Erfolgsfaktor Verlässlichkeit

Weblogs und Podcasts sind für viele ihrer Fans gerade deshalb spannend, weil man nicht weiß, was wann wie passiert. Genau das aber ist einer der Gründe, warum Weblogs noch immer nur eine kleine Stammleserschaft erreichen. Ein wichtiger Punkt, um Leser wiederkehren zu lassen, ist Verlässlichkeit. Das klingt altmodisch, hat aber eine große Wirkung und kostet dabei nicht einmal viel Aufwand. Ganz nebenbei wird das Bloggen sogar spannender, weil man sich selbst zu größeren Leistungen animiert.

Fernseher zu Alteisen?
Hey, wer wird denn Fernseher gleich auf den Müll werfen? Man kann von den alten Medien sogar manchmal etwas lernen… Foto: Photocase.com

Verlässlichkeit meine ich dabei auf zwei Ebenen: inhaltliche und konzeptionelle Verlässlichkeit. Das klingt nach Begriffen aus dem Giftschrank der Fachkongresse? Stimmt. Deshalb will ich auch mal gleich erklären, was ich damit meine.

Ein Grund für die Beliebtheit von erfolgreichen Medien und Medienprodukten ist, dass die Nutzer wissen, was sie erwartet. Wenn Du einen Lieblingsradiosender hast, erwartest DU von ihm beispielsweise bestimmte Informationen oder eine bestimmte Musik. Das ist verlässlich und angenehm. Im Extremfall endet der Wille, dem Hörer alles Recht zu machen, allerdings im Formatradio. Der Computer bestimmt nach einem ausgeklügelten Schema eine Musikfarbe, die möglichst vielen Leuten gefällt – aber eben auch einer bestimmten Gruppe von potenziellen Hörern auf den Geist geht. Ein Formatradio wirkt leblos und künstlich.

Das ist mit Verlässlichkeit bei mir nicht gemeint. Und dafür sind Weblogs und Podcasts auch nicht gedacht. Sturzlangweilig sein: Das können die kommerziellen und öffentlich-rechtlichen Anbieter deutlich besser. Dieses Feld sollten wir ihnen überlassen.

Verlässlichkeit am Beispiel Radio bedeutet aber, dass die Nachrichten immer zur vollen Stunde kommen und nicht mal um zehn nach, dann drei Stunden gar nicht und dann irgendwann zwischendurch wieder. Beim Radio ginge das auch gar nicht, weil es ein Medium ist, das dauerhaft läuft. Hörer kommen hinzu oder schalten ab, manche hören es schon seit dem Morgen. Allen diesen Hörern muss man gerecht werden.

Bei einem Podcast sieht es anders aus: Man hat eine abgeschlossene Sendung und kann darin die Bestandteile durchaus variieren.

Verlässlichkeit für den Hörer wäre hier aber, dass der Podcast regelmäßig erscheint. Und wenn es einmal nicht viel zu berichten gibt, dauert er eben nur 10 Minuten. Das ist der Vorteil am Internet: Wie ausführlich Du berichtest, hast Du (fast) komplett selbst in der Hand. Du bist nicht durch Sendezeiten oder die Anzahl der Zeilen beschränkt.

Verlässlichkeit bedeutet also beispielsweise Regelmäßigkeit.

Verlässlichkeit bedeutet auch: wiederkehrende Inhalte.

Die meisten Menschen mögen es, dass die Tagesschau immer um 20.00 Uhr kommt und sie zum Schluss die Wettervorhersage sehen. Diese beiden Punkte stehen fest. Zwischen 20-Uhr-Gong und Wettervorhersage kann es Variationen geben, je nach Nachrichtenlage.

Tageszeitungen hingegen haben heutzutage meist feste Rubriken: Es gibt eine Seite für Politik, für Kultur, für Wirtschaft, Sport, Lokales, Meinungen… Innerhalb dieser Rubriken gibt es außerdem oftmals wiederkehrende Inhalte: Das Interview am Freitag, die Reportage am Sonnabend, das tägliche Editorial mit einigen Gehversuchen in Sachen Satire usw.

Viele Leser mögen es, dass sie in etwa wissen, woraus die Zeitung besteht.

Verlässlichkeit ist also eine Qualität, mit der man punkten kann. Sie kann natürlich nicht ausgleichen, was von Grund auf schlecht ist. Wenn langweilige Texte immer freitags erscheinen, werden sie dadurch nicht besser. Logisch. Aber wenn spannende Texte immer freitags erscheinen, wird es zunehmend Leser geben, die genau das am Freitag erwarten, für die diese wiederkehrende Rubrik zu einem Teil ihres Tagesablaufs wird. Und wer es schafft, vielen Menschen einen Teil ihrer wertvollen Zeit abzuknapsen, hat es weit gebracht.

Diese Verlässlichkeit hat einen zweiten Vorteil: Man wird als Schreiber herausgefordert und kreativer.

Ich habe für UPLOAD beispielsweise mehrere Rubriken von vornherein eingeplant. “Trends” zeigt aktuelle Entwicklungen auf. “Tipps” gibt Ratschläge. “Beispiele” dreht sich um gute Weblogs, Podcasts, PDF-Magazine, Webseiten, Foren usw. “Menschen” stellt die Macher hinter den Kulissen vor. Ich kann mir nun vornehmen, in jeder dieser Rubriken mindestens einen interessanten Artikel pro Woche zu haben. Ich könnte mir ebenfalls für jede Rubrik einen Tag aussuchen, an dem auf jeden Fall etwas erscheinen soll.

Diese Terminierung führt dazu, dass ich mir konkrete Gedanken machen muss, wie ich diese Rubriken beispielsweise in der kommenden Woche ausfüllen möchte. “Trends” mache ich dabei von dem abhängig, was mir gerade begegnet. Alles andere aber lässt sich im Voraus planen. Positiver (!) Schaffensdruck regt die Kreativität an.

Ebenso ist es eine gute Idee, zu einem Thema mehr als einen Artikel zu verfassen. “Artikelserie” lautet hier das Stichwort. Dann kannst Du in Deinen Texten nicht nur ausführlicher zu Werke gehen, Du wirst auch Leser zum Wiederkehren animieren. Darüber kannst Du auch gut auf Dein Weblog aufmerksam machen. Stell die erste Folge beispielsweise als Pressetext bei openPR.de kostenlos ein und verweise auf die nächsten Folgen in Deinem Weblog. Auf solche und andere Möglichkeiten gehe ich noch ausführlich in einem Artikel (oder einer Serie…) ein.

Eine weitere Verlässlichkeit ist die inhaltliche Ausrichtung des Weblogs. Ich persönlich lese auch einige sehr chaotische Weblogs, bin aber doch zunehmend davon genervt, dass ich die mich interessierenden Artikeln zwischen vielen banalen und teils privaten Einträgen suchen muss. Für den Leser ist es wesentlich angenehmer, wenn er weiß, worum es auf der Seite geht. Ansonsten wird er im Zweifel irgendwann zu einem Konkurrenten abwandern, der ebenso gut, aber ohne Abschweifungen über das Thema berichtet.

Inhaltliche und konzeptionelle Verlässlichkeit bedeutet also: regelmäßiges Erscheinen, wiederkehrende Inhalte, klares inhaltliches Profil.

Ein solches Vorgehen hat zugleich bei einem neuen Weblog den Vorteil, dass es sich schnell mit Inhalten füllt. Schließlich solltest Du nie den Fehler machen, mit einem leeren Weblog zu starten. Aber auch das ist ein Thema für einen eigenen Artikel.

Lesetipp: Dossier Content für Marketing und Kommunikation

(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

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2 Gedanken zu „Erfolgsfaktor Verlässlichkeit

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