Ein großer Pool für kleine Schwimmer – Tipps für neue Musiker im Netz

Immer wieder hört man sie rufen, dass der aktuelle Musikmarkt wie geschaffen für kleine Bands und Künstler sei. Die Möglichkeiten seien quasi unbegrenzt und in diesem Wandel der Branche sollen wir also die großen Nutznießer sein. Und tatsächlich stimmt das, zumindest zum großen Teil, denn letztendlich kommt es dann doch auf die Musik an. Wie kann man also die neuen Möglichkeiten optimal nutzen? Drei Möglichkeiten, die sich für mich bewährt haben, möchte ich hier vorstellen.

Schwimmen will gelernt sein

Die Möglichkeiten sind schier unendlich. Nicht zuletzt dank der stetigen Verbreitung von Breitband-Zugängen und dem Boom um soziale Netzwerke können sich Musiker im Netz immer besser präsentieren und sich selbst vermarkten. Dennoch ist es wichtig, dass man den Markt sondiert. Das klingt professioneller als es dann eigentlich ist. Es gibt so viele Seiten, so viele Möglichkeiten, sich selbst zu präsentieren, dass man schnell mal den Überblick verliert und so zwar überall vertreten ist, aber nirgendwo so richtig. Anders als im realen Leben, geht es hier allerdings nicht nur um das Dabeisein, sondern vor allem um die Teilnahme an diesen Netzwerken. Da wir aber alle vor allem Musiker sein wollen und weniger Marketing-Menschen, muss man sich in all dem Dschungel für einige wenige Möglichkeiten entscheiden. Denn hier gilt: Wer in einem zu großen Becken schwimmt, der säuft ab. Was ist also nützlich und wo kann man sich gut postieren?

Möglichkeit 1: MySpace

Evan Freyer auf MySpace

Die Nummer 1 für Musik ist und bleibt MySpace. Vor allem, weil sich das Netzwerk nun auch in Deutschland durchgesetzt hat. Gerade als Musiker hat man hier die Möglichkeit, sich ideal zu präsentieren, seine Musik online zu stellen und somit sich der Welt zu öffnen. Wer aber wirklich erfolgreich sein will und Nutzen aus dem Netzwerk ziehen möchte, der muss sich auf die Seite einlassen und Zeit investieren. Das ist schwieriger als man denkt, immerhin ist die Seite auch oft genug langsam oder nicht erreichbar, weshalb es manchmal viele Nerven kostet.

Das Wichtige zuerst: Nachdem ein Musik-Profil angelegt wurde, sollte ein Foto, die Heimatstadt und Musik hochgeladen werden. Es lohnt sich nicht, anzufangen, wenn man noch keine Musik hat, die man präsentieren will! Diese drei wichtigen Sachen machen eine Band aber noch nicht bekannt, denn hier ist eminent wichtig, die Leute selbst zu suchen und sie mit der Musik zu konfrontieren. Manchmal müssen die Menschen eben zu ihrem Glück gezwungen werden.

Und genau da bietet MySpace eine überragende Such-Funktion an, mit der nicht nur nach Alter, Geschlecht und Beziehungs-Status gesucht wird – wen es interessiert – sondern vor allem nach Postleitzahl. Und genau da liegt das größte Potenzial bei MySpace. Lokale Bands können hier bewusst nach Menschen in ihrer Umgebung suchen um erstmal eine Art Heimat aufzubauen und somit wenigstens zu Hause bekannt zu werden. Aber auch kann man dies sehrwohl als Marketing-Instrument gebrauchen. Wer eine Show in Wuppertal plant und noch genug Zeit hat, kann hier die Menschen direkt in Wuppertal ansprechen und somit die Chance erhöhen, dass auch wirklich genug Zuschauer beim Konzert anwesend sind.

Gerade durch die PLZ-Suche und die Größe sowie die Möglichkeiten, sich selbst zu präsentieren, ist MySpace meine persönliche Nummer 1.

Möglichkeit 2: YouTube

Längst ist die Musik nicht mehr Alleinentscheider, ob eine Band erfolgreich wird oder nicht. Bewegte Bilder sind fast genau so wichtig und sollten auch so behandelt werden. Wer auf Tour geht, sollte immer eine Kamera im Anschlag halten und Momente filmen. Diese können dann später in ein Tourvideo mit entsprechender Musikuntermalung gepackt und mit den Fans geteilt werden. Oder aber man dreht ein kleines Musikvideo selbst. Immer wieder hilfreich sind auch Live-Videos, die die eigenen Qualitäten unterstreichen. So können sich auch Veranstalter ein Bild davon machen, wen sie denn da überhaupt engagieren.

Möglichkeit 3: TuneCore

Screenshot tunecore

Ihr wollt eure Musik verkaufen? Dann ist TuneCore der richtige Partner! Ab 20 Dollar könnt ihr dort eure CD bei iTunes und auch bei Amazon MP3 verkaufen. Darüber hinaus wird eure Musik, wenn ihr wollt, auch noch bei vielen anderen Download-Stores untergebracht. Leider dauert das meist etwas länger als die angegebenen sechs Wochen, doch dafür habt ihr eure Musik endlich weltweit verfügbar! Und das ist ein wichtiger Punkt, denn ihr könnt die beste Musik weltweit machen, wenn sie schlecht zu ergattern ist, wird sie keiner kaufen. Menschen sind faul, wenn sie selbst eine Überweisung ausfüllen müssen, werden sie in den meisten Fällen nicht bestellen.

Allgemeine Tipps

Diese drei Plattformen geben euch die Möglichkeit, die wichtigsten Elemente abzudecken: Distribution und Marketing. Es gibt tausende weitere Anbieter da draußen und welche nun eure Favoriten sind, müsst ihr selbst entscheiden. Für mich haben sich diese drei Seiten als besonders nützlich herausgestellt und so war es mir möglich, wesentlich mehr CDs oder Musikstücke zu verkaufen und wesentlich mehr Konzerte mit signifikant mehr Besuchern an Land zu ziehen.

Ganz egal, für welche Plattformen ihr euch entscheidet, es ist wichtig, dass ihr dahinter steht und die ganze Sache aktiv angeht. Soll heißen: Ohne Beteiligung gibt es keine Reaktion, da helfen auch nicht die vielen, tollen, neuen Seiten nichts. Sucht euch Freunde bei MySpace, schreibt sie direkt und persönlich an und bietet eure Musik an. Bindet die Menschen, dann kommen sie vielleicht auch zu einem eurer Konzerte. Und auch wenn ihr neue Informationen habt, so lohnt es sich, diese in die Länge zu ziehen und neue Musik oder Informationen über einen längeren Zeitraum gestückelt zu präsentieren um länger interessant zu bleiben. Kommentiert populäre Videos, um euren Namen in die Welt zu schicken. Und ganz zum Schluss noch eine wichtige Sache: spielt!

Denn all der tolle, neue Wahnsinn nützt euch nichts, wenn ihr euch nicht live präsentiert.

Über den Autor

Evan Freyer ist ein lokaler Singer/Songwriter aus Wuppertal, der seit letztem Jahr verstärkt solistisch auftritt und bereits über 100 Auftritte in ganz Deutschland absolviert hat. Seine EP „Mistakes Included“ erschien im Juni 2008 deutschlandweit und kann gute Verkaufszahlen sowie überwiegend gute Kritiken vorweisen. Seit Dezember 2008 steht die kostenlose EP „Paralipomena“ im Netz und kann via mp3.de bezogen werden. Im Jahr 2009 wird das erste Album von Evan Freyer erscheinen.

Lesetipp: Dossier Content für Marketing und Kommunikation

(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

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3 Gedanken zu „Ein großer Pool für kleine Schwimmer – Tipps für neue Musiker im Netz

  1. Danke für die tollen Tipps. Ich würde besonders auf Wiedererkennungswert im Design der Webpräsentation setzen. So wird man auf allen Onlineplattformen wiedererkannt.

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