Als Markenbotschafter auf Facebook – die umfassende Einführung

Mehr denn je ist die persönliche Vernetzung von „Köpfen“ in Unternehmen für die Sichtbarkeit und den Erfolg einer Marke entscheidend. In Zeiten der Informationsüberflutung bestimmen persönliche Beziehungen, welche Inhalte überhaupt wahrgenommen werden. Zugleich erfahren Entscheider und andere Protagonisten, wie ihre Gesprächspartner ticken und haben das Ohr direkt an ihren Bezugsgruppen. Dass eine gute Vernetzung und die professionelle Präsenz in sozialen Netzwerken zugleich der eigenen Personenmarke zutragen, versteht sich wohl von selbst. Doch sowohl auf Mitarbeiter- als auch auf Unternehmensseite herrschen oft noch Vorbehalte. Dabei ist eine solche angstgesteuerte Zurückhaltung oft gefährlicher als wohldurchdachte Aktivitäten. In diesem Beitrag geht es am Beispiel Facebook vor allem darum, dass und wie Firmen dafür sorgen müssen, dass ihre Mitarbeiter sich als Markenbotschafter engagieren. In einem Folgebeitrag finden Sie Beispiele für Markenbotschafter-Profile auf Facebook.

(Illustration: © venimo, Fotolia.com)

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„Gesicht zeigen“ – das gilt gerade auch für Marken auf Facebook

Facebook ist in Deutschland nach wie vor (und mehr denn je) für Marken eine der wichtigsten Plattformen im Web, wenn es um Marketing, Content-Marketing, aber auch Werbung und Kundengewinnung geht. Das gilt nicht, wie häufig angenommen, nur für Consumermarken, sondern auch für B2B-Unternehmen. Facebook-Anzeigen lassen sich, Fachkenntnisse vorausgesetzt, so fein einstellen wie kaum ein anderes Werbemedium. Siehe dazu auch den Beitrag von Torsten Materna in dieser Ausgabe des UPLOAD Magazins. Ohne Anzeigengeld ist es, bis auf wenige Nischen, jedoch kaum noch möglich, einigermaßen schnell eine kritische Masse an Fans zu erreichen und bei diesen dauerhaft sichtbar zu bleiben. Dass gute Inhalte und viel Interaktion hinzukommen müssen, versteht sich dabei sowieso von selbst.

Doch lautet nach wie vor eine der häufigsten Fragen, die mir in der Beratung zum Thema Contentstrategie gestellt werden: „Was sollen wir denn auf Facebook posten, um unsere Zielgruppen am besten zu erreichen?“ Falsche Frage. Oder zumindest weit nachgeordnet. Denn dort wo viele Menschen sich treffen, geht es vor allem um Beziehungen, Austausch, Dialoge zwischen den Beteiligten. In dem Maße, in dem die Informationsflut wächst, gewinnen zudem „Köpfe“ weiter an Bedeutung. Verbindung zu einem Gesicht, Glaubwürdigkeit einer Person, Informationsvermittlung nicht von einem eher abstrakten Markenaccount: All das wird in der Zukunft darüber entscheiden, ob und wie sich andere mit den Inhalten eines Unternehmens beschäftigen; ob und wie sie eine Bindung zu der Marke empfinden.

Fast immer, wenn Entscheider oder Kommunikationsverantwortliche sich beklagen, dass ihre Inhalte etwa auf Facebook auf zu wenig Resonanz stießen, kann man feststellen, dass von eben denselben niemand wirklich in sozialen Netzwerken aktiv ist. Wieso aber sollte es anders sein als im „richtigen Leben“ und in vor-digitalen Zeiten? Jedem, der ein wenig Erfahrung in Marketing und Vertrieb hat, ist bewusst, wie erfolgsentscheidend es ist, wenn man die eigenen Stakeholder (Kunden, Empfehler, Meinungsbildner, Geschäftspartner, Lieferanten …) auch persönlich kennt. Im Gespräch erfährt man Dinge, die einem kein noch so guter Praxisleitfaden oder Berater nahebringen kann. Man bekommt ein Gefühl für die Gesprächspartner, für ihre Bedürfnisse, Vorlieben und ihr Verhalten. Man kann direkt reagieren und nachfragen.

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Warum es nicht sehr viel mehr Markenbotschafter gibt

Trotz mittlerweile vieler erfolgreicher Beispiele ist es nach wie vor in der Unternehmenskommunikation eher die Ausnahme, dass gezielt an der Präsenz von Unternehmensvertretern als Markenbotschafter auf Facebook gearbeitet und diese in ihren Aktivitäten unterstützt würden. Das liegt keinesfalls nur am fehlenden Bewusstsein für das enorme Potential gut vernetzter Firmenangehöriger. Oft stellen eher angstgesteuerte Vorbehalte die Hauptursache dar: Mitarbeiter möchten im Web lieber anonym bleiben oder zumindest ihr Facebook-Profil nur privat nutzen. Viele Unternehmen fahren nach wie vor eine sehr restriktive Öffentlichkeitspolitik und verbieten selbst im Jahr 2016 ihren Führungskräften die Präsenz in sozialen Netzwerken. Solche Vorbehalte entspringen, wie meistens, vor allem mangelnden Informationen über Möglichkeiten, Chancen und Risiken. Oft gibt es unternehmensweit gar keine Regelungen und Empfehlungen zum Verhalten von Mitarbeitern in sozialen Netzwerken. Selbst dort, wo „Social Media Guidelines“ vorhanden sind (und das ist vielfach immer noch die Ausnahme), haben diese oft die Funktion eines Feigenblatts: ein statisches Regelwerk mit allgemeinen Aussagen, das, wenn man einmal nachfragt, außer den Erstellern niemand gelesen hat.

Hinzu kommt: Selbst in diesen schnellen digitalen Zeiten fehlt in den allermeisten deutschen Unternehmen, Mittelständlern ebenso wie Konzernen, eine Fehler- und Kritikkultur. Diese ist aber erforderlich, damit sich überhaupt jemand etwas traut. Wer zu hundert Prozent sicher sein will, nichts falsch zu machen, kann nur in Paralyse verfallen. Der Vorstand und das C-Level befürchten, dass auf falsche Äußerungen immer sofort ein Shitstorm folgt. Die Belegschaft denkt sofort an die Beispiele aus der Boulevardpresse, in denen jemanden irgendeine unbedachte Äußerung in Social Media den Job gekostet hat. Richtig ist: In diesen Zeiten ist es kaum möglich, eine durchgehend von Fehlern und negativer Resonanz freie Kommunikation zu betreiben. Kontroverse Diskussionen sind ein Merkmal eines funktionierenden Austauschs in einer Community.

Gleichwohl gibt es bereits zahlreiche gute Beispiele auch deutscher Unternehmensvertreter, die auf Facebook präsent, gut vernetzt und ansprechbar sind. Aus naheliegenden Gründen besteht aber ein recht großer Teil der auf Facebook aktiven Markenbotschafter aus Entscheidern und Mitarbeitern aus Unternehmenskommunikation und Social Media; weniger aus anderen Bereichen. Der Social CEO eines Konzerns, wie etwa Jörg Ehmer, ist dennoch nach wie vor die Ausnahme.

Darüber hinaus gibt es natürlich auf Facebook enorm viele Einzelselbstständige, deren unternehmerischer Erfolg ganz wesentlich auf ihrer guten persönlichen Vernetzung und auch auf ihrer Personenmarke in sozialen Netzwerken basiert. Viele der hier genannten Merkmale und Tipps gelten für sie ebenfalls. Doch sind, wenn der Markenbotschafter nicht zugleich mit der Firma identisch ist, noch einmal andere Gesetzmäßigkeiten relevant. In diesem Artikel konzentriere ich mich daher auf Markenbotschafter aus Unternehmen. Im Abschnitt zum Aufbau der Personenmarke auf Facebook finden aber sowohl Mitarbeiter als auch Einzelselbstständige praktische Tipps und Anregungen.

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Merkmale erfolgreicher Markenbotschafter  

Eine Personenmarke entsteht nicht am Reißbrett. Dafür gibt es keine Patentrezepte. Sie werden als solche immer nur so erfolgreich sein, wie Sie es mit Ihren menschlichen und professionellen Fähigkeiten auch im sonstigen Leben sind. Doch einige Hinweise können vielleicht dabei helfen, Ihre persönlichen Stärken auch in den virtuellen Bereich zu übertragen.

Wenn Sie sich die Beispiele erfolgreicher Markenbotschafter im Folgebeitrag näher anschauen, werden Sie feststellen, dass die verschiedenen Personen ganz unterschiedlich agieren und sich darstellen. Einige von ihnen haben die Sichtbarkeit ihrer Postings ganz überwiegend auf den Kreis ihrer Facebook-Freunde beschränkt, so dass auf der öffentlich einsehbaren Pinnwand nur wenig preisgegeben wird. Andere wiederum nutzen die Plattform sehr weitgehend zu öffentlichen Darstellung sowohl persönlicher als auch beruflicher Themen; manche flechten auch Marketingbotschaften und Unternehmens-Angebote in ihren Nachrichtenstrom ein. Einige von ihnen haben ihren Arbeitgeber in ihrem Profil sichtbar gemacht. Andere sind zwar gut vernetzt unter Kollegen und Geschäftspartnern, oft sogar in ihrer Branche sehr bekannt – aber wer dies nicht weiß, erkennt es nicht auf den ersten Blick an ihrem Profil. Bestimmte Merkmale jedoch haben, auf ihre jeweils ganz persönliche Art und Weise, alle hier von mir betrachteten guten Beispiele für Markenbotschafter gemeinsam:

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Sie sind extrem gut vernetzt

In einer Welt, in der viele Unternehmen primär auf das Sender-Prinzip setzen, statt Gespräche zu pflegen, haben gute Markenbotschafter längst verstanden, worum es in Wirklichkeit geht. Deswegen ist ihre Pinnwand nicht von Werbebotschaften oder Unternehmens-News geprägt. Sie interessieren sich für andere, pflegen Beziehungen und haben oft das Ziel, zu etwas größerem Ganzen beizutragen.

Sie erzählen Geschichten und trauen sich, Persönliches preiszugeben

Wie sich dies ausprägt, in welchem Umfang, und welchen Grad der Privatheit die Betreffenden zulassen, ist dabei höchst unterschiedlich. Politische Statements, Hobbys, Urlaubs- oder Familienfotos: In jedem Fall wird über die Zeit hinweg die Geschichte eines Menschen und seines Umfelds erzählt.

Sie sind nahbar und erreichbar

Als ich für diesen Beitrag verschiedene mir bereits bekannte Markenbotschafter sowie solche, die mir empfohlen wurden, ansprach, fiel vor allem eines auf: Fast alle reagierten extrem schnell, freundlich und persönlich. Viele schreiben mir außerhalb ihrer Arbeitszeiten, abends und am Wochenende. Social Media haben die Welt der Kommunikation insofern verändert, als Menschen auch von Prominenten und Entscheidern einen unmittelbaren Zugang zu Gesprächen erwarten. Kluge Markenbotschafter haben das verstanden und tragen dem Rechnung.

Werbung und Marken-Inhalte stehen nicht im Vordergrund

Die besten und überzeugendsten Unternehmensvertreter auf Facebook sind diejenigen, auf deren Pinnwand persönliche Interessen, interessante Informationen und konstruktiver Austausch dominieren. Die meisten von mir näher betrachteten Profile geben zwar den Arbeitgeber preis, aber werden nicht für dessen Botschaften instrumentalisiert. Das bedeutet auch: Die Personenmarke ist oft für sich betrachtet sehr stark.

Sie haben eine eigene Personenmarke aufgebaut

Stefan Keuchel ist ein gutes Beispiel eines Markenbotschafters, zu dessen Prominenz sein bekannter Arbeitgeber sicherlich sehr beigetragen hat. Bereits als Pressesprecher von Google Deutschland war er ebenso exponiert wie gut erreichbar – und vor allem persönlich mit deutschen und internationalen Meinungsbildnern gut vernetzt. Als er zu MyTaxi gewechselt ist, nahm er diese starke Personenmarke und sein Netzwerk mit. Hier hat also die Marke der Personenmarke zugetragen, und umgekehrt. Andere Beispiele aus meinem Umfeld bestätigen das. Eine Alternative gibt es für Arbeitgeber mit Verlustangst dennoch nicht: Sie werden in Zukunft noch viel mehr damit leben müssen, dass über Jahre aufgebaute Personenmarken zu anderen Marken wechseln und enorme Werte mitnehmen. Dies sind allerdings Werte, die sie eben auch selbst aufgebaut und gepflegt haben, und die bis dahin dem alten Arbeitgeber zugute kamen. Meiner Ansicht nach werden solche Personenmarken-Werte im Recruiting der Zukunft noch viel stärker eine Rolle spielen.

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Dienstlich oder privat? Personenmarken auf Facebook aufbauen

Mehr und mehr wächst bei Entscheidern und Mitarbeitern auch in deutschen Unternehmen das Bewusstsein für die Bedeutung von Facebook als Plattform, um Personenmarken aufzubauen und sich zu vernetzen. Doch die Hürde ist oft relativ hoch: Wer bisher Facebook nur privat genutzt hat, braucht eine neue Strategie, um das Berufliche einzubinden. Das setzt oft Ängste frei: „Was werden meine Freunde denken, wenn ich jetzt dauernd Sachen aus der Firma poste?“ „Wie ist das zeitlich machbar?“ Bei völligen Neueinsteigern, die bisher noch gar keinen oder keinen aktiv gepflegten Facebook-Account hatten, fehlt zudem das Gefühl für das Medium; oft kommen falsche Vorstellungen hinzu. Da hilft nur: informieren, ausprobieren und langsam aufbauen. Mit der Reputationsskala habe ich übrigens ein mittlerweile vielfach erprobtes Tool entwickelt, das dabei helfen kann. Hier finden Sie mehr Informationen dazu und können die Skala herunterladen.

 „Du wirst deine persönliche Chronik nicht hauptsächlich für deinen eigenen kommerziellen Profit verwenden, sondern eine Facebook-Seite für solche Zwecke nutzen.“ – Facebook hat in den Nutzungsbedingungen geregelt, dass ein Profil eben nicht werblichen Zwecken dienen soll. Nun ist „hauptsächlich“ natürlich ein dehnbarer Begriff, aber dennoch ist die Richtung klar. Aber ohnehin gilt ja: Niemand will sich mit anderen Menschen verbinden, wenn diese ständig Eigenwerbung oder Produktreklame absondern.

Profil oder Seite?

Wer als öffentliche Person eine sehr große Fan-Schar hat, ist sowieso darauf angewiesen, entweder eine Seite zu eröffnen oder die öffentlichen Meldungen des eigenen Profils für „Nicht-Freunde“ abonnierbar zu machen. Denn mehr als 5.000 „Freunde“ erlaubt Facebook nach wie vor nicht. Doch in einem solchen Kreis kann man natürlich eine Personenmarke aufbauen, vernetzen und pflegen. Die Fanpage kann ja hinzukommen. Bei Markenbotschaftern aus Unternehmen ist ohnehin klar, dass es eine Firmen-Page gibt, während die einzelnen Personen ihre eigenen Profile haben. Dort können sie auch, wohl dosiert und wo es passt, Neuigkeiten von der Seite teilen.

Wer als Einzelunternehmer oder Person des öffentlichen Lebens eine Fanpage und ein Profil hat, muss sich gut überlegen, welche Inhalte wohin gehören, und wie die beiden Angebote für Außenstehende auf den ersten Blick klar zu unterscheiden sind. Doch ist eine Fanpage letztlich immer ein Instrument des Sendens, vornehmlich in eine Richtung; auch dann, wenn viel Interaktion stattfindet. Sie ist deutlich weniger sichtbar, wenn kein Anzeigengeld eingesetzt wird. Und sie ist eben kein Instrument der persönlichen Vernetzung.

Personenmarken auf Unternehmensseiten

Facebook-Fanpages von Marken sind oft besonders erfolgreich, wenn für die Bezugsgruppen erkennbar ist, wer dahintersteht. Ich kann hier auf diesen Aspekt nur kurz eingehen, will es aber zumindest erwähnen: Es gibt gute Beispiele für Markenbotschafter, die sowohl auf der Facebook-Seite Ihres Arbeitgebers Gesicht zeigen als auch persönlich vernetzt sind. Eines davon sind die Stadtwerke Neuss mit dem Kommunikationschef Jürgen Scheer und der Social-Media-Verantwortlichen Jessica Wolf. Beide sind auch persönlich gut vernetzt.

Der Spagat zwischen Freunden, Kollegen und Geschäftspartnern

In Zeiten der sozialen Netzwerke verschwimmen oft die Grenzen zwischen den verschiedenen Kreisen, in denen wir uns bewegen, und den verschiedenen Rollen, die wir dabei einnehmen. Totale Privatheit ist immer schwieriger zu wahren. Selbst derjenige, der sich ganz heraushält aus der digitalen Welt, kann nicht sicher sein, ob und in welchem Umfang andere Menschen etwas über ihn posten. „Digitalarbeiter“ haben sich längst daran gewöhnt, und viele von ihnen schließen enge Freundschaften, die im Digitalen beginnen, und pflegen reale Kontakte über Facebook und andere Netzwerke. Aber auch sie sind natürlich bestrebt, Privates zu schützen. Konflikte und befremdetes Verhalten beobachtet man vor allem dort, wo „Digital Professionals“ auf Menschen treffen, die etwa Facebook rein privat nutzen.

Wer nun den Schritt vollziehen und sein bisher rein privat genutztes Profil auch als Markenbotschafter einsetzen will, der wird also womöglich im Familien- und engeren Freundeskreis nicht nur Zustimmung ernten. Ähnliche Balanceakte haben wir tatsächlich in unserem Leben schon mehrfach vollzogen; und auch im Privatleben mischen sich ja zuweilen Kollegen und Freunde. Die Welt ist nicht scharf in Zirkel abgetrennt, und völlige Konfliktlosigkeit ist sowieso eine Illusion. Warum sollte es in sozialen Netzwerken anders sein? Umso wichtiger ist aber, dass jeder die Art und Weise findet, mit der er oder sie sich komfortabel fühlt. Hier sind die entscheidenden Schritte, die Sie sich vornehmen könnten.

Rahmen und Möglichkeiten im Unternehmen klären

Zunächst einmal sollten Sie, bevor Sie irgendwie als Mitarbeiter einer Marke erkennbar sind, klären, was Ihr Arbeitgeber überhaupt erlaubt. Kennen Sie die Social-Media-Guidelines? Klären Sie in allen Zweifelsfragen mit Unternehmensleitung und/oder Kommunikationsabteilung, wie Sie am besten vorgehen! Gerade Vorstände und Entscheider, die im Namen der Firma sprechen, brauchen auf jeden Fall eine enge Anbindung an die Gesamtkommunikation und sollten nicht isoliert agieren. Auch die Notwendigkeit und Möglichkeiten der Unterstützung sollten Sie prüfen. Aber Vorsicht: Ein Profil, das vornehmlich andere pflegen, wirkt wahrscheinlich nicht sehr authentisch, sondern mehr wie ein Testimonial. So etwas ist nicht gemeint, wenn ich von echten Markenbotschaftern spreche.

Jede Personenmarke, auch die von Markenbotschaftern aus Unternehmen, braucht ein regelrechtes eigenes Kommunikationskonzept. Dieses kann man auch nur im Einzelfall erarbeiten. Einzelunternehmer müssen für sich vor allem die Ressourcenfrage klären, ehe sie anfangen, ihre Aktivitäten auszubauen. Hier muss die persönliche Facebook-Strategie einen integralen Bestandteil der Personenmarken- und Kommunikationsstrategie darstellen.

Die eigene Rolle festlegen

Was macht mich aus? Mit wem will ich kommunizieren? Was will ich preisgeben, was nicht? Was interessiert andere überhaupt? Wie kann ich zu einem größeren Ganzen beitragen? Welche Inhalte sind eher privat, welche öffentlich? – Viele Personenmarken handhaben es so, dass sie solche Inhalte, die für professionelle Kontakte interessant sind, öffentlich teilen und Privates in unterschiedlichen Abstufungen an verschiedene Gruppen verteilen.

Dazu hilft es, die bisherigen Kontakte noch einmal zu betrachten. Diese in verschiedene Listen zu sortieren, kann dabei bereits die eigene Klarheit sehr unterstützen. Beim späteren Veröffentlichen sind die Listen sowieso sinnvoll.

Eine solche Einteilung kann mit mehr oder weniger Aufwand erfolgen. Ich selbst handhabe es beispielsweise so, dass ich den Großteil meiner Postings „öffentlich“ publiziere. Einen kleineren Teil verbreite ich mit der Einstellung „Freunde“. Nur für ganz spezielle Inhalte gibt es eine kleine Liste der engeren Freunde. Grundsätzlich würde ich aber ohnehin nichts auf Facebook veröffentlichen, das nicht potentiell öffentlich sichtbar sein dürfte.

Mit den Regeln und Funktionen vertraut machen

Egal, ob Sie sich neu bei Facebook anmelden oder Ihre Personenmarke ausbauen: Die Besonderheiten, Funktionen, Regeln und Privatsphäreeinstellungen sollten Sie kennen, bevor Sie auch nur ein einziges Posting absetzen. Wie kann ich meine Kontakte in Listen einteilen? Welche Formen bieten sich an? Wie stelle ich ein Foto ein? Welche Möglichkeiten gibt es, Inhalte mit anderen zu teilen. Aber auch: Was ist rechtlich erlaubt und wo drohen Probleme? – Nutzen Sie dazu bitte auch das gesammelte Wissen aus dieser Ausgabe. Zu den einzelnen Funktionen bietet Facebook selbst einen umfassenden Hilfebereich an.

Profil einrichten oder ausbauen

Überarbeiten Sie mit den Einstellungen auch Ihr Profil, die persönlichen Angaben, Informationen oder die Verknüpfung mit der Facebook-Fanpage Ihres Arbeitgebers. Vielleicht wollen Sie Ihr Profilfoto und Ihr Titelbild austauschen, Ihre Biografie überarbeiten oder sogar ein Profilvideo hinzufügen.

Fast allen Personenmarken würde ich raten, ihr Profil öffentlich abonnierbar zu machen. So können Ihnen auch „Nicht-Freunde“ folgen, wie einer Seite, und Ihre öffentlichen Beiträge sogar kommentieren. Zusätzlich ist es möglich, Personen zwar als „Freunde“ anzunehmen. Wenn Sie diese aber der „Eingeschränkt“-Liste hinzufügen, so sehen die Betreffenden nur Ihre öffentlichen Beiträge.

Das eigene Netzwerk wiederfinden

Selbst wenn Sie auf Facebook noch keinen einzigen Kontakt besitzen, finden Sie sicherlich viele Ihrer Geschäftspartner und Freunde hier wieder. Fügen Sie diese als erste hinzu. Am besten senden Sie zu Kontaktanfragen auch jeweils eine persönliche Nachricht. Vorsicht: Ich rate, wie viele andere Fachleute auch, dringend davon ab, die eigenen E-Mail-Kontakte bei Facebook hochzuladen!

Weitere Kontakte aufbauen

Nach und nach können Sie ein größeres Netzwerk aufbauen. Sie werden beispielsweise vielleicht in den Kommentaren unter den Beiträgen von Freunden andere Menschen finden, die Sie interessant finden. Auch in den Vorschlägen, die Facebook selbst macht, könnten sich alte und neue Bekannte finden. Vom Kontakte-Sammeln möchte ich jedoch ebenfalls dringend abraten.

Zuhören, liken, gratulieren, kommentieren

Zuhören ist wichtiger als Sprechen: Wer nur sendet, wird weniger gehört werden als derjenige, der sich für andere interessiert und deren Aktivitäten schätzt. Das gilt auch auf Facebook. Gerade wenn Sie einsteigen, sollten Sie zunächst mitlesen und zuschauen. Beginnen Sie damit, auf Beiträge zu reagieren („liken“), die Ihnen gefallen. So entwickeln Sie ein immer besseres Gefühl dafür, was Ihr Netzwerk interessiert und wie Sie sich selbst verorten. Wichtigste Regel auch hier: nicht nerven.

Eigene Geschichte(n) erzählen

Über die Zeit hinweg entfaltet sich aus Bildern, Texten, Videos, Links und so weiter auf Ihrer Facebook-Pinnwand Ihre ganz persönliche Geschichte. Was Sie von sich preisgeben und was nicht, können Sie nur selbst entscheiden (und sich dazu auch Feedback von anderen holen). Auch für Markenbotschafter gilt: Je mehr Sie eigene Leidenschaft und Herzblut zeigen, desto mehr werden Sie andere interessieren. Was nicht funktioniert: plumpes Selbstlob, verdeckte Vorhaben oder Pseudofragen. Aber das kennen Sie wahrscheinlich auch schon aus dem sonstigen Leben, oder?

Aus Erfahrungen und von anderen lernen

Empirie schlägt Theorie. Wie bei Beziehungen im richtigen Leben kann man nur wenig Allgemeines vorschlagen; das Wichtigste ist die eigene Erfahrung. Sie werden sehen, was bei anderen ankommt und was nicht. Sie werden beobachten, wie Sie auf andere reagieren. Eine Personenmarke entwickelt sich mit dem Menschen weiter, der dahintersteht.

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Und wie sieht das alles nun in der Praxis aus? Das erfahren Sie im Folgebeitrag zu diesem Artikel, für den ich 20 Markenbotschafter befragt habe.

Artikel vom 13. Juni 2016