Was ist besser: Themenblog oder Allesblog?

Die Mehrzahl der Weblogs hat ein zentrales Thema: Alles, was den jeweiligen Blogger interessiert. Aber ist ein Allesblog eine so gute Idee? Wäre es nicht eigentlich besser, sich auf ein Thema zu spezialisieren? Diese Frage kam aus Richtung Get Your Own Style in meine Richtung geflogen. Ein paar Antworten dazu hier. Und die Erkenntnis: Es kommt darauf an…


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Worum geht’s? Foto: Photocase

Kevin von Get Your Own Style hat sein erstes Blogstöckchen geworfen. Was ein Blogstöckchen ist, steht zum Beispiel hier. Im Kern geht es um eine Frage, die an mehrere Blogger weitergereicht wird. Die beantworten sie und geben sie ihrerseits weiter.

Sein Thema: Blogging: Themenbezogen oder Allesblogger? Man könnte auch fragen: Wie sehr sollte ich mich inhaltlich spezialisieren?

Diese Frage verdient ein entschiedenes “Es kommt darauf an…” als Antwort. Denn es kommt darauf an, warum man bloggt und für wen.

Grundsätzliches…

Ein Weblog ist an sich erst einmal nur ein Werkzeug, mit dem ich Inhalte publizieren und mich vor allem auf vielfältige Weise mit anderen vernetzen kann. Weblogs ermöglichen, erleichtern und provozieren Diskussionen, sogar quer über Weblogs hinweg. Weblogs ermöglichen mir, eine aktuelle Website zu haben. Weblogs sind suchmaschinenfreundlich. Weblogs können multimedial sein. Das sind nur einige Punkte. Jedem wird etwas anderes daran wichtig sein.

Der eine sieht Weblogs eher als demokratisches Mittel, verschiedene Meinungen und Fakten zu veröffentlichen. Der andere sieht ein Weblog als Chance, auf sich aufmerksam zu machen. Wieder jemand anderes freut sich, mit seinen Interessen und Ansichten nicht allein zu sein.

So vielfältig wie die Blogosphäre ist auch die Antwort darauf, ob nun ein Vielfaltblog oder ein Allesblog die bessere Lösung ist.

Einerseits…

Wenn ich mich über ein Weblog vor allem öffentlich zu dem äußern möchte, was mir wichtig ist, lasse ich mich nicht beschränken. Wenn das Blog dazu dient, mit anderen Kontakt zu halten und mit ihnen ins Gespräch zu kommen, wird es um alles und nichts gehen.

Andererseits…

Will ich hingegen das Weblog nutzen, um auf meine fachliche Qualifikation aufmerksam zu machen, sieht es schon ganz anders aus.

Und in der Wirklichkeit…

Es ist oft so, dass man zunächst mit einem privaten Weblog einfach anfängt, ohne einen Plan im Kopf zu haben. Das Weblog entwickelt sich und verändert sich mit den eigenen Interessen und mit den Lesern und ihren Kommentaren. Dann kommt man eventuell an einen Punkt an dem man überlegt: Würde es sich nicht lohnen, über dieses oder jenes Thema ein eigenes Weblog zu starten?

An diesem Punkt stand beispielsweise kürzlich Johannes von tautoko.info und sein Artikel samt der Kommentare sind zum Thema sehr lesenswert.

Ja, wenn das Weblog eine gewisse Leserzahl erreicht, wird die Leserschaft differenzierter. Dann kann es sein, dass man Leser verliert, weil die nur gelegentlich zwischen den vielen Artikeln etwas finden, was sie interessiert. Sofern ich als Leser nur wenige Weblogs verfolge, ist das nur ein kleines Problem. Verfolge ich allerdings viele, viele Weblogs und das vielleicht mit einem gewissen beruflichen Interesse, werde ich von Vielfaltblogs recht bald genervt sein. Es ist einfach mühselig.

Aber dafür gibt es einen Kompromiss: Ein Blog mit allen Infos, aber mit unterschiedlichen Feeds für die Leser. Jedes Thema kann einzeln abonniert werden. Damit sind dann zumindest die thematisch speziell interessierten Nutzer befriedigt.

Gründe für ein Themenblog

Einige Nachteile des Vielfaltblogs kann das allerdings nicht ausbügeln. Die spielen allerdings nur eine Rolle, wenn man mit dem Blog einen bestimmten Zweck verfolgt. Mit einem thematisch begrenzten Blog ist es beispielsweise leichter, in entsprechende Verzeichnisse am richtigen Ort aufgenommen zu werden. Andere Fachblogs setzen eher einen Link. Das Blog macht auf Nicht-Blog-Leser einen seriöseren Eindruck. Suchmaschinen kommen besser damit zurecht und sehen eine solche Seite eher als Autorität bei einem bestimmten Thema.

Also: Es kommt darauf an.

Links zum Weiterlesen

Dieses Blogstöckchen fliegt weiter an René Kriest von ProBloggerWorld und Thomas Gigold.

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14 Gedanken zu „Was ist besser: Themenblog oder Allesblog?

  1. Themenblog oder Allesblog ist genau die Frage, die ich mir zum ersten Mal dann gestellt habe, als ich AdSense auf meiner Seite einzusetzen begonnen habe und Dinge wie Backlinks, Trackbacks, Kommentare, etc. relevant wurden. Interessanterweise war die Überlegung davor gar nicht da, da war meine Seite (Blog, Tumblelog, was auch immer) ganz einfach ein Ersatz für Papier und Stimme: Ich schrieb, wozu ich Lust hatte und Leute kommentierten, wenn sie Lust dazu hatten. Es war einfach ein echtes, Freude bereitendes Hobby.

    Klarerweise war die Zielgruppe (in solchen Kategorien habe ich allerdings damals noch nicht gedacht) eng abgesteckt und mehrere Wechsel in Sprache und Design machten eine homogene Gruppe ja praktisch unmöglich, allerdings… es wurde gelesen und kommentiert. Und es hat mir Freude bereitet an der Seite herumzubasteln.

    Und dann kam China und Google AdSense und LinkLift und schon war ich kategorisiert und konnte mich nicht mehr schreibtechnisch wie auch inhaltlich gehen lassen: Gewisse Einträge schienen mir einfach nicht mehr passend und sie wurden in einen Mitgliederbereich gesetzt. Ehrlich gesagt, verlor das Bloggen damit für mich an Reiz und vor allem an Spaß (dafür schossen die Werbeeinnahmen in die Höhe) und auch meine Stammkundschaft war ob des Randthemas (wer fährt denn schon nach China?) der Sache müßig geworden. Kurzum: die Spezialisierung bescherte mir Unmengen an Google-Links, meine interessierte Stammleserschaft verschwand. Mein Blog wurde zu etwas Sterilem, zu etwas, womit ich mich nicht mehr identifizieren wollte, weil es einfach nicht mehr das Ich war, das hier gerne schrieb, sondern mehr das Über-Ich, das hier organisierte und wirtschaftete.

    Ich bin schlicht und einfach der Meinung, dass Blogger in ihren Blogs, sofern nicht kommerziell ausgeführt, über alles schreiben sollten, worüber sie schreiben wollen. Kommerzialisieren sie sich, wird’s sowieso langweilig und wie man sich darüber freuen kann, dass aus einem Fachblog ein Buch wird, verstehe ich bis heute nicht. Schließlich hat man ja auch in Zeiten des kompletten Durcheinanders Newsfeeds abonniert und war zufrieden damit.

    Bei mir hat dieser, ja, ich möchte ihn fast “Spezialisierungsdrang” nennen, zu einem radikalen Schlussstrich geführtm, damit wieder Freude und Persönliches in meine Seite einfließen kann. Ich schreibe, wonach es mir gelüstet, ich vertrete Meinungen, nach denen mir ist und ich brauch mich um keine Kodices oder sonstige Regulierungen in meinem Bereich kümmern. Das ist es, was mir Spaß macht, daher: Neue Domain. Portierung ohne Kommentare. Redesign.

    Und das hat wieder Spaß gemacht. Aber vielleicht bin ich auch einfach nur ein Tüftler und Bastler.

  2. Ich habe auf meinem privaten Blog immer mal wieder über Webzeugs geschrieben, das fühlte sich dort aber sehr schnell wie Fremdkörper an. Besonders da ein Großteil meiner Leser dort nicht so netzaffin ist.
    Ein thematisch eingegrenzteres Techblog aufzumachen war dann irgendwann einfach der logische Schritt für mich.

    Aber wie Du schon sagtest: es kommt tatsächlich darauf an.

  3. Die Frage ist wohl fast so alt wie die Blogs selbst. Auch ich habe diese Frage immer wieder meinen LeserInnen gestellt und daraufhin ganz unterschiedliche Antworten bekommen. Die “Tech-Freaks” lesen sowieso per RSS Feed und hier – wie geschrieben – besteht die Möglichkeit einzelne Kategorien (also quasi Sub-Blogs) mit eigenen Feeds zu versehen.
    Ich selbst lese zwar auch sehr themenbezogene Blogs aber auch Blogs mit einer großen Bandbreite an Themen. Das mag am Schreibstil des/der Blogger/in liegen, der mir gefällt. Das mag aber auch daran liegen, dass ich immer wieder gerne mal über den “Tellerrand” schaue und auch anderweitige Themen lesen möchte.
    Wie schon angeführt, bloggen muss (zumindest gilt dies bei mir) Freude bereiten. Ich habe gerade beim bloggen schätzen gelernt mich nicht thematisch einengen zu lassen, gerade das Blog auch ein bisschen als Experimentierraum für neue Ideen und Themen zu verwenden. Das wird manche abschrecken und manche interessieren. Solange ich nicht von Werbeeinschaltungen (ich habe keine) leben muss oder will, ist daher die Themenwahl erfreulicherweise ganz mir überlassen. Wobei dies nicht bedeuten soll, dass ich nicht gerne meine LeserInnen miteinbinde und immer wieder nachfrage, ob ich ev. etwas verstärken soll. Aber mir ein Thema verbieten lassen, dass kommt für mich nicht in Frage.

  4. Hallo Robert, Deine Einschätzungen kann ich gut nachvollziehen. Ich schaffe mir meinen Ausgleich dadurch, dass ich mehr als ein Weblog habe. Nur so wie hier relativ konzentriert zu schreiben, würde ich auch nicht durchhalten. Manchmal will ich einfach was loswerden, notieren, herausposaunen. Aber Seiten wie UPLOAD bringen mich wiederum dazu, über Themen genauer nachzudenken, mal die Kreativität gezielt anzuregen, die Augen offen zu halten. Auch spannend.

    Insofern verbiete ich mir auch kein Thema. Die Themen finden aber eben nicht alle an einem Ort statt :-)

  5. Also ich sehe mich hier nicht nur mit dem Problem der inhaltlichen Ausrichtung konfrontiert, sondern zusätzlich noch mit der sprachlichen. Nach einigen eingeschlafenen Versuchen, etwas auf deutsch zu bloggen, habe ich irgendwann ein englischsprachiges Blog über Second Life begonnen (http://taotakashi.wordpress.com), da ich damals gerate begann in Second Life unterwegs zu sein.
    Ausserdem hatte ich noch so ein halb aktives Blog (auch in englisch) über Plone, in dessen Open Source-Community ich recht aktiv bin. D.h. hier habe ich an sich schon die Themen aufgeteilt.

    Irgendwann fiel mir dann aber doch auf, dass ich von der Blogosphäre meines Heimatlandes aber doch etwas entfernt bin, so dass ich nach längerer Bedenkzeit dann auch ein deutsches Blog eingerichtet habe, wo ich im Prinzip über alles schreibe, was mir so über den Weg läuft. Allerdings schon mehr technischere Themen, wie Web2.0, SL usw. (zu finden unter http://mrtopf.de)

    Es bleibt aber trotzdem immer die Frage, was ich denn wo bloggen soll und ob ich es auf deutsch oder englisch tue. Bei Plone ist einigermassen klar, den sehr technischen Kram werde ich weiter auf dem Developer-Blog auf englisch posten (und Ankündigungen auf dem deutschen), bei Second Life ist aber immer die Frage ob deutsch oder englisch oder beides.

    Auch ist mein Tao-Blog im Prinzip nur Second Life-spezifisch und wenn ich da mal etwas über andere Themen (wie z.B. Musik, Web2.0 generell usw.) sagen will, dann fühlt sich das dort irgendwie falsch an, da vielleicht meine Zielgruppe eher an SL gewöhnt ist.
    Ein weiteres Blog ins Leben zu rufen wäre allerdings dann doch etwas zuviel des Guten (zumal mein englisches SL-Blog ja nun im Prinzip recht bekannt ist).

    Meine Wunschlösung ist aufgrund der Sprachbarriere leider noch nicht so wirklich gefunden, fahre aber im Prinzip mit der Blogaufteilung soweit recht gut, denke ich mal. An Kommerzialisierung ist im Prinzip auch nicht gedacht und daher werde ich die wohl mehr nach Lust und Laune (in den genannten Grenzen) weiterführen.

  6. Hallo Christian, vielen Dank für das interessante Beispiel. Gerade in letzter Zeit kam in mir vermehrt der Wunsch auf, auch ein englisches Blog zu haben. Die potenzielle Leserschaft ist einfach um ein so Vielfaches größer. Und viele sehr spannende Dinge passieren gerade im Internetbereich außerhalb des deutschen Sprachraums ;-) Mal sehen, was die Zukunft bringt. Vorher müsste ich allerdings meine englischen Sprachkenntnisse vor allem fürs Schreiben wesentlich verbessern…

  7. Jeder kann nur über das schreiben, was er weiß und wozu er Lust hat. Wenn jemand keine Spezialkenntnisse hat und sich auch keine erarbeiten will, kann er sich nicht spezialisieren. Auch wenn er damit vielleicht mehr Leser erreichen würde.

  8. Das Beispiel von http://www.creative-weblogging.de zeigt, dass Spezialblogs gute Chancen auf Erfolg haben. Mittlerweile sind über 30 deutschsprachige Themenblogs in dem internationalen Netzwerk vertreten – von Auto, über Haustiere und Hausbau, bis Reisen, Handy oder PHP-Entwicklung und Open-Source-Software. Oft ist das Specialthema allerdings nur der Ausgangspunkt für das Bloggen, später kommen dann weitere Themen hinzu. Das finde ich auch nicht weiter schlimm und eigentlich ist das Schöne am Bloggen auch, dass man nicht so eingeengt auf ein Thema ist.

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