Die richtigen Versicherungen für einen Onlineshop auswählen

Das Betreiben eines Onlineshops hält ganz bestimmte Risiken bereit. Um sich gegen diese abzusichern, werden entsprechende Versicherungen angeboten. Generell gelten für digitale Berufsfelder besondere Regeln und Empfehlungen, wenn es um das Thema Versicherungen geht. Um Ihnen einen Überblick zu verschaffen, welche Versicherungen Sie benötigen und welche nicht, zeigt Munkhjin Enkhsaikhan Ihnen im Folgenden die wichtigsten Versicherungen für Onlineshops.

(Illustration: © Graphiqa, depositphotos.com)

Der Bedarf nach einer Bedarfsanalyse

Zuallererst sollten Sie sich überlegen, was Sie als Unternehmerin oder Unternehmer benötigen, wenn es um den Versicherungsschutz geht. Nur so landen Sie schließlich beim optimalen Versicherungspaket, das individuell auf Ihre Bedürfnisse zugeschnitten ist und Ihnen mehr als genug Sicherheit bietet.

Denn im Zentrum steht die Kosten-Nutzen-Frage. Die wichtigsten Faktoren einer Bedarfsanalyse lauten wie folgt:

  • Warenwert
  • Gefahrenpotential (Erhöhung etwa durch Kriminalität und Naturgewalten, u.a. abhängig von der Größe und Bekanntheit des Unternehmens sowie dem Standort)
  • Bezogene Importleistungen aus EU-Ländern oder Nicht-EU-Ländern
  • Verletzungsrisiko sowie mögliche Schadenersatzansprüche Dritter
  • Höhe der Investitionen in Maschinen und Inventar
  • Abschätzung der rechtlichen Risiken
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Die Basis

Bevor wir auf die speziellen Versicherungen für digitale Berufe eingehen, schauen wir uns zunächst jene Versicherungen an, die für so ziemlich jede Art von Unternehmen sinnvoll sind und die man unbedingt kennen sollte:

Krankenversicherung

Als allererstes hätten wir da die Krankenversicherung. Diese ist in Deutschland nämlich als Pflichtversicherung gelistet und demnach unbedingt abzuschließen.

Berufs- und Vermögensschadenhaftpflicht

Eine Berufshaftpflicht ist besonders sinnvoll für Berufe, deren Ausübung ein erhöhtes Risiko für Vermögensschäden aufweist. Dazu gehören insbesondere beratende, prüfende oder pflegende Berufe.

Die Vermögensschadenhaftpflicht bzw. Berufshaftpflicht umfasst „echte Vermögensschäden“, also direkte finanzielle Schäden, die nicht im Zusammenhang mit bzw. Folge sind von Personen- oder Sachschäden. Für manche Berufe, wie etwa Steuerberater, Architekten, Rechtsanwälte oder Ärzte ist die Vermögensschadenhaftpflicht sogar verpflichtend. Hier herrscht nämlich ein besonders hohes Risiko für Vermögensschäden aufgrund der unternehmerischen Tätigkeit.

In Bezug auf den Onlinehandel ist der Abschluss einer Vermögensschadenhaftpflicht durchaus zu empfehlen. Denn zum einen besteht die Gefahr, dass durch verschiedene Aktivitäten im Zuge der Berufsausübung ein Anspruch auf Schadenersatz durch Dritte geltend gemacht werden kann, wenn diese einen finanziellen Schaden erleiden. Dies ist z.B. der Fall, wenn gewerbliche Schutzrechte, wie Marken-, Urheber- oder Lizenzrechte verletzt werden oder gegen das Wettbewerbs- und Kartellrecht verstoßen wird.

Zusätzlich besteht ein Risiko für das Erleiden von Eigenschäden. Dazu gehören etwa Reputationsschäden oder Kosten im Zusammenhang mit Ausfällen des Onlineshops. Versichern lassen sich bei einigen Anbietern beispielsweise anfallende Kosten für eine externe PR-Beratung, um einen eventuell bereits vorliegenden Reputationsschaden zu beheben oder die Schäden, die durch eine Veränderung oder Blockierung der eigenen Webseite entstehen. 

Betriebshaftpflicht

Die Betriebshaftpflicht stellt eine der wichtigsten Versicherungen für jedes Unternehmen dar. Ohne sie kommt es im Schadensfall nämlich schnell zu enormen Kosten, die vor allem für kleinere Betriebe den Existenzverlust bedeuten können. Grundsätzlich kommt sie für schuldhaft verursachte Personen- und Sachschäden sowie damit zusammenhängende Vermögensschäden auf.

Ein Beispiel: Verletzt sich ein:e Kund:in in den Büroräumen des Betriebs, muss der Betrieb für die entstehenden Kosten für Krankenhausaufenthalte, ärztliche Untersuchungen und Behandlungen sowie den damit zusammenhängenden Verdienstausfall aufkommen. Voraussetzung ist, dass sich die Person durch das Verschulden der Firma verletzt hat, etwa, weil ein Kabel nicht stolpersicher verlegt war. Genau hier übernimmt die Betriebshaftpflicht.

Rechtsschutzversicherung

Jedes Unternehmen braucht eine Rechtsschutzversicherung, da Rechtsstreitigkeiten oftmals sowohl zeit- als auch kostenintensiv werden können. Insbesondere für junge Unternehmer:innen, die noch über wenig Ressourcen verfügen, sind sie häufig eine Existenzbedrohung. Daher übernimmt ein Rechtsschutz im Falle eines Rechtsstreits die Verfahrens- und Anwaltskosten. Je nach Bedarf werden auch Erweiterungen angeboten, etwa für die IT- oder Immobilien-Branche.

Geschäftsinhaltsversicherung

Obwohl die Geschäftsinhaltsversicherung allgemein anzuraten ist, hat sie für Onlinehändler eine essenzielle Bedeutung. Denn hiermit versichern Sie Ihre gesamte Büroausstattung, das Inventar, die Warenbestände und Vorräte. Der Versicherungsschutz inkludiert für Gewöhnlich Schäden, die in Zusammenhang stehen mit Brand, Sturm, Leitungswasser, Einbruchdiebstahl und Vandalismus.

Er lässt sich bei Bedarf ausweiten auf die Kosten einer daraus resultierenden Betriebsunterbrechung – wenn der Betrieb z.B. nach einem Wasserschaden erst nach Reparatur der Schadensursache wieder aufgenommen werden kann.

Versicherungen für Onlineshops

Für Onlineshops gibt es eigene Versicherungen, die dazu dienen, Sie gegen die spezifischen Risiken digitaler Berufsfelder abzusichern. Welche das sind und wann der Abschluss empfehlenswert ist, erläutern wir gleich nach der Infografik. Diese soll Ihnen als kurze Übersicht zu maßgeschneiderten Versicherungen im Digital-Bereich dienen.

Tätigkeiten digitaler Unternehmen stellen besondere Ansprüche an den Versicherungsschutz. Einen Überblick bietet diese Infografik. (Quelle)

Mediahaftpflicht

Die Mediahaftpflicht ist im Grunde eine, auf die Medienbranche zugeschnittene, Form der Betriebs- und Berufshaftpflicht. Demnach bietet Sie digitalen Schutz für Onlinefirmen und ist für die sorgenfreie Ausführung vieler Tätigkeiten hilfreich.

Zur Zielgruppe gehören sowohl Grafiker, Webdesigner, Texter, Copywriter, Blogger und Onlinehändler als auch PR- und SEO-Agenturen. Für Startups und Existenzgründer halten Versicherungsunternehmen oft recht hohe Rabatte bereit, da das Risiko durch die meist geringe Anzahl an Aufträgen zu Beginn kleiner ist.

Der Versicherungsschutz umfasst:

  • Programmier- und Layoutfehler,
  • das Versäumnis von Fristen und daraus hervorgehende Umsatzausfälle,
  • Verstöße gegen Datenschutzvorschriften,
  • Verletzungen von Marken- und Urheberrechten und
  • den Verlust von Daten, beispielsweise durch Ausfall ganzer Webseiten.

Produkthaftpflicht

In Komplettlösungen für Onlinehändler darf die Produkthaftpflicht nicht fehlen. Sie schützt vor Kosten, die durch Schäden an Dritten aufgrund mangelhafter oder fehlerhafter Ware entstehen. Denn als Händler übernimmt man die Verantwortung für die Funktionstüchtigkeit und Qualität der verkauften Ware. Insbesondere dann, wenn man gleichzeitig Händler und Hersteller bzw. Quasi-Hersteller eines Produkts ist.

Der Begriff Quasi-Hersteller beschreibt Händler, die als Hersteller auftreten, obwohl sie genau genommen gar nicht selbst für die Produktion verantwortlich sind. Da Konsument:innen dahingehend geschützt werden müssen, wird auch in diesem Fall der Händler für den Schadensfall haftbar gemacht. Außerdem gilt ein Händler ebenso als Quasi-Hersteller, wenn die angebotenen, nicht selbst hergestellten Produkte aus dem Ausland importiert werden und/oder der tatsächliche Hersteller nicht ausgemacht werden kann. Speziell bei Einkäufen aus China, den USA oder über den Großhandel ist das der Fall.

Laut dem Produkthaftgesetz kann die Produkthaftpflicht übrigens nur zusammen mit der Betriebshaftpflicht abgeschlossen werden. 

Cyberversicherung

Cyberattacken kommen weitaus häufiger vor als viele Unternehmer:innen annehmen. Und verursachen dabei horrende Schadensummen. Im Jahr 2017 beliefen sich die von Hackern verursachten Schäden auf 71,8 Millionen Euro, 2018, ebenfalls im 2-stelligen Millionenbereich, auf 61,4 Millionen Euro.

Trotz dieser enormen Zahlen gab bei einer Umfrage fast die Hälfte der Befragten an, dass in ihrem Unternehmen das Risiko eines Cyber-Angriffs sowie eine diesbezügliche Versicherung kein Thema ist. Doch nicht ohne Grund gibt es eine Möglichkeit der Absicherung gegen solch existenzgefährdende Folgen eines Cyber-Vorfalls, wie etwa durch den Verlust von sensiblen Kunden- und/oder Firmendaten und eine damit verbundene Datenschutzverletzung.

Die Cyberversicherung übernimmt die Kosten für die Wiederherstellung der Geschäftsdaten sowie eventuelle Ertragsausfälle als Folge einer Betriebsunterbrechung. Ebenso sind Schadenersatzforderungen Dritter inkludiert.

Für Betreiber:innen eines Onlineshops ist diese Versicherung besonders wichtig, da diese in ihrer beruflichen Tätigkeit vielen Cyberrisiken ausgesetzt sind. Und wird dabei das IT-System lahmgelegt, so kann der Betrieb in diesem Zeitraum nicht weitergeführt werden. Das sehen dann ebenfalls die Kund:innen, bei denen so ein Schadensfall das Vertrauen zum Unternehmen schwächt.

Beispiele eines Cyberschadens wären der Diebstahl von Zahlungsinformationen der Kund:innen, Hackerangriffe auf den Shop oder Sachschäden an Produkten und der Diebstahl derer. Solche Schadensfälle können sich auf teils fünfstellige Summen belaufen und damit selbst existenzbedrohend sein.

Wichtig zu erwähnen ist, dass der Abschluss einer Cyberversicherung nicht die IT-Sicherheit des Unternehmens verbessert. Sie dient nur als Schutz vor möglichen Folgen. Deshalb sollten Sie gleichzeitig dafür sorgen, dass die generelle IT-Sicherheit auf dem neuesten Stand ist und genug darin investieren, um es Hackern schwer zu machen.

Lesen Sie ergänzend zu diesem Thema bei UPLOAD:

Elektronikversicherung

Hiermit versichern Sie Ihre elektronischen Geräte und EDV-Anlagen sowie Schäden, die durch diese entstehen. So kann ein Kurzschluss beispielsweise zu einem Brand führen, der wiederum teils schwere Schäden nach sich ziehen kann. Genauso kann etwa ein Mitarbeiter schuld daran sein, dass wichtige und sensible Daten verloren gehen, weil dieser die Hard- oder Software nicht richtig bedienen konnte. In so einem Fall deckt die Elektronikversicherung die Kosten für die Wiederherstellung der Daten und/oder des Systems.

Eine Elektronikversicherung ist vor allem dann ratsam, wenn der Erfolg des Unternehmens maßgeblich mit deren Funktion zusammenhängt. Die Grunddeckung umfasst Elementargefahren, Einbruchdiebstahl, Bedienungsfehler, Sabotage sowie Schäden durch elektrische Energie. Für Onlinehändler ist sie jedoch nur im Einzelfall zu empfehlen, wenn mit aufwendigen Anlagen oder erhöhtem Gefahrenpotenzial gearbeitet wird.

Achten Sie darauf, dass Sie die durch die Elektronikversicherung abgedeckten Geräte aus dem Vertrag der Geschäftsinhaltsversicherung streichen. So sparen Sie sich unnötige Doppelkosten. Der Grund überhaupt eine Elektronikversicherung abzuschließen liegt darin, dass sie für gewöhnlich mehr Schadensfälle abdeckt und oftmals sogar die günstigere Lösung darstellt.

M&A Versicherung

Der Abschluss einer M&A, also Merger & Acquisitions Versicherung, sollte überlegt werden, wenn in näherer Zukunft eine Fusion bzw. ein Zusammenschluss mit einem anderen Unternehmen oder die Übernahme einer anderen Unternehmenseinheit geplant ist.

Das Ergebnis ist eine beidseitige Transaktionssicherheit: Die Käuferseite sichert sich gegen böse Überraschungen ab, während sich die Verkäuferseite von Haftungsansprüchen durch den Käufer freistellt.

Im Schutz inbegriffen sind:

  • Garantieverletzungen aus fehlerhaften Informationen bezüglich der Finanzen
  • die Verletzung geistigen Eigentums
  • Rückforderung von Beihilfen
  • Nicht offengelegte Rechtsverfahren
  • Steuernachforderungen
  • Subventionsverletzungen
  • Fragen der Compliance

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DSGVO-Versicherung

Da Datenschutz in den letzten Jahren an Bedeutung zugenommen hat, ist ebenso die Höhe der Strafen beim Verstoß gegen die Verordnungen gestiegen. Die DSGVO-Versicherung hilft Ihnen in einem solchen Fall und übernimmt die Kosten eines Rechtsstreits. Dazu zählen zum Beispiel Anwalts- und Gerichtskosten, sowie die Kosten für einen Sachverständiger oder Gutachter.

Lesen Sie dazu auch: „DSGVO-Praxisleitfaden: In acht Schritten zur Compliance“

Portal- und Webshop-Versicherung

Um die Risiken, die eine Arbeit im E-Commerce-Business mit sich bringt, den Bedürfnissen entsprechend zu versichern, bieten verschiedene Versicherungsunternehmen mittlerweile Komplettlösungen an. So wurden spezielle Portal- und Webshop-Versicherungen entwickelt, die sich in ihrem Schutz den Ansprüchen von Onlinehändlern und ähnlichen Berufen anpassen. Sie greifen u.a. bei Abmahnungen, Schadenersatzforderungen, Produkthaftung sowie Eigenschäden durch Cyberkriminalität.

Während die Portalversicherung u.a. den Betrieb von Websites, Apps, Fachportalen, Foren, Blogs, News-Portalen, Online Communities, Social-Media-Plattformen und virtuellen Marktplätzen umfasst, fokussiert sich die Webshop-Versicherung auf den Online-Handel verschiedenster Gegenstände, wie Kleidung, Elektronik, Sport- und Unterhaltungsartikeln oder Schmuck.

Fazit

Der typische Arbeitsalltag hält auch so schon genug Hürden und Tücken bereit. Durch die Wahl der richtigen Versicherungen mithilfe dieses Überblicks über die wichtigsten Versicherungen für Onlineshops können Sie ihn ein wenig entspannter angehen. Welche Versicherungen für Ihren Fall sinnvoll sind, lässt sich natürlich nicht im Rahmen eines solchen Beitrags klären. Aber Sie haben hoffentlich nun einen besseren Eindruck davon, welche Angebote es gibt.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 89

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