Besser denken – aber wie?

Denken kann jeder Mensch. Die Frage ist nur: Was geht eigentlich in unserem Kopf vor, wenn wir denken? Denn ständig müssen wir im Job Probleme lösen und Ideen entwickeln, doch selten machen wir uns Gedanken darüber, wie wir denken. Schule, Ausbildung und Studium vermitteln uns in der Regel logisch-analytische Denkweisen, die sich zweifelsohne in der beruflichen Praxis als nützlich erweisen. Logisches Denken ist jedoch nur eine von vielen Möglichkeiten, unseren Verstand einzusetzen. Laterale, kreative und vernetzte Denkstrukturen sind in einer komplexen (Arbeits-)Welt ebenfalls wichtig, um Aufgaben erfolgreich zu lösen. Wenn Denken kreativ, professionell und logisch-systematisch sein soll, können bestimmte Techniken und Vorgehensweisen hilfreich sein, um individuelle Denkprozesse bzw. das Denken einer Gruppe/eines Teams zu verbessern.

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Bild: Jeff Metzger – Fotolia.com

Trenne Ideensuche von Ideenbewertung

Die Kreativitätsforschung weist seit Jahrzehnten darauf hin, dass kreatives Denken zwei unterschiedliche Phasen durchlaufen muss, um erfolgreich zusein: Ideensuche und Ideenbewertung. Beide Phasen sind wichtig, sie sollten allerdings hintereinander – also zeitversetzt – und nicht gleichzeitig zum Einsatz kommen.

Die strikte Trennung von Ideensuche und Ideenbewertungkann man durchaus als “Grundregel der Kreativität” bezeichnen. Die Umsetzung dieser Regel stößt jedoch immer wieder auf große interne wie externe Widerstände. Fakt ist, dass wir häufig unsere eigenen Ideen erst gar nicht zu Ende denken, weil wir sie entweder für völlig absurd oder bedeutungslos erachten – unser Zensor im Kopf funktioniert recht gut! Hinzu kommt, dass viele Menschen im Berufsalltag die Erfahrung machen, dass ihre Meinungen und Vorschläge selten gefragt sind. Mal sind es die angeblichen Sachzwänge, die Neuerungen verhindern, mal blockt der Vorgesetzte eine Idee ab oder ein Kollege reagiert gleichgültig auf eine sinnvolle Verbesserung.

Orientiert man sich allerdings an der o.g.Grundregel, dann bedeutet dies, dass man sich in der Ideenspinnphase Zeitnehmen sollte, um Aufgaben und Probleme aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten und zunächst viele Einfälle zu sammeln. Wenn eine Idee entsteht, ist es für den kreativen Prozess tödlich, diese Idee just zu diesem Zeitpunkt kritisieren zu wollen. Analyse und Bewertung sind bei der Ideensuche fehl am Platz. Kritik ist wichtig, doch findet sie später statt und  orientiert sich zudem an bestimmten Bewertungskriterien wie Effizienz, Originalität u.a.

Schärfe deine Wahrnehmung mit Hilfe von Denktools

Wenn Denken optimiert werden soll, genügt es oftmals nicht, Ideen zu „brainstormen“ und anschließend zu evaluieren. Die Anwendung spezieller Denktools kann in diesem Zusammenhang eine große Hilfestellung sein. Es handelt sich dabei um kleine Werkzeuge, die primär dazu dienen, unsere Wahrnehmung zu schärfen.

Dr. Edward de Bono, ein bekannter Kreativitätsforscher, hat dazu einen “Werkzeugkoffer” entwickelt, derverschiedene Instrumente beinhaltet. Ein bekanntes Tool heißt beispielsweise PMI, das dazu animiert, eine Problemstellung unter drei Blickwinkeln zubetrachten:

  • P steht für: Was sind die positiven Seiten des Problems?
  • M steht für: Was sind die Minus-Aspekte?
  • I steht für: Was sind die interessanten Aspekte?

Zunächst wird drei Minuten lang über das Plus nachgedacht, dann wird im Anschluss drei Minuten über das Minus reflektiert und schließlich gilt es, innerhalb von drei Minuten mögliche interessante Punkte des Themas aufzulisten. Während des Denkens sollte man alle Ideen aufschreiben, diskutieren ist nicht erlaubt, und es darf auch nicht zwischen den drei Kategorien hin und her gesprungen werden. Erst nach jeweils drei Minutenwird die Perspektive gewechselt.

Neben PMI gibt es auch noch AGO, C & S, APC und einige andere Tools, die sich einzuüben lohnen. Die gute Nachricht dazu lautet: Alle Denkwerkzeuge sind leicht zu erlernen und helfen dabei, unsere gedankliche Routine zu verlassen und neue Ideen zu generieren.

Betrachte logisches Denken und Querdenken als Einheit

Wenn Lösungen für komplexe Aufgaben gesucht werden, orientieren sich viele Einzelpersonen und Unternehmen an Planungsinstrumenten, die häufig folgenden Ablauf umfassen:

  • Analyse der Ausgangssituation
  • Festlegung der Ziele
  • Festlegung der Maßnahmen
  • Festlegung der Mittel
  • Durchführung des Maßnahmen- und Mittelkatalogs
  • Evaluierung der Resultate

Es geht also zunächst um eine konkrete Problemerkennung, um eine Problemdefinition. Daraus folgend werden Ziele definiert und festgelegt. Eine intensive Ideensuche – oft gekoppelt mit verschiedenen Testversuchen – sollte in einer Lösungsfokussierung enden, die dann wiederum zu einer konkreten Entscheidung führt. Die Erstellung eines Umsetzungsplans bildet im Idealfall den krönenden Abschluss eines Problemlösungsprozesses.

So wichtig diese strukturierte Vorgehensweise auch ist, so sinnvoll ist es jedoch auch, Querdenk- und Kreativmethoden wie Kopfstand, Bisoziation, Scamper, 6-Hüte-Methode u.a. zusätzlich zu berücksichtigen. Denn nur wer logisch-analytische Instrumente und kreative Denktechniken als Ergänzung statt als Widerspruch begreift, kann die eigene geistige Fitness bzw. das geistige Potenzial einer Gruppe/eines Teams optimal ausschöpfen.

Über diesen Beitrag

090826-ruth-pink-buchDieser Beitrag stammt aus dem Buch “Denken – kreativ, professionell und systematisch“. Die Autorin Ruth Pink ist Diplom-Politologin und seit vielen Jahren als Trainerin und Coach in Medien-Unternehmen, Versicherungen, Banken/Sparkassen, Universitäten und öffentlichen Institutionen tätig.

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(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

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3 Gedanken zu „Besser denken – aber wie?

  1. Interessant. Geht aber meiner Meinung nach immer noch von der logisch-analytischen Denkweise aus. Und zwar ausschließlich. Das mag bei dem Einen oder Anderen fnktionieren, ist aber sehr ineffizient. Man kann Kreativität nicht durch logisch-analytische Methoden sozusagen simulieren. Jedenfalls nicht besonders effizient.

    Wenn man sich anschaut, wie Kinder lernen, dann fallen speziell zwei Dinge auf. Zum einen denken Kinder sehr assoziativ. Erfahrenes wird mit Gelerntem verglichen. Nicht rational, sondern in einem ganzheitlichen Mustererkennungsprozess. Abstraktionen entwickeln sich im Laufe der Zeit daraus. Diese Abstraktionen bilden die Grundlage für Analytik. Aber ohne diese Basis ist eine abgehobene Analytik ein ziemlich armseliges Hilfskonstrukt.

    Zum Zweiten wenden Kinder automatisch eine zweite wichtige Technik an: Ausprobieren. “Hands on”. Oder notfalls auch in den Mund stecken. Egal, jedenfalls ausprobieren. Nicht das gesamte Problem in seiner vielleicht unendlichen Komplexität theoretisch durchdenken, sondern das, was nahe liegt, ausprobieren. Man könnte das auch einen “spielerischen Umgang mit dem Naheliegenden” bezeichnen. Das Ausprobieren (Machen) liefert tief sitzende Erfahrungen, die unseren Denkprozess viel weitgehender beeinflussen und fördern als alles theoretisch Durchdachte. Machen heisst Eigeninitiative entwickeln, Entscheidungen treffen, Risiken eingehen. Dafür bekommt man ein Feedback, das intensiver und wertvoller ist als jeder stundenlange Vortrag.

    Ich halte daher von solchen Tools und vorgekauten Techniken nicht so arg viel. Das mag manchmal helfen. Aber das als Allheilmittel gegen eingefahrenes risikoarmes Denken einzusetzen löst kein einziges Problem. Ein eingleisig logisch-analytisches Denken durch logisch-analytische Methoden zu durchbrechen, gleicht dem Versuch, den Teufel durch Beelzebub auszutreiben.

    Stattdessen hilft es, ganz generell im Leben Interesse an seiner Umwelt zu entwickeln. Und zwar definitiv nicht nur an den zielführenden Dingen, sondern an allen. Beispiel: Wenn ich durch die Stadt gehe, weil ich in eine bestimmte Pizzeria will, dann ist nicht nur der zielführende Ausschnitt des Stadtplans wichtig. Dann ist das Schuhgeschäft an der Ecke genauso wichtig. Die spielenden Kinder im Hinterhof, an dem ich gerade vorbeikomme. Der Geruch vom Döner auf der anderen Seite. Die Tauben, die gerade vom Rentner gefüttert werden. Temperatur, Windgeschwindigkeit und Sonnenscheinintensität. Menge und Art des Drecks auf der Straße. Und so weiter. Alles Dinge, die auf den ersten Blick überhaupt Nichts mit dem angepeilten Besuch dieser bestimmten Pizzeria zu tun haben. Aber alles Dinge, die trotzdem dazu gehören und wichtig sind. Sowas kann man üben. Etwas salopp gesagt entsteht Kreativität aus intensivem Erleben.

  2. Hallo Siegfried,

    erstmal vielen Dank für den langen Kommentar. Um eventuelle Missverständnisse zu klären: Ich behaupte gar nicht, dass man log.-analyt. Methoden durch Kreativität simulieren kann. Ich behaupte vielmehr, dass kreative und analy. Denktools und Methoden sich ergänzen und bei der Suche nach Problemlösungen in unterschiedlichen Zeitphasen zum Einsatz kommen sollen.

    Ich weiß natürlich nicht, welche Tools und “vorgekaute Techniken” Du kennst, ich weiß allerdings, dass das Wissen und das Einüben von bestimmten Methoden sehr hilfreich ist, um die eigenen Denkroutinen zu verlassen und “besser” im Sinne von weitergehender, intensiver zu denken. Ich beschäftige mich seit vielen Jahren mit kreativen und systemat. Problemlösungsstrategien und sehe immer wieder, wie erfolgreich sie sein können – vorausgesetzt man beschäftigt sich intensiv damit!

    Schön finde ich, wie Du den Umgang Umgang mit Kreativität als intensives Erleben beschreibst, indem Du zielführend und gleichzeitig assoziativ vorgehst. Dinge zusammenzubringen, die zunächst nichts mit dem “eigentlichen” Thema zu tun haben, ist ein wesentlicher Bestandteil kreativen Denkens. Aber wie gesagt: In meinem Buch geht es um die Verquickung verschiedener Denkweisen, nicht nur um Kreativität.

    Gruß, Ruth

  3. Ich verstehe, was Du meinst. Und vermutlich hast Du Recht. Aber in der Praxis sehe ich immer wieder, dass solche Kreativitätstools unter Ausklammerung aller nicht unmittelbar zielführenden Gedanken benutzt werden. Und diese Art der Verwendung bringt Nichts. Du hast das ja anfangs schon erwähnt. Man sollte erst sammeln, und später bewerten und selektieren. Aber dieser Gedanke kommt in der Praxis immer zu kurz. Ebenso kommen ähnlich gelagerte Fälle bei Problemlösungsstrategien zu kurz. Wenn überhaupt, dann kommen ähnlich gelagerte Fälle nur dann zum tragen, wenn diese Fälle in der Firma selbst aufgetreten sind.

    Dazu kommt eine Beschränkung, die alle diese Tools leider haben: Sie sind zweidimensional und vom Platz her begrenzt. Wenn man zu viel hineinpackt, wird es unübersichtlich.

    Desweiteren habe ich immer feststellen müssen, dass mit Hilfe solcher Tools immer das Gesamtproblem als Ganzes angegangen wurde. Dabei entstehen gute Ideen sehr oft, indem man gewisse Teile einfach mal macht. Mut zur Lücke sozusagen. Gut Ding will Weile haben.

    In einer Hinsicht gebe ich Dir allerdings komplett Recht. Diese eher intuitive Methode, die ich oben angesprochen habe, reicht alleine nicht aus. Sie ist ein erster und notwendiger Schritt. Aber ohne eine Konkretisierung, von mir aus auch gerne mit Hilfe solcher Tools, geraten kreative Ideen in Vergessenheit, und zwar sehr schnell.

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