Social Media für B2B: Liebherr zeigt wie es geht

Social Media für B2B, das passt für viele Unternehmen einfach nicht zusammen. Diese Annahme ist auch nachvollziehbar, denn die großen Social-Media-Plattformen stehen schließlich für die Kommunikation mit den Konsumenten. Dennoch ist die Annahme nicht richtig, denn einige B2B-Unternehmen treten erfolgreich den Gegenbeweis an. Wir haben mit den Social-Media-Verantwortlichen von Liebherr über deren Erfahrungen gesprochen.

Liebherr

(Bild: Liebherr)

In einer Studie zum Thema Social Media für B2B von Volker Davids, die in Kooperation mit dem Social Media Monitoring Anbieter Brandwatch und UK Trade & Investment erstellt wurde, konnte erstmals die Sichtbarkeit von 150 B2B-Unternehmen aus Deutschland analysiert werden. Das daraus resultierende Ranking sieht mit Liebherr International ein Unternehmen aus dem Maschinenbau auf dem Top-Platz. Wie es dazu kam, welche Ziele verfolgt werden und welche Tipps Liebherr anderen B2B-Unternehmen mit auf den Weg geben kann, erklären Tobias Ilg, bei Liebherr für die weltweiten Social-Media-Aktivitäten zuständig, und Christopher Schmidt von der betreuenden Agentur We Are Social in einem exklusiven Interview mit dem UPLOAD Magazin.

Viele B2B-Unternehmen zögern noch, wenn es um Social Media geht. Wann ist Liebherr gestartet und warum?

Tobias Ilg: Unsere Social Media Aktivitäten haben im Juni 2012 begonnen. Die ersten, zunächst sehr kleinen Schritte waren ein YouTube-Kanal für die Firmengruppe sowie ein Xing- und ein LinkedIn-Profil. Über die letzten zwei Jahre kamen dann sukzessive weitere Plattformen dazu. Zudem haben wir unsere Produktbereiche klar voneinander abgegrenzt aufgestellt. Der kompletten Strategie und deren Integration liegt ein Audit zugrunde, der im ersten Halbjahr 2012 durchgeführt wurde und uns Einblicke verschaffte, wo und in welcher Tonalität über Liebherr gesprochen wird im Social Web.

Anfang 2012 haben wir erkannt, dass es bereits viele Communities auf unterschiedlichen Plattformen gibt, in denen ein starker Austausch über unsere Produkte und unsere Marke stattfindet – ohne unsere Beteiligung. Diesen Austausch wollten wir zum einen durch eigene Beiträge weiter vorantreiben, zum anderen aber auch die Chance ergreifen, mit unseren Fans und Kunden in einen aktiven Dialog zu treten. Wir sehen hier großes Potential, um Meinungen, Informationen und Hintergrundberichte mit unseren Fans zu tauschen und für uns selbst entsprechend zu verwerten.

Die Social-Media-Aktivitäten des B2B-Unternehmens Libeherr starteten mit YouTube.

Die Social-Media-Aktivitäten des B2B-Unternehmens Liebherr starteten mit YouTube.

Christopher Schmidt: Social Media primär als Chance zu begreifen, anstatt als ein loderndes, kommunikatives Risiko zu fürchten: Das ist der springende Punkt. Dass US-Unternehmen dies bereits erkannt haben und seit Jahren Social Media in das B2B-Marketing kreativ und erfolgreich integrieren, muss – denke ich – nicht großartig erwähnt werden. Dabei können gerade B2B-Unternehmen – und nicht zuletzt deutsche Unternehmen als oftmals „international führende Player“ mutig vorangehen: Im Vergleich zur manchmal doch sehr bunten und konstruktivistischen B2C-Markenwelt stellen B2B-Unternehmen wie zum Beispiel Liebherr komplexe, traditionsreiche Produkte her, die für eine Vielzahl von Kunden und Partnern jeweiliger Branchen sinnstiftend sind und damit viele Leute täglich beeinflussen. Also viel Gesprächsstoff und viele Geschichten für Social Media. Es muss dementsprechend kein Kommunikationsanlass konstruiert werden, Gespräche finden bereits statt. Unternehmen müssen an diesen nur ernsthaft teilnehmen wollen und sollten sich hauptsächlich auf das Wesentliche konzentrieren: Das Produkt an sich und die Erfahrungen der Kunden damit. Ein Audit kann zeigen, wo diese Gespräche im Social Web stattfinden und womit das Unternehmen inhaltlich beitragen kann.

Welche Schwierigkeiten und Herausforderungen gab es beim Start?

Tobias Ilg: Herausforderungen gab es einige – beginnend mit der Auswahl einer Beratungsagentur. Da wir als stark diversifizierte Firmengruppe sowohl im B2B als auch im B2C tätig sind, muss eine große Bandbreite abgedeckt werden. Beim Start mit Social Media „auf der grünen Wiese“  mussten viele Prozesse zuerst einmal gestaltet und teilweise bestehende Workflows deutlich verändert werden. So haben wir für Social Media ein zentrales Redaktionssystem eingeführt und ein Monitoring für die komplette Firmengruppe aufgebaut.

Es gab auch einige Stimmen, die vor allem vor möglicher negativer Tonalität bis hin zum klassischen „Shitstorm“ großen Respekt hatten. In Zusammenarbeit mit der Agentur musste ab und an auch Überzeugungsarbeit geleistet werden, den Schritt Richtung Social Web zu wagen. Auch die Sicherstellung akzeptabler Reaktionszeiten war in der Umsetzung schwierig – wie bekomme ich innerhalb unserer Firmengruppe und innerhalb weniger Stunden, eine technisch komplexe Fan-Frage beantwortet? Zudem nahm das Verfassen einer Guideline für alle Mitarbeiter zum Verhalten im Social Web einige Zeit in Anspruch.

Christopher Schmidt: In der Tat stellt eine gut aufgestellte Social Media Kommunikation die Kommunikationsabteilungen von Unternehmen zunächst vor allem vor strukturelle Herausforderungen. „Gesunde“ und schnelle Kommunikationsprozesse innerhalb von Unternehmen sind notwendig, um mit den Social Media Schritt halten zu können. Das trifft Kommunikationsverantwortliche von B2B-Unternehmen besonders hart – so sind die Ressourcen hier doch traditionell begrenzter als bei den Kollegen von B2C-Unternehmen. Eine gute Beratung, die erprobte und effiziente Lösungswege aufzeigt, ist hier umso wichtiger.

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Neben neuen Strukturen für Social Media gilt es aber vor allem auch, die Unternehmenskultur für das Social Web „fit zu machen“: Interne Stakeholder und Entscheidungsträger gilt es Schritt für Schritt „abzuholen“. Warum ist Social Media Kommunikation jetzt als strategisch wichtig bewertet worden? Diese Frage beantworten Sie am besten, indem Sie für jeden Verantwortungsträger im Unternehmen den individuellen Nutzen von Social Media für seinen Aufgabenbereich erläutern. Dabei müssen Sie auch aufzeigen, wie diese Verantwortung wahrgenommen werden kann und das geht nicht durch das Schüren von Angst und Restriktionen. Wir nennen das „Enabling durch Spielräume“: Strukturen und Regeln müssen Handlungsspielräume für Mitarbeiter von Unternehmen aufzeigen, anstatt bloße Verbote und Risiken aufzuzeigen. Agenturen sollten sich primär als Sparring-Partner für Unternehmen verstehen, nicht als Besserwisser. Was zum Beispiel heißen kann, Social Media Verantwortliche von Unternehmen mit zusätzlichen Argumenten für die Überzeugung von internen Stakeholdern und Entscheidungsträgern auszustatten.

Letztlich geht es hier um eine Beratung auf Augenhöhe. Gute Agenturen sind Spezialisten für Social Media und Social Media Verantwortliche von Unternehmen sind Spezialisten für Social Media in ihrem Unternehmen. Augenhöhe heißt überzeugt davon zu sein, dass niemand besser den Job in seinen Bereich machen kann. Beide Expertisen müssen zusammengebracht werden und sich gegenseitig befruchten. Gegenseitiger Respekt und Aufrichtigkeit sind hierfür Grundvoraussetzungen.

Welche Zielsetzungen verfolgen Sie mit den einzelnen Social-Media-Kanälen?

Tobias Ilg: Die Zielsetzung unterscheidet sich in allen Kanälen etwas – vor allem mit Blick auf die einzelnen Zielgruppen. YouTube dient der Darstellung unserer Produkte, die technisch häufig sehr erklärungsbedürftig sind. Dies lässt sich gerade in Filmen gut darstellen. Auf Facebook sprechen wir zum einen die Fans unserer Marke und unserer Produkte an, aber auch viele Kunden, die täglich mit unseren Produkten arbeiten. Dadurch bietet sich ein sehr spannender Austausch, gerade in Bezug auf Feedback zu unseren Maschinen im B2B-Bereich. LinkedIn nutzen wir zum einen in Richtung Employer Branding und Recruiting, zum anderen aber auch für unsere Produktpräsentationen. Da das Verhaltensmuster der User hier anders ist als auf Facebook, gehen wir oft technisch tiefer ins Detail – diesen zweiten Ansatz verfolgen wir auch auf Google+. Twitter dient vor allem zur Reichweitensteigerung und als Kontakt zu vielen Magazinen und Plattformen der einzelnen Produktbereiche.

Die Facebook-Seite dient zum Austausch mit den Markenfans und Kunden.

Die Facebook-Seite dient zum Austausch mit den Markenfans und Kunden.

Christopher Schmidt: Letztlich geben die „Social“ Media grundsätzliche Zielrichtungen vor: Die Kernfunktionen der Plattformen schaffen die Strukturen einer möglichen Kommunikation, die tatsächliche Art der Nutzung seitens der Zielgruppen bestimmt die Regeln bzw. Erfolgspotentiale einer angepeilten Kommunikation. YouTube ermöglicht z.B. vor allem eine Video-Kommunikation und wird eher monologisch genutzt. Wenn sich wie bei Liebherr die Zielgruppen hier aufhalten, bietet sich eine eher monologische und produktorientierte Kommunikation über Videos an, um die Komplexität von Produkten und Zusammenhängen aufzuzeigen –  was vor allem im B2B-Umfeld oft der Fall ist. Diese Content-Facette kann die Social Media Kommunikation in anderen Kanälen ergänzen. Letztlich muss auch in  Zeiten von Social Media weiterhin im Ansatz integrierter Kommunikation gedacht werden, nur dass Content und Stories nun der Treiber sind – Plattformen und dessen Nutzer geben „nur“ die Spielräume einer Realisation vor. Das preisen Buzzwords wie „Content Marketing“ gerne als Zaubermittel an.

Wer nach Liebherr und Social Media sucht, findet sehr schnell die B2C-Kanäle für die Hausgeräte-Sparte. Wie unterscheiden sich diese von den B2B-Kanälen und ist es eher hilfreich oder hinderlich in beiden Bereichen präsent zu sein?

Tobias Ilg: Generell ist es für uns immer spannend zu sehen, welche Produkte mit der Marke Liebherr in Verbindung gebracht werden – häufig ist es entweder das Kühlgerät oder der Kran. Beides gleichzeitig kommt eher sehr selten vor. Daher haben wir auch unsere Auftritte auf den einzelnen Plattformen aufgetrennt. So finden sie zum einen den Bereich Hausgeräte mit einem eigenen Blog und auf Facebook, Twitter sowie YouTube vertreten. Zum anderen gibt es unsere B2B-Bereiche, die wir noch deutlich weiter aufgetrennt haben. Hierbei gilt: Wir möchten die richtige Zielgruppe erreichen. Daher vereinen wir alle Produkte aus dem Bereich Baumaschinen unter „Construction“ und bieten so Communities für Betreiber, Anwender und Fans von Baumaschinen – speziell angepasst auf die Interessen dieser Zielgruppe. Gleiches bieten wir für den Bereich „Mining“, wo wir alle unsere Maschinen und Themen rund um den Bereich Tagebau spielen sowie den Bereich „Maritime“, der unsere Produkte im Hafenumschlag, Schiffskrane und Offshore-Krane abdeckt.

Im B2C-Bereich ist die Nähe zum Kunden wichtig, der Service-Gedanke steht mit im Vordergrund und wir möchten für Themen rund um Kühlen und Gefrieren begeistern. Wir möchten Kunden die Möglichkeit bieten, schnell und einfach bei jedem Geräteproblem bei uns die passende Lösung zu finden.

Im B2B-Bereich sehen wir, dass unsere Produkte sehr große Emotionen auslösen können, gerade Baumaschineneinsätze aus der ganzen Welt werden mit großem Enthusiasmus kommentiert und geteilt. Hier ist vor allem die Einführung neuer Produkte sehr wichtig für uns, aber auch hier kommt zunehmend Interesse an unterschiedlichen Services auf, von der Ersatzteilbestellung bis zur Meldung eines Servicebedarfs. Daher unterscheiden sich die beiden Bereiche hier eigentlich weniger, als man vielleicht im ersten Blick glauben mag. Ich glaube, es ist hilfreich, beide Brillen aufzuhaben, da beide Bereiche einiges voneinander lernen können.

Christopher Schmidt: Die Zielgruppen und deren Interessen bestimmen die „Social“ Media. Hierbei ist es wichtig für jedes Unternehmen, zu bewerten wie ein tatsächlicher Mehrwert für die Zielgruppen geschaffen werden kann und jeden Tag hart daran zu arbeiten, diesen einzulösen. Unternehmen, ob B2C oder B2B oder Mischunternehmen wie Liebherr, sollten da sein wo die Zielgruppen sind und wo Mehrwert geschaffen werden kann. Dabei ist die oberste Maxime für alle Unternehmen immer, mithilfe der Social-Media-Kommunikation die Zielerreichung eines Unternehmens zu unterstützen. Im Falle des Gelingens und damit im Falle von Liebherr würde ich hier von einer echten Win-Win-Situation zwischen Unternehmen und Zielgruppen sprechen.

Gibt es eine Gesamtstrategie oder sind beide Bereiche (auch personell) getrennt?

Tobias Ilg: Wir haben nicht nur für die Bereiche B2B und B2C eine eigene Strategie, sondern auch innerhalb des B2B-Bereiches für jede Produktgruppe. So verfolgen wir unterschiedliche Ziele auch im Bereich Mining, Construction und Maritime. Es gibt jedoch auch eine übergeordnete Gesamtstrategie, da wir natürlich im Bereich Employer Branding wieder als Firmengruppe Liebherr vereint sind.  Personell ist der B2C-Bereich stärker aufgestellt, da hier auch Ticketsysteme, Kundenhotline und weitere Bereiche direkt angeschlossen sind. Diese Bereiche werden dezentral innerhalb der betreffenden Produktsparte betreut.

Wie nehmen Sie ihre Mitarbeiter mit – dürfen/sollen sie sich beteiligen?

Tobias Ilg: Zuerst einmal sind wir auf Informationen und Beiträge aus möglichst vielen unserer weltweiten Standorte angewiesen – nur so können wir für alle Zielgruppen dauerhaft spannende Themen liefern und unsere strategische Zielsetzung erreichen. Daher gibt es auch an allen größeren Standorten direkte Ansprechpartner.  Für alle Mitarbeiter gelten unsere Social Media Guidelines, die wir sowohl als Ratgeber für das private Verhalten im Social Web sehen als auch als Maßgabe für die Kommunikation zu Themen unserer Firmengruppe. Wir fordern darin unsere Mitarbeiter ausdrücklich auf, sich zu beteiligen, weisen aber auch darauf hin, dass das Internet ein öffentlicher Platz mit einem Gedächtnis ist.

Welche Inhalte spielen bei Ihren B2B-Kanälen eine Rolle, wie sieht der Content-Mix aus?

Tobias Ilg: Dies ist je nach B2B-Produktgruppe etwas unterschiedlich. In allen drei derzeit aktiven Bereichen gibt es Einsatzberichte aus aller Welt und natürlich Produktankündigungen. Hinzu kommen häufig Themen aus der Produktion, vom elementaren Stahlbau bis hin zur Endfertigung der Maschine. Diese können als Text, Bild oder Film vorkommen. Im Baumaschinenbereich finden regelmäßig Fachmessen statt – weltweit gesehen praktisch in wöchentlicher Abfolge. Diese Events stellen wir als Veranstaltungshinweise in das Social Web, zu denen jeder Fan zu- oder absagen kann. Zusätzlich berichten wir mit „Live-Reportagen“ von diesen Messen. Bei großen Messen praktizieren wir zusätzliche Social Media Highlights auf dem Messestand.

Im Bereich Maritime spielen zudem Großaufträge eine wichtige Rolle, da es hier häufig um Großprojekte wie beispielsweise komplette Container-Verladebrücken geht. Im Mining-Bereich kommen zudem Themen aus Transport und Logistik dazu, wenn beispielsweise ein 600-Tonnen-Raupenbagger in Australien im vollmontierten Zustand über 250 Kilometer transportiert wird. Zudem spielen für alle Bereiche auch bestimmte Stellenanzeigen eine Rolle, die wir über unsere entsprechenden Produktbereiche kommunizieren sowie generelle Themen rund um unsere Firmengruppe, von Investments bis hin zu neugegründeten Gesellschaften.

Christopher Schmidt: Wie bereits beschrieben, sind die „Stories“ der Treiber der Inhalte und des eingesetzten Content-Mixes. Je nach Geschichte wird das passende Format gewählt. Sicherlich haben (B2B-)Unternehmensverantwortliche für Social Media nicht immer die optimalen Materialien als Ausgangspunkt für ihre zu erzählenden Geschichten. Perfekte Fotos, perfekte Videos und alles muss schön aussehen in der Timeline… Dabei wird oft der Fokus auf das Wesentliche verloren: Was ist denn eigentlich das Interessante an meiner Geschichte für die Zielgruppe? Die tatsächlichen Inhalte der Kommunikation kommen oft nach dem Format – vor allem in der bunten Welt der B2C-Kommunikation. Gerade B2B-Unternehmen fühlen sich hier häufiger einem „Vergleichsdruck“ mit dem B2C-Feld ausgesetzt, was eigentlich unnötig ist: Vor allem das B2B-Publikum erwartet eher relevante und authentische Inhalte und konkreten Nutzen im Rahmen der Kommunikation und ist in der Regel sehr dankbar, wenn diese Erwartung erfüllt wird – denn „Time is money“, wie zum Beispiel auch am Messestand auf einer Fachmesse.

Was glauben Sie sind die Gründe für den ersten Platz beim Index-Ranking der B2B-Studie?

Tobias Ilg: Mit Sicherheit lässt sich als einer der Gründe die Bauma in München anführen, die größte Baumaschinenmesse der Welt, die 2013 stattgefunden hat. Auf dieser Messe haben wir am eigenen Stand mehr als 60 Exponate ausgestellt. Mit über 500.000 Besuchern auf der Messe und diversen Social Media Aktionen auf unserem Stand haben wir aus diesem Event Rekordwerte mit Bezug auf Reichweite und Engagement-Rate auf den einzelnen Plattformen erzeugt. Zudem wurde in der weltweiten Medienlandschaft über die Bauma und Liebherr auf der Bauma berichtet.

Generell haben wir durch unsere Aufstellung über alle Bereiche hinweg eine hohe Engagement-Rate, zumeist im zweistelligen Prozentbereich, was zu einem starken Traffic im Social Web beiträgt. Wir sehen auch aus unserem Fan-Wachstum (Beispiel Construction: +65.000 Fans im Jahr 2013 bei rein organischem Wachstum) ein großes Interesse an unseren Themen und damit an unseren Communities. Es freut uns sehr, dass sich das Interesse unserer Fans auch bei der Platzierung durch diese Studie widerspiegelt. Hierfür ist natürlich auch der Content-Mix entscheidend.

Welche Erkenntnisse können Sie aus Ihrer bisherigen Social-Media-Präsenz für die B2B-Sparte weitergeben – haben Sie Tipps für andere B2B-Unternehmen?

Tobias Ilg: Patentrezepte gibt es sicher nicht. Ich glaube, dass jedes Unternehmen sich authentisch und zur Marke passend verhalten sollte. Daher kann auch eine Social Media Strategie nicht von der Agentur allein, sondern nur im intensiven Austausch mit den treibenden Kräften im Unternehmen entwickelt werden. Ich glaube, dass es wichtig ist, sich als Unternehmen klare Ziele und Verhaltensregeln zu setzen, die vom Unternehmen glaubwürdig vorgelebt werden – nur dann kann eine Community im Social Web wertschöpfend betrieben werden. Ein paar generelle Dinge haben wir als Ratschläge dennoch parat: Die gespielten Themen müssen unbedingt zur Zielgruppe passen, dies sollte auch regelmäßig überprüft werden. Thema Zielgruppe: Je klarer man eine Zielgruppe vor Augen hat, desto einfacher ist es, diese zu erreichen – daher sollte sich jeder ausreichend Zeit nehmen, über die jeweiligen Zielgruppen nachzudenken.

Das Thema Geschwindigkeit ist auch im B2B sehr wichtig – wer gar nicht oder nur sehr zeitversetzt reagiert, der wird auf Dauer nicht mehr beachtet werden. Daher kann ich nur empfehlen, möglichst schnell Feedback zu Fragen der Community zu geben auch wenn dies zur Folge hat, die Fachabteilungen zu schnellerem Feedback zu drängen. Wichtig auch: Ein Krisenkommunikationsplan sollte in der Schublade sein. Und zum Schluss: Keine Angst – die Chancen durch und mit Social Media sind nämlich immens!

Christopher Schmidt: Hier kann ich Tobias Ilg nur zustimmen. Es gibt kein Patentrezept für B2B-Unternehmen in Social Media. Dafür sind Unternehmen zu einzigartig und Kommunikation – gerade mit den Möglichkeiten in Social Media, ist zu komplex für Rezepte. Agenturen die für Social Media Kommunikation Rezepte und Lösungen pauschal verkaufen wollen, sind immer noch gefangen in ihrer alten Medienwelt oder haben es nicht verstanden. Wir verstehen uns als „Conversation Agency“: Wir bringen Unternehmen in die richtigen Gespräche mit den für sie relevanten Personen, mithilfe des Social Webs ist dies nun endlich möglich. Wie das geschehen kann, wissen Unternehmen eigentlich selber am besten, wir beraten bzw. „befähigen“ sie hierzu und unterstützen mithilfe unserer externen Expertise „out of the box“. Auf strategischer Ebene und bei der tatsächlichen Umsetzung, in etwa im Rahmen von Konzeption und Produktion von Content. Ansatzpunkt hierzu ist aber immer das Unternehmen selbst und dessen einzigartige Situation –  der Endpunkt ist immer eine sehr individuelle Lösung. Und das in einer Social Media Welt, die sich ständig wandelt und bei der der Mensch – zum Beispiel als Teil einer Zielgruppe – im Mittelpunkt steht.

Wie sieht die weitere Roadmap für Ihre Social-Media-Strategie aus?

Tobias Ilg: Ganz ehrlich: Diese kenne ich selbst nur zum Teil! Wir haben noch einige Produktbereiche, die derzeit nicht im Social Web aktiv sind. Hier sind wir bestrebt, auch für diese Bereiche passende Communities aufzubauen. Dann sehen wir gerade vor dem Hintergrund unserer weltweiten Vertriebs- und Serviceaktivitäten großen Bedarf, weiter in Richtung Sprachvielfalt zu denken. Derzeit kommunizieren wir in Englisch, Deutsch, Französisch und teilweise Spanisch. Social Media ist aber Kommunikation von Menschen für Menschen – deshalb ist die jeweilige Muttersprache sehr wichtig. Daher sehen wir langfristig hier auch großes Potential. Zudem streben wir an, den Bereich Service deutlich auszubauen, um unseren Fans und Kunden hier weiter entgegenkommen zu können, sowohl im B2C also auch im B2B.

Warum ich die Roadmap nur zum Teil kenne, ist ziemlich einfach: Wir sind auch auf die Plattformen angewiesen. Teilweise ist es schwer zu sagen, wo sich Facebook, Twitter, LinkedIn und Co. in den nächsten Monaten und Jahren hinbewegen werden, was sich dort verändern wird. Und wir wissen eben auch nicht, welche Plattformen neu erscheinen und welche verdrängt oder parallel entstehen werden. Spannend ist auch, wie sich unser eigenes, persönliches Kommunikationsverhalten entwickeln wird. Daher sind wir immer auch fremdbestimmt. Doch wie wir in den letzten Monaten und wenigen Jahren feststellen konnten, ist die Entwicklung immens und daher sehen wir das Potential auch weiter wachsend.

Über die Interviewpartner

Tobias IlgTobias Ilg, Jahrgang 1985, koordiniert und verantwortet seit April 2012 die weltweiten Social Media Aktivitäten der Firmengruppe Liebherr. In der zentralen Unternehmenskommunikation laufen die unterschiedlichen Auftritte der einzelnen Produktgruppen sowie aus dem Bereich Employer Branding zusammen. Zuvor war Tobias Ilg, nach seinem Studium der Wirtschaftswissenschaften an der Universität Tübingen mit Schwerpunkt Marketing und Kommunikation, im Bereich Marketing innerhalb eines klassischen B2B-Umfelds tätig.

christopher-schmidtChristopher Schmidt, Senior Account Manager „Strategy & Consulting“ bei  We Are Social, der weltweit größten Social Media Agentur. Berät u.a. die Liebherr Gruppe im Bereich Social Media.

Artikel vom 12. Mai 2014