Innovationen für den Klimaschutz: Wie Startups eine nachhaltige Zukunft schaffen 

Der Klimaschutz ist eine Herausforderung, die nicht nur konsequentes Handeln braucht, sondern auch neue Ideen und Services. In diesem Beitrag stellt Miki Yokoyama eine Reihe von interessanten Startups vor, die in ihrer jeweiligen Branche mit neuen Angeboten und Produkten etwas dazu beitragen möchten.

(Illustration: © arquiplay77, depositphotos.com)

Einleitung

Der Klimawandel zählt ohne Zweifel zu einer der größten Herausforderungen weltweit. Die Treibhausgasemissionen nehmen stetig zu und unser Planet erlebt Extremwettersituationen in noch nie dagewesenem Ausmaß.

Um einen Anstieg der globalen Durchschnittstemperatur von 2 °C (im besten Fall nur 1,5 °C) zu verhindern, bedarf es jedoch nicht nur einer starken Klimapolitik, sondern auch zukunftsweisender Innovationen. Gerade junge aufstrebende Unternehmen aus der Startup-Szene antworten auf diese Nachfrage mit einem Angebot klimawirksamer Technologien für diejenigen Sektoren, die traditionell für die meisten Treibhausgasemissionen verantwortlich sind und daher einen Aufholbedarf in Sachen Nachhaltigkeit haben.  

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Klimawirksame Technologien für die wichtigsten Sektoren 

Die folgende Grafik zeigt eine Auflistung der vielversprechendsten europäischen Startups im Bereich Klimatechnologien, die den Status Quo in den Sektoren Energie, Ernährung, Land- und Forstwirtschaft, Verkehr, Fertigung und Bauwesenverändern wollen. Darunter auch junge Unternehmen im Bereich Analytics, die sich mit dem Thema Anwendungsentwicklung zur Reduzierung von Kohlenstoffemissionen beschäftigen. 

Energie

Der größte Verursacher von Treibhausgasemissionen ist laut des Intergovernmental Panel on Climate Change (IPCC) mit einem Anteil von 25 Prozent der Energiesektor.

Das ist jedoch nicht der einzige Grund, warum es sich lohnt, in erneuerbare Energien zu investieren. Auch andere Branchen können mit nachhaltigerer Energie versorgt werden und ihre CO2-Bilanz senken.

Zahlreiche Startups nehmen sich bereits diesem Thema an und liefern Lösungen zur Energieerzeugung, die ökonomischer, ästhetischer und effizienter als traditionelle Methoden sind. Darunter Solaxess, die Solarpanele entwickeln, bei denen weder die Verbindung noch die Zellen der Panels zu sehen sind. 

Darüber hinaus liegen große Hürden nach wie vor in der Entwicklung einer geeigneten Infrastruktur zur Energiespeicherung und der Verfügbarkeit der Energie im Stromnetz. Zudem hängt die Erzeugung erneuerbarer Energien stark von den Wetterbedingungen ab. Viele Startups haben sich bereits mit dieser Problematik befasst, damit auch in Zukunft an Tagen ohne Sonne und Wind klimafreundliche Energien verfügbar sind.

Das deutsche Startup Kraftblock hat beispielsweise ein umweltfreundliches, skalierbares und modulares Speichersystem für thermische Energie entwickelt. Dieses hat nicht nur eine hohe Speicherkapazität (1,2 MWh/m³), sondern bietet ebenfalls die Möglichkeit, industriell entstandene Wärme in Energie umzuwandeln. 

Ernährung, Land- und Forstwirtschaft 

Auch dieser Sektor sieht sich mit neuen Herausforderungen konfrontiert. Er muss sich dem Klimawandel anpassen, zu dem er maßgeblich beiträgt und eine exponentiell wachsende Bevölkerung versorgen, ohne dabei den CO2-Fußabdruck zu vergrößern. Deshalb liegt der Fokus hier vor allem darauf, die Abfallrate zu reduzieren und nachhaltigere Ernährungsformen zu finden.

Darauf hat sich das schwedische Startup Whywaste spezialisiert und eine Verwaltungs- und Analysesoftware entwickelt, die das Mindesthaltbarkeitsdatum von Produkten in Lebensmittelhandel erfasst und dadurch die Menge an verdorbenen Nahrungsmitteln in der Logistikkette des Einzelhandels um 40 Prozent reduzieren konnte. 

Zur Senkung von Methanemissionen bieten zudem viele junge Unternehmen Alternativen für Fleisch- und Milchprodukte an. So arbeitet das 2018 gegründete Startup Mushlabs an einem Prozess, der fermentierte Pilzsporen in eine Fleischalternative umwandeln soll. 

Des Weiteren ist die Verkleinerung von Anbauflächen ein Weg, die Landwirtschaft nachhaltiger zu gestalten. Zahlreiche Startups, wie Growcer aus der Schweiz oder das schwedische Jungunternehmen Grönska, wollen aus diesem Grund herkömmliche Praktiken durch vertikale Anbautechniken ersetzen. 

Fertigung

Seit Beginn der Industrialisierung nimmt der Ausstoß von Treibhausgasen in die Atmosphäre stetig zu – allen voran bedingt durch die Herstellung von Baustoffen. Eine Vielzahl an Startups beschäftigt sich deshalb mit der Entwicklung nachhaltiger Herstellungsverfahren für Beton, Stahl und Zement. 

Beton zählt zu den am häufigsten verwendeten Baustoff weltweit. Er verursacht jedoch nicht nur CO2-Emissionen, sondern produziert auch Abfälle bei der Herstellung. Neustark aus der Schweiz setzt daher auf das Prinzip der Kreislaufwirtschaft und bindet mit seiner Technologie CO2 in den Poren und an der Oberfläche von Betongranulat als Kalkstein. Dieses aufgewertete Granulat kann dann als Sand-​ und Kiesersatz in frischen Beton gemischt werden. Dank dem aufgewerteten Granulat benötigt man dafür weniger Zement – bei gleichbleibenden Eigenschaften.

Auch das in Zürich ansässige Startup Oxara will die Zukunft der Bauindustrie verändern. Mithilfe von Zusatzstoffen wandelt das Unternehmen Aushubmaterialabfälle in Beton um und erreicht damit eine CO2-Reduktion von 90 Prozent im Vergleich zu herkömmlichem Beton. 

Genauso wichtig wie die Entwicklung umweltfreundlicher Produktionsprozesse für Baustoffe ist das Filtern von CO2-Partikeln aus der Atmosphäre, um der globalen Erwärmung entgegenzuwirken. Das hat sich das Startup Climeworks zur Aufgabe gemacht. Die von Climeworks entwickelten Anlagen filtern das klimaschädliche CO2 aus der Luft, das so entweder recycelt oder als Rohstoff wiederverwendet werden kann. Das Unternehmen garantiert damit, dass 90 Prozent des gefilterten CO2 dauerhaft aus der Atmosphäre entfernt wird.  

Verkehr

Der Transportsektor verursacht mit 14 Prozent laut IPCC den viertgrößten Anteil an Treibhausgasemissionen. Verantwortlich sind dafür hauptsächlich der Straßentransport und die Verbrennung fossiler Brennstoffe für Flugzeuge, Züge, Lastwagen, Autos und Schiffe für den Personen- und Frachtverkehr.

Während zahlreiche Verkehrsunternehmen intensiv an der Steigerung der Kraftstoffeffizienz, der Entwicklung neuer Materialien und alternativer Antriebstechnologien sowie an innovativen Mobilitätskonzepten arbeiten, gibt es auch eine Reihe von Startups, die den Sektor mit neuen Ansätzen und technologischen Lösungen revolutionieren.

Eines dieser Startups ist Lilium. Das Münchner Unternehmen entwickelt nicht nur rein elektrische vertikal startende und landende Lufttaxi-Flugzeuge, sondern plant zudem einen regionalen Flugservice. 

Mit Elektromobilität als zentralem Faktor, um Schadstoff- und Lärmemissionen in den Städten zu verringern, entwickelt Sono Motors ein geräumiges Elektroauto mit einer Reichweite von bis zu 250 Kilometern, das sich selbst über Sonnenenergie auflädt. Das Startup will damit die Fortbewegung nicht nur im Stadtverkehr, sondern auch für längere Strecken umweltfreundlicher machen. 

Bauwesen

Aufgrund des raschen Bevölkerungswachstums wird die Nachfrage nach Wohnraum in den nächsten Jahren weiter steigen. Durch die verwendeten Baumaterialien und die aufgewendete Energie für Beleuchtung und Heizung verursachen Gebäude eine große Menge an Treibhausgasemissionen. Um diese zu verringern, bedarf es Innovationen im Bereich kohlenstoffnegativer Materialen beispielsweise für Fassaden oder die Gebäudeisolierung.

Hier hat das 2016 gegründete Startup Made of Air angesetzt und ein Material entwickelt, das zu 90 Prozent aus atmosphärischem Kohlenstoff besteht und dank seiner thermoplastischen Eigenschaften in nahezu jede beliebige Form gebracht werden kann. Somit eignet es sich als klimafreundliche Baustoffalternative – etwa für Gebäudefassaden oder Innenräume. 

Ein weiteres Beispiel für ein Startup, das neue Perspektiven im Bausektor schafft, ist Artificial Ecosystems, das als erste Firma die Grünfassaden ohne laufende Kosten herstellt. Dafür greift das Unternehmen auf die Pflanzengruppe der Moose zurück, die Feinstaub bindet und aus der Luft filtert. 

Entscheidend ist zudem, die Ressourceneffizienz im Gebäudebau zu steigern und unnötige Emissionen zu reduzieren. Startups wie Envio oder Myrspoven optimieren hier den Energieverbrauch von Gebäuden, während Tado ein smartes Heizungssystem auf den Markt gebracht hat. 

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Innovation ist der Schlüssel zur Nachhaltigkeit

Um das Pariser Abkommen bis 2030 zu erfüllen, müssen Treibhausgasemissionen deutlich reduziert werden. Für eine nachhaltigere und klimafreundlichere Lebensweise haben bereits einige Startups Analyse-Software oder mobile Anwendungen entwickelt. Diese unterstützen jeden einzelnen dabei, sich den eigenen CO2-Fußabdruck im Transport- oder dem Lebensmittelsektor vor Augen zu halten, und geben Anreize, Emissionen durch alternative Konsum- oder Mobilitätsmuster zu reduzieren. 

Das in Berlin ansässige Startup Changers hat zum Beispiel eine App entwickelt, die die User für die Teilnahme an klimaschützenden Maßnahmen mit Wertmarken belohnt, die diese in Preise eintauschen können. Auch Unternehmen sollen angeleitet werden, ihren Anteil an Treibhausgasen zu senken oder auszugleichen. Startups wie Plan A oder Klima Metrix helfen mit speziell entwickelter Software Unternehmen dabei, die eigene CO2-Bilanz zu ermitteln und zu reduzieren.   

Es gilt deshalb aus meiner Sicht, Startup-Aktivitäten im Bereich der Klima-Technologien zu unterstützen und zu fördern. Denn diese werden in den kommenden Jahren deutlich an Zuwachs gewinnen, da allen Stakeholdern, Regierungen, Kapitalmärkten und Unternehmen mehr und mehr bewusst wird, dass Innovation der Schlüssel zu einer nachhaltigen Zukunft ist.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 87

Lebenslanges Lernen ist heute aktueller denn je – definitiv in dem Themenbereich, über den wir berichten. Es gibt zugleich noch mehr Aspekte und einige möchten wir in dieser Ausgabe genauer ansehen und erklären. So dreht sich ein Beitrag darum, wie wir unser eher analoges Hirn in der modernen Welt fördern und nicht etwa überfordern. Ein weiterer Artikel zeigt, wie wichtig Lernen und Wissen gerade in Transformationsprozessen sind. Und außerdem zeigen wir, wie sich ein Geschäftsmodell im Bereich E-Learning aufbauen lässt. Dazu haben wir zwei Bonus-Beiträge: Wir erklären darin, was es mit Googles „Core Web Vitals“ auf sich hat, die 2021 wichtig werden. Und wir geben Beispiele für Startups, die sich voll und ganz dem Thema Nachhaltigkeit verschrieben haben. Nicht zuletzt stellen wir das E-Recruiting-Startup Lionstep vor.

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