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Twitter-Alternativen für Unternehmen vorgestellt

Gerade für Unternehmen stellt sich die Frage, inwiefern sich ein Engagement auf Twitter („X“) heute noch lohnt oder ob es nicht sogar rufschädigend sein kann. Glücklicherweise gibt es mehrere Alternativen. Jan Tißler stellt dir drei wichtige in diesem Beitrag kurz vor: Threads, Bluesky und Mastodon.

(Illustration generiert mit Ideogram 1.0)

Zusammenfassung

Die wichtigsten Punkte auf einen Blick …
  • Threads ist direkt mit Instagram verbunden, bietet ähnliche Funktionen wie Twitter und hat am ehesten das Potenzial, Twitters Platz einzunehmen
  • Bluesky Social setzt auf Dezentralisierung, Transparenz und Datenschutz und ähnelt dem klassischen Twitter am meisten
  • Mastodon ist eine dezentrale, werbefreie und quelloffene Alternative, die jedoch eine kleinere Nutzerbasis hat

Warum nach einer Alternative zu Twitter („X“) umsehen?

Auch wenn Twitter nie zum Superstar im Social Web geworden ist, hat dieses Angebot dennoch einen Platz ausgefüllt, den viele Nutzer:innen zu schätzen wussten: kurze und simple Posts, oft mit aktuellem Bezug. Hier ging es um die schnelle Info, den spontanen Gedanken, den einen Witz, die eine Frage.

Die Nutzerschaft war dabei immer die treibende Kraft. Viele Innovationen wie etwa die Retweets oder Hashtags starteten ursprünglich als Ideen der Community, die Twitter später als offizielles Feature übernommen hat.

Vor allem Journalisten, Politiker, Prominente, Influencer und ähnlich „sendungsbedürftige“ Personen haben Twitter oftmals gemocht. Der Dienst war für viele Personen wichtig und gehörte zu ihrer täglichen Internetnutzung – gerade auch für Unternehmen.

Insofern hat Twitters Format seinen Platz. Das gilt heute vielleicht sogar noch mehr als früher, denn kurze Contentformate sind besonders angesagt.

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Der Niedergang von Twitter unter Elon Musk

Unter Elon Musks Führung hat sich Twitter von diesem Markenkern allerdings immer mehr verabschiedet. Sein Traum ist eine „Alles-App“ ähnlich wie WeChat in China. Dazu passt auch der nichtssagende „Name“ X. Tweets können inzwischen so lang wie Blogposts sein. Man kann sich gegenseitig anrufen. Bezahlfunktionen sind geplant. Das kann alles nützlich sein, hat aber mit der eigentlichen Idee nichts zu tun.

Das Umfeld für Unternehmen ist außerdem leider alles andere als vertrauenswürdig. Elon Musk ist inzwischen als Freund des rechten Politspektrums bestens bekannt. Er ist an vorderster Front in den „Culture Wars“. Entsprechend können die eigenen Posts hier schnell inmitten rechtsradikaler Propaganda erscheinen und die Qualität der Werbeanzeigen ist ebenfalls spürbar den Bach heruntergegangen. Da sollten sich Marken die Frage stellen, ob sie hier noch gut aufgehoben sind.

Hinzu kommt das andauernde Fiasko der bezahlten „Häkchen“, die andernorts signalisieren, dass man es mit einem geprüften, offiziellen Profil zu tun hat. Elon Musk hat sie hingegen zur Einnahmequelle umgewidmet. Mit ihnen lässt sich deshalb weiterhin allerlei Schindluder treiben.

Die Nutzung des Dienstes soll um ein sattes Drittel gesunken sein. Die Werbeumsätze haben sich offenbar halbiert.

Für Unternehmen kann es eine Alternative zu Twitter sein, den Account dort einfach ruhen zu lassen. Ab und zu sollte man dennoch aktiv sein, damit er nicht automatisch geschlossen wird. Behalten sollte man ihn ebenfalls, damit er nicht in falsche Hände gerät.

Wer hingegen Twitters ursprüngliches Format mochte und nun vermisst, findet verschiedene Alternativen, die gern diesen Platz übernehmen möchten. Wir stellen die drei wichtigsten folgend vor.


Threads

(Illustration generiert mit Dall-E)

Was steckt dahinter?

Threads ist direkt mit Instagram verbunden und damit ein Bestandteil des Facebook-Meta-Universums. Das Unternehmen hat sich über die Jahre einen schlechten Ruf rund um Privatsphäre und Datenschutz erarbeitet.

Unbestritten ist zugleich der anhaltende Erfolg: Facebook, Instagram, WhatsApp sind Internetgiganten. Und für Unternehmen gibt es eine umfangreiche Suite an Werkzeugen, um die eigene Präsenz zu pflegen und Anzeigen zu schalten.

Was bietet es?

Das Angebot ist in vielerlei Hinsicht ähnlich zum klassischen Twitter. Die namensgebende Threads-Funktion war von vornherein dabei: Damit verkettest du mehrere Beiträge.

Ähnlich wie bei Twitter können Nutzer auf Threads Textbeiträge von bis zu 500 Zeichen sowie Videos bis zu 5 Minuten Länge veröffentlichen. Beiträge lassen sich außerdem beantworten, teilen und liken.

Nach einem anfänglichen Boom hat sich das Wachstum bei Threads zuletzt verlangsamt. In Vergleichen ist es trotzdem weiterhin die Twitter-Alternative mit den meisten Nutzer:innen. Wobei angemerkt werden sollte: Reichweite ist nicht alles. Es kommt immer darauf an, ob du deine Zielgruppen hier findest und ansprechen kannst.

Threads will das ActivityPub-Protokoll unterstützen und sich so in das „Fediverse“ dezentraler sozialer Medien wie Mastodon integrieren.

Welche Vorteile hat es?

Die Verknüpfung zum bereits erfolgreichen Instagram ist ein Pfund und durchaus überlebensnotwendig für Threads: Selbst für ein mächtiges Unternehmen wie Meta ist es nicht einfach, eine lebendige und einladende Community aufzubauen. Das hat etwa der gescheiterte YouTube-Konkurrent IGTV gezeigt. Wer aber als Instagram-Nutzer:in ignoriert oder vergisst, dass Threads existiert, wird zum Beispiel in den Benachrichtigungen immer wieder daran erinnert. Threads hat deshalb die Chance, weiter zu wachsen. Mark Zuckerberg scheint zudem voll hinter dem Projekt zu stehen.

Insofern könnte sich eine Investition von Zeit und Mühe hier längerfristig auszahlen.

Welche Nachteile hat es?

Es ist ein Produkt aus dem Facebook-Universum. Für viele Unternehmen und Organisationen wird das kein Nachteil sein. Sie nutzen, was sie voranbringt. Und das ist auch in Ordnung so. Aber für manche andere ist das ein Grund, sich weiter umzuschauen.

Der Funktionsumfang von Threads ist heute noch klein. Zugleich hat das Team seit dem Start ordentlich nachgelegt und es ist zu erwarten, dass das weiter passiert.


Bluesky Social

(Illustration generiert mit Dall-E)

Was steckt dahinter?

Hinter Bluesky Social steht eine gemeinnützige Gesellschaft mit Sitz in den USA. Bluesky wurde ursprünglich 2019 von Twitter-Mitgründer Jack Dorsey angekündigt, um ein dezentrales System für Social Media zu entwickeln. Das Ziel war, dass mehrere soziale Netzwerke mit jeweils eigenen Kurations- und Moderationssystemen über einen offenen Standard interagieren – ähnlich dem schon genannten Fediverse. Das hört auf den Namen „Authenticated Transfer Protocol“ oder auch AT Protocol. Twitter sollte ursprünglich ein Teil davon werden. Das ist heute kein Thema mehr.

Was bietet es?

Ähnlich wie Twitter können Nutzer auf Bluesky kurze Textbeiträge veröffentlichen, diese liken, rebloggen (Äquivalent eines Retweets) und mit anderen interagieren. Darüber hinaus bietet es erweiterte Funktionen wie die Möglichkeit, Beiträge nur für bestimmte Gruppen sichtbar zu machen.

Welche Vorteile hat es?

Die dezentrale Ausrichtung von Bluesky mit dem AT Protocol ist ein Hauptvorteil, da sie künftig eine größere Kontrolle über Daten und Inhalte ermöglichen könnte. Transparenz und Datenschutz stehen zudem im Vordergrund. Nicht zuletzt hat Bluesky die wahrscheinlich größte Ähnlichkeit zum klassischen Twitter. Nutzer:innen finden sich hier entsprechend schnell zurecht.

Welche Nachteile hat es?

Obwohl Bluesky auf einem dezentralen Protokoll basiert, ist die Bluesky Social Plattform zum heutigen Stand zentralisiert. Die Nutzerbasis ist bislang noch relativ klein, was die Reichweite natürlich beschränkt. 


Mastodon

(Illustration generiert mit Dall-E)

Was steckt dahinter?

Mastodon ist eine freie und quelloffene Software zum Betrieb dezentraler sozialer Netzwerke. Es bietet ähnliche Mikroblogging-Funktionen wie Twitter, die jedoch von einer Vielzahl unabhängig betriebener Instanzen oder Server angeboten werden. Du bist hier also Mitglied einer spezifischen Mastodon-Instanz und kannst zugleich mit Nutzern anderer Instanzen interagieren.

Mastodon basiert auf dem ActivityPub-Protokoll und ist Teil des „Fediverse“-Netzwerks. Dort gibt es nebenbei bemerkt auch Angebote, die man als Alternativen zu anderen Diensten wie Instagram, Reddit oder YouTube ansehen kann.

Was bietet es?  

Auf Mastodon können Nutzer Textbeiträge veröffentlichen, diese liken, sharen und kommentieren. Der Funktionsumfang kann sich von Instanz zu Instanz unterscheiden.

Es gibt zahlreiche Datenschutz- und Moderationsoptionen wie Content-Warnungen, Sichtbarkeitseinstellungen oder die Möglichkeit für Administratoren, andere Instanzen auszuschließen. 

Jede Instanz kann schließlich ihre eigenen Regeln, Konten-Privilegien und Richtlinien für die Inhaltsmoderation festlegen. Technisch versierte Nutzer:innen können im Prinzip sogar ihre eigene, ganz persönliche Instanz anlegen und so am Fediverse teilnehmen.

Welche Vorteile hat es?

Die dezentrale Natur von Mastodon ist einer der Hauptvorteile und ermöglicht mehr Kontrolle über Daten, Inhalte und Moderationsregeln. Es ist quelloffen, werbefrei und wird durch Crowdfunding finanziert. Mastodon hat sich zu einer lebendigen Community entwickelt, die sich für freie Meinungsäußerung und Datenschutz einsetzt.

Welche Nachteile hat es?

Obwohl dezentral, kann die unterschiedliche Auslegung der Regeln durch Instanzbetreiber zu Inkonsistenzen in der Nutzererfahrung und Moderation führen. Die Suchfunktionen sind im Vergleich zu zentralisierten Plattformen eingeschränkt. Einige Instanzen stehen in der Kritik, kontroverse Inhalte wie Rechtsextremismus zuzulassen. Die Nutzerbasis ist bislang relativ klein im Vergleich zu Twitter, was die Reichweite auch hier begrenzt.


Und dann waren da noch …

Es gibt zahlreiche weitere Angebote, die mehr oder weniger offensichtlich Twitters Platz einnehmen wollen. Dazu zählen etwa Micro.blog und Hive Social. Diese sind aber eher experimentell und klein. Selbst Angebote wie Reddit, Discord oder gar LinkedIn werden in anderen Artikeln zu Twitter-Alternativen bisweilen genannt, haben aber kaum Ähnlichkeiten. Am ehesten würde noch Tumblr passen, das allerdings traditionell mehr auf visuelle Inhalte gesetzt hat. Tumblr gehört inzwischen zum WordPress-Unternehmen Automattic.

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Schlusswort

Ich persönlich mag Mastodon, aber ich verstehe, warum viele Menschen damit nichts anfangen können. Und für mich ist das auch vollkommen in Ordnung. Mir gefällt an Mastodon gerade, dass es eben nicht versucht, auf Teufel komm raus zu wachsen. Es geht vielmehr darum, einen Twitter-ähnlichen Dienst zu ermöglichen, der maximale Freiheiten bietet. Für mein privates Profil ist es mir egal, wie groß eine Plattform ist, solange ich mich dort wohlfühle.

Blueskys Stärke wiederum ist seine große Ähnlichkeit zum klassischen Twitter. Viele Nutzer:innen scheinen das zu mögen, aber ich bin mir nicht sicher, ob hier nicht auch nostalgische Gefühle mitschwingen. Die Grundidee eines dezentralen Social Networks begrüße ich persönlich und hoffe, dass den Worten auch schnell Taten folgen.

Threads hat das größte Potenzial, Twitters Platz einzunehmen. Meta ist als Unternehmen zwar ebenfalls nicht sonderlich beliebt, aber im Vergleich zu Elon Musk wirkt es geradezu akzeptabel. Die Verknüpfung mit Instagram ist ein starkes Argument. Zahlreiche Unternehmen, Influencer und Prominente sind hier eh bereits aktiv.

Wenn sich nun bald Drittanbieter-Tools wie Buffer und andere für Threads nutzen lassen, wird es für Unternehmen noch einmal spannender. Denn damit integriert es sich nahtlos in bereits etablierte Workflows.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 113

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