.
  • Nehmen Sie Routineaufgaben mit in Ihre Liste auf, eventuell sogar mit einer Wiedervorlage-Funktion.
  • Gehen Sie jeden Morgen die Aufgaben durch, die Sie heute erledigen müssen. Überprüfen Sie die Prioritäten.
  • Machen Sie die Aufgabe, die Ihnen am meisten widerstrebt, zuerst.
  • Vergeben Sie bei der Beschreibung Ihrer Aufgaben ein Verb. Jede Aufgabe sollte aussagen, was Sie tun müssen.
  • Fragen Sie sich, warum, wenn Sie eine Aufgabe aufschreiben. Warum schreibe ich diese Aufgabe auf? Warum ist diese Aufgabe wichtig? Warum sollte ich diese Aufgabe erledigen? Haben Sie keine Antwort auf diese Fragen, brauchen Sie die Aufgabe nicht aufzuschreiben bzw. sollten die Aufgabe an eine Person weitergeben, die Antworten darauf hat.
  • Weisen Sie jeder Aufgabe eine geschätzte Zeit zu.

Weg vom Multitasking

Kennen Sie das? Sie waren den ganzen Tag am Rotieren, haben gefühlt 20 Dinge gleichzeitig getan und trotzdem das Gefühl, nichts geschafft zu haben? Das hat einen ganz einfachen Grund. Multitasking wirkt sich nachweislich negativ auf Leistungsfähigkeit und Konzentration aus. Gleichzeitig schießt der Stresspegel in die Höhe. Forscher an der Universität Utah haben dies in einem Test untersucht. Sie ließen ihre Probanden beim Fahren in einem Fahrsimulator telefonieren oder eine SMS schreiben. Das Ergebnis war eine um 40 Prozent niedrigere Leistungsfähigkeit bei höherem Stress.

Als Social Media Manager findet man sich oft in Situationen wieder, in denen man viele Dinge gleichzeitig tut. Umso wichtiger ist es, dass Sie sich Freiräume für wichtige Aufgaben schaffen. Der erste Schritt dazu ist, zu wissen, was wirklich wichtig ist. Priorisieren Sie Ihre Aufgaben, und nehmen Sie sich feste Ziele für jeden Tag vor. Definieren Sie dafür feste Zeitfenster in Ihrem Kalender, in denen Sie sich nur von Notfällen stören lassen. Schließen Sie Ihren Internetbrowser und das E-Mail-Programm, schalten Sie Ihren Status auf „Nicht stören“, und setzen Sie sich demonstrativ Kopfhörer auf. Hält das Ihre Kollegen immer noch nicht davon ab, Sie zu stören, müssen Sie sich einen anderen Ort zum Arbeiten suchen.

Lassen Sie sich nicht von Aufgaben ablenken, die zwischendurch auf Ihrem Tisch landen. Prüfen Sie kurz die Wichtigkeit, setzen Sie die Aufgabe nach Priorität auf Ihre Liste, und machen Sie schnellstmöglich da weiter, wo Sie aufgehört haben. Eine große Hilfe – insbesondere in Zusammenarbeit mit anderen – ist hier eine gute Dokumentation. Halten Sie oft nachgefragte Informationen im Intranet oder einem zugänglichen Dokument fest, und verweisen Sie konsequent darauf.

Informationen clever managen

Zu viele Informationen gibt es nicht, es gibt nur die falschen Filter oder Ansätze. Was die interne Kommunikation angeht, gibt es niemals ein Zuviel. Sie müssen immer und zu jeder Zeit wissen, was im Unternehmen gerade los und geplant ist und dieses Wissen mit Ihrem Community-Team teilen. Schaffen Sie sich dafür einen Single Point of Information, sprich einen Ort, an dem alle Informationen zusammenlaufen. Aus Erfahrung weiß ich, dass dies keine einfache Anforderung ist. Versuchen Sie trotzdem, Abteilung für Abteilung mit ins Boot zu holen und diese dazu zu verpflichten, Informationen mit Ihnen zu teilen. Und zwar mit Ihnen direkt und nicht mit Ihren Vorgesetzten!

Starten Sie mit den Abteilungen, die nach außen kommunizieren: der PR-Abteilung und dem Marketing. Sie müssen wissen, was in der neuesten Pressemitteilung steht, bevor (!) diese veröffentlicht wird, und was Inhalt der neuen Marketingkampagne sein wird, bevor diese startet. Idealerweise werden Sie schon so weit im Vorfeld informiert, dass Sie mit den Verantwortlichen noch gemeinsame Aktionen planen oder, im potenziellen Krisenfall, einen Leitfaden für Antworten abstimmen können. Holen Sie sich Informationen aus dem Außendienst oder direkt von der Ladentheke, und sorgen Sie dafür, dass Ihr Community-Team weiß, wen es anrufen muss, um genau solche Informationen zu bekommen. Ein gutes Beispiel dafür, wie positiv so etwas aufgenommen wird, ist der Wasserkübel-Dialog der Bahn (siehe Abbildung 15.12).

Abbildung 15.12: Der Dialog zum Wasserkübel auf dem Bahnsteig

Der Twitter-Nutzer Walljet sah auf seiner Fahrt einen Wasserkübel auf dem Bahnsteig stehen und fragte die Bahn über deren Twitter-Account @db_bahn, was dieser wohl dort tun würde. Innerhalb kurzer Zeit kam die Antwort des Serviceteams – und postwendend ein Lob für die Reaktion. Dieser Fall wurde lobend von Spiegel Online sowie weiteren Medien erwähnt und als gutes Beispiel im Netz herumgereicht.

Effizientes E-Mail-Management

E-Mails sind einer der größten Zeitfresser im Büro. Allein schon die Meldung „Sie haben Post“ sorgt laut einer Studie der Universität Cardiff dafür, dass Sie im Schnitt 64 Sekunden benötigen, um sich wieder auf die vorherige Aufgabe zu konzentrieren. Aus diesem Grund hier ein paar Tipps und Tricks für einen besseren Umgang mit E-Mails:

  • Setzen Sie sich feste Zeiten für das Abrufen von E-Mails, und schalten Sie Benachrichtigungen ab.
  • Gewöhnen Sie sich an, nur auf die E-Mails zu antworten, die auch wirklich eine Antwort benötigen. E-Mails, die nicht in diese Kategorie fallen, werden archiviert oder direkt gelöscht, zum Beispiel die zahlreichen „in Kopie“- bzw. CC-E-Mails.
  • Notieren Sie sich Aufgaben aus E-Mails direkt in Ihre Aufgabenliste.
  • Wenn Sie Ihre E-Mails durchsehen, bearbeiten Sie diese direkt. Das heißt, Aktionen, die weniger als fünf Minuten benötigen, werden umgehend gemacht (löschen, archivieren, Termin zusagen), Antworten, die länger brauchen, werden als Aufgabe mit aufgenommen.
  • Löschen Sie direkt, was Sie weder brauchen noch interessiert.
  • Etwas radikal, aber besonders effektiv: Sie haben doch bestimmt schon einmal eine E-Mail erhalten, die im Fußbereich „von meinem iPhone gesendet“ enthielt. Bei solchen E-Mails hat der Empfänger normalerweise nicht den Anspruch, dass lange Ausformulierungen enthalten sind. Probieren Sie doch einmal aus, diesen Text automatisch unter Ihre E-Mails einzufügen, eben als Bestandteil Ihrer E-Mail-Signatur. Eine kurze und knackige Schreibe wird Ihnen somit verziehen, und Sie sparen Zeit beim Beantworten von E-Mails.

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3. Privatleben vs. Social Media Management

Als Social Media Manager verschwimmt die Grenze zwischen Privat- und Berufsleben. Wie stark, können Sie zwar bis zu einem gewissen Maße selbst bestimmen, der Prozess an sich ist jedoch kaum zu vermeiden, insbesondere wenn Sie auch als Community Manager im Einsatz sind. Können Sie sich mit diesem Gedanken nicht anfreunden, wird es bereits mittelfristig zu Problemen kommen.

Menschlichkeit als Schutz

Das Paradoxe an dieser Stelle ist: Je mehr an Persönlichkeit Sie von sich in der Öffentlichkeit zeigen, desto mehr Ruhe wird man Ihnen gönnen. Was zunächst wie ein Widerspruch klingt, ist leicht erklärt. Sie zeigen sich als Person, als Mensch, und entsprechend steigt die Hemmschwelle, Sie wie eine Maschine zu behandeln. So wird aus dem Anspruch, dass Sie rund um die Uhr erreichbar sein müssten, Verständnis dafür, dass dies nicht immer gewährleistet werden kann. Das bedeutet absolut nicht, dass Sie als Person komplett in die Öffentlichkeit treten müssen, im Gegenteil, wie ich im nächsten Abschnitt noch genauer erörtern werde. Es geht darum, Menschlichkeit und Persönlichkeit zu zeigen, also authentisch zu sein.

So passierte mir vor vielen Jahren, als ich noch unsicher im öffentlichen Umgang mit Kunden war, dass ich sehr steif und mustergültig antwortete. Daraufhin wurde ziemlich schnell vermutet, dass ich ein Fake-Profil, also ein Profil mit einer anderen Person dahinter, sei und mit Textbausteinen antworten würde. Das Wort Roboter fiel, und sofort wurde der Ton gegen meine Person merklich aggressiver. In diesem Moment warf ich meine Unsicherheit über Bord und fing an, so zu schreiben, wie ich bin. Entschuldigte mich, wenn ich einen Fehler gemacht hatte, reagierte mit Humor auf manch einen Kommentar und wurde bestimmter im Ton, wenn eine Diskussion auszuufern drohte. Der Ton gegen mich wurde nicht nur weicher, sondern in stürmischen Zeiten begannen manche Mitglieder der Community sogar, mich in Schutz zu nehmen. Mit einer echten, sympathischen Person können sich Menschen identifizieren und solidarisieren, nutzen Sie also diese Chance!

Freiräume schaffen und Grenzen ziehen

Es gibt Situationen, in denen Sie einmal ganz bewusst abschalten sollten, und zwar komplett. Suchen Sie sich dafür am besten einen Ort, an dem Sie kein Internet haben, damit Sie nicht in Versuchung geraten, eben mal kurz nachzusehen. Damit Sie wirklich zur Ruhe kommen, sollten Sie mit den Kollegen ausmachen, dass diese Sie nur im Notfall anrufen oder per SMS informieren, aber auch wirklich nur dann!

Darüber hinaus ist es durchaus legitim, in der Freizeit Grenzen zwischen Beruf und Privatleben zu ziehen und die Diskussion über das, was der Arbeitgeber getan hat, freundlich, aber bestimmt zu beenden. Umgekehrt bestimmen Sie selbst, wie viel von Ihrem Privatleben Sie mit in den Beruf ziehen. Sie müssen nicht auf Facebook mit Kunden befreundet sein oder auf XING Kontakte annehmen, die Ihnen nicht persönlich bekannt sind. Was Sie auf XING tun sollten, ist, eine freundliche Absage zu schreiben, warum Sie den Kontakt nicht herstellen und unter welchen Voraussetzungen Sie dies tun. Auf Facebook gibt es neben dieser Strategie noch die Möglichkeit, die Sichtbarkeit von Inhalten auf Ihrem Profil einzuschränken. Dafür erstellen Sie eine Liste, die zum Beispiel den Namen „Beruflich“ trägt, und veröffentlichen Ihre Inhalte standardmäßig mit den Sichtbarkeitseinstellungen „Nur für Freunde“ und Nicht teilen mit Beruflich (siehe Abbildung 15.13).

Abbildung 15.13: Mit Freundeslisten Privatsphäre schaffen

Kontakte auf dieser Liste sehen dann nicht mehr als Personen, die Ihr öffentliches Profil abonnieren, und Teile Ihres Profils können für diese Kontakte ausgeblendet werden. Überprüfen Sie bei jedem Beitrag die Sichtbarkeitseinstellungen, sicher ist sicher. Einmal im Monat sollten Sie auch die Liste und die damit verknüpften Standardeinstellungen prüfen, Facebook ändert gerne einmal etwas.

Tipps für den Jobwechsel

Wie sehr Berufs- und Privatleben verknüpft werden, habe ich bei meinem Wechsel von XING gelernt. Noch Monate nach dem Start in den neuen Job bekam ich Nachrichten mit Fragen zu der Plattform und wurde auf Events auf Themen in diesem Zusammenhang angesprochen. Wenn Sie sich online eine starke Marke aufgebaut haben, ist ein schneller Wechsel nicht ganz so einfach. Diese Tipps helfen Ihnen dabei:

  • Aktualisieren Sie alle Profile online. Ob XING, Facebook oder Ihr eigenes Blog, tragen Sie Ihre neue Position ein, und ändern Sie Ihre Kontaktdaten. Gut eignet sich auch der Wechsel des Profilbildes, denn erfahrungsgemäß sorgt dies für viele Klicks und damit für viel Aufmerksamkeit für die neue Position.
  • Perfekte Zeit für einen Relaunch: Wenn Sie darüber nachgedacht haben, Ihrem Blog oder Ihrer Homepage einen neuen Anstrich zu geben, ist jetzt der perfekte Zeitpunkt. Stecken Sie Zeit in ein neues Design, und schreiben Sie einen Artikel über Ihren Wechsel. Dazu lohnt es sich auch, dieses neue Design auf Elemente wie das Facebook-Headerbild oder Ihren Twitter-Hintergrund zu übertragen.
  • Verweisen Sie bei Fragen rund um Ihr altes Unternehmen freundlich auf Ihren Nachfolger.
  • Erklären Sie den Grund für Ihren Wechsel. Eine Frage, die definitiv kommen wird, ist die nach dem Warum. Seien Sie darauf vorbereitet. Lassen Sie sich nicht dazu verleiten, Ihren ehemaligen Arbeitgeber öffentlich negativ darzustellen, selbst wenn Differenzen der Grund für Ihren Weggang waren. Stellen Sie positive Aspekte, wie zum Beispiel die neue Herausforderung oder größere Verantwortung in Ihrer neuen Position, in den Vordergrund.
  • Werden Sie unter neuer Flagge aktiv. Gehen Sie auf Events, sprechen Sie mit Leuten, und halten Sie Vorträge mit Ihrem neuen Arbeitgeber auf der Visitenkarte und auf den Präsentationsfolien.

Erwarten Sie keine Wunder, je stärker Ihre „alte Marke“ im Netz war, desto länger dauert ein kompletter Wechsel auf Ihr „neues Ich“. Bei mir hat es damals in etwa sechs Monate gedauert, und eine Anfrage ging sogar noch ein Jahr später ein.

Lesetipp

Dieser Beitrag nutzt Teile des Kapitels 15 aus dem Buch „Der Social Media Manager“ von Vivian Pein, erschienen im Rheinwerk-Verlag. Dieses Werk hat seinen Untertitel „Handbuch für Ausbildung und Beruf“ mehr als verdient: Hier bekommt man praktische Hilfestellungen, nützliche Tools und sinnvolle Tipps für nahezu jede Social-Media-Lebenslage. Es richtet sich an professionelle Social Media Manager und solche die es werden wollen, ist aber mindestens genauso nützlich für jeden, der einen umfassenden Überblick zu Möglichkeiten und Best Practices in diesem Bereich braucht.

Der Verlag über das Buch:

Alles für den erfolgreichen Berufseinstieg: Ob Online-Marketing, Marktforschung, Kundenkommunikation oder Online-Recht – Sie lernen in diesem bewährten Handbuch alle Grundlagen für erfolgreiches Social Media Management. Entwerfen Sie Social-Media-Strategien für Ihre Zielgruppe, und nutzen Sie die geeigneten sozialen Netzwerke. Mit vielen Beispielen, Expertentipps und Interviews – praxisnah und umfassend!

Sie können das Buch direkt beim Rheinwerk-Verlag kaufen*. Alternativ finden Sie es z.B. bei Amazon*.

Tipp: „Der Social Media Manager“ erscheint im Januar 2020 in seiner vierten, aktualisierten Auflage. Sie können diese neue Ausgabe bereits jetzt vorbestellen*.

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Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 77

Passend zum Jahreswechsel erlauben wir uns ein Schwerpunktthema, das in der alltäglichen Hektik nicht untergehen sollte: das eigene Wohlbefinden und die eigene Gesundheit. Manchmal helfen uns die digitalen Dienste und Geräte und manchmal stehen sie uns im Weg oder verführen uns gar zu ungesundem Verhalten. In dieser Ausgabe thematisieren wir, wie Sie dem digitalen Burnout entfliehen. Wir erklären, wie Sie sich als Social Media Manager nicht verrückt machen lassen. Wir zeigen auf, wie Gesundheitsmanagement im Unternehmen aussehen sollte und warum es so wichtig ist. Und wir haben Beispiele dafür, wie Smartphone, Apps & Co. uns eben doch helfen können, gesünder zu leben.

NEU: Dossier Content für Marketing und Kommunikation

(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

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