Wie ein Magazin-Artikel entsteht

Auch wenn meine Arbeit bei der TOMORROW seit Jahresbeginn bedeutet, dass hier bei UPLOAD einiges liegenbleibt: Ich lerne eine Menge dazu. Und einiges davon möchte ich mit Euch teilen. Nachdem neulich schon in einem Podcast-Kommentar danach gefragt wurde, geht es heute darum, wie ein Magazin-Artikel eigentlich entsteht. Und vielleicht ist hier und da ja eine interessante Anregung dabei.

Hintergrund

Bei einem Magazin werden ganz andere Ansprüche an die Inhalte gestellt als beispielsweise bei einer Tageszeitung.

Bei einer Tageszeitung geht es normalerweise um Aktualität. Es gibt auch wöchentliche Rubriken, okay. Aber davon meist so viele, das nicht sehr viel Zeit bleibt, sich um den einzelnen Artikel zu kümmern. Noch extremer sieht es im Internet aus: Hier geht es meist um Schnelligkeit – unnötigerweise, wie ich finde. Denn gerade das Netz mit seinen multimedialen Möglichkeiten böte sich an, um Dinge ausführlich und von sehr verschiedenen Seiten zu beleuchten. Das wird meistens noch übersehen und deshalb sind journalistische Produkte im Netz (zu) oft auf Schnelligkeit getrimmt.

Bei einem Monatsmagazin wie der TOMORROW besteht nun aber die Chance, es anders zu machen. Genau genommen hat man als Autor sogar die Pflicht. Denn warum sollte der Leser dieses Magazin kaufen, wenn er daraus nur erfährt, was er aus dem Netz bereits weiß?

Aktualität spielt zwar auch noch eine Rolle. Aber sie ist nicht so vordergründig.

Vor allem geht es darum, viele Informationen zu liefern und die so interessant und verständlich wie möglich aufzubereiten.

In der Tageszeitung reiht sich meistens Bericht an Bericht, unterbrochen von Meldungen. Gelegentlich gibt es andere Stilformen, aber aus Zeitmangel bleibt es bei durchschnittlichen Artikeln, die die Fakten transportieren.

Teilweise werden Zeitungen “magaziniger”. Und das bedeutet: Sie sammeln mehr Infos, recherchieren tiefer und machen sich mehr Gedanken darüber, wie man es den Lesern noch besser präsentieren könnte.

Ablauf

Am Anfang steht die Idee. Es gibt einen Anlass oder es häufen sich bestimmte Informationen, die einen Trend erkennen lassen. Damit hat man das grobe Thema. Ob und wie man es weiterverfolgt, entscheidet sich meist im Gespräch mit den Kollegen, z.B. in einer Redaktionskonferenz.

Jetzt geht es daran, dieses Thema “anzurecherchieren”, also einige weitere Infos zu sammeln, um herauszufinden, was die Story hergibt und was man evtl. damit und daraus machen könnte.

Aus diesen ersten Fakten entsteht ein Konzept für den Artikel, das Exposé. An dieser Stelle sollte man bereits recht gut wissen, was man letztlich machen will. Denn anhand dieses Exposés erarbeitet die Grafik die visuelle Umsetzung. Idealerweise stecken Layouter und Redakteure ihre Köpfe zusammen und entwickeln gemeinsam, wie man das Thema umsetzen könnte. Nicht selten entstehen daraus auch weitere inhaltliche Ideen.

Überhaupt ist aus meiner Sicht das gemeinsame Durchdenken der Ideen wichtig. Jeder hat eine andere Perspektive, hat einen anderen Wissensstand. Das kann man nutzen, um aus dem ersten Grundkonzept eine runde Sache zu machen.

In dem Exposé steht nach Möglichkeit bereits, wie der Artikel aufgebaut sein wird, was darin vorkommt, mit wem gesprochen wird usw. Dazu auch, welche Informationen in Infokästen oder mit Grafiken vermittelt werden usw.

Wie Ihr seht, wird zu einem recht frühen Zeitpunkt bereits ein Ziel bestimmt, auf das dann der Redakteur und die Grafik hinarbeiten.

Natürlich kann es passieren, dass sich ein Thema beim weiteren Recherchieren anders entwickelt. Man merkt, dass man in die falsche Richtung gelaufen ist oder manche erste Informationen stellen sich als ungenau oder sogar falsch heraus. Dann muss man natürlich schnell darauf reagieren und das Konzept entsprechend anpassen.

Gemeinsam entstehen so Layout und Inhalt parallel. Zum Schluss ist es so, dass man seine groben Inhalte fertig hat und sie in die Seite einfließen. Wenn die Arbeit fast abgeschlossen scheint, geht sie noch einmal richtig los. Denn jetzt merkt man endgültig, inwiefern man mit dem Platz und mit der Aufteilung zurecht kommt. Zudem steht hier die Feinarbeit am Beitrag an, der ja durchaus über mehrere Seiten gehen kann. Informationen und Daten müssen noch einmal gecheckt werden, es sind Bildunterschriften zu machen, ein neugierig machender Vorspann und eine griffige Überschrift (harte Arbeit!) sind zu finden…

Manchmal stellt sich heraus, dass der alte Spruch aus dem Projekt-Management greift: “In 90 Prozent der Zeit erledigen wir die ersten 90 Prozent des Projekts. In den restlichen 10 Prozent der Zeit erledigen wir dann die zweiten 90 Prozent.” Soll heißen: Je näher man dem Ende kommt, desto mehr häufen sich die vielen, wichtigen, kleinen Aufgaben, die zunächst unscheinbar sind, in der Masse aber eine Menge ausmachen. Sie kosten viel Zeit und müssen dennoch gewissenhaft erledigt werden.

Zudem kann es passieren, dass man das erste Mal das Endprodukt der Arbeit sieht und nicht damit zufrieden ist. Auch dann wird das Konzept erneut verändert und Layout sowie Inhalt entsprechend angepasst. Das ist nicht gerade die Idealvorstellung. Aber wenn das Magazin erst einmal gedruckt ist, hat man keine zweite Chance mehr. Bis dahin aber steht einem alles offen.

Organisation

Damit das alles wie beschrieben klappt, braucht man eine gute Organisation. Zeitpläne und Termine sind wichtig, es muss Zuständigkeiten geben und geregelte Abläufe. Gerade in der hektischen Schlussphase muss jeder wissen, was er zu tun hat, damit möglichst nichts übersehen wird. Die letzten Tage sind die entscheidenden. Es gilt aber auch: Je besser die vorher geleistete Arbeit ist, desto souveräner meistert man das.

Natürlich wird nicht nur für die jeweils nächste Ausgabe gearbeitet. Normalerweise sollte man mehr Ideen als Platz im Heft haben. Da es zeitlose Themen gibt oder Dinge, die man vorbereiten kann (“Was machen wir zu Weihnachten?”), arbeitet man parallel auch immer an künftigen Ausgaben. Je mehr man das tut, desto gleichmäßiger wird die Arbeit.

Wer also ein Projekt vorhat, bei dem er regelmäßig etwas tun möchte (wie ein PDF-Magazin oder einen Podcast), der sollte im Voraus planen. Das ist übrigens ebenfalls ein simpler aber guter Tipp für Serien und ähnliche Inhalte im Blog: Am besten hat man alles bereits komplett vorliegen, wenn man damit anfängt. Das jedenfalls ist meine Erfahrung. Sonst kommt am Ende doch etwas dazwischen und man steht dumm da, weil die Serie nicht wie versprochen fortgesetzt wird.

Fazit

Für ein Magazin zu arbeiten hat viel mit Kreativität zu tun, denn es geht darum, Informationen interessant und verständlich aufzubereiten und dabei immer wieder überraschend und anders zu sein. Es hat außerdem viel mit Disziplin und Planung zu tun, denn je besser man organisiert ist, desto mehr Kapazitäten hat man, um kreativ zu sein. Und für ein Magazin zu arbeiten hat viel damit zu tun, an sich und das gesamte Projekt hohe Ansprüche zu stellen, damit es den Lesern (und Werbekunden) etwas wert ist.

Dann muss sich am Ende nur noch zeigen, ob die erhoffte Zielgruppe und die Anzeigenkundschaft Deine Ideen ebenso toll finden, wie Du selbst…

Im Vergleich zum Bloggen unterscheidet sich das Schreiben fürs Magazin enorm. Ob man etwas daraus lernen kann? Das wüsste ich gern von Dir in den Kommentaren. :-)

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(Cover-Illustration: © VisualGeneration, depositphotos.com)

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6 Gedanken zu „Wie ein Magazin-Artikel entsteht

  1. Hallo,

    Ich weiß nicht.

    Zwar stimmt es, dass sich “In der Tageszeitung reiht sich meistens Bericht an Bericht [reiht]” und eher Berichte erscheinen, aber der Trend ist anders. Sicher, die große Reportage ist seltener, was aber nur an der Personaldecke liegt. In der Tat werden werden Zeitungen “magaziniger”.

    Die Aussage “Vor allem geht es darum, viele Informationen zu liefern und die so interessant und verständlich wie möglich aufzubereiten” gilt aber für Tageszeitungen genauso wie für alle anderen Medien.

    Generell sind beide genannten Punkte Handwerk, das für alle Journalisten gleich ist. Das Medium ist zweitrangig.

    Das gilt auch für Blogs – wenn auch nur für diejenigen, die eine entsprechende Identität haben. Ist das Blog ein journalistisches Angebot, gelten genau diese Kriterien. Ist es aber ein Blog, das diesen Anspruch gar nicht erst erhebt, so ist das auch nicht so wichtig. Die meisten Blogger wollen keine Journalisten sein. Das ist in Ordnung, dann sind die Maßstäbe anders.

    Aber: “Im Vergleich zum Bloggen unterscheidet sich das Schreiben fürs Magazin enorm. Ob man etwas daraus lernen kann?” Wirklich? Denn die gute und verständliche Sprache sollte selbstverständlich sein. Da gibt es keinen Unterschied zum Magazin- oder Zeitungsstil.

    Übrigens: “Dann muss sich am Ende nur noch zeigen, ob die erhoffte Zielgruppe und die Anzeigenkundschaft Deine Ideen ebenso toll finden, wie Du selbst” – die Anzeigenkunden sind nun wirklich kein Kriterium und dürfen keinen Einfluss auf die Geschichten haben. Gewöhne Dir diese Willfährigkeit schnellstens ab.

    Beste Grüße
    Frank

  2. “… die Anzeigenkunden sind nun wirklich kein Kriterium und dürfen keinen Einfluss auf die Geschichten haben. Gewöhne Dir diese Willfährigkeit schnellstens ab.”

    Zu Befehl, Chef ;-) Gemeint war von mir eigentlich: Wenn ich ein tolles Magazin mache, brauche ich am Ende dennoch jemanden, der Geld dafür bezahlt – Leser und Anzeigenkunden. Das heißt ja im Umkehrschluss nicht, dass man sich an den Anzeigenkunden ausrichtet oder ihnen nach dem Mund schreibt. Es heißt aber, dass ein professionelles Magazin natürlich am Ende davon abhängt, ob sich Anzeigenkunden für die Zielgruppe und die Machart des Magazins begeistern lassen. Das gilt zumindest dann, wenn Gehälter gezahlt werden :-) Ich denke, das ist eine Binsenweisheit.

    Diesen Punkt wollte ich nur kurz geraderücken, falls ich mich an der Stelle missverständlich ausgedrückt haben sollte. Eigentlich geht es mir ja um die Frage, ob man aus der Arbeit für ein Magazin etwas fürs Bloggen lernen kann oder ob das zwei vollkommen verschiedene Welten sind.

  3. Beim Bloggen bekommst du immer sehr direktes Feedback durch die Kommentare.
    Wie ist es denn beim Magazin? Vermisst du die Leserstimmen oder bekommst du dort Einblick in die Leserbriefe? Wenn ja, dann doch sicher erst einige Wochen nach dem Verfassen, oder?

  4. Ich finde den direkten Austausch hier online sehr spannend. Ziemlich oft sind die Kommentare mindestens so interessant wie der eigentliche Beitrag. Man weiß als Schreiber sehr schnell, wie ein Artikel ankommt, was die Leser mitnehmen, was ihnen auffällt oder aufstößt. Und wenn es um fachliche Dinge geht, gibt es sehr wertvolle Ergänzungen. Ich finde es klasse, dass sich Leute wie Du und Frank hier die Zeit nehmen, darauf zu reagieren. Das ist bei den vielen Dingen, mit denen wir uns beschäftigen können oder müssen ja nicht selbstverständlich.

    So ein Dialog oder Gespräch kommt offline nicht zustande. Einige Rückmeldungen bekomme ich zwar zum Magazin und zu meinen Beiträgen – das aber meist im persönlichen Gespräch. Darüber freue ich mich sehr, aber das ist überhaupt nicht vergleichbar.

  5. Ich selber fovorisiere eher Magazine weil sie meist gute ausführliche Beiträge bieten die mich interesieren weil ich mir ja auch Zeitschriften zu einem bestimmten, für mich interesanten, Thema aussuchen kann während eine Zeitung mehr allgemeine Themen aufgreift was halt gerade aktuell passiert und wenn nicht viel passiert muss halt etwas gesucht werden.

    Was glaube ich deutlich wird ist das an einem einzelen Thema oder Artkel eine menge Leute zusammen arbeiten während der Blogger doch meist allein rechachiert und den Artikel verfasst, veröffentlich, und sich so gut es geht um das Layout kümmert.

    Was man aber denke ich lernen kann ist sehr sturkturiert und überlegt an ein Thema von vorn herein heran zu gehen und seine Ziele, was will ich eigentlich genau mittteilen und wie kann ich das am besten umsetzen, schon möglichst früh definiert, damit es nicht zum Chaos kommt und man einen riesigen Berg Informationen versucht wild am schluss zusammen zu würfeln.
    Wenn man von Anfang an alles mölichst gleich strukturiert, kann man sich dann noch beruhigter um das fein tunig kümmern.

    Man merkt zum Beisiel an deinen Blogs und Podcasts das du komplexe Themen gut verständlich darstellen kannst und das ist nicht immer einfach wenn viele Aspekte zu berücksichtigen sind.

    Und ja, ich denke auch das direktes feedback etwas schönes und wichtiges ist, da kann ein echtes Magazin noch was vom Bloggen lernen ;-)

  6. Hey, vielen Dank für die Rückmeldung und das Lob :-)

    Einen ganz großen Unterschied, den ich zwischen dem Schreiben für ein Blog oder für ein Magazin sehe, hast Du ganz genau benannt: Während man beim Magazin geplant an die Sache herangeht, ist das (klassische) Blog auf die spontane Reaktion ausgelegt. Also: Ich sehe etwas, mir fällt etwas auf, mir ist etwas passiert und ich veröffentliche es. Einerseits erfahre ich damit viel über die persönliche Sichtweise und die Gedankenwelt des Bloggers (oder glaube es zumindest) und andererseits fehlen mir manchmal entscheidende Informationen und Erklärungen. Ich finde ja, dass das beides parallel wunderbar existieren kann und mag mich gar nicht dazwischen entscheiden. :-)

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