20.000 US-Dollar pro Monat mit YouTube-Videos

Es ist eine jener amerikanischen Storys, die sich hierzulande bald in den diversen „Geld verdienen“-Blogs niederschlagen werden: fünfstellige Summen mit YouTube-Videos verdienen. Möglich macht das unter anderem YouTubes Werbemodell, das die Uploader der Videos an den Einnahmen beteiligt. Mancher kann dafür seinen eigentlichen Job aufgeben. So jedenfalls ging es Michael Buckley und Cory Williams.

Zwar ist YouTube für Google mit Sicherheit ein millionenschweres Verlustgeschäft. Aber für manchen Nutzer ist es ein finanzieller Gewinn. So berichtet es die New York Times. Seit gut einem Jahr bietet YouTube den Nutzern an, dass in den Videos Werbung geschaltet wird – zum Ausgleich bekommen sie etwas von den Einnahmen ab. Im Prinzip ein ähnliches Modell wie bei Google AdSense. Bei rund drei Prozent der Videos ist das der Fall.

Zumindest in den USA können diese Einnahmen so hoch werden, dass einzelne YouTuber sich ganz ihren Videos widmen. Ein Beispiel: Michael Buckley.

Michael Buckley: What The Buck?

Screenshot von BuckHollywood.com, Michael Buckley
Michael Buckleys Website BuckHollywood.com. Alles begann auf dem Offenen Kanal Connecticut…

Michael Buckley ist in seiner Show „What The Buck?“ so aufgedreht wie seine Brille grün ist. „What The Buck?“ ist eine wöchentliche, rund fünfminütige Sendung rund um Stars aller Art. Am 1. Mai 2007 hat er sich bei YouTube angemeldet. Heute hat sein YouTube-Channel rund 312.000 Abonnenten und wurde über 6 Millionen Mal aufgerufen. Zusätzlich gibt es jeweils mittwochs und sonntags eine Live-Sendung auf blogTV. Auf BuckHollywood.com versammelt er alle seine Aktivitäten.

Im September konnte er seinen Job bei einer Musik-Promotion-Firma aufgeben. Seine Einnahmen aus den Videos überstiegen sein Gehalt. Zwar sei seine Show „albern“ („silly“), aber sie habe ihn aus dem Minus gebracht, erzählt der 33-Jährige der New York Times.

Angefangen hat alles wie so oft ganz harmlos: Nebenbei hatte er bei einer wöchentlichen Show auf einem Öffentlichen TV-Kanal in Connecticut mitgemacht. Die wenigen Zuschauer hätte er damals wohl per Handschlag begrüßen können. Sein Cousin stellte Ausschnitte der Sendungen bei YouTube rein. Es wurde zum Erfolg. „Auf YouTube habe ich 100 Millionen Views. Das ist verrückt“, erzählt er. Jede Ausgabe von „What The Buck?“ wird heute rund 200.000-Mal angesehen. Der Rekord liegt bei 3 Millionen Views für eine einzelne Episode.

Geld kam dabei zunächst lange nicht rein. 40 Stunden pro Woche war Michael Buckley auf YouTube aktiv, aber erst nach einem Jahr verdiente er damit das erste Geld. Inzwischen hat er 100.000 US-Dollar allein über YouTube eingenommen.

Cory Williams: smpfilms


Katzencontent brachte den Durchbruch: Der „Mean Kitty Song“ wurde bereits über 15 Millionen Mal abgerufen.

Seit 2005 ist der 27-jährige Cory Williams in Sachen Online-Video aktiv. Ein witziger Rap-Song über seine Katze Sparta samt sehenswertem Musik-Video brachte ihm vor gut einem Jahr den Durchbruch. Über 15 Millionen Mal wurde dieses Video bereits angesehen. Sein Channel smpfilms hat über 180.000 Abonnenten.

Seine Videos sind witzig und unterhaltsam, dabei teils aufwändig gemacht. Bis zu 20.000 US-Dollar nimmt Cory Williams darüber pro Monat ein. Die eine Hälfte kommt aus dem YouTube-Werbeprogramm. Die andere Hälfte sind Sponsorings: Werbekunden bezahlen dafür, dass ihre Produkte in den Videos vorkommen – klassische Schleichwerbung also.

Kann das jetzt jeder?

Das sind nur die beiden Beispiele, die die New York Times sich für ihre Titelgeschichte herausgesucht hat. Tatsächlich dürfte es noch viele weitere YouTuber geben, die nennenswerte Summen verdienen. Und schließlich muss es nicht immer darum gehen, seinen Job hinzuschmeißen.

Die Ausgaben sind dabei vergleichsweise gering. Michael Buckley beispielsweise produziert seine Videos noch immer zu Hause – mit einer Videocamera von Canon, einem MacBook, einem grünen Stoff für den Hintergrund und zwei kleinen Scheinwerfern aus dem Baumarkt. Ansonsten braucht man für die Bequemlichkeit einen möglichst schnellen Internetzugang und das war’s.

Naja: Das war’s fast. Man braucht Ideen. Man muss sie umsetzen. Und man muss Zuschauer gewinnen. Allein bei YouTube werden in jeder Sekunde 13 Minuten Videomaterial hochgeladen. In dieser Flut von Angeboten herauszustechen und aufzufallen, ist harte Arbeit. Und: Nicht alle erfolgreichen Videos werden so viel Geld einspielen. Aber, mal ehrlich: Das ist nichts Neues. Jeden Tag gibt es Produkte, die erfolgreich sind und solche, die es nicht sind. Manche Erfolge kann man sich erklären, manche nicht. Mit Misserfolgen geht es ebenso.

Man kann aus diesen beiden Fällen also nicht ableiten, dass nun jeder seinen Beruf aufgeben kann und mit lustigen YouTube-Videos reich wird. Aber man sieht: Es geht. Und wir stehen noch immer am Anfang der Revolution. Jeder Internetnutzer kann zum „UPLOADER“ werden und potenziell hunderttausende oder auch millionen Menschen erreichen. Alte Kanäle wie Fernsehen werden dafür nicht mehr gebraucht.

Und das ist es, was ich persönlich daran so spannend finde.

Artikel vom 13. Dezember 2008