Acht Experten und ihre wichtigsten SEO-Trends 2017

Wir haben acht Experten zu den wichtigsten Trends in der Suchmaschinen-Optimierung befragt. In ihren Antworten kommen manche Themen immer wieder vor: Voice Search landet hier beispielsweise ganz vorn, also die sprachgesteuerte Suche über Assistenten wie Alexa, Cortana oder Siri. Außerdem wird Mobile noch wichtiger als es sowieso schon ist. Zugleich räumen unsere Interviewpartner aber auch mit einigen hartnäckigen Mythen auf. Wir veröffentlichen hier ihre ungekürzten Antworten.

(Foto: Freddy Marschall, Unsplash)

Britta Kristin Böhle

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

SEO in Verbindung mit Inbound Marketing, d.h. wie können gute organische Rankings erreicht werden und trotzdem Leads durch die Herausgabe von exklusiven Content gegen Kontaktdaten generiert werden. Das ist immer ein Abwägen, welcher Fokus bei welchen Themen gesetzt wird.

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

Ich denke, dass organische Ergebnisse auch in Zukunft eine Rolle spielen werden und dass dabei auch immer SEO-Kenntnisse benötigt werden, um sich zwischen den Millionen von Ergebnissen optimal zu positionieren. SEO an sich verändert sich immer weiter und muss mehr Brücken zu anderen Disziplinen schlagen und weitere Elemente bei der Optimierung berücksichtigen.

SEO muss mehr Brücken zu anderen Disziplinen schlagen.

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Voice Search wird nächstes Jahr weiter zunehmen und daran muss man seinen Content entsprechend vorbereiten. Das Suchverhalten ändert sich zu mehr ganzen Sätzen bzw. Fragen, sodass man diese Fragen auch gezielt beantworten sollte. Passend dazu versucht Google, bei solchen Fragen immer öfter die Antwort direkt als Snippet auszugeben. Das Heranziehen des eigenen Contents für die Antwort kann viel Aufmerksamkeit bringen, aber gleichzeitig weniger Traffic, da Suchende Google nicht zwangsweise für eine Antwort verlassen müssen.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

Es herrscht bei vielen noch der Mythos, dass man mit teilweise duplicate Content direkt und in dem Maße abgestraft wird, dass man komplett aus den Suchergebnissen verschwindet.

Sie werden von Google eingeladen und dürfen eine einzige Frage stellen, die wird dafür aber komplett offen und ehrlich beantwortet. Was fragen Sie?

Mich würde interessieren, wie Google eine zukünftige Gesellschaft beurteilt, von der ein Teil immer weiter mit der Technologie verschmilzt und der andere Teil Technologie ablehnt. Hintergrund: Google vertritt die Auffassung, dass Technologiefortschritt zwangsweise besser ist. Gleichzeitig gibt es immer mehr Menschen, denen der rasante Fortschritt Angst macht und die dadurch von der Gesellschaft gespalten werden könnten.

download-iconDiesen und andere Artikel aus UPLOAD Magazin 43 herunterladen: Jetzt die E-Book-Version der Ausgabe kaufen (4,99 Euro, kostenlos für Abonnenten)

Stephan Czysch

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

Für viele Websites dürfte es ernüchternd gewesen sein, dass man über einen extrem langen Zeitraum von einem Google-Update betroffen sein kann, obwohl man sich längst wieder innerhalb der Google-Richtlinien befindet. Wir haben einigen Websites beim „Detox“ des Linkprofils geholfen, dadurch manuelle Maßnahmen beseitigt und trotzdem gab es bis zum Oktober 2016 keine signifikante Erholung. Das war auch für uns als Agentur ärgerlich, da viele Kunden eben genau wegen dieses Problems zu uns kamen. Wir haben die Websites weiterentwickelt, aber im Ranking tat sich wenig(er), als es sich ohne vorherige Strafe getan hätte. Klar ist: Strafe muss sein, aber weiterhin gefangen zu sein, weil der Wärter trotz „Straferlass“ den Schlüssel verlegt hat, ist sehr ärgerlich.

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

Es ist doch schön, dass es mehrere starke Traffic-Lieferanten gibt. Nur auf ein Pferd zu setzen ist viel zu risikoreich. Aufgrund des Kontexts werden Websuchen weiterhin eine sehr hohe Besucherqualität liefern können, da Nutzer zu einem kommen, weil Nutzerintention und Zielseite zueinander passen.

Klar, manche Suchanfragen lassen sich durch direkte Sprachantworten beantworten, aber viele Suchanfragen eben auch nicht. In manchen Themenbereichen ist der „Lieferant“ austauschbarer als in anderen. Beispielsweise beim Wetter dürfte es vielen Nutzern egal sein, wer einen jetzt darüber informiert, dass die Sonne scheinen wird. Bei transaktionalen Suchen dürfte das aber anders sein.

Immer dran denken: Es sind nicht nur die Google-Suchergebnisse, für die man optimieren kann. Es gibt auch andere Rankingsysteme, bei denen man die eigenen Inhalte durch gezielte Relevanzsteigerung sichtbarer machen kann.

Aufgrund des Kontexts werden Websuchen weiterhin eine sehr hohe Besucherqualität liefern können.

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Der neue Trend wird vermutlich ein alter Bekannter sein: Mobile. Noch analysiert Google für das Ranking auf mobilen Geräten die Desktop-Version einer Website, experimentiert nun aber damit, wie der Index auf Mobile-First umgestellt werden kann. Aktuell ist es für Websites (noch) kein Problem, nur auf der Desktop-Seite auf z.B. schema.org Auszeichnungen zurückzugreifen. Doch das kann sich ändern. Es gibt besonders im Shop-Segment viele Websites, die nicht responsive sind, sondern für die mobiloptimierte Darstellung einen eigenen Webauftritt haben und somit komplett unterschiedliche Auszeichnungen im Quelltext haben.

Spannend wird natürlich, wie sich die Ergebnisdarstellung weiter verändern wird. Google hat bereits angekündigt, dass es bald für Suchanfragen wie „Sommerkleider“ so genannte Showcase Shopping Ads erlauben wird. Das kann die Klickrate auf SEO-Ergebnisse natürlich beeinflussen.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

„Gute Inhalte verbreiten sich von ganz alleine.“ Egal wie gut oder kontrovers ein Inhalt auch ist: Wer es nicht schafft, Nutzer auf diesen Inhalt aufmerksam zu machen, der wird nicht das volle Trafficpotenzial entfalten können. Ohne Verweise geht es eben nicht, Nutzer stolpern selten „einfach so“ über Inhalte, sondern diese Inhalte müssen über möglichst viele relevante Verweise erreichbar sein.

Sie werden von Google eingeladen und dürfen eine einzige Frage stellen, die wird dafür aber komplett offen und ehrlich beantwortet. Was fragen Sie?

Ich würde Google fragen, wo Sie aktuell die größte Herausforderung bei der Ergebnisqualität der unbezahlten Google-Suche sehen und was ihre Ansätze sind, dieser Herausforderung zu begegnen.

Markus Hövener

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

2016 ging es sicherlich immer mehr Richtung Nutzer. Vor allem in SEO-Workshops mit Kunden ist das Thema auch kundenseitig öfter genannt worden. Es geht also nicht mehr primär darum, die Suchmaschinen auszutricksen, sondern den Nutzer zufriedenzustellen und natürlich auch die wichtigsten Ranking-Faktoren zu bedienen.

Das bedeutet nicht, dass klassische On- oder Off-Page-Optimierung damit tot ist. Niemand sollte da seine Hausaufgaben vernachlässigen, nur weil er glaubt, dass seine Website schon die optimale Antwort liefert.

Es geht nicht mehr primär darum, Suchmaschinen auszutricksen, sondern Nutzer zufriedenzustellen.

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

Nun ja, die digitalen Assistenten rufen ja – vereinfacht ausgedrückt – auch nur eine Suchmaschine auf und machen dann was mit den Ergebnissen. Da ändert sich an der Relevanz von SEO also wenig.

Ansonsten glaube ich, dass SEO nach wie vor seinen Stellenwert behalten wird. Sicherlich sind Social Media & Co. wichtig, aber man muss schon beachten, dass die meisten Nutzer einfach mal ungerichtet suchen wollen. Also: Social Media ist stark für das Generieren von Aufmerksamkeit und um mich an ein Unternehmen zu binden. Wenn ich aber eben noch nicht genau weiß, wer was wie zu welchem Preis anbietet, wird mit SEO/SEA zu adressieren sein!

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

2016 war eigentlich schon das Mobile-Jahr, aber 2017 wird es wohl erst recht werden. Durch das Mobile-First-Indexing, das dieses Jahr kommen wird, wird man noch mehr Fokus auf die mobile Version legen – und das natürlich völlig zu Recht.

Mobile umschließt dabei natürlich nicht nur das Bereitstellen einer mobilen Seite, sondern z. B. auch das optimale Ausrichten auf den mobilen Nutzer („schnell + effizient“), aber auch die Ausnutzung von Voice Search.

2017 wird erst recht zum Mobile-Jahr in Sachen SEO.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

In letzter Zeit sind eigentlich wenig neue Mythen aufgetaucht. Stattdessen kämpfe ich eigentlich immer noch gegen die ganz alten Mythen wie „Duplicate Content“ oder „wer nach draußen verlinkt, verliert PageRank“. Die Angst vor Google ist in jedem Fall groß – was aber vor allem daran liegt, wie wichtig Google als Traffic-Quelle für viele Unternehmen ist.

Sie werden von Google eingeladen und dürfen eine einzige Frage stellen, die wird dafür aber komplett offen und ehrlich beantwortet. Was fragen Sie?

Wenn das alles mal so einfach wäre. Der Algorithmus ist mittlerweile so komplex, dass die Beantwortung einer einzelnen Frage auch nichts helfen würde. Da müsste man schon so um die 1.000 Fragen stellen, um mit dem Wissen dann wirklich etwas anfangen zu können. Man könnte natürlich daraus eine sehr lange Frage machen, aber die würde hier nicht hin passen :)

Olaf Kopp

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

Wir haben bei uns in der Agentur das Thema datengetriebenene Konzeption sowie Produktion von Inhalten entlang der Customer Journey weiter forciert. Zudem macht Google einem das Leben als Marketer aktuell nicht einfach. Gerade die Veränderungen am Keyword Planner werfen die eine oder andere Frage auf, die wir bis dato noch nicht vollständig beantworten konnten. Als ich mich vor ca. acht Jahren für Suchmaschinenmarketing begeistern konnte, waren Suchmaschinenwerbung und SEO die beiden effektivsten Marketingkanäle, da man u.a. mit den Informationen aus z.B. Google Analytics und dem Keyword Planner Marketing und Werbung zielgesteuert und damit kundenspezifisch betreiben konnte. Hier übernimmt Google immer mehr das Steuer, aber lässt dabei leider Transparenz, Konsistenz und Konsequenz vermissen.

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

Man bemerkt schon einen Shift was Besucherzahlen, insbesondere bei kommerziellen Suchanfragen angeht insbesondere hin zu Amazon als nunmehr relevanteste Produktsuchmaschine. Den Kampf scheint Google zu verlieren. Ich glaube aber dennoch, dass es zukünftig genug Gründe für Menschen gibt, eine Suchmaschine wie Google zu benutzen. Das Social Web sehe ich da weniger als Gefahr. Mir macht weniger die Menge an Besuchern über Suchmaschinen Sorgen, sondern eher die Aktivitäten die Google seit Jahren betreibt, um SEO aber auch Google AdWords für Marketer unattraktiver zu machen. Das effektive Arbeiten in der SEO als auch bei AdWords wird immer schwieriger.

Das effektive Arbeiten in der SEO als auch bei AdWords wird immer schwieriger.

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Aufgrund der immer mehr werdenden Trainingsdaten wird Google wahrscheinlich immer mehr Machine-Learning-Funktionalitäten auch in den Ranking-Algorithmus einfließen lassen. Ich kann mir gerade für eins meiner Lieblingsthemen „Suchintention“ einiges vorstellen. In Kombination mit dem Knowledge Graph als semantischer Datenbank halte ich das für eine sehr mächtige Kombination. Über den SEO-Tellerrand hinaus erhoffe ich mir für nächstes Jahr endlich die „digitale Revolution“ in den Führungsetagen gerade deutscher Mittelständler aber auch bei den Konzernen und in der Politik. Sonst kann nur noch der Generationswechsel in den Führungsetagen helfen, aber das würde dann noch ein paar Jahre dauern. Solange die digitale DNA in den Führungsetagen nicht angekommen ist, wird es bei zaghaften taktischen Versuchen bleiben, Online-Marketing erfolgreich in Unternehmen zu etablieren. Auch in der Kombination Machine-Learning und Marketing-Automation sehe ich großes Potential.

Google immer mehr Machine-Learning-Funktionalitäten in den Ranking-Algorithmus einfließen lassen.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

Sehr gute Frage. Da gibt es so einige. Aber bei der Frage nach dem größten würde ich sagen, dass Rankbrain aktuell Nutzersignale berücksichtigt um Seiten zu klassifizieren oder gar zu ranken.

Sie werden von Google eingeladen und dürfen eine einzige Frage stellen, die wird dafür aber komplett offen und ehrlich beantwortet. Was fragen Sie?

Warum liefert Ihr Marketern immer weniger konsistente und schlüssige Daten aus und macht damit zielgruppenorientiertes Marketing immer schwieriger?

Karl Kratz

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

Das Aufkommen digitaler Assistenten und der damit oft einhergehenden Sprachsuche hat meine Arbeit im Jahr 2016 sehr beeinflusst. Das Thema wird die Transformationsfähigkeit von Unternehmen weiterhin auf die Probe stellen: Wie funktioniert „Suche“, wenn ein Gerät keinen Bildschirm mehr hat? Wie viele Resultate können wir uns merken? Und wie funktioniert „Werbung“ in einer eher transaktional geprägten Assistenten-Welt?

Diese und noch viel mehr Fragen werden wir in naher Zukunft stellen und beantworten müssen. Oh. Moment. Die Zukunft ist schon da … ;-)

Wie funktioniert „Suche“, wenn ein Gerät keinen Bildschirm mehr hat?

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

„Google“ war noch nie das wichtigste „Einfallstor“ ins Netz. Das wollen wir vielleicht glauben, weil es uns beständig vorgekaut wird. Es waren Gatekeeper wie Internet Service Provider, Betriebssystemhersteller, Browser-Anbieter, Gerätehersteller. Gatekeeper entscheiden, welche (Such-)Systeme hinter der Fassade abgefragt werden, wohin eine Anfrage geroutet und welches Resultat einem Suchenden präsentiert wird.

Mit dem Aufkommen starker digitaler Assistenten, die auf geschlossenen Systemen basieren wie zum Beispiel Facebook M, Apple Siri, Viv, Microsoft Cortana und Hound wird Google Home zum ersten Mal auf seinem eigenen Spielfeld eine massive Gegenwehr spüren – was wiederum nicht schlecht ist: Wettbewerb fördert bekanntlich Innovation.

So lange Menschen über digitale Systeme explizit oder implizit „suchen“ oder „finden“ wollen und so lange es Systeme gibt, die (Informations-)Angebote im Rahmen einer Priorisierung anzeigen – so lange wird „SEO“ eine Rolle spielen.

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Die Sprachsuche und die aufkommende Popularität digitaler Assistenten wird bereits 2017 sicher einen großen Einfluss auf die Online-Marketing Disziplin „SEO“ haben.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

Das wäre der Preis für die unsinnige Aussage, dass Google „einen Marktanteil von 9x%“ habe. Betrachtet man Google, Bing und Yahoo, dann mag das vielleicht stimmen (je nach Datenlage). Betrachtet man die echte Welt, dann macht die Aussage schlicht keinen Sinn und liefert keinen Wert: In (Such-)Systemen wie Amazon oder auch kleineren Systemen wie Yelp, Tripadvisor, Scout und vielen tausend anderen werden mehr und deutlich erwartungskonformere Suchabfragen getätigt, als über „Bings größten Wettbewerber“.

Alle Artikel bequem via E-Mail lesen!

Alle Artikel bequem via E-Mail lesen!

Jede Woche veröffentlichen wir ein bis zwei ausführliche Beiträge, geschrieben von namhaften Expertinnen und Experten. Sie erklären, geben Tipps und ordnen ein. Wenn Sie diese und weitere Artikel nicht verpassen wollen, schicken wir Sie ihnen gern per E-Mail zu – ganz bequem und in voller Länge! Im Februar lautet der Schwerpunkt „SEO 2017“.

Mehr über die Ausgabe erfahrenJetzt E-Mail eintragen

Inken Kuhlmann

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

Die letzten Google-Updates haben die Suchmaschine immer schlauer werden lassen. Nicht nur semantische Suchen sind inzwischen möglich, sondern Google verfügt über eine Form künstlicher Intelligenz, die es selbstständig Synonyme und Kontext erschließen und diese bei der Suchanfrage berücksichtigen lässt. In der Konsequenz gewinnt der Mehrwert der Texte noch mehr an Bedeutung und die Wiederholungen von zuvor recherchierten Keywords im Text und den SEO-Snippets ist damit überholt. Statt also auf die Quantität der Keywords zu fokussieren, setzen wir lieber auf die Qualität des Inhalts. Strategisch gehen wir das in Themenblöcken an, so genannten Topics. Ein zentraler, allumfassender Pillar-Content, der von weiteren detaillierten Content-Stücken gesäumt wird, erhöht so die Relevanz für Leser und Suchmaschine.

Statt uns auf die Quantität der Keywords zu fokussieren, setzen wir lieber auf die Qualität des Inhalts.

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

Suchmaschinenoptimierung wächst bald über Google hinaus: Insbesondere für den E-Commerce ist die Optimierung innerhalb der großen Shopping-Plattformen sehr wichtig, etwa auf Amazon oder eBay. Aber auch andere Suchsysteme, etwa innerhalb von sozialen Netzwerken wie etwa YouTube oder Facebook, werden sich weiterentwickeln. Gerade aus der Sicht des Online-Marketings sind diese alternativen Traffic-Quellen nicht zu unterschätzen. In der Zukunft werden aber auch Chatbots und Voice Search bedeutsamer werden. Voice Search wird momentan in den wenigsten Fällen für Einkäufe genutzt, aber dennoch sollte man die Entwicklungen im Auge behalten, denn von einer Liste im schriftlichen Google-Ranking bleibt bei sprachbasierten Systemen lediglich eine ausgegebene Antwort übrig. Um diese Spitzenposition könnte bald ein harter Kampf entbrennen.

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Neben der wachsenden Intelligenz von Google, die ein radikales Umdenken im Content-Bereich einläutet – von Keyword-Quantität zu Inhalts-Qualität -, ist die mobile Optimierung immer noch ein Schlüsselfaktor. Mittlerweile kommt die Mehrheit der Suchanfragen über mobile Geräte. Dementsprechend hat Google bereits angekündigt, dass der Mobile Index die Desktop-Variante ablösen wird. Aber nicht nur responsives Design ist relevant, auch die Ladezeiten müssen stimmen, sonst droht schnell Abstrafung, wenn ungeduldige Surfer wieder abspringen. Und der Geduldsfaden reißt meist schon nach zwei Sekunden. Wer also nicht optimale mobile Seiten zur Verfügung stellt, verschwindet bald in der Versenkung.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

Die Annahme, dass Links wichtiger als Content seien, zählt zu den hartnäckigsten SEO-Mythen. Zweifelsohne sind Links ein wichtiger Faktor für das Ranking, allerdings geht auch hier Qualität vor Quantität. Seit dem Penguin-Update 2012 werden Backlinks genauer unter die Lupe genommen und Verlinkungen aus wenig vertrauenswürdigen Quellen wie Linkverzeichnissen gnadenlos abgestraft. Statt in externes Link-Building zu investieren, lohnt es sich, qualitativen Content zu produzieren, der informativ ist und wirklichen Mehrwert bietet, etwa Blog-Artikel, E-Books oder Gastbeiträge auf anderen Websites. Dann kommen die Links auf diese wertvollen Inhalte bald organisch von ganz alleine.

Sie werden von Google eingeladen und dürfen eine einzige Frage stellen, die wird dafür aber komplett offen und ehrlich beantwortet. Was fragen Sie?

Wird audiovisueller Content in Zukunft als eigenständiger SEO-Faktor gewichtet? Wenn ja, wie?

Malte Landwehr

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Content! Was Content? Der Landwehr redet immer noch von Content als Trend? Das war doch schon 2015 und 2016 ein Trend! Stimmt. Aber nur wenige Unternehmen können vernünftig den ROI jedes produzierten Artikels bestimmen. Kaum ein Unternehmen holt aus den eigenen Inhalten das Maximum raus (über Repurposing, Adaption für mehrere Kanäle, usw.). Gefühlte 90% des produzierten Contents werden nicht für definierte Personas geschrieben und schon gar nicht in ToFu, MoFu und BoFu eingeordnet (also an welcher Stelle des Verkaufstrichters sie zum Einsatz kommen – Anm.d.Red.). Dies wird sich in 2017 ändern. Immer mehr Unternehmen und Agenturen werden professionelle Content Factories aufbauen und mit Hilfe entsprechender Software-Lösungen und strategischer Konzepte ihre Content-Produktion massiv professionalisieren.

Unternehmen und Agenturen werden ihre Content-Produktion massiv professionalisieren.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

Der größte SEO-Mythos 2016 war der Irrglaube, dass sich jeder SEO auf alternative Suchsysteme stürzen muss und dass wir alle mit „Amazon SEO“ reich werden. In diversen Facebook-Gruppen herrschte regelrecht Goldgräberstimmung; meist geschürt von Tools und Dienstleistern in diesem Bereich. Frei nach dem Motto „Produkte in China für 50 Cent bestellen, bei Amazon für 15 Euro einstellen und ein paar Bewertungen kaufen“ sind viele kleine Amazon-Marketplace-Seller entstanden. Seit Amazon rigoros gegen Fake-Bewertungen vorgeht, ist es damit vorbei. Ich erwarte hier zwei Entwicklungen:

  1. Erstens werden viele kleine Player (die Lücken wie „Nutzer mit gefälschten Bewertungen verarschen“ ausgenutzt haben) sterben und sich der Markt auf wenige, große Player zentralisieren.
  2. Zweitens werden immer mehr echte Brands direkt auf den Marktplätzen verkaufen und sogar Marken entstehen, die das komplette Brandbuilding rein über Amazon & Co machen (Beispiel: Anker)

Dominic Mai

Welcher Trend oder welche Veränderung hat Ihre Arbeit im ausgehenden Jahr 2016 am meisten beeinflusst?

Die stetig wachsende Bedeutung des Content-Marketings im Allgemeinen.

Waren Suchmaschinen wie Google früher das wichtigste Einfallstor ins Netz, scheint das immer weniger der Fall. Man denke an digitale Assistenten, Chatbots oder auch die wachsende Bedeutung des Social Web. Welche Rolle spielt SEO aus Ihrer Sicht heute und in naher Zukunft?

Trotz alternativer Quellen bleibt Google auf lange Sicht enorm wichtig und kann nicht vernachlässigt werden. Da relevante Inhalte auf der Website nicht nur für SEO gedacht sind, müssen diese ohnehin weiterentwickelt und generiert werden. Google rückt immer mehr von simplen „SEO-Mechanismen“ ab, so dass am Ende der beste Content und dessen Relevanz im Kontext dominiert – keine Keyword Density etc. Dennoch ist es sehr wichtig, besonders das Social Web zu bedienen und entsprechende Strategien zu entwickeln. Hier muss je Kanal eine gesonderte Strategie entwickelt werden. Viele Unternehmen machen den Fehler „einfach mal loszulaufen“. Am Ende kommt meist nichts dabei heraus. Es gibt sicher viele Möglichkeiten, weitere Dinge zu tun (Voice Search etc.), man sollte sich jedoch erstmal mit den grundsätzlichen Dingen beschäftigen und diese gut umsetzen, bevor man mit der Kür beginnt.

Trotz alternativer Quellen bleibt Google auf lange Sicht enorm wichtig.

Welcher SEO-Trend wird 2017 prägen? Worauf sollte man sein Hauptaugenmerk legen?

Sofern für guten Content gesorgt wird, müssen nach wie vor die Hausaufgaben gemacht werden: strukturierte Daten, mobile friendliness, Page Speed, Usability. Auch User generierter Content wird sicherlich nach wie vor ein wichtiges Signal für Google bleiben.

Und falls Sie einen Preis für den größten SEO-Mythos 2016/2017 vergeben könnten: Welcher wäre das?

Ein immer wiederkehrender Mythos lautet: SEO ist nur für große Unternehmen sinnvoll. Das ist schlichtweg falsch. Selbst auf regionaler und lokaler Ebene kann hervorragend optimiert werden.

Sie werden von Google eingeladen und dürfen eine einzige Frage stellen, die wird dafür aber komplett offen und ehrlich beantwortet. Was fragen Sie?

Wenn ich meine SEO-Strategie für die nächsten 10 Jahre planen möchte, was muss ich tun, um stets alles richtig zu machen? (Das wäre doch mal eine Antwort!) Aber im Ernst, eventuell würde ich fragen, anhand welcher Qualitätsfaktoren Content im Wettbewerb exakt bewertet wird und wie die optimale, interne Linkstruktur aussieht.

Artikel vom 31. Januar 2017