Warum ich Radio nicht mehr mag

Eigentlich war ich immer ein Fan des Radios. Jetzt habe ich festgestellt: Inzwischen ist das nicht mehr so. Ich mag ein Radio gar nicht mehr einschalten. Es kommt ja doch nicht, was ich hören will. Und dann klappe ich mein Laptop auf und starte iTunes. Bin ich nun ein Freak oder geht es Euch auch so?

Zum Beispiel finde ich Deutschlandradio Kultur ja spitze, immer noch. Ich habe sie auch immer sehr gern gehört. Aber inzwischen bin ich durch meine eigene Musikbibliothek und die vielen Podcasts verdorben. Ich bin es gewöhnt, dass ich das hören kann, was ich gerade hören will. Und wenn ich nicht weiß, was ich hören will, stelle ich eben auf Zufallsmodus. Und dann kommt oft irgendeine Musik, irgendeine Band, irgendein Album des Wegs und ich denke: Cool, das will ich jetzt hören. Und dann wechsle ich auf das Album und höre es mir an.

Und wenn mir der Sinn nach mehr Abwechslung1) steht, gibt es auch eine Lösung: last.fm. Hier gebe ich den Namen eines Künstlers, einer Band oder einer Musikrichtung an und last.fm spielt für mich passende Musik. Nach und nach lernt last.fm dazu und man kann sich empfohlene Musik anhören. Gut, das funktioniert natürlich nicht immer perfekt. Aber zum einen ist es beim normalen Radio noch viel schlimmer und zum anderen kann man bei last.fm einen Titel überspringen. Versuch das mal beim Radio.

Natürlich gibt es auch keine dämliche Werbung in meinem persönlichen Radio von iTunes und last.fm. Genau genommen gibt es überhaupt gar keine Werbung.

Und zum Glück gibt es auch keine Morningshow, keine Gewinnspiele, keine mit Trance unterlegte Nachrichten-Trailer, keine elendig langen Staumeldungen und Blitzerwarnungen.

Jippieh!

Stattdessen höre ich genau das was ich will, wann ich will und dabei auch: wo ich es will.

Und so steht nach meinem Umzug nun wieder dieses kleine Radio in der Küche, das ich früher immer schon hatte und das einige Zeit in einer unausgepackten Umzugskiste auf seine Wiederentdeckung gewartet hatte. Ich habe sogar Batterien gekauft. Ich habe einen Sender eingestellt. Und ich habe es bestimmt drei-, viermal angehabt. Aber seit Tagen mag ich nicht mehr auf den Einschaltknopf drücken. Stattdessen überlege ich, wie ich am besten die Inhalte von meinem Laptop und Inhalte aus dem Internet in die Küche bekomme.

Soweit ist es gekommen.

Bin ich deshalb jetzt ein Freak?

P.S.: Einer meiner meistgehörten Podcasts ist übrigens die Sendung “Breitband” von Deutschlandradio. Eigentlich läuft die wohl immer samstags. Am Samstag ist jedenfalls immer die neue Ausgabe online. Und gerade neulich war ich irritiert, als sie in der Sendung darauf hinwiesen, dass man sie auch als Podcast hören kann. Ich stutzte. Dann fiel mir ein: Richtig. Das läuft ja im Radio.

1) Ausdruck, der vor allem von Privatradios und degenerierten öffentlich-rechtlichen Sendern genutzt wird, um die genau gegenläufige Realität zu kaschieren.

Jan Tißler ist auch bekannt als jati. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist, die meiste Zeit davon digital. 2006 hat er das UPLOAD Magazin aus der Taufe gehoben. Er ist fasziniert von den Freiheiten des digitalen Publizierens und erklärt gern, wie Unternehmen, Organisationen oder auch Selbstständige mit ihren Botschaften im Netz gehört werden. Immer mit einem Bein fest in der Zukunft. Der gebürtige Hamburger lebt inzwischen in Santa Fe, New Mexico.

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21 Gedanken zu „Warum ich Radio nicht mehr mag

  1. Wenn man Erbsen zählen wollte, könnte man anmerken, dass es bei last.fm durchaus Werbung gibt. Nur eben (noch) nicht in Audioform sondern als Banner auf der Website. Aber das kann man verkraften.

  2. Das ist die Crux beim Formatradio, dass uns jetzt seit Jahren um die Ohren dröhnt. Einheitspopmucke gepaart mit dummen Sprüchen – nein danke. Auch bei mir läuft inzwischen fast nur noch Webradio o.ä.

    Ich bin also voll bei dir.

  3. Ich weiß, es ist nicht besonders charmant, Werbung in eigener Sache zu machen, aber in Anbetracht der Tatsache, dass wir vor nicht einmal drei Wochen gestartet sind, hoffe ich, dass man mir verzeiht. Bei adTunes kannst Du kostenlos und ohne den Download jeglicher Software ebenfalls genau die Musik hören, die Du möchtest. Wir haben bereits über eine Million Songs im Repertoire, und täglich werden es mehr. Jedoch gibt es bei uns Werbeeinblendungen. Dafür aber haben wir bereits zwei Majors und mehr als 1000 kleine Labels zum Partner, die an den Einnahmen partizipieren und sie auch an ihre Künstler weitergeben, so dass von diesem Geld auch neue Künstler aufgebaut werden können.

  4. In meinen Jungen Jahren war ich begeisterter Hörer der ersten Privatradios, die aus Südtirol nach Bayern sendeten (Radio Brenner). Als die Privatradios dann auch in Deutschland Einzug hielten, blieb ich weiterhin Fan und verfolgte, wie sich die Szene entwickelte. Doch mit der Zeit entwickelte sich tatsächlich alles “professioneller” zum unerträglichen Einheitsbrei.

    Am schlimmsten sind Bayern 3 und Antenne Bayern mit ihren Gute-Laune-Bären hinter dem Mikro. Über die Musik kann man sich streiten. Dagegen höre ich – trotz meiner 38 Jahre – sehr gerne njoy Radio aus Nordeutschland. Ein Jugendsender, der authentisch wirkt und werbefrei (!) ist.

  5. Ach, Breitband kommt auch im Radio? Hmmm… ich glaub bei Trackback ist das auch so. Aber die Radio-Version hat noch die unsägliche kommerzielle Musik drin. Da ist die Podcast-Version besser. Man spart min. 1 Stunde Lebenszeit.

    Wegen dem Radio: Ich habe lange lange lange lange gesucht und auch diverse Bestellungen getätigt und zurück geschickt. Am Ende fand ich im lokalen Elektronikmarkt einen kleinen Küchenradio für knapp über 30 Euro. Der hat auch einen USB-Anschluß und man kann direkt Speicherkarten reinschieben. Wegen des kleinen Displays sollte da nicht so viel drauf sein, die Navigation ist mühsam, spulen geht nur in doppelter Echtzeit. Aber ansonsten genau das, was ich lange gesucht habe.

    Wobei es hier einen lokalen Sender gibt, der tatsächlich brauchbare Musik spielt. Richtig schön rockig und wenn man mal Musik will, echt gut.

    Wo ich immer ein Problem habe, ist die Syncronisation der ganzen Podcasts. Also welchen habe ich wo schon wie weit gehört. Bei verschiedenen Geräten und Speicherkarten ist das richtig Mühsam. Dann gibts auch noch Podcasts, die sich nichtmal überall abspielen lassen. Na gut, genau einen solchen kenne ich. Ein gewisser Jan T. macht den. Der will am PC einfach nicht laufen. 8-)

    Wenn jemand eine Lösung kennt, wo man zentral die Podcasts verwalten und überall an der gleichen Stelle weiterhören kann, wäre ich sehr dankbar. Am besten so, dass man beispielsweise auch morgens im Bad einfach auf Play drückt und es kommt was, wenn man dann im Auto sitzt gehts genau passend weiter. Bitte aber ohne einen MP3-PLayer immer mitschleppen zu müssen.

  6. Ich habe mir aus dem Grund den Freecom MusicPal geholt. Der kann Webradio und Festplatteninhalte streamen. Ich möchte nicht mehr ohne den! :)

  7. Man kann eigentlich froh sein, dass es mit der Werbung im Webradio noch nicht so übertrieben ist, wie in den herkömmlichen Radiosendern. Aber ich denke einmal, dass auch im Web irggendwann alle 15 Minuten für 3 Minuten Werbung kommen wird, leider….

  8. Schocker Blogger, wenn so ein Szenario eintritt, dass man lange Werbeblöcke zu hören bekommt, dann hat das Medium Internet wirklich nichts gelernt.

    Wir bei adTunes machen es anders: Nach etwa drei bis vier Songs bekommst Du EINEN Spot zu hören, der maximal 30 Sekunden dauert.

    Dafür aber kannst Du wirklich genau den Song oder das Album in voller Länge hören, auf das Du wirklich Lust hast.

  9. Was müsste in einem traditionellen radiophonen Broadcastmedium denn überhaupt kommen, damit es das Einstellen lohnt? Welche Qualitäten müsste das Gebotene erfüllen? Was kann dieses Medium überhaupt, was Online nicht kann? Ich vermute, am Ende bleiben dem old school Radio nur noch einerseits jene Dinge, von denen es tatsächlich relevant ist, dass wir sie im Moment ihres Geschehens mitbekommen (Fussballspiel, breaking news, Parlamentsdebatte, ev. Konzert etc.). Und andererseits – vielleicht nur im Sinne eines langen Hinweises auf dasselbe im Podcastformat – alles Hochartifizielle: Feature, Lesungen, Vorträge, historische Tondokumente etc. Alles im Mittelfeld dazwischen ist problemlos ersetzbar, siehe Posting.

  10. Dann lieber doch Internet Radio, da kommt weniger oder gar kein Gequatsche und auch keine Werbung!
    Das Last.fm Tag Radio gefällt mir auch sehr gut, da man direkt die Genre hört die man mag!
    Wer gerne Musikloses Radio hört, der bekommt im Internet noch nicht so das Top Angebot, oder ich habe dazu noch nix gefunden!
    Gruß Toni

  11. Hallo Jan,

    ich habe *ähnliche* Erfahrungen gemacht und mich bereits einmal dazu geäußert.

    Der Link zum Beitrag ist als “Webseite” eingegeben…

    In Kurzform: last.fm sagt mir in der jetzigen Form nicht mehr zu, ClipInc die einfache Möglichkeit, MP3s zu generieren. Wer Qualität mag, bucht sogenannte HQ-Sender, wo die Titel ausgespielt werden und auch Bit-Rate stimmt…

    Viele Grüße, Matthias

  12. Nachvollvollziehbar ist es schon – zumindest wenn man sich die meisten Morningshow-70er-80er-90er-Das-Beste-Von-Heute-Sender vor Augen führt. Bei iTunes vermisse ich allerdings dann doch das gelegentlich vollkommen Unerwartete und auch bei last.fm bewegt man sich ja doch letztendlich stets in mehr oder weniger bekannten Bahnen. Da kann das Radio ab und zu doch noch eine Abwechslung bieten. Dabei greife ich dann aber auch auf’s Internet zurück: Eigentlich höre ich nur noch den Internetstream von Radio FM4 (unter fm4.orf.at) und soma.fm.

    Grüße, Nils

  13. Ich empfehle dir lange Audiokabel in deiner Wohnung zu verlegen oder so kabellose Lautsprecher zu kaufen, die kann man dann überall hin mitnehmen.

    Ich persönlich habe seit meinem externen-Festplatten-Crash gar keine MP3s mehr auf den Rechner, die waren eh 99% illegal. Und in Berlin höre ich sehr gerne Radio. Als Zivi hatte ich irgendwann genug von den Öffentlichen Jugendsendern und bin auf Deutschlandradio umgestiegen, gerade weil da Sachen laufen die ich mir sonst nicht anhöre. Das Spektrum hätte ich nur mit sehr sehr vielen Podcasts abdecken können. Klar nerven die Nachrichten und die Werbung, aber in irgendeiner Form gibt es die auch bei Internetwerbung.

    Da wo ich kein Radio hören kann gibt es dann Podcasts, aber wo ist der Personal RadioModerator, der zwischen meiner Musiksammlung und meinen Podcasts einen nette Mischung mixt? Den Job kann ich natürlich selber übernehmen, aber einfacher ist es einfach nach der Arbeit/Uni… das Radio einzuschalten und hören.

    Ich muss natürlich zugeben dass Berlin die größte Radiosenderdichte in Europa hat, da kann man dann auch wählen, in MV würde ich warscheinlich auch kein Radio mehr hören. Hast du auch schon in Berlin kein Radio gehört?

    Was mir ein Europa auch fehlt ist Satelitenradio. Die USA haben mit XM und Sirius sogar 2 Dienste. dort kann man mit einem Spezialgerät für einen monatlichen Obolus 200 werbefreie Sender hören, komplett Digital, und überall (das Signal kommt von einem Sateliten). Solch einen Service wünsche ich mir für Europa, so als Kompromiss.

    Gruß Falko

    “Video killed the Radio Star” “Geht ins Ohr – bleibt im Kopf”

  14. Ich würde sehr gerne mehr Radio hören, ist es doch die beste Basis für’s Kopfkino. Hab lange Zeit nach der Devise “Was soll das dumme Gefasel – ich möchte meine Musik hören” MP3s gehört. Da kommt man irgendwann an den Punkt, wo man an seinem eigenen Brei aus Mainstream, Top Fourty und persönlichen Vorlieben halb erstickt.

    Jetzt zappe ich durch die Radiolandschaft und verfluche den Terror der Spartensender. Aber: Nichts anderes hat man durch die eigenen Playlists erreicht, nur eben die Sparte “Ich”. Geht man nur seinen eigenen Vorlieben nach, verliert man die Vielfalt und damit die Phantasie sowie den freien Blick auf Neues.

    Es geht den Machern nicht mehr darum, das Interesse einer möglichst breiten Schicht zu bedienen oder gar zu wecken, sondern “Zielgruppen” abzufüttern. Kein Sender kommt mehr auf die Idee, eine Frühmesse zu übertragen, anschließend Sportnachrichten, die aktuellen Charts, dazu eine Kritik am Vorabend-Krimi im TV und ein Interview mit einem Politiker, Buchbesprechung mit Prodigy, Heino mit Pofalla…

    Geht nicht? Aber sicher, so funktioniert doch unser ganzer Alltag. Nadelstreifen und Currywurst geht genauso wie Jeans in der Oper. Wenn EIN Sender mal den Mut dazu hätte – oder gibt es ihn am Ende schon…?

  15. Geht man nur seinen eigenen Vorlieben nach, verliert man die Vielfalt und damit die Phantasie sowie den freien Blick auf Neues.

    Falls Du last.fm noch nicht kennst, solltest Du das wirklich einmal ausprobieren. Zum einen gibt es dort die Funktion, “ähnliche Künstler wie xy” zu hören oder Musik mit einem bestimmten Schlagwort – da stößt Du auch immer wieder auf Neues. Zum anderen kannst Du Dir mit der Zeit aber auch Empfehlungen geben lassen. Je länger und je mehr Du hörst, desto besser funktioniert das. Zudem gibt es andere Nutzer, mit wiederum ähnlichem Musikgeschmack. Die Betonung liegt dabei auf “ähnlich”, denn weil sie eben doch unterschiedlich sind, stößt man auch hier immer wieder auf neue Musik. Und Du hast einfach rund um die Uhr die Möglichkeit, irgendeine beliebige Musikrichtung zu hören, nach der Dir gerade ist. Du kannst auch rumstöbern, hier und da reinhören… Und das alles kostenlos und auf Abruf.

    Und dafür bekomme ich von last.fm jetzt kein Geld ;-)

  16. Danke für den Tipp, “nur” für Musik sicher eine gute Adresse, ich schau mal rein.

    @Olli: Wie ist denn der Klang des Freecom-Gerätes, reicht es für die Küche?

  17. “Normales” Radio läuft auch hier eigentlich nur noch, wenn es im aktuelle Informationen geht, also Wortmaterial, keine Musik. Im Norden der Republik ist das für mich NDR-Info. Beim Hören von Musik sind die Möglichkeiten durch das Netz so groß, dass Radio (öffentlich-rechtlich oder kommerziell) praktisch keine Rolle mehr spielt. Meine Favoriten zur Zeit: Internetradio über radioio.com; Wunschmusik über mixturtle.com und manchmal auch lastfm. Ansonsten streame ich per WLAN vom Medienserver ins Haus, was auf der Festplatte so zu finden ist. (Wie steht grob auf meiner Homepage.) ABER NICHT VERGESSEN: Die Öffentlich-rechtlichen versorgen mich mit den Wortbeiträgen, die mich interessieren – und das in der Regel ohne störende Werbung (DLF, DRKultur …). Die hör ich allerdings als Podcast.

  18. Hallo!! Vielen Danke für dein Blog. Ich finde sehr interessant. Ich mag Internet Radio…Grüsse

  19. Ab und zu höre ich schon noch Radio, aber dann wirklich nur noch ausgesuchte Dinge wie Deutschlandradio oder Inforadio.
    Nach wenigen Minuten bei einer anderen Station zappe ich weg, weil ich die ewig gutgelaunten und damit einfach falschen Moderatoren/innen nicht mehr aushalte.

    Meiner Meinung nach wird das traditionelle Radio so nicht mehr lange weiter machen können. Ich verstehe sowieso nicht, wie die quartalsweisen Ausweisungen der Reichweite immer noch beständige Zahlen liefern.
    Wenn das mal wirklich alles stimmt…

    Insofern, auch ich habe mein Hörverhalten im Laufe der letzten Jahre sehr weitgehen geändert und stimme Hr. Tißler und den vorangegangenen Comments weitgehend zu.

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