Mobile 2015: Zahlen, Fakten und Trends

Der Mobile-Markt entwickelt sich rasant und das Angebot wird immer vielfältiger. Dieser Artikel gibt einige Einblicke in den aktuellen Stand der Dinge und wagt sich an generelle Prognosen. Bei alldem steht nicht zuletzt eine Frage im Raum: Wie zutreffend ist unsere bisherige Definition von „Mobile“ eigentlich noch?

Symbolfoto Mobile Devices

(Bild: tribehut, flickr.com. Lizenz: CC BY-SA 2.0)

Gerätetrends 2015

Wenn wir über das Mobile Internet sprechen, dann meinen wir vor allem Inhalte, die auf Smartphones und Tablets angezeigt werden. Die Zahl der Geräte und ihre Nutzung nimmt dabei in Deutschland deutlich zu:

Infografik Mobile Deutschland

Quelle der Grafik: 54% der Deutschen surfen mobil

1. Smartphones und Phablets

Es ist ein Kuriosum der Technikgeschichte: Nachdem Handys über viele Jahre immer kleiner und kompakter wurden, sind sie seit einigen Jahren wieder auf Wachstumskurs. Ein „Phablet“ wie das Samsung Galaxy Note oder das Apple iPhone 6 Plus haben deshalb wieder ähnliche Abmaße wie beispielsweise das Handy-Urgestein Siemens S6 von 1997. Aber dafür sind sie natürlich um ein Vielfaches leistungsfähiger und genau genommen eine ganz andere Gerätekategorie. Telefonie ist hier nur noch ein Feature unter vielen und längst nicht mehr das Wichtigste.

Große Displays machen diese Geräte dabei zwar einerseits weniger handlich, bieten aber andererseits auch Vorteile: So haben beispielsweise Fotos und Videos mehr Platz und das Lesen ist angenehmer. Auch in einem Online-Shop oder einer E-Commerce-App herumzustöbern macht darauf mehr Spaß.

Smartphones und Phablets

Apple iPhone 4 und Samsung Galaxy Note 3 im Größenvergleich. (Bild: Kārlis Dambrāns, flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Konkret sieht der Markt derzeit grob eingeteilt so aus:

  • Phablets bewegen sich in der Regel zwischen Bildschirmdiagonalen von etwa 5,0 bis 6,0 Zoll und darüber.
  • Wer hingegen wert auf ein Gerät legt, das problemlos in die Hosentasche passt, wird eher auf die neue Normalgröße zwischen 4,5 und 5,0 Zoll Diagonale zurückgreifen. Diese Smartphones bieten zwar weniger Displayfläche, sind dafür aber leichter mit nur einer Hand zu bedienen.
  • Vernachlässigt werden derzeit Kunden, die die klassische Smartphone-Größe von 3,5 bis 4,0 Zoll bevorzugen. Diese Geräte ließen sich in praktisch jeder Situation einhändig bedienen und problemlos mitnehmen. Die meisten Hersteller haben hier nur einige Mittelklasse- oder Einsteigergeräte in petto. Ob diese „kompakten“ Smartphones eine Renaissance erleben oder ob diese Größe nun dauerhaft zur Nische wird, ist noch nicht abzuschätzen.

Wie es scheint sind Phablets dabei weltweit zur Weihnachtssaison der Renner gewesen:

Infografik Geräteklassen

Quelle der Grafik: Phablets sind die großen Newcomer unterm Weihnachtsbaum

2. Tablets

Nach dem enormen Wachstum der ersten Zeit hatte sich der Tablet-Boom zuletzt etwas abgeflacht. Es scheint gut möglich, dass die Zeiträume für Neuanschaffungen hier größer sind als bspw. bei Smartphones. Tatsächlich gibt es aus meiner Sicht wenig Gründe, ein Tablet bereits nach zwei Jahren gegen ein neues zu ersetzen.

Interessanterweise haben sich in diesem Markt bislang vor allem zwei Größen etabliert: Der handliche Formfaktor von 7 bis 8 Zoll, sowie die großen Brüder von 9 bis 10 Zoll. Ein ähnlicher Größenwettlauf wie bei Smartphones ist hier (noch) nicht festzustellen.

Microsoft Surface

Beispiel für ein „Pro-Tablet“: Microsoft Surface (Bild: Kārlis Dambrāns, flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Allerdings geistert eine neue Tablet-Kategorie durch die Tech-Landschaft, die sich bislang noch nicht in großer Zahl materialisiert hat: „Pro“-Geräte mit noch größeren Displays, Tastatur-Docks und generell mehr Rechenpower. Sie sollen dann wahrmachen, was bisherigen Tablets nur teilweise gelungen ist: Laptops ersetzen. Angeblich arbeitet Apple an einer 12-Zoll-Version des iPads. Andere, bereits erhältliche Beispiele sind die Surface-Tablets von Microsoft, die als Tablet und Laptop in einem gedacht sind oder auch die Transformer Books von Asus.

3. Smartwatches und andere neue Kategorien

Sony SmartWatch 3

Sony SmartWatch 3 (Bild: Maurizio Pesce, flickr.com. Lizenz: CC BY 2.0)

Bleibt noch die Frage, ob sich 2015 neue Gerätekategorien im Bereich Mobile etablieren werden. Google Glass können wir hier zunächst von der Liste streichen: In der bisherigen Form wird es nicht auf den Markt kommen. Google entwickelt es aber weiter. Verantwortlich dafür ist nun Tony Fadell, CEO des Smart-Home-Unternehmens „Nest“ und einer der „Väter“ von Apples iPod. Wir können durchaus gespannt sein, ob und wie Google Glass zurückkehrt. Aber fürs erste spielt es keine Rolle.

Der Smartwatch-Hype wiederum hat sich von der Pebble über Android Wear bis hin zur Apple Watch immer weiter gesteigert. Ob sich die intensive Berichterstattung zum Thema in diesem Jahr in den Verkaufszahlen niederschlägt, bleibt abzuwarten. Bislang vermag niemand vorherzusagen, ob Smartwatches ein Nischenprodukt bleiben oder ob sie zu einem Geschäftsfeld von der Größe des Tablet- oder gar des Smartphone-Marktes werden können.

Infografik Smartwatches

Quelle der Grafik: Etwa zwei von fünf Deutschen würden eine Smartwatch tragen

Sollten sich Smartwatches auf breiter Flur durchsetzen, hätten wir es jedenfalls mit einer spannenden neuen Kategorie zu tun: Zwar haben diese Geräte wegen ihres kleinen Displays nur sehr beschränkte Möglichkeiten zur Interaktion. Dafür haben sie dank Verbindung zum Smartphone aber im Prinzip Zugriff auf dieselben Informationen. Während sie bisher oftmals lediglich als Zweitbildschirm fürs Handy in der Tasche angesehen werden, könnten sich ganz neue Anwendungsszenarien mit ihnen ergeben. Spannend finde ich das vor allem mit Blick aufs physische Web und iBeacons: Man schaut bei einer Benachrichtigung sicherlich eher auf die Uhr am Handgelenk als dass man erst das Handy hervorholt.

Bislang ist das allerdings alles Theorie. Nur eines ist sicher: Wir werden etliche Artikel zu diesem Thema im Jahr 2015 zu lesen bekommen. Manche werden den Siegeszug von Smartwatches vorhersagen, manche deren Untergang und natürlich wird die Apple Watch im Mittelpunkt stehen. Hier bin ich vor allem auf die finalen Preise gespannt und ob Apples riskante Wette aufgeht, sich als Premium-Modemarke zu etablieren.

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Betriebssysteme

Wenn wir von Mobil-Betriebssystemen sprechen, geht es Stand 2015 um ein Duopol: Googles Android hat sowohl bei Smartphones als auch Tablets mit großem Abstand die Marktführerschaft inne. Apple fährt mit seinen iPads und iPhones hingegen die Gewinne ein und hat zudem nach vielen Untersuchungen die aktiveren und zahlungsfreudigeren Kunden.

Im Vergleich mit anderen Märkten wie den USA oder Japan ist Android dabei in Deutschland besonders stark:

Infografik Android in Deutschland

Quelle der Grafik: Android beherrscht den deutschen Markt

Alles andere existiert derzeit nur in der Nische. Microsofts Windows Phone beispielsweise hat trotz vieler Verbesserungen bislang nicht den Durchbruch geschafft. Ob das Unternehmen aus Redmond mit Windows 10 hier mehr Erfolg haben wird, ist vollkommen offen. BlackBerry scheint zugleich kein Konzept zu finden, um zu alter Stärke zurückzukehren. Und Neulinge wie Firefox OS, Sailfish OS oder Tizen sind bisher vor allem für Tech-Journalisten und Geeks interessant, aber zumindest hierzulande kein nennenswerter Erfolg. Leider, kann man da sagen: Mehr Auswahl führt regelmäßig zu mehr Konkurrenz und besseren Produkten. Da kann man schon froh sein, dass sich wenigstens Apple und Google gegenseitig auf Trapp halten.

Die folgende Vorhersage geht beispielsweise davon aus, dass Android mit Blick auf die Zahl der Geräte weiter Marktanteile gewinnen wird:

Infografik Marktanteile

Quelle der Grafik: Androids Marktmacht wächst weiter

Ein Problem von Android bleibt allerdings weiter bestehen: Die Inhomogenität des Marktes. So spielt die neueste Version von Android namens „Lollipop“ auch sechs Wochen nach dem Start noch keine Rolle und taucht in den aktuellsten Zahlen nicht einmal auf:

Android-Versionen

Quelle der Grafik: Android Developer Dashboard

Rund 40 Prozent nutzen nach Googles eigenen Zahlen den Vorgänger „KitKat“, die restlichen 60 Prozent haben noch ältere Android-Versionen auf ihren Geräten. Apples Kunden nutzen zum gleichen Zeitpunkt (5. Januar 2015) zu 68 Prozent die aktuellste Version iOS 8, 29 Prozent sind auf iOS 7 unterwegs und nur vier Prozent auf älteren Versionen. Google, die Hersteller von Android-Geräten und die Mobilfunkbetreiber haben bislang keine gemeinsame Lösung dafür gefunden und es scheint nicht sehr wahrscheinlich, dass sich das ändert.

Wichtig ist das unter anderem, weil sich die Fähigkeiten des mitgelieferten Browsers unter Android logischerweise unterscheiden. Eine umfassende Übersicht zu den Browsern und ihren Features auf den den diversen Plattformen findet sich hier bei mobilehtml5.org.

Netzgeschwindigkeiten

Zwar hat die Geschwindigkeit des mobilen Internetzugangs in den letzten Jahren stets zugenommen. Und auch die theoretisch erreichbaren Bandbreiten mit den neuesten Technologien lesen sich auf dem Papier gut. In der Praxis aber ist weiterhin klar: Unterwegs haben wir nicht annähernd dieselbe Geschwindigkeit und Zuverlässigkeit, die wir beim stationären Internetzugang erwarten können.

Wie sich zeigt, ist Deutschland hier beispielsweise im internationalen Vergleich sogar noch sehr weit hinten:

Mobile in Deutschland Mobile in Deutschland

Quelle der Grafiken: Deutschland fällt im Breitband-Wettbewerb weiter zurück

Hauptproblem ist die große Spannbreite an Netzgeschwindigkeiten bei Unterwegsnutzern. Denn selbst wenn zum Beispiel LTE zur Verfügung steht, kommt beim Nutzer bisweilen nur ein Bruchteil der theoretischen Bandbreite an. In Situationen wie einer Bahnfahrt bleibt Mobilempfang weiterhin ein Problem. Nicht zuletzt gibt es regionale Unterschiede:

Infografik LTE Regionen

Quelle der Grafik: Große Unterschiede beim Ausbau des schnellen Mobilfunknetzes

Insofern muss hier weiterhin für den kleinsten gemeinsamen Nenner geplant werden. Und es sieht nicht danach aus, dass sich daran im Jahr 2015 etwas Wesentliches ändern wird.

Bedeutung für E-Commerce

Wie sich zeigt, werden Mobilgeräte gern fürs Shopping genutzt:

Infografik Mobile Shopping

Quelle der Grafik: 26% der Onlinekäufe in Deutschland werden mobil getätigt

Das bestätigen auch Zahlen von Flurry, eines Spezialisten für App-Analytics. Er sieht den Löwenanteil des Wachstums bei der App-Nutzung im Bereich „Shopping & Lifestyle“:

Infografik Mobile Use Growth

Quelle der Grafik: Shopping, Productivity and Messaging Give Mobile Another Stunning Growth Year

Bei Android sahen sie gar eine Steigerung um 220 Prozent bei der Nutzung von Shopping im Apps im Vergleich zum Vorjahr.

Was ist heute noch „Mobile“?

Ein weiterer Trend: Es wird zunehmend schwieriger, die Unterscheidung zwischen dem „Mobile Internet“ und dem „Desktop Internet“ aufrecht zu erhalten. So ist es beispielsweise nicht mehr gesagt, dass die Nutzer von Smartphones oder Tablets gerade unterwegs sind. Ganz im Gegenteil: Manche Studien sehen die Nutzung zu Hause als überwiegend an. Smartphones werden zwar wenig überraschend mehr unterwegs genutzt als Tablets, aber auch hier scheint die Nutzung in den eigenen vier Wänden am intensivsten.

Es ist deshalb beispielsweise nicht mehr korrekt, sich Nutzer von Mobil-Websites oder Apps als Personen mit wenig Zeit vorzustellen. Ganz im Gegenteil: Für viele gehört es ganz offenbar zum Abend vor dem Fernseher dazu, Smartphone oder Tablet in der Hand zu haben. Und beide Geräte werden wie bereits erwähnt sehr gern für das Online-Shopping genutzt. Hier sind die Nutzer also eher im zurückgelehnten, entspannten Stöbermodus. Der Trend hin zu großen Smartphones (siehe oben) wird das eher noch verstärken: Diese „Phablets“ verwischen die Grenzen zwischen Smartphone und Tablet zusehends. Was tagsüber der Kommunikation dient, wird abends zum Unterhaltungs- und Shoppinggerät.

Schwierig wird die Abgrenzung zwischen „Mobile“ und „Desktop“ auch durch Hybridgeräte und Convertibles: Wird ein Windows-Laptop zum Mobilgerät, sobald ich die Tastatur abnehme und das Display wie ein Tablet nutze? Warum ist ein 11-Zoll-Ultrabook eigentlich ein Desktop-Gerät, obwohl es mit Blick auf Displaygröße, Akkulaufzeit, Gewicht und Maße doch einem Tablet ähnelt? Ist ein Tablet-Nutzer im Café nun mobile oder nicht?

iPad Desk

Was ist „Mobile“? (Bild: Thomas van de Weerd. Lizenz: CC BY 2.0)

Oftmals wird die Abgrenzung noch anhand des Betriebssystems vorgenommen. Ein Mac mit OS X ist deshalb Desktop und ein iPad mit iOS Mobile. Allerdings werden sowohl Hardware als auch Software von Tablets immer leistungsfähiger. Microsoft setzt gar darauf, ein Windows für alle Plattformen zu haben. Und diverse Hersteller probieren Android als Laptop-Betriebssystem aus. Was heute noch ein Experiment ist, könnte in zwei, drei Jahren zum Alltag gehören.

Insofern wird es wohl eine neue Definition brauchen, eventuell eine, die sich auf die Situation des Nutzers bezieht. Dazu braucht es Anpassungen an die Displaygröße und die Eingabemethode des genutzten Gerätes. Vielleicht weitere Kriterien wie die Tatsache, dass Smartphones und Tablets eher als Single-Task-Geräte genutzt werden und nicht so sehr als Multi-Task-Gerät, selbst wenn sie dazu technisch in der Lage sind. Aber schlicht zwischen „Mobile“ und „Desktop“ zu unterscheiden, scheint immer weniger sinnvoll.

Fazit

Kurzum: Der Mobile Markt wächst rasant, ist für den E-Commerce zunehmend wichtig, wird zugleich immer vielseitiger und die Grenzen zum „stationären Internet“ und dem Desktop verwischen zusehends. Neue Gerätekategorien und Features wie Smartwatches und Beacons könnten hier für noch mehr Vielfalt sorgen – wobei zum jetzigen Stand noch schwer zu erkennen ist, wie viel Hype und wie viel Substanz in diesen neuen Themen steckt.

Wer noch mehr Zahlen und Fakten benötigt, dem sei „Mobile Internetnutzung 2014“ von der Initiative D21 empfohlen.

Artikel vom 16. Februar 2015