E-Book-Reader: Sony Reader PRS 505 im Test (mit Video)

Mit dem Reader PRS 505 wagt sich Sony auf den deutschen Markt. Der Zeitpunkt ist günstig: Gerade sind die digitalen Lesegeräte wieder im Gespräch und diesmal könnte es mehr sein als ein Hype, der allein Technikfreaks begeistert. Von Sonys Presseagentur bekam UPLOAD ein Testgerät gestellt. Ich habe es vor allem unter ganz praktischen Gesichtspunkten unter die Lupe genommen. Die wichtigste Frage: Wie alltagstauglich ist so ein Gerät? Und: Macht das Lesen darauf eigentlich Spaß?

Der Sony Reader im Kreise seiner Vorfahren

Der Sony Reader im Kreise einiger Vorfahren.

Die neue Generation von E-Readern

Eine Frage vorweg: Warum könnten solche Geräte eine Chance haben, wenn sie doch in früheren Jahren sang- und klanglos untergegangen sind? Folgende Argumente sprechen aus meiner Sicht dafür:

  • Die Bildschirme werden immer besser. Das E-Ink-Display ist ein entscheidender Vorteil gegenüber herkömmlichen Displays. E-Ink wirkt wie bedrucktes Papier. Das Lesen darauf ist angenehmer und auch im Sonnenlicht möglich. Dafür sind die Bildschirme heute noch recht langsam und in der Regel schwarz-weiß. Aber gut: Der Fortschritt ist hier ebenso wie an anderer Stelle nicht aufzuhalten und was sie heute leisten, erfüllt den Zweck bereits sehr gut.
  • Die Geräte werden immer leichter und dabei leistungsfähiger. Ein wesentlicher Faktor eines solchen Geräts ist natürlich, dass man es gern dabei hat und in die Hand nimmt. Es muss also kompakt und leicht sein. Zugleich muss es aber möglichst viel Speicher haben und so schnell wie möglich reagieren, damit es ein positives Nutzungserlebnis bringt. In allen diesen Bereichen gab es in den vergangenen Jahren erhebliche Fortschritte.
  • Die Akkulaufzeit steigt. Dass man als digitaler Nomade heute eine Vielzahl von Kabeln und Netzteilen mit sich herumträgt, nervt. Gern ist auch immer dann der Akku alle, wenn man das Gerät gerade braucht und es nicht aufladen kann. Je länger also eine Ladung hält, desto besser. Auch hier gibt es sichtbare Fortschritte, vor allem in Kombination mit dem stromsparenden E-Ink-Display.
  • Ständige Verbindung zum Internet. Hat man früher ein mobiles Gerät als Anhängsel eines PCs verstanden, werden sie heute zunehmend eigenständiger. Dazu gehört, dass sie selbst eine Verbindung zum Internet aufbauen – egal, wo man gerade ist. Das bringt einen erheblichen Gewinn an Einsatzmöglichkeiten. Der Kindle beispielsweise ist nicht nur für Bücher gedacht, sondern auch für Zeitungen, Zeitschriften und Blogs, deren Inhalte automatisch aus dem Netz geladen werden.

Gegen diese Geräte spricht vor allem, dass potenzielle Kunden in der Regel mit einem Laptop oder einem Handy bereits ein mobiles Gerät mit ähnlichen Eigenschaften haben. Aber dass ein anderes Gerät etwas ähnliches kann, heißt erfahrungsgemäß noch lange nicht, dass es deshalb keine spezialisierten Geräte mehr gibt. Handys und Laptops haben einen ungünstigen Formfaktor, schlechtere Akkulaufzeiten und einen ungeeigneten Bildschirm.

Ob das ausreicht für einen Verkaufserfolg? Das entscheiden natürlich die Kunden. Und die werden nicht nur allein auf die Geräte schauen (s.u.), sondern auch auf die damit verbundenen Angebote und Möglichkeiten. Was ich damit tun kann, unter welchen Bedingungen und zu welchem Preis – das werden die Punkte sein, die am Ende über Erfolg oder Misserfolg entscheiden. Dass auch Amazon nicht alles auf eine Karte setzt, beweist allein, dass es seit Kurzem eine „Kindle“-App fürs iPhone gibt.

Der Sony Reader PRS 505 unter der Lupe

Dickenvergleich: Sony Reader gegen typische Bücher

Dickenvergleich: Sony Reader (oben) gegen einige Bücher.

Was den Namen und die Verpackung angeht, hat Sony nicht viel von Apples Erfolg mit dem iPod gelernt. Dafür, dass man doch recht viel Geld für das Gerät bezahlt (ca. 300 Euro), kommt es ein bisschen gewöhnlich daher. Aber gut: Auf lange Sicht zählt das Gerät.

Als erstes fällt mir auf, dass das Gerät kleiner ist als erwartet. Das Format ist handlich und das Gewicht angenehm. Der Reader kommt mit einem abnehmbaren „Schutzeinband“, der zugeklappt das Gerät verbirgt. Auf die Weise habe ich keine Bedenken, es einfach in meine Umhängetasche zu stecken, die mich sowieso fast immer begleitet. Positiv daran ist auch, dass meine Hände damit nicht das metallische Gehäuse des Readers anfassen müssen. Denn Metall ist zwar stabil und wirkt hochwertig, ist aber auch sehr kalt – dadurch wird der Unterschied zu einem gedruckten Buch sehr betont. Ich glaube nicht, dass das sehr geschickt ist. Ein Reader sollte gut in der Hand liegen und man sollte ihn gern anfassen.

Ein anderer krasser Unterschied zum gedruckten Buch sind die Knöpfe – eben Ausdruck der technischen Seite des Geräts. Und Sonys Reader hat viele Knöpfe. Funktionen wie das Umblättern gibt es beispielsweise an zwei verschiedenen Stellen. Auch das Auswählen eines Menüpunktes auf dem Bildschirm erfolgt wahlweise auf zwei Wegen. Seltsam. Wenn es wenigstens eine Hilfe für Linkshänder wäre – aber auch da habe ich meine Bedenken.

Hinzu kommt, dass ich die Knöpfe fürs Umblättern zu unhandlich finde. Das ist nun wirklich die zentrale Funktion des Geräts. Aber an beiden Positionen sind sie recht klein und müssen gezielt gedrückt werden. Das verhindert sicherlich ungewolltes Umblättern, aber ich habe nicht das Gefühl, dass die Ingenieure hier an die Grenze des Machbaren gegangen sind. Da ist mit den nächsten Modellen hoffentlich noch Feinarbeit zu erwarten.

Die Menüführung ist ansonsten tadellos und logisch. Es gibt netterweise auch eine Abkürzung zu dem, was man zuletzt gelesen hat – ein Tastendruck bei „Weiterlesen“ genügt. Außerdem lassen sich Lesezeichen in den Inhalten setzen, zu denen man schnell zurückkehren kann. Notizen sind aber nicht möglich.

Das Display des Sony Reader

Das E-Ink-Display in einer Nahaufnahme.

Das E-Ink-Display finde ich sehr überzeugend. Sicher: Es reagiert mit deutlicher Verzögerung. Aber daran hatte ich mich schnell gewöhnt. Viel wichtiger ist, dass es sich darauf tatsächlich schon gut lesen lässt. Ich habe eine mitgelieferte Geschichte von über 200 Bildschirmseiten darauf gelesen und hatte nie das Problem, dass es meine Augen in irgendeiner Form ermüdet hätte. Das Display ist matt, so dass es nur sehr selten Probleme mit einer spiegelnden Lichtquelle gibt. Im Prinzip kann man auf so einem Reader immer dann gut lesen, wenn man es auf Papier auch könnte. Eine Hintergrundbeleuchtung o.ä. gibt es nicht – das allerdings ist kein Fehler sondern ein Feature: Es macht das Lesen angenehm.

Vorteil der Digitalisierung: Die Schriftgröße lässt sich in drei Stufen einstellen.

Irritierend als Neuling: Das Gerät scheint immer eingeschaltet zu sein. Denn der Bildschirm verbraucht vor allem beim Umblättern Energie, für die unveränderte Anzeige hingegen kaum. Legt man den Reader zur Seite und nimmt ihn wieder vor, ist der Bildschirm unverändert. Er wird nur langsam etwas grauer, was beim ersten Umblättern wieder weg ist. Vorteil: Keine Start- oder Ladezeiten, die das Nutzungserlebnis trüben würden. Der Reader ist sofort einsatzbereit. An die Grenzen des Akkus bin ich nicht gestoßen. Dennoch kann man den Reader natürlich selbst aus- und einschalten.

Gut gefällt mir außerdem, dass ich auf dem Reader von nichts abgelenkt werde. Im Gegensatz zu Handy oder Laptop ist es seine wichtigste Aufgabe, mir Text anzuzeigen. Das merkt man.

Der Abgleich funktioniert per USB und mit einer Software unter Windows. Das habe ich nicht getestet und kann daher dazu auch keine Aussage machen.

Einen Zugriff aufs Internet hat Sonys Reader nicht. Ein Feature neben der Anzeige von Texten aller Art ist das Abspielen von Musik. Man kann also gleichzeitig etwas hören, wenn man etwas liest. Eher ein Gag ist die Möglichkeit, Bilder anzeigen zu lassen – schließlich kann der Bildschirm nur sechs Graustufen darstellen.

Schauen wir uns mal zwei Konkurrenten an.

Im Vergleich: Amazon Kindle

Amazon Kindle 2

Amazons Kindle in Version 2

Dass Amazon es mit einem E-Reader versucht, erscheint nur logisch. Schließlich ist Amazon der Online-Buchhändler Nr.1. Entsprechend wird der „Kindle“ viel beachtet und hat sich geschätzte 500.000 Mal verkauft. Die erste Version fiel mit ihrem seltsamen Retrodesign und ein paar Haken und Ösen bei der Bedienung negativ auf. Aber die neue, zweite Version will das natürlich alles besser machen.

Der Kindle ist immer mit dem Internet verbunden. Die Nutzung ist im jeweiligen Kaufpreis enthalten. Das ist für den Nutzer eine praktische Lösung mit niedriger Hemmschwelle. Auf die Weise lassen sich auch Tageszeitungen wie die New York Times abonnieren. Nachteil: Das kostet Geld, auch bei Blogs.

Bislang gibt es den Kindle nur in den USA. Und da das neue Modell wieder auf den Mobilfunkstandard EVDO und nicht auf das z.B. in Europa übliche GMS setzt, ist eine Markteinführung in Deutschland noch nicht abzusehen. Schade, denn der Kindle hat das interessanteste Gesamtpaket aus Hardware und Shop – vergleichbar mit dem iPod-Ökosystem aus iPod, iTunes und iTunes Store.

Im Vergleich: txtr

Der txtr in einer Illustration

So soll der txtr mal aussehen, wenn er auf den Markt kommt.

Das deutsche Startup txtr überraschte die Branche mit einem eigenen Reader, der in der zweiten Jahreshälfte erscheinen soll. Bislang kann man sich nur auf die angekündigten technischen Daten beziehen. 8 GB Speicher klingen gut. Versprochen wird zudem, dass das E-Ink-Display besonders schnell reagiert. Mit 6 Zoll Diagonale und 16 Graustufen entspricht es ansonsten dem des Kindle 2.

Die Inhalte sollen per UMTS oder GPRS von der Onlineplattform txtr.com kommen. Natürlich wird man es erst abschließend beurteilen können, wenn das Gerät vorliegt. Aber die Eckdaten sehen interessant aus und die bereits vorhandene Website mit Inhalten ist eine interessante Ergänzung.

Fazit zum Sony Reader

Der Sony Reader PRS 505 ist ein interessantes Gerät, das den technischen Fortschritt der letzten Jahre schon gut zeigt. Das Format ist passend und handlich, das Gewicht (260 Gramm) in Ordnung. Akkulaufzeit und Display sind die Stärken gegenüber einem Handy oder Laptop.

Im Vergleich mit der künftigen Konkurrenz fehlen mir allerdings ein paar Features. Vor allem die ständige Verbindung zum Internet fände ich interessant, um beispielsweise meine liebsten RSS-Feeds morgens in der Straßenbahn zu lesen.

So beschränkt sich der Reader auf das, was man selbst auf das Gerät schiebt. Immerhin versteht er sich nicht etwa nur auf irgendein Sony-spezifisches Format, sondern auch auf das offene EPUB-Format und z.B. auf PDF, RTF, JPG und viele andere verbreitete Formate.

Das ist ein intelligenter Schachzug von Sony, die in den vergangenen Jahren sonst oft durch Insellösungen negativ aufgefallen sind. EPUB wird beispielsweise auch vom Börsenverein des deutschen Buchhandels als Format für E-Books empfohlen. Es versteht sich auf Dateien mit und ohne Rechtemanagement. Da es ein offener Standard ist, ist er vergleichsweise zukunftssicher: Kunden sind dadurch nicht an eine Firma gekettet. Es ist also anzunehmen, dass Besitzer des Sony Reader auch in Zukunft immer wieder neue Inhalte für ihr Gerät bekommen – oder alte zumindest nicht verlorengehen.

Fazit zu E-Book-Readern allgemein

Während des Tests haben sich für mich auch einige praktische Fragen zum Thema E-Book-Reader an sich ergeben.

Was mache ich beispielsweise mit den Büchern, die ich bereits gekauft habe? Meine CDs konnte ich in minutenschnelle auf die Festplatte ziehen und beim nächsten Anstöpseln des iPods hatte ich sie dabei. Mit Büchern geht das nicht.

Eine andere Sache: Kann ich künftig Inhalte „ausleihen“, wie heute aus der Bibliothek? Wie ist das, wenn ich jemand anderem ein Buch ausleihen möchte? Mit dem gedruckten Vorbild ist das kein Problem und gehört zum Alltag.

Ich denke, hier müssen sich die Hersteller noch etwas einfallen lassen. Diese prinzipbedingten Schwächen werden sie vielleicht nicht beheben können. Aber dann müssen sie es durch Features ausgleichen, die ein Buch oder ein anderes Lesegerät eben nicht zu bieten haben.

Ob es auch diesmal wieder beim Hype bleibt oder es künftig einen Markt für solche Geräte gibt? Ich wage da keine Prognose. Noch bin ich allerdings optimistisch, dass uns der technische Fortschritt und mehr konkurrierende Systeme noch interessante Lösungen bringen, auf die viele von uns in einigen Jahren möglicherweise gar nicht mehr verzichten wollen.

Links

Video

Zum Sony Reader habe ich auch noch das folgende Video gemacht, das ich Euch nicht vorenthalten möchte:

Inhalt:

  • 0:04: Ein erster Blick auf den Reader
  • 1:14: Der Reader in Aktion
  • 3:59: Fazit

Themenwoche

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Dieser Artikel gehört zur „Themenwoche Buch 2.0“ auf UPLOAD. Hier gibt es alle Beiträge dazu…

Artikel vom 22. März 2009