Was fehlt: Ein Redaktionssystem für digitale Magazine

So etwas wie das UPLOAD Magazin auf die Beine zu stellen ist heute mit wenig finanziellem Aufwand möglich – die Werkzeuge sind an sich alle da. Allerdings arbeiten sie in der Regel nicht zusammen und bieten zudem nicht alle Funktionen, die ein wirklich gutes Tool ausmachen würden. Dieser Artikel erklärt, wie ein Redaktionssystem aussehen müsste, mit dem man digitale Magazine erstellt und das zugleich spannend wäre für Newswebsites, Blogs und andere Angebote.

(Foto: © Photocreo Bednarek – Fotolia.com)
(Foto: © Photocreo Bednarek – Fotolia.com)

Was ist ein „digitales Magazin“ überhaupt?

Wenn ich über ein digitales Magazin spreche, dann geht es mir in erster Linie um die Inhalte – wie sie geplant und umgesetzt werden. Hier spielt auch das Design eine Rolle, aber ein „magaziniges Layout“ macht noch kein Magazin.

In der Printwelt unterscheiden sich Magazine von Zeitungen, indem sie eher die großen Zusammenhänge darstellen und beleuchten. Sie können nicht tagesaktuell sein, da sie wöchentlich, 14-täglich, monatlich oder noch seltener erscheinen. Diesen Nachteil nutzen sie bewusst als Vorteil, sich länger und intensiver mit ihren Inhalten beschäftigen zu können.

Das wirkt sich aus…

  • …auf die Themenfindung. Ein Magazin „setzt Themen“ auch ganz unabhängig vom aktuellen Geschehen, weil die Macher es selbst wichtig und relevant finden. Dadurch werden sie zugleich zu Quellen, auf die sich andere beziehen.
  • …auf die inhaltliche Umsetzung. Eine Magazin-Redaktion hat mehr Zeit und nicht selten auch mehr Personal pro Artikel zur Verfügung als beispielsweise eine Zeitung. Hier wird in stärkerem Umfang selbst recherchiert und in Teams zusammengearbeitet.
  • …auf die gestalterische Umsetzung. Es gibt mehr Zeit und Ressourcen, um die Inhalte optisch ansprechend und einzigartig umzusetzen.

Und wie stellt sich das im Digitalen dar? Schauen wir doch einmal auf andere journalistische, nachrichtliche und generell Informationen vermittelnde Angebote im Netz und versuchen uns an einer Abgrenzung.

Ein Blog beispielsweise ist nach klassischer Ansicht eine Seite, die stark von der Persönlichkeit oder den Persönlichkeiten hinter den Kulissen lebt. Es geht um das Fachwissen, die Interessen und die spezielle Sichtweise der Schreibenden. Natürlich kann es auch eine Art Redaktionsplan geben oder mehrere Posts gehören zu einer Serie etc. Das Wesen des Blogs ist aber aus meiner Sicht eher das Ungeplante und Spontane, das direkt aus dem Mitteilungsdrang der Bloggerin oder des Bloggers entsteht.

Eine Newswebsite wiederum ist ein auf Nachrichten spezialisiertes Angebot, hinter dem oftmals eine Redaktion steht. Der Schwerpunkt liegt hier auf Aktualität.

Ein digitales Magazin würde ich deshalb wie folgt beschreiben: Ein Angebot, das Themenschwerpunkte setzt und vorausplant, im Team erstellt und mehr Wert auf Tiefgang denn auf Schnelligkeit und Aktualität legt.

Natürlich kann man alle diese Einordnungen in Frage stellen, sowie Grenzfälle und Gegenbeispiele finden. Es geht mir hier um den überwiegenden Charakter einer Publikation. Natürlich ist so manches Blog einer Newswebsite ähnlich oder wandelt sich vom einen zum anderen im Laufe der Zeit. Oder eine Newswebsite hat neben aktuellen Berichten auch „magazinige“ Inhalte, die vorgeplant, umfangreich und tiefgehend sind.

Es dürfte niemanden überraschen, dass ich das UPLOAD Magazin als digitales Magazin ansehe. Zwar sind wir stark von den persönlichen Ansichten und Einsichten der Autorinnen und Autoren getrieben, aber es steht nicht wie bei einem Blog im Vordergrund. Und zwar haben wir auch Inhalte mit aktuellem Bezug, wir sind aber beim besten Willen keine Newswebsite und wollen das auch gar nicht werden.

Wie erstellen wir das UPLOAD Magazin heute?

Für die Website ist bei uns das allseits beliebte WordPress zuständig.
Für die Website ist bei uns das allseits beliebte WordPress zuständig.

Das UPLOAD Magazin mag nach außen hin als ein einziges Angebot erscheinen, ist hinter den Kulissen aber ein Verbund verschiedener Tools, die teilweise nichts miteinander zu tun haben.

  1. Unsere Website betreiben wir mit WordPress. Das ist bekanntlich ein feines System, um Inhalte im Netz zu publizieren, aber es ist kein Redaktionssystem. Sprich, es gibt von Haus aus keine Möglichkeit, Workflows anzulegen. Dazu gleich noch mehr.
  2. Unsere Apps (iOS, Android) entstehen mit TypeEngine. Das ist ein Anbieter aus den USA, bei dem man gegen eine einmalige Gebühr sowie weitere monatliche Gebühren seine Apps erstellen lassen kann. Hier gibt es ein eigenes Backend, um die Inhalte einzugeben, das aber in keiner Weise mit unserem WordPress-Backend zusammenhängt. Sprich: Hier ist manuelles Copy & Paste angesagt.
  3. Unsere E-Book-Versionen (PDF, MOBI, EPUB) entstehen in Zusammenarbeit mit buch&netz aus der Schweiz. Hier haben wir unser drittes Backend, in diesem Fall wiederum auf Basis von WordPress. Aber auch hier gibt es keine direkte Verbindung, auch hier produzieren wir die jeweiligen Ausgaben per Copy & Paste.

Theoretisch ließe sich das mit entsprechendem Aufwand von Zeit, Geld und Energie in ein simpleres System zusammenführen, bei dem wir sowohl die Apps als auch die E-Book-Versionen selbst in der Hand haben. Dann würden wir uns zwar viel Copy & Paste sparen, aber wir wären trotzdem noch nicht da, wo ich mit einem Redaktionssystem für digitale Magazine gern wäre.

Was ist ein Redaktionssystem?

Übersicht unserer App-Ausgaben (Android, iOS) bei TypeEngine. Es hat keine direkte Verbindung zur Website.
Übersicht unserer App-Ausgaben (Android, iOS) bei TypeEngine. Es hat keine direkte Verbindung zur Website.

WordPress ist einerseits ein System, um Inhalte zu erfassen und zu publizieren, aber es fehlen andererseits von Haus aus wichtige Funktionen eines Redaktionssystems. Wie weiter oben erwähnt, gehören dazu beispielsweise Workflows. Was ich damit meine: In einer Redaktion gibt es Zuständigkeiten, Berechtigungen und einen definierten Arbeitsablauf von der Artikelidee bis hin zum veröffentlichten Beitrag. In einem Redaktionssystem kann man solche Abläufe und Zwischenschritte definieren, Artikel einer Person zuweisen etc. Das gibt es bei WordPress standardmäßig in dieser Form nicht und das macht die Arbeit im Team generell ziemlich unhandlich.

Ehrlich gesagt wundere ich mich immer, dass es hier nicht mehr Aktivität bei WordPress gibt, solche Funktionen aufzunehmen. Schließlich werden Berechtigungen und definierte Workflows nicht nur von Redaktionen gebraucht, sondern auch bei Unternehmen und anderen Institutionen, die eine Website damit betreiben.

Was müsste nun ein Redaktionssystem für digitale Magazine leisten?

Kommen wir nun zum eigentlichen Kern meines Artikels: der Wunschliste für ein Redaktionssystem, das sich speziell an digitale Magazine richtet.

Workflows

Wie weiter oben schon beschrieben, braucht man dringend die Möglichkeit, Arbeitsabläufe abzubilden. Deshalb müsste man für Inhalte Zustände definieren können – von „Idee“ über „Entwurf“ bis „Erste Fassung“, „Fertig zum Publizieren“ bis „Veröffentlicht“ und mehr. Dazu braucht man Rollen und möglichst fein granulierte Zuständigkeiten und Berechtigungen. Das alles sollte einfach zu verstehen und übersichtlich direkt im Backend abgebildet werden.

Ich persönlich würde sogar soweit gehen, schon bei der Ideenfindung und der Planung der Inhalte anzufangen. Also so, dass man mögliche Artikel und Autoren bereits im Backend festhält und dann von dort aus bei Bedarf weiter bearbeitet – bis hin zur fertigen Ausgabe. Aktuell organisieren wir uns hier mit Evernote für die Planung, Slack für interne Absprachen und die gute alte E-Mail für die Kommunikation mit den Autorinnen und Autoren. Zumindest teilweise würde ich das schon sehr gern in ein zentrales System auslagern.

Auf jeden Fall muss das so flexibel gestaltet sein, dass jede Redaktion und jedes Team sich dort seine Abläufe zusammenbauen kann – vom losen Teamblog bis hin zum Magazinverlag.

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Multiplattform

Kein mir bekanntes Redaktionssystem hat bislang auf dem Zettel, dass digitale Welten vielseitig sind. Wir hier bei UPLOAD erscheinen auf der Website, in zwei Apps und in drei E-Book-Formaten. Und wer weiß, was die Zukunft noch bringt. Warum sollte man beispielsweise nicht auch unseren Newsletter gleich mit einbeziehen oder das direkte Publizieren auf Facebook via „Instant Articles“ oder in Apple News?

Das bedeutet einerseits, dass die Plattform im Zentrum so modular und flexibel sein muss, dass es seine Inhalte an verschiedenste Ausgabemedien weitergeben kann. Und das bedeutet andererseits, dass die Macher hinter den Kulissen viele Einflussmöglichkeiten brauchen. Denn es reicht beispielsweise nicht, die exakt gleichen Inhalte einfach in jede verfügbare Plattform zu kippen.

Ein Beispiel sind unsere E-Book-Ausgaben: Hier entfernen wir in der Regel solche Bilder, die nicht direkt fürs Verständnis des Inhalts zuständig sind. Auf der Website und in der App gibt es hingegen Bilder, die illustrativen Zwecken dienen oder den Artikel schlichtweg ansprechender machen sollen. Im E-Book stören Bilder aber oftmals das Layout und damit den Lesefluss. Zudem machen sie die Datei größer. Videos wiederum, die wir auf der Website und in den Apps direkt einbetten können, müssen wir in den E-Book-Versionen verlinken.

Man kann sich jetzt sicherlich darüber streiten, ob diese konkreten Maßnahmen tatsächlich notwendig sind. Aber man kann sich nicht darüber streiten, dass solche und ähnliche Eingriffe auf jeden Fall möglich sein müssen.

Also: Die Inhalte werden zentral erstellt und erfasst. Danach muss man sie anpassen können, um sie auf so vielen Wegen, in so vielen Formaten und so vielen Plattformen wie möglich verteilen zu können. Das Ganze sollte flexibel und modular aufgebaut sein.

Layout

Wie weiter oben beschrieben, gehört bei vielen Magazinen die Verbindung aus Inhalten und ihrer Darstellung direkt zusammen. Das Layout unterstützt idealerweise den Beitrag. Hier bräuchte es bei einem Redaktionssystem eine einfache Möglichkeit, beispielsweise mehr als ein Standardlayout zu haben, Layouts flexibel zu halten und einer zuständigen Person den schnellen Zugriff darauf zu geben.

So wird es bei der Webversion beispielsweise sicherlich den Wunsch geben, „Multimedia-Reportagen“ zu erstellen. „Scrollytelling“ wird das ja auch gern genannt. Zumindest aber sollte es möglich sein, das Aussehen einzelner Geschichten anzupassen. Für die Autoren wäre es dabei perfekt, ihre Inhalte direkt in diesem Layout zu erstellen und nicht in einem abstrakten Backend. Auch hier hat WordPress aus meiner Sicht Nachholbedarf: Das Schreiben macht auf Medium.com auch deshalb so viel Spaß, weil der Artikel direkt entsteht. Man sieht sofort, was man tut und wie es wirkt.

Nutzerverwaltung

Von vornherein vorsehen sollte ein solches Redaktionssystem auch die Rolle der Leserinnen und Leser. So werden manche Redaktionen beispielsweise Kommentare nur nach vorheriger Anmeldung zulassen wollen. Oder statt eines einfachen Kommentarsystems soll die Diskussion mit und unter den Lesern über ein Forum zusätzlich gefördert werden. Nicht zuletzt ist so eine Nutzerverwaltung auch notwendig, um beispielsweise exklusive Inhalte anzubieten oder eine Bezahlschranke einzurichten.

Während gedruckte Magazine allein durch den Verlag und seine Mitarbeiter entstehen, sind bei einem digitalen Magazin die Leserinnen und Leser potenziell Teil des Ganzen. Das sollte bedacht werden.

Bezahlsystem

Aus meiner Sicht führt kein Weg daran vorbei, dass wir für journalistische Inhalte weitere Einnahmemodelle jenseits der klassischen Bannerreklame im Netz finden. Qualitativ hochwertige Inhalte für eine spitze Zielgruppe lassen sich andernfalls nicht refinanzieren. Insofern werden Sponsormodelle und auch bezahlte Inhalte sowie digitale Abos sicherlich eine Rolle spielen.

Ein Redaktionssystem für digitale Magazine sollte das von vornherein im Blick haben und entsprechende Integrationen anbieten. Wir hatten neulich beispielsweise das Münchner Startup plenigo im Interview vorgestellt: Die bieten eine umfassende Lösung für Bezahlschranken und bezahlte Inhalte an.

Auf diese Weise könnten Redaktion und Verlag schnell und einfach entscheiden, ob sie bestimmte Inhalte nur gegen eine Einmalgebühr anbieten, nur Abonnenten zur Verfügung stellen, für eine bestimmte Zeit kostenpflichtig machen wollen o.ä.

Zielgruppen für ein solches System

Wer bräuchte nun ein solches System? Viele, und ich glaube, es werden in den nächsten Jahren noch deutlich mehr. Wie im Text bereits angedeutet, ist der Begriff des „digitalen Magazins“ fließend und viele genannte Funktionen sind auch für andere Projekte interessant. Jedes ambitionierte Teamblog würde sich beispielsweise über solche Features freuen.

Zur Zielgruppe gehören außerdem natürlich generell alle, die auf einem professionellen Niveau online publizieren wollen. Und das wiederum sind nicht mehr nur Verlage, sondern zunehmend auch Unternehmen. Dem Thema „Digitales Corporate Publishing“ haben wir nicht umsonst eine ganze Ausgabe gewidmet. Firmen publizieren heute teils aufwändige Websites mit aktuellen, lesenswerten und anspruchsvollen Inhalten. Und natürlich brauchen die ein Werkzeug, um sich zu organisieren und wollen über Berechtigungen und eine Hierarchie für saubere Abläufe sorgen. Auch Multi-Plattform Publishing im Web, in Apps und andernorts wird für sie immer wichtiger.

Insofern: Aus meiner Sicht gibt es hier eine spannende Marktlücke mit großem Potenzial.

Ein Kandidat: Press-Room

Das Latterly Magazine wird mit Press-Room erstellt, das wiederum im Kern auf WordPress setzt.
Das Latterly Magazine wird mit Press-Room erstellt, das wiederum im Kern auf WordPress setzt.

An sich sollte es dabei möglich sein, mit WordPress im Kern etwas in dieser Art umzusetzen. Wir beobachten beispielsweise die Entwicklungen bei Press-Room. Das Plugin verspricht, es in ein „multi-channel publishing environment“ zu verwandeln. Aktuell kann man damit seine Inhalte in WordPress erfassen und dann als statisches HTML sowie in eine iOS-App ausgeben. Weitere Zielplattformen sind geplant. Das Projekt teilt sich in eine frei erhältliche Version sowie eine kostenpflichtige SaaS-Variante mit weiteren Funktionen. Laut Roadmap sind hier bis Jahresende beispielsweise auch eine Bezahlschranke und der Einzelverkauf von Ausgaben vorgesehen.

Eingesetzt wird das heute schon beispielsweise vom Latterly Magazine. Wir haben auf unserer To-Do-Liste, uns Press-Room einmal genauer anzusehen sowie mit dessen Machern und dem „Latterly“-Herausgeber Kontakt aufzunehmen. Größter Nachteil aus meiner persönlichen Sicht ist allerdings, dass das Projekt nur auf wenigen Schultern ruht und auch kein Investorengeld zur Verfügung zu haben scheint. Sprich: langsame Entwicklung und ungewisse Zukunft.

Fazit

Wer aktuell ein digitales Magazin auf die Beine stellen will, hat dazu zwar an sich alle Möglichkeiten an der Hand – aber das artet in ein Sammelsurium diverser Tools aus, die auch dann noch nicht alle Wünsche und Bedürfnisse abdecken. Hier ist momentan viel Bastelei und manuelle Arbeit hinter den Kulissen notwendig.

Das hier beschriebene Publikationssystem hingegen könnte sowohl Redaktionen und Blogteams ein nützliches Werkzeug an die Hand geben, als auch neue Magazin-Experimente auslösen.

WordPress könnte eine Basis dafür sein. Das britische Projekt Press Room versucht offenbar etwas in dieser Art zu entwickeln. Das geht schon in die richtige Richtung. Dank des Plugin-Systems kann man die Funktionalität und Erscheinung von WordPress sehr weitgehend anpassen.

Das daraus reslutierende System wäre dabei aus meiner Sicht längst nicht nur für digitale Magazine interessant, sondern könnte sich ebenso für Newswebsites und ambitionierte Blogs eignen.

P.S.: Wir freuen uns sehr über Hinweise auf Lösungen, die den hier beschriebenen Anforderungen entsprechen, ihnen nahekommen oder passend erweitert werden können!


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 26

Gemeinsam mit den Digital Media Women haben wir mit der Nummer 26 eine ganz besondere Ausgabe des UPLOAD Magazins auf die Beine gestellt: Wir schwenken das Rampenlicht auf „digitale Macherinnen“. Dazu haben wir beispielsweise 24 profilierte Frauen der Digitalszene im Kurzinterview. Wir beleuchten die Gründerinnenszene in Hamburg. Und wir geben praktische Tipps und Tricks rund ums Netzwerken.

Jan Tißler ist auch bekannt als jati. Er arbeitet seit über 20 Jahren als Journalist, die meiste Zeit davon digital. 2006 hat er das UPLOAD Magazin aus der Taufe gehoben. Er ist fasziniert von den Freiheiten des digitalen Publizierens und erklärt gern, wie Unternehmen, Organisationen oder auch Selbstständige mit ihren Botschaften im Netz gehört werden. Immer mit einem Bein fest in der Zukunft. Der gebürtige Hamburger lebt inzwischen in Santa Fe, New Mexico.

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(Bild: © Sondem, Fotolia)

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18 Gedanken zu „Was fehlt: Ein Redaktionssystem für digitale Magazine

  1. Wenn man den Beitrag liest, hat man den Eindruck, man könnte grundsätzlich nur mit WordPress publishen und es gäbe überhaupt Alternativen. Das ist ja totaler Quatsch, es gib ja zig CMS-Systeme für Multi-Channel-Publishing mit denen man ein “digitales Magazin” ohne Porbleme erstellen und Texte nicht mehrmals erfassen muss.

    Mit ein bisschen Recherche lässt sich der Traum vom “Redaktionssystem für digitale Magazine” sicher ganz schnell erfüllen….

    jg

  2. Hallo Webster, zumindest ein konstruktiver Vorschlag wäre jetzt durchaus hilfreich gewesen ;) Wir sind nicht 100% auf WordPress festgelegt, aber einen Umzug auf ein komplett neues System überlegt man sich nach fast zehn Jahren natürlich schon ganz gut. Zumal sich WordPress seitdem ganz wunderbar weiterentwickelt hat und eine enorm aktive Community hat. Sollte es da aber eine ausgezeichnet passende Alternative geben, bin ich für Hinweise und Anregungen dankbar. Genau dafür war der Artikel gedacht. Ich behaupte ja gerade nicht, die passende Lösung gefunden zu haben.

  3. Hi Jan,

    interessanter Artikel, über das was bei Redaktionen gebraucht wird ;) Wenn ich an dieser Stelle ein Tool empfehlen kann, das schon einiges davon abdecken kann: Scompler ist ein Tool für die Steuerung von strategischem Content Marketing, das sich sehr gut zu eignen scheint für die Anforderungen. Es gibt eben die Möglichkeit Zuständigkeiten und Workflows zu managen und Themen zu definieren, damit man die Zielgruppen / Personas auch nicht aus den Augen verliert. Das deckt zwar nicht alles ab, aber schon einiges :=)

    LG!

    Mael

  4. Also ganz viel von dem was du schreibst kann Scompler – und noch einiges mehr, an das du vielleicht nicht gedacht hast. Zum Beispiel das ganze Thema Content Strategie und Content Promotion und vor allem auch die Analyse der Performance der Beiträge – um die Strategie wieder anzupassen.

    Was Scompler noch nicht hat sind die von dir beschriebenen Schnittstellen – aber das ist so gewollt. Denn Scompler ist eine offene Plattform, wir müssen die Schnittstellen nur bauen. Der WYSIWIG-Editor ist eine tolle Idee, das habe ich gleich aufgeschrieben.

    Und das mit dem Bezahlsystem ist schwierig für mich, da verstehe ich nichts von. Aber ich denke auch hier: Hier sollte es doch Stand-alone-Systeme geben, die man dann an das zentrale Redaktionssystem via Schnittstelle anbinden kann?

    Also unter dem Strich: Ich glaube nicht, dass es das System, das Du beschreibst, als Standardsoftware geben kann. Dazu sind die Systeme einfach zu komplex. Aber eine Standardsoftware, die über Schnittstellen anschlussfähig an andere Systeme ist, die kann das. Und das ist Scompler.

  5. Hi Jan,

    ich würde mich gerne telefonisch mit dir austauschen. Die Anforderungen an Redaktionssysteme für digitale Magazine, die du in deinem Artikel listest werden in der Tat (größtenteils) bereits im Multichannel-Publishing-System von Gogol geboten. Diverse Referenzkunden aus den Zielmärkten Magazin/Katalog, Tages- und Wochenzeitung publizieren bereits seit Jahren auf den Kanälen Online, Mobile und Print mit einer einmaligen kanalneutralen Erfassung des Contents und somit ohne zusätzlichen Mehraufwand.

    Ich würde mich über deine Rückmeldung per E-Mail sehr freuen. Solltest du vom 05.10. – 7.10.2015 in Hamburg (Wan-Ifra) sein, stehe ich gerne auch für ein persönliches Gespräch Vorort zur Verfügung.

    Viele Grüße
    Lorenzo Catalano

  6. Und wie auf Google-Plus schon geschrieben:

    In diesem Umfeld bewegen sich z.B. Kapost, Newscred, marketing.ai, Percolade, Contently, DivvyHQ, Betaout, Opal Desk-net, ScribbleLIVE..

    Keiner leistet genau das, was du hier schreibst, am nähesten dran (und vor allem: Dahin ausbaubar) dürfte Scompler sein. Und du hast hier in der Beschreibung noch sehr viel vergessen, was du sicher haben willst, wenn du es mal kennst: Die Content Promotion, Analytics, Hilfen zur Themenfindeung und und und und….

    Wenn Du mehr wissen willst: Einfach fragen. Ich beschäftige mich seit mehr als zwei Jahren intensiv mit genau diesem Markt….

    Und ich werde nächste Woche wohl eine sehr, sehr detaillierte Vergleichstabelle aller dieser Tools veröffentlichen.

  7. Ich denke dass in der Überschrift die Worte “einfach” und “günstig” fehlen. Es gibt genügend Redaktionssysteme die das können, z.B. Woodwing, K4, PublishNOW!, Interred, Gogol, usw. Diese Systeme kommen größtenteils aus der Print-Welt und kosten auch für kleine Teams mehrere zehntausend Euro. Ähnliches gilt für CMS wie censhare oder ADAM die redaktionelle Workflows unterstützen. 21Publish scheint in die Richtung zu gehen, dort sehe ich aber keine fertige Lösung für eBook Versionen oder fertige Apps.

  8. @Mirko: Vielen Dank für die Hinweise! Und Scompler schauen wir uns gern einmal an. Themenfindungstools brauchen wir eher nicht, denn wir richten uns ja nicht danach aus, was „gut läuft“. Auswertungen im Nachhinein sind durchaus interessant. Allerdings haben wir ja eine andere Denkweise als die meisten: Bei uns geht es nicht um maximale Abruf- und Share-Zahlen. Wir konzentrieren uns darauf, Stammleser zu gewinnen und die idealerweise von einem Abo zu überzeugen. Und damit stellen wir uns gleichzeitig so auf, dass wir für einen Sponsor interessant sind. Um den täglichen Kampf um die sensationellste Überschrift halten wir uns ja sehr bewusst raus.

    @Lorenzo: Gogol sagt mir was, wir können gern ins Gespräch kommen. Ich melde mich.

    @Peter: Auch dir vielen Dank für die Hinweise. Ich werde die mal durchgehen. Zehntausende von Euro sind bei uns natürlich nicht drin. Das wichtigste Wort in der Überschrift ist aber „digital“. Ich bin ehrlich gesagt skeptisch bei jedem System, das einen Print-Hintergrund hat. Print ist eine ganz andere Welt als online, auch wenn viele Verlage und Verleger das noch immer nicht verstanden haben. Wenn ich einen Fernsehsender aufziehen will, kaufe ich ja auch kein System für Radiostationen, bei dem man per Adapter auch eine Kamera anschließen kann. Da gehe ich zu jemandem, der sich mit Fernsehen auskennt. Die Anbindung an unterschiedliche Plattformen zur Publikation ist beispielsweise unabdingbar. Online gehe ich dort hin, wo die Leser sind und nicht umgekehrt – auch so eine Sache, mit der Print-Verlage noch schwer zu kämpfen haben.

  9. Hallo Jan,

    das von Dir gewünschte zentrale System um alle Kanäle anzusteuern ohne im Vorfeld die Inhalte dafür schon konkret zusammenstellen zu müssen, kann gelöst werden. Dabei handelt sich weniger um ein Redaktionssystem als um ein “Autorensystem”. alfa bietet mit der “MediaSuite” genau diesen Ansatz. Kombiniert mit einem Newsroom Management Tool (“Agenda”) können Themen, Inhalte, Ressourcen und Zeitfenster unabhängig der Marke oder Ausgabeform geplant werden.

    MediaSuite bietet dann das Aggregations- und Publishing-Dach. Hier können auch die bestehenden Lösungen (z.B. WordPress) eingebunden und gesteuert werden.

    Also: kein Rocket-Science und auch für alle Publishingformen (Corporate Communication, Content Marketing, News, Magazine….) einsetzbar.

    Gründsätzlich ist Content = Content. Daher wird sich über kurz oder lang die feste Form “Magazin”, “Zeitung” o.ä. gegen auf den Leser/Konsumenten angepasste Inhaltsform

  10. Hallo Jan
    Super, dein Fazit! Viele Verlage und Publisher bewegen sich leider in der traditionalen Welt, welche ihre Gültigkeit immer mehr verliert.
    Wir sind ein Systemintegrator, verfolgen seit Jahrzehnten die Entwicklung der Redaktionssysteme und stehen vor den genau gleichen Herausforderungen wie du. Es gibt tolle Tools, welche die bestehenden Bedürfnisse hervorragend abdecken, aber mit den neuen Anforderungen nicht wirklich zurechtkommen.
    Wir haben uns deshalb vor einiger Zeit auf die Suche gemacht und ein Produkt gefunden, welches genau in die richtige Richtung zielt.
    Kernstück ist ein WYSIWIG-Editor, mit dem jeder Journalist/in gerne arbeitet, weil er einfach und intuitiv in der Bedienung ist und zusätzlich über ein tolles Benutzer-Interface verfügt. Das Prinzip ist digital, respektive mobile first! Wir bauen aber ebenfalls eine bidirektionale Schnittstelle zu InDesign. Ausleitungen zu jedem (Redaktions- und Publikations-)System sind einfach zu machen, weil am Ende nur ein JSON-File exportiert wird.
    Jetzt wäre der richtige Augenblick um weitere Anforderungen zu diskutieren, um diese direkt in die Entwicklung einbringen zu können. Wenn du an einem Informationsaustausch interessiert bist, würden wir uns über eine Kontaktaufnahme sehr freuen.

  11. Ein System, das alle Anforderungen an modernes Publishing erfüllt ist das GoventoCMS.

    Eine SAS-Lösung, die professionell und preiwert ist und mit der man jede Site ganz easy redaktionell pflegen kann. Für einen Redakteur einfacher zu bedienen als WordPress, mit einer Infrastruktur für Entwickler, die absolut state of the Art ist.

    http://www.govento.com/de/demo.

  12. Nun sind ja fast alle relevanten Systeme genannt… aber wie meist, werden Äpfel mit Birnen vermengt. censhare und Interred zum Beispiel sind hochpreisige Bolide, die für ein (einziges) digitales Magazin nicht infrage kommen. Richtig ist wohl, dass es derzeit kein Open Source Online-Redaktionssystem gibt, das die genannten Forderungen erfüllt. Die meisten vorgeschlagenen sind kommerzielle Systeme, die eben ihren Preis haben (müssen).

    Die entscheidende Frage hierbei ist, will ich AUCH Print bedienen oder nicht, denn dann wird die Sache komplex. Das ist schon der Fall, wenn das E-Book zusätzlich gedruckt werden soll. Oder wenn das digitale Magazin als Bezahlversion im PDF-Format in digitale Kioske kommen soll. Dann kommt es wiederum darauf an, wie komplex das Layout ist. Einfach geht bereits mit (teuren) Web-Technologien, ausgefuchst im Web dauert noch (wir sind an einer (preisgünstigen) Lösung dran…).

    In diesem Fall komme ich um ein System, das auch Print entsprechend bedienen kann, nicht drumherum. Eine gute Alternative zu den bereits genannten in einem günstigeren Preisbereich ist das Publishing-System tango media, das die oben genannten Forderungen erfüllt und zum Beispiel von der Medienhochschule in Stuttgart zur Ansteuerung von Drupal (ebenso steuerbar wie WordPress) genutzt wird. Ein gedrucktes Hochschulmagazin soll folgen. Es verfügt über einen Komponenten-Editor für ansprechende individuelle Online-Artikel und eine komplette Print-Engine, die zwar auch (noch) einen Standard-Client einsetzt, aber auf teure DTP-Programme und Serverlösungen verzichten kann.

    • Vielen Dank für die Ergänzung. Ja, ich hätte sicherlich gleich am Anfang oder in der Überschrift klarstellen sollen, dass es hier natürlich nicht um den Bugatti der Redaktionssysteme geht, sondern um eine Lösung, mit der ambitionierte Projekte an den Start gehen können, auch wenn sie keine Geldberge abzutragen haben. Dass es für Verlage Systeme gibt, die man für hunderttausende Euro aufsetzen und betreiben lassen kann, ist ja schon klar. Wobei ich die Ergebnisse manchmal doch erschreckend bescheiden finde, weil eben weiterhin Print-First gedacht wird, obwohl das wenig Sinn ergibt. Zugleich sehe ich eben, dass es mit WordPress ein tolles, kostenloses System gibt, das schon viele Grundlagen mitbringt. Darauf könnte man prima aufbauen.

      Generell brauchen wir bei UPLOAD keine Print-Lösung. Wir sind 100% digital und das wird auch der Kern bleiben. Ich will nicht ausschließen, dass wir auch mal mit gedruckten Medien experimentieren. Warum sollte es nicht einmal ein Best-of unserer Artikel oder ein Special zu einem Thema auch als gedrucktes Magazin oder Buch geben? Aber aktuell investieren wir in diese Richtung keine Zeit und Mühe. Insofern: Wir sind digital-native und das muss auch das System beachten. Wenn wir mal etwas drucken wollen, finden wir für diesen Sonderfall schon eine Lösung ;)

  13. Hallo Jan,
    konntet ihr euch Scompler bereits ansehen? Ich bin gerade ebenfalls in der Suchphase und würde mich über eine kurze Einschätzung/´Feedback eurerseits freuen.
    Danke auf jeden Fall schon einmal für den guten Artikel!
    Grüße,
    Julia

    • Hallo Julia, nein, wir sind noch nicht viel zum Testen gekommen. Das wird wahrscheinlich auch noch eine Weile dauern. Auf jeden Fall werde ich über meine Erkenntnisse schreiben, sobald es welche gibt! :)

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