Die besten Kreativen kopieren in einem fort – und Sie sollten es auch

Steve Jobs hat sich den Computer nicht neu ausgedacht, Kostüme gab es schon vor Karl Lagerfeld, und Tim Mälzer hat erstmal sehr lange seinem Lehrmeister über die Schulter geschaut (bevor er selbst als Koch berühmt wurde). Alle Großen haben ganz viel von ihren Meistern und Vorbildern „abgeschaut“, übernommen, angepasst – und genauso funktioniert es mit Inhalten. Katrin und Kerstin zeigen Ihnen in diesem Beitrag, wie auch Sie durch Nachahmen besser werden (und Ihre kostbare Energie an strategisch klugen Stellen einsetzen).

Große Vorbilder zu imitieren kann der Beginn des eigenen Kreativprozesses sein. (Foto: © Maridav, depositphotos.com)

1. Bestehendes besser machen

Personal Computer waren durchweg klobige, graue Kästen, als Apple 1998 einen neuen Rechner auf den Markt brachte – den iMac G3. Ein Rechner mit hübsch abgerundeten Formen, halb durchsichtig, in „Bondi Blue“. Benannt nach Bondi Beach, dem berühmten Surferspot in Australien.

„Unsere Computer sehen von hinten besser aus als die der anderen Jungs von vorn“, sagte Steve Jobs, als er das Ding vorstellte. „Er sieht aus, als sei er von einem anderen Planeten. Einem guten Planeten. Einem Planeten mit besseren Designern.“

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Tatsächlich hatte Apple damals Jonathan Ive unter Vertrag, einen der besten Produktdesigner, die es gibt. Aber Ive hat sich den iMac, das iPhone und das iPad nicht komplett neu ausgedacht. 

Sondern er hatte schon seit dem Studium eine große Bewunderung für den deutschen Industriedesigner Dieter Rams – den langjährigen Chefdesigner von Braun. Jonathan Ive kannte jede Arbeit, jeden Entwurf von Rams. Er studierte genau, wie der Deutsche die Geräte gestaltete – und er schaute sich vieles von ihm ab. Das Minimalistische, das viele Weiß, die runden Tasten… In der ersten Version des iPhones waren sogar die virtuellen Tasten des Taschenrechners genau so gestaltet wie die typischen Tasten von Braun. 

Ive macht auch gar keinen Hehl daraus, dass er sich von Rams Arbeiten inspirieren ließ. Als Apple den iPod Touch rausbrachte, schickte er seinem Idol sogar ein Exemplar – „mit einem sehr lieben Brief“, wie Rams in einem Interview erzählte. Ive habe ihm geschrieben, wie sehr er seine Arbeit bewundere und wie sehr sie ihn beeinflusst habe. Der junge Brite habe ihn nicht plump nachgeahmt, betonte Rams. Er habe sich höchstens anregen lassen – und das Design für Apple weiterentwickelt. „Für mich ist das ein Kompliment“, sagte Rams.

Was Sie von Apple lernen können?

Suchen Sie sich ein Vorbild für das, was Ihnen vorschwebt. Sehen Sie es sich genau an, bauen Sie es sinnbildlich auseinander und setzen es wieder zusammen – ob es ein Magazin, ein Buch, eine Website ist. Eignen Sie es sich an, studieren Sie es regelrecht. Und dann probieren Sie, es auf Ihre eigene, persönliche Art noch besser zu machen.

2. Alles einsaugen und die Essenz bilden

Karl Lagerfeld war bekannt dafür, dass er manisch alles in sich aufsaugte. Er hortete Gemälde, Möbel, Schmuck – und Bücher. Rund 300.000 Bücher hatte der Modemacher im Lauf der Jahre in seinen Wohnungen in Paris angesammelt; ein Reporter rechnete ihm einmal vor, dass er dafür fünfzig Jahre lang jeden Tag 16 Bücher gekauft haben müsse. „Das kommt hin“, sagte Lagerfeld. Manchmal seien es aber auch dreißig oder vierzig Bücher an einem Tag.

Lagerfeld nannte sich selbst einen „Speicher“. Er wolle alles wissen und alles kennen – aus dieser Neugierde, aus seinem Wissensdrang speiste sich seine Kreativität. 

„Inspiration ist wie ein Muskel, den man immer wieder benutzen muss“, sagte Lagerfeld. „Je öfter man ihn beansprucht, desto mehr Ideen hat man. Ich glaube nicht daran, dass man am Strand liegt und auf Ideen wartet. Ich glaube an Arbeit.“

Was Sie von Lagerfeld kopieren können?

Werden Sie zum Schwamm. Saugen Sie auf, was Sie gut finden, was Sie vielleicht irgendwann brauchen können. Reißen Sie Seiten aus Magazinen, die Sie gut finden, machen Sie Kopien und Screenshots von Rubriken, Kolumnen, Ratgeberseiten. Legen Sie einen Ordner mit Ideen und Texten an. Sammeln, horten, speichern Sie. Und dann schauen Sie, wie daraus Ihr individueller Remix wird.

3. Sich die besten Mentor:innen suchen

Auch Tim Mälzer war nicht von Anfang an Deutschlands bekanntester Fernsehkoch. Der Elmshorner machte nach dem Abi erstmal eine Ausbildung in einem sehr guten Hotel und ging von dort nach London in ein noch besseres Hotel – das Ritz. Mit 26 war er bereit für die nächste Stufe. Er bewarb sich im Nobelschuppen „Neal Street Restaurant“.

Dessen Küchenchef? Der sagenhafte Gennaro Contaldo, bei dem auch Jamie Oliver sein Handwerk gelernt hat. „Dieser Contaldo, der hat mir alles beigebracht“, sagt Mälzer. „Ich kriege immer noch Gänsehaut, wenn ich an die Zeit denke.“ 

Mälzer kopierte Contaldo nicht einfach. Er lernte von ihm, was es zu lernen gab – und entwickelte dann seinen eigenen, ganz persönlichen Stil. Modern, unkompliziert, in Jeans und T-Shirt statt mit Kochkittel.

Was Sie sich von Tim Mälzer abschauen können?

Suchen Sie sich die besten Lehrmeister und Mentoren – am besten Menschen, die Ihnen mehr als das Handwerk vermitteln. Nämlich die Leidenschaft für das, was Sie tun. 

4. Nachahmen, nachahmen und nochmal nachahmen

Kinder lernen, indem sie beobachten und nachahmen. Künstler auch. „Ich habe Singen gelernt, indem ich Mariah Carey, Beyoncé und Whitney Houston imitiert habe“, sagt Grammy-Gewinnerin Ariana Grande. „So habe ich gelernt, meine stimmlichen Fähigkeiten zu meistern.“

Genauso ist es mit dem Schreiben – sämtlichen großen Schriftsteller haben erstmal andere imitiert. Haben versucht, deren Stil zu kopieren. Bestimmte Gesetzmäßigkeiten herauszufinden. Wie macht er, wie macht sie das, wie bekommt er dieses Tempo hin? In welchem Ton schreibt sie, aus welcher Perspektive wird hier erzählt, wie wird dieser Dialog wiedergegeben?

Was Sie von Ariana Grande lernen können?

Es ist vollkommen in Ordnung, anfangs zu imitieren. Alle großen Künstler haben das gemacht. Suchen Sie sich Autoren, Texter, Schriftsteller, auch Herausgeber oder ganze Zeitschriften – und machen Sie’s nach. Lesen Sie viel, lesen Sie jeden Tag, versuchen Sie, die Gesetzmäßigkeiten zu verstehen. Und dann imitieren Sie. Mit jeder Übung werden Sie sicherer. Und finden mehr zu Ihrem eigenen Stil. 

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5. Gelegenheiten und Ideen beim Schopf packen

Einer der größten Diebe war David Bowie. Bowie hat über vermeintliche künstlerische Originalität bloß gelacht. Ihm war klar, dass Kunst immer „geklaut“ ist – weil es alles schon gibt. Die Frage ist bloß, wo findest du Inspiration, was kannst du brauchen, und was machst du draus?

Auf die Frage eines Playboy-Reporters, ob er sich für einen originellen Denker halte, sagte Bowie mal: „Auf gar keinen Fall. Eher für einen Dieb mit gutem Geschmack.“ 

Bowie hat ganz offen gesagt, dass er sich bloß für Kunst interessiere, wenn es davon was zu klauen gab. Und dass es ein Zeichen seiner Bewunderung sei, wenn er von jemand Anderem etwas übernehme. Was er ständig tat. „Mick Jagger zum Beispiel hat Angst, auch nur an eine neue Idee zu denken, wenn er mit mir in einem Raum ist. Er weiß, dass ich sie mir schnappen werde“, sagte Bowie.

Wie Sie Bowie am Besten kopieren?

Wirklich neu ist sowieso nichts – es gibt alles schon. Deshalb kommt es nur darauf an, was Sie aus dem Bestehenden machen. Und vor allem: Dass Sie es machen. Ideen sind dazu da, verwirklicht zu werden.

Fazit

Als Content-Profi brauchen Sie regelmäßig neue Inhalte, da können Sie nicht ständig das Rad neu erfinden. Und das brauchen Sie auch gar nicht – an Apple & Co. sehen Sie ja, dass es die ganz Großen auch nicht anders machen: Suchen Sie sich Vorlagen, die schon hervorragend sind. Werden Sie ein echter Fan von Stilen, Konzepten, Geschichten, Ideen. Dann üben Sie, das weiterzuentwickeln. Auf Ihre Art, in Ihrem Ton. 

Und lesen Sie unbedingt Austin Kleon’s „Steal like an artist“, wenn Sie es nicht schon haben – ein besseres Buch über Kreativität kennen wir nicht. „Klauen“ heißt nämlich nicht, dass Sie plump kopieren sollten. Kreatives Klauen hat vor allem mit echter Wertschätzung zu tun: Dass Sie ein Gespür dafür entwickeln, was es schon Gutes gibt – und die Besessenheit, es noch besser zu machen.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 92

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