Zum Medienmogul in fünf Tagen – der ultimative Guide

Ein Medienimperium aus der Taufe zu heben, benötigte in den vergangenen Jahrzehnten viel Zeit und Mühe: Man musste Zeitungen gründen, Konkurrenten aus dem Feld schlagen, Fernsehsender kaufen und betreiben usw. Kurz: Stress pur. Heute geht das alles viel einfacher. Mit WordPress & Co. kannst auch Du in fünf Tagen Dein internationales Medienimperium hochziehen. Hier steht, wie. Ehrlich!

Mit diesem kleinen Artikel nehme ich an Yannick Eckls Blog-Parade „Selbstständigkeit durch das Internet“ teil.

Tag 1

Es ist der erste Tag Deiner medialen Welteroberung. Rupert Murdoch ahnt nichts. Deshalb lässt Du es ruhig angehen: Erst einmal ausschlafen und danach ein gesundes Frühstück. Angehende Medienzare brauchen viel Energie und Kraft. Deshalb: Achte auf Deine Ernährung.

Als nächstes wären ein Stift und Papier eine gute Idee oder Du machst Dir Deine Notizen gleich komplett digital. Denn als erstes brauchst Du ein Thema. Womit möchtest Du den weltweiten Medienmarkt aufrollen? Eine wichtige Entscheidung.

Am besten suchst Du Dir etwas aus, mit dem Du Dich sowieso gern beschäftigst und mit dem Du Dich bereits bestens auskennst. Das macht das Schreiben deutlich leichter. Die Zeit für Recherchen etc. fällt weg (oder wird schön kurz) und Du hast sicher gleich ein paar Ideen, wie es losgehen soll.

Sollte es zu Deinem Thema allerdings schon viele andere Angebote geben, musst Du Deine Welteroberungspläne noch etwas verfeinern: Das Finden einer passenden Nische ist angesagt. Gibt es einen Unteraspekt Deines Themas, den noch niemand (oder kaum jemand) behandelt? Könntest Du das Thema auf eine einmalige Weise oder in einer bislang ungekannten Sichtweise darstellen? Das sind extrem wichtige Überlegungen und Du solltest Dir mindestens den ersten Vormittag dafür einplanen.

Schreib einige Themen auf und recherchiere, welche Angebote es dort bereits gibt. Nicht größenwahnsinnig werden! Die Welt erobert sich viel einfacher, wenn Du Dir erst einmal etwas schwächere Gegner aussuchst – oder vollkommen unbesetzte Felder. Und glaube mir: Davon gibt es eine Menge.

Nach einem ausführlichen Mittagessen (reichlich, aber nicht so schwer, sonst setzt die Mittagsmüdigkeit zu stark ein) widmest Du Dich dem Namen und der Domain für Dein Projekt. Das wird jetzt nochmal eine echte Geduldsprobe. Der Name sollte eindeutig und einprägsam sein und darf natürlich noch nicht vergeben oder geschützt sein. Du recherchierst am Besten bei DENIC und beim Markenamt.

Bestell die Domain und etwas Webspace dazu. Nein, Du brauchst nicht gleich einen ganzen Server. Umsteigen kannst Du immer noch. Viele Inhalte werden aber sowieso nicht auf Deinem Webspace liegen. Dazu später mehr. Melde Dich bei Google Analytics an.

Am Abend gönnst Du Dir noch eine Kleinigkeit und entspannst Dich. Die nächsten vier Tage werden sehr anstrengend!

Tag 2

Gut geschlafen? Schön. Es ist ein wunderbarer und aufregender Tag: Tag 2 von 5, um Medienmogul zu werden.

Mit ein bisschen Glück sollte die Domain schon registriert sein und Dein Webspace bereitstehen. Herrlich!

Als erstes kannst Du jetzt WordPress installieren. Oder Serendipity. Vielleicht auch Drupal. Du bist unsicher? Dann lies vielleicht nochmal hier und da. Aber letztlich kann Dich jetzt nichts mehr davon abhalten, der Medienlandschaft Deinen Stempel aufzudrücken. Manche Anbieter von Webspace ermöglichen Dir, solche Systeme wie WordPress mit einem Klick zu installieren. Dann bist Du fein raus, denn die gesparte Zeit kannst Du nutzen, zum Beispiel für ein Stück frisches Obst aus biologischem Anbau (Demeter u.a.). Vergiss nicht, den Code von Google Analytics einzubauen. Du könntest auch überlegen, die Feeds über Feedburner ausliefern zu lassen. Es geht doch nichts über Statistik!

Dein Weblog ist zu sehen? Wunderbar! Lehne Dich einen Moment zurück und genieße diesen Moment. Jetzt beginnt alles. Dies ist der Anfang. Denk an diesen Spruch mit dem Anfang und dem Zauber. Kennst Du nicht? Egal. Trotzdem schön.

Such Dir ein nettes Layout für Dein Projekt aus. Es sollte übersichtlich sein und nicht zu abgegriffen. Es macht sich bezahlt, wenn Du hier und da mal geschaut hast, was andere so machen. Das Layout kannst Du bei WordPress (Serendipity, Drupal, Joomla…) normalerweise aber auch ganz leicht wieder ändern. Es ist also nicht wirklich wichtig. Nur das Standard-Design solltest Du nicht nehmen, denn das sieht dann doch ein bisschen zu sehr danach aus, als ob Du es sehr locker angehen ließest. Und diesen Eindruck wollen wir (willst Du!) auf jeden Fall vermeiden. Denn Du meinst es ernst. Verdammt ernst.

Weblog ist da. Layout steht. Jetzt schreibst Du die ersten Inhalte rein. Kurze und lange Sachen, mittellange nicht vergessen, Listen sind gut, Linktipps, ein bisschen was Persönliches, nicht so viele YouTube-Videos… Vor dem Mittag kannst Du hier noch einiges schaffen. Nach einem guten, aber nicht zu umfangreichen Mahl (s. Tag 1) fängst Du an, Dich bei anderen bekannt zu machen. Du liest Ihre Blogs, beschäftigst Dich mit ihren Themen, schreibst lesenswerte und informative Kommentare, Du verlinkst von Deinem Blog auf ihre Blogs usw. Das volle Programm eben. Weißt schon.

Achja: Hast Du schon eine Selbstbeschreibung? Wer Du bist? Worum es in Deinem Projekt geht? Solltest Du machen. Denn Du hast jetzt vor allem Leute auf Deiner Seite, die Dich noch nicht kennen. Also erklär ihnen, was sie hier finden (und damit indirekt, warum sie Deinen Feed abonnieren oder anderweitig wiederkommen sollten).

Installier abends ein Plugin, um einen Podcast zu veröffentlichen. Oder schau Dir mal Loudblog an. Noch besser: Hoste das ganze Zeug bei einem anderen Dienst wie PodHost. Das kostet zwar eventuell extra (das Starterpaket mit monatlich 30 MB Speicherplatz ist gratis!), aber die sind wenigstens auf die Datenmenge eingerichtet. Den Tag lässt Du mit einigen Sprechübungen ausklingen.

Tag 3

Nach etwas leichter sportlicher Ertüchtigung und einem Fitness-Frühstück geht es weiter. Wirf mal einen Blick auf die Statistik. Sieht nicht so toll aus? Macht nichts. Das kommt schon noch, praktisch (mehr oder weniger) so gut wie von allein. Wart’s nur ab. Schreib wieder was. Und nimm einen Podcast auf. Ein einfaches Headset reicht für den Anfang und evtl. Audacity als Software-Lösung. Erzähl was aus Deinem Themengebiet. Nicht zu lange. Versuch es mal mit zehn Minuten. Podcast einspielen und dann bei iTunes, Podcast.de, Podster, Dopcast anmelden. Und vor allem: Selbst Podcasts abonnieren und hören!

Mahlzeit!

Mach einen Spaziergang. Diese Natur – einmalig! Vöglein zwitschern, Wolken schweben über den hohen Himmel hinweg… Beeindruckend.

Nicht so beeindruckend wie Dein bald fertiges weltweites Medienimperium, aber dennoch beeindruckend.

Schreib noch was. Kommentier bei anderen. Das ganze Programm von Tag 2. Weißt schon.

Abends liest Du in der Anleitung Deiner Digitalkamera nach, wie das mit der Videofunktion ist. Oder kramst die olle Webcam wieder aus der Schublade.

Den Tag ausklingen lassen… ganz entspannt… Die Zeit arbeitet für Dich.

Tag 4

Nach dem Aufstehen nimmst Du erstmal die AdSense- und Affiliate-Anzeigen wieder runter, die Du gestern heimlich auf Deine Seite gebaut hast. Davon habe ich nichts geschrieben! Da kommt doch nicht so eine Schrottwerbung drauf! Tststs. Also wenn Du mit mir gemeinsam zum Medienmogul werden willst, musst Du Dich schon an meine Anleitung halten. Ich weiß, wie das geht, denn ich bin der Champ.

Iss ein Müsli, aber nicht eins mit so viel Zucker.

Check Deine Statistiken und mach dann trotzdem weiter. Schreib was. Recherchier mal für künftige Artikel. Aber bastel nicht wieder so viel am Layout rum – das interessiert die Leser nicht die Bohne.

So, heute machen wir unseren TV-Sender auf. Also: Digicam und/oder Webcam raus und bei Sevenload und bei Mogulus anmelden. Bei Sevenload kannst Du fertige Videos ablegen und bei Dir wieder einbinden (= wieder Geld gespart, denn Du musst den Speicherplatz und den Datenverkehr nicht bezahlen). Bei Mogulus kannst Du Deinen eigenen Live-Fernsehsender aufmachen. Das geht auch kostenlos. Hammer, oder? Ja, alles sowas geht heute. Ob es morgen nocht geht, weiß keiner. Deshalb: Heute machen.

Nimm Dein Video auf. Ein netter Vorspann wäre fein, aber Du solltest da nicht lange dran rumbasteln. Das ist wie beim Bloglayout: Die Inhalte sind das wichtigste. Das Layout kannst Du später immer noch machen. Mit ein bisschen Glück kommt irgendwann ein Webdesigner des Wegs, der das Leid nicht mit ansehen kann und Dir hilft. Warte das ab. Echt.

Das Video sollte irgendwie ja… nützlich sein. Oder witzig. Oder interessant. Aber jedenfalls nicht so lang. Noch kürzer als der Podcast, vielleicht so zwei, drei Minuten oder fünf. Versuch bloß nicht, irgendwie professionell zu wirken. Es gibt kaum etwas Peinlicheres als Leute, die mit unzureichenden Mitteln arbeiten (und das sehr offensichtlich) und dann so tun, als wären sie die Tagesschau oder sowas. Bäh!

Video einspielen, bei Dir einbinden und den Abend auf der Couch genießen (evtl. ein bisschen Sport).

Tag 5

Guten Morgen! Wie ich sehe, hast Du der Versuchung widerstanden und nicht wieder Werbung auf Deine Seite geklatscht. Brav. Das lohnt sich jetzt einfach noch nicht. Die Verschandelung Deiner Site sollte in einem sehr guten Verhältnis zu den Einnahmen stehen. Glaub’s mir.

Aber Du kannst natürlich einen Sponsor suchen oder einen Werbekunden – so nach zwei, drei Jahren. Je nach Thema gibt es vielleicht passende Partnerprogramme, die Du dann aber nicht einfach mit einem Banner bewerben solltest. Aber mal unter uns: Besser Du spekulierst darauf, Dinge auszuprobieren und zu lernen, die Du dann an anderer Stelle gut gebrauchen kannst. Das wird auf jeden Fall klappen.

Äh – und natürlich Dein weltweites Medienimperium. Ja. Das sollten wir nicht vergessen. Ähem. Gut, wenn Du heute in die Statistik schaust, wirst Du feststellen, dass der Weg eventuell noch sehr weit ist. Sehr, sehr weit. Unglaublich sehr, sehr weit. Aber er ist da, der Weg (aber so verflucht lang – sehr, sehr lang).

Die Frage ist: Hast Du Lust, diesen Weg nicht nur 5 Tage zu gehen, sondern auch 50 oder 500 Tage? Immer wieder? Egal, wie lang er noch zu sein scheint? Auch wenn er endlos ist? Auch wenn er zugewachsen ist und es so ganz eklig fein zu regnen beginnt, während Du ihn gehst?

Wenn Du darauf keine Lust hast, kannst Du Dir den Stress gleich sparen. Aber überhaupt: Stress ist nicht gut. Spaß ist wichtig. Probier’s einfach aus. Mach. Fang an!

Und es muss ja nicht gleich ein ganzes Medienimperium sein…

Und lass Dir nicht immer von anderen erzählen, was Du machen sollst. Wenn die selbst richtig viel erreicht haben, über Jahre hinweg, dann hör gut zu. Aber dann mach Dein eigenes Ding. Oder eben auch nicht. Oder doch. Je nachdem, was Du willst. Und misstraue vor allem diesen Hinweisen am Ende eines Textes. Die sind ganz besonders unglaubwürdig.

Artikel vom 24. Oktober 2007