Die Suche nach „User Powered Journalism“ bringt aktuell bei Google keinen Treffer. Das möchte ich ändern. Denn nachdem das Thema der durch Nutzer erstellten Inhalte seinen Höhepunkt erreicht hat, stellt sich die Frage nach dem nächsten Schritt. Und der kann nur sein: Mach was aus diesen vielen, vielen Inhalten. Und mach es wie ein Profi.

Die Zeiten der Einweg-Kommunikation scheint in den Medien vorbei. Kaum vorstellbar, dass diese Wandlung vom Monolog zum Dialog jemals wieder rückgängig gemacht werden kann. Jeder hat heute die Möglichkeit, seine Informationen, sein Wissen und seine Meinung für alle gut sichtbar zu publizieren. Sei es nun in Form eines Weblogs, eines Podcasts, eines Wikis oder auch eines PDF-Magazins. Die klassischen Medien und mithin ihre Journalisten sind nicht mehr allein die Wächter am Informationstor.

Unbestreitbar werden heute außerdem mehr Inhalte produziert als jemals zuvor.

Das Problem ist nicht mehr, etwas veröffentlichen zu können. Das Problem ist vielmehr, gefunden, gehört und beachtet zu werden.

Wenn wir uns die aktuelle Medienlandschaft im Internet ansehen haben wir grob gesprochen zwei Gruppen:

Dieses Nebeneinander wird auf Dauer keinen Bestand haben. Beide Seiten lernen in den kommenden Jahren voneinander. Die Grenze zwischen einem privaten Blog und einem professionellen Newsdienst verwischt zunehmend.

Natürlich wird es weiterin viele, viele private Blogs geben. Natürlich wird es weiterhin viele, viele Newsseiten klassischer Medien geben. Aber zwischen ihnen wird sich nach meiner Meinung etwas Neues entwickeln: User Powered Journalism.

User Powered Journalism meint:

Anstatt dass die Redaktion produziert und dann die Kommentare der Empfänger entgegennimmt, ist es ein fortdauerndes Geben und Nehmen, eine Arbeit an einem gemeinsamen Produkt.

Vielleicht einmal an einem konkreten Beispiel. Ein Dienst wie Blog.de stellt eine Plattform bereit, auf der jeder Interessierte sein eigenes Weblog anlegen und Inhalte produzieren kann. Das ist der bekannte „User Generated Content“ – von Nutzern erstellte Inhalte. Das Prinzip funktioniert prima: Man muss als Anbieter lediglich die Grundlage entwickeln und pflegen, den Rest erledigen die Nutzer. Finanziert wird das Ganze größtenteils über die eingeblendete Werbung.

Ansonsten wird mit den unglaublich vielen Artikeln, Bildern, Links und Diskussionen aber überhaupt nichts angestellt. Jeder neue Beitrag erzeugt einen neuen Werbeplatz. Das reicht.

Jedenfalls heute.

Aber in der Zukunft reicht das nicht mehr. Denn Inhalte haben sie alle. Und nur wenige der vielen Communitys werden überhaupt überleben. Irgendwann ist die Grenze erreicht und neue Projekte werden nicht mehr genug Mitglieder bekommen. Selbst große Unternehmen wie United Internet haben trotz ihrer Macht durch enorme Nutzerzahlen bei GMX.de und Web.de nicht automatisch genug Interessenten, um eine Plattform wie Unddu.de aus dem Stand zum Erfolg zu führen.

Nur über die schiere Masse allein kann es also nicht gehen. Es kann auch nicht sein, einfach nur Inhalte zu produzieren, um viele Seitenabrufe zu generieren. Es geht um Exklusivität, um Leserbindung, um interessante Inhalte.

Natürlich: Die Qualität der Inhalte ist sehr unterschiedlich. Und vieles davon dürfte nur einen sehr kleinen Kreis von Lesern überhaupt interessieren. Aber es wird eine beachtenswert große Gruppe von Weblogs innerhalb von Blog.de geben, die sehr lesenswerte Artikel produziert: interessante Meinungen, Fachwissen, aktuelle Diskussionen, Kurioses, echte Gefühle, Schicksale.

User Powered Journalism würde nun bedeuten, eine Redaktion darauf anzusetzen mit der Aufgabe: Lies diese Blogs und stell aus ihnen ein neues Produkt zusammen.

Nennt es meinetwegen das Blog.de-Magazin. Dieses Magazin gibt allen Interessierten einen Einblick, welche Themen gerade besonders intensiv diskutiert werden, stellt interessante Weblogs vor, fischt lesenswerte Artikel heraus und präsentiert sie in einer neuen, professionelleren Umgebung. Zugleich setzt die Redaktion eigene Themen, die dann im Idealfall wieder die Blogger anregt, etwas zu schreiben.

Dieses Magazin würde, bei entsprechend gut gemachter Aufbereitung, sicher auch von Leuten gelesen, die mit Blogs sonst nichts am Hut haben und denen es viel zu aufwändig wäre, diese Perlen selbst zu suchen und vielleicht nie zu finden.

Aber auch aus einer anderen Richtung gedacht wird ein Schuh daraus. Zeitungen und Zeitschriften sind ideale Keimzellen einer Community. Genau genommen haben Zeitungen und Zeitschriften schon eine Gemeinschaft und die Mitglieder zahlen sogar Geld dafür, um dabei zu sein. Man nennt es Abonnement. Warum sollte ein Zeitung das nicht nutzen? Muss sie es nicht eigentlich sogar, um auf lange Sicht selbstständig zu bleiben und nicht von einem Großverlag geschluckt zu werden?

Und natürlich könnte sich diese Zeitung in ein Gespräch mit ihren Lesern begeben. Sie sollte ihnen nicht nur gnädig das Recht einräumen, sich zu äußern. Sie sollte ihnen aktiv zuhören, sie einbeziehen, auf sie reagieren.

Bislang sind solche Versuche sehr halbherzig abgelaufen, nie im großen Stil. Da gab es einmal bei der „Frankfurter Allgemeinen Sonntagszeitung“ die Aktion, einen Artikel von den Lesern korrigieren und ergänzen zu lassen. Ein guter Ansatz, aber eben doch nur eine Art Sandkasten für Leser. Eine verpasste Chance, denn unter den Lesern sind meist Fachleute, die viele Themen tatsächlich besser beurteilen können als ein Journalist. Ich habe einige Jahre bei einer Lokalzeitung gearbeitet und es ist erstaunlich, welches fundierte Fach- und Detailwissen einen per Leserbrief erreicht. Genutzt wird es bislang kaum.

Natürlich haben diese Leser in der Regel keine Erfahrung damit, wie man einen spannenden Artikel schreibt, der zugleich alle Fakten korrekt wiedergibt, allgemeinverständlich bleibt und auch noch exakt den vorgegebenen Platz auf der Zeitungsseite ausfüllt. Das wiederum kann der Journalist ausgezeichnet. Er hat es auch gelernt, Informationen von Meinungen und Meinungen von Vermutungen zu unterscheiden, Fakten zu hinterfragen und zu überprüfen. Das hat er den Lesern meistens voraus.

Aber warum nicht beides verbinden? Das wäre ideal: Das Wissen der Leser, verknüpft mit dem Können der Journalisten, begutachtet durch einen Experten.

Das meine ich mit „User Powered Journalism“.

Also kein Gegeneinander von Journalisten und Bloggern beispielsweise. Sondern ein Miteinander, ein Zusammenarbeiten, ein gegenseitiges Fördern und Fordern.

Träumerei? Oder bald Realität?

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