E-Commerce: Mit dem richtigen Payment-Mix zum Erfolg

Bietet ein Onlineshop nicht die richtigen Zahlungsmethoden an, kann allein dieser Fehler zu etlichen Abbrüchen kurz vor dem Kauf führen. Das ist nicht nur für den Händler ärgerlich, sondern auch für den Kunden. Tobias Langmeyer von der dynamic commerce GmbH stellt Ihnen in diesem Beitrag die wichtigsten Methoden und Anbieter vor.

(Illustration: © masha_tace, depositphotos.com)

So wichtig sind die richtigen Zahlungsmittel in Onlineshops

In wenigen Tagen vom ersten Grafikdesign bis zum Go-Live – der Start ins E-Commerce war nie leichter als heute. Dennoch gibt es viele Faktoren, die einem erfolgreichen Start ins Online-Geschäft entgegenstehen. So ist die Auswahl der richtigen Zahlungsmethoden eine wichtige Entscheidung für jeden Online-Händler.

Fehlt die bevorzugte Zahlungsmethode im Checkout-Prozess, kann dies der Grund für einen Kaufabbruch sein. In einer Studie gaben 78% der Befragten an, schon mindestens einmal einen Online-Kauf abgebrochen zu haben, da für sie kein passendes Bezahlverfahren angeboten wurde. Über die Hälfte von ihnen erleben das häufiger oder sogar regelmäßig. 

Die Auswahl des richtigen Payment-Mix ist entscheidend für den Erfolg im E-Commerce sowie den Aufbau eines festen Kundenstammes und von Fans.

In einer Customer Journey kann es je nach Produktart und Höhe des Kaufs mehrere Tage oder sogar Wochen dauern, bevor sich ein Kunde zum Kauf entschließt. Erfolgt im letzten Schritt vor der Conversion ein Kaufabbruch, ist das fatal und besonders ärgerlich – für den Kunden und auch für den Online-Händler. Die Auswahl des richtigen Payment-Mix ist entscheidend für den Erfolg im E-Commerce sowie den Aufbau eines festen Kundenstammes und von Fans. 

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Übersicht über beliebte Online-Zahlungsarten

Kreditkarte

Die Bezahlung durch die direkte Eingabe der Kreditkarten-Daten erfreut sich bei Online-Shoppern in Deutschland großer Beliebtheit. Pflicht sind Visa und Mastercard, zusätzlich kann noch über die Anbindung von American Express nachgedacht werden.

Zu beachten gibt es aktuell, dass Online-Händler bis zum 31.12.2020 3D Secure 2 für Kreditkartenzahlungen unterstützen müssen. Ab diesem Zeitpunkt werden keine Kreditkartenzahlungen mehr ohne 3D Secure 2 akzeptiert. Bei dieser Zwei-Faktor-Authentifizierung muss ein Kunde in der Regel eine Push-Benachrichtigung auf dem Smartphone bestätigen. 

E-Wallets 

Virtuelle Geldbörsen (E-Wallets/Cyberwallets) ermöglichen es Online-Käufern, Guthaben im Kundenkonto zu verwalten oder Kaufbeträge im Nachgang über die bevorzugte Zahlungsweise einziehen zu lassen. Am häufigsten erfolgt dies über die hinterlegte Kreditkarte, weitere Optionen sind Überweisungen oder das Lastschriftverfahren. Ein weiterer Vorteil von E-Wallets ist, dass häufig auch Adressdaten an den Webshop übermittelt werden können und diese im Bestellprozess nicht noch einmal angegeben werden müssen („Express-Checkout“).

Vor allem PayPal hat sich hier fest im deutschen Markt etabliert und darf in keinem Online-Shop fehlen. Beliebt ist PayPal bei Verbrauchen vor allem wegen der Sicherheit und dem Komfort, den diese Zahlungsoption bietet. Sensible Informationen bleiben zentral beim Zahlungsanbieter gespeichert. 

Fast jeder Online-Shopper hat einen Amazon Account. Von der hohen Verbreitung profitiert Amazon Pay. Das eigene Amazon-Konto können Nutzer bequem im Bezahlvorgang nutzen und mit dem hinterlegten Zahlungsmittel bezahlen. 

Seit dem Start vor knapp zwei Jahren ist Apple Pay zwar in Deutschland noch nicht ganz so weit verbreitet, verfolgt allerdings denselben Ansatz wie PayPal: Kunden bezahlen damit ebenfalls online, ohne zusätzliche Kreditkarten- oder Bankdaten im Shop angeben zu müssen. Besitzer von Apples neuesten Laptops bezahlen per Touch-ID bequem per Fingerabdruck. Auf iPhone und iPad werden je nach Modell Touch-ID oder Face-ID genutzt.

Paydirekt war die verspätete Antwort der deutschen Bankenwelt auf PayPal. Es konnte sich nie durchsetzen und konsequenterweise wurde nun gerade das Ende der Marke Paydirekt bekannt gegeben. Es wird nun unter anderem mit Giropay (siehe unten) zusammengefasst. 

Direktüberweisungen

Einfach und unkompliziert für alle Benutzer von Online-Banking ist die Einbindung von Direktüberweisungen. Kunden schließen die Bestellung einfach mit ihren Online-Banking-Daten ab. Unmittelbar danach erhalten sie eine Transaktionsbestätigung und Händler können die Bestellung sofort bearbeiten. 

Führender Anbieter für Direktüberweisungen ist Klarna Sofort (ehem. Sofortüberweisung), der über die Jahre eine weite Verbreitung und Akzeptanz aufbauen konnte. Obwohl es für manche Kunden immer noch abschreckend sein kann, Online-Banking-Daten an Drittanbieter zu geben, erfreut sich Klarna Sofort wachsender Beliebtheit – vor allem beim Bezahlen größerer Beträge.

Giropay, die Direktüberweisung der deutschen Banken, überspringt zwar externe Dienstleister, ist im deutschen E-Commerce-Markt allerdings eher mäßig erfolgreich. Seit 2019 ist Giropay auch ohne einen gesonderten Account nutzbar und kann von Girokonto-Besitzern der meisten Banken unkompliziert in Anspruch genommen werden. 

Rechnungskauf

Hierzulande zählt der Rechnungskauf nach wie vor zu den beliebtesten Zahlungsweisen. Immerhin stellt er für die meisten Kunden die sicherste Zahlungsform in Onlineshops dar und ermöglicht die Prüfung der Ware vor der Bezahlung.

Allerdings kann das Anbieten dieser Zahlungsweise Betreiber von Onlineshops vor verschiedene Herausforderungen stellen: So erbringt der Verkäufer die Leistung bereits vor der Bezahlung durch den Käufer und hat im Falle eines Zahlungsausfalls das Risiko des Warenverlusts zu tragen. Möglichkeiten, das Ausfallrisiko beim Online-Rechnungskauf zu senken, sind zugleich oft mit erheblichem Mehraufwand verbunden. 

Hier sorgen Anbieter wie Klarna oder Payolution für Abhilfe: Kunden geben ihre Rechnungsinformationen im Checkout direkt an den Anbieter weiter. Nach einer sofortigen Bonitätsprüfung erfolgt eine Bestätigung des erfolgreichen Bestellabschlusses an den Kunden. Bei negativer Rückmeldung wird der Kunde aufgefordert, eine andere Zahlungsmethode zu wählen.

Das Anbieten von Rechnungskauf durch einen oder mehrere Payment-Anbieter kann somit eine wenig aufwändige und leichter kalkulierbare Alternative darstellen, da auch das Risiko von den Anbietern übernommen wird. Sie erledigen dann allerdings auch das Mahnwesen, was die Beziehung zum Kunden möglicherweise belasten könnte. 

Ratenkauf

Um zu vermeiden, den Ratenkauf in Eigenregie anbieten zu müssen, lohnt es sich, auf einen professionellen Anbieter wie Klarna oder Ratepay zurückzugreifen. Diese wickeln den gesamten Antrag inklusive Risikoprüfung online ab und sagen sofort zu, sodass der Betrag zeitnah an den Händler ausgeschüttet und Produkte direkt versendet werden können. Da der Kunde meist die Kosten der Ratenzahlung trägt, kann diese Zahlart für Händler mit mittleren und hohen Warenkorbhöhen schnell profitabel sein.

Vorkasse und Nachnahme 

Für Online-Händler wären Vorkasse und Nachnahme denkbare Lösungen, um sicher an das Geld ihrer Kunden zu gelangen. Der Prozess ist jedoch alles andere als optimal, da die Zahlung überwacht werden muss und der Händler bei Nachnahme bei Nichtannahme des Pakets auf den Kosten sitzen bleibt. Ebenso für die Kunden sind diese Zahlarten mit Unsicherheit verbunden und daher entsprechend unbeliebt. Sie sollten daher nur in Ausnahmen angeboten werden. 

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Grundlegende Tipps zur Auswahl

Während es im stationären Handel eher selten vorkommt, dass sich Kunden noch nach dem Einscannen der Artikel an der Kasse gegen einen Kauf entscheiden, muss der E-Commerce bis zum Schluss gegen Kaufabbrüche kämpfen. Für den Erfolg im E-Commerce und den Aufbau der perfekten Customer Journey ist ein bunter Payment-Mix deshalb unerlässlich.

Die Entscheidung für die richtige Auswahl ist allerdings nicht leicht. Hierbei sollten Anbieter die wichtigsten Ziele nicht aus den Augen verlieren: 

  • Kaufabbrüche verhindern 
  • Kosten und Risiken gering halten 
  • Verzögerungen vermeiden

Dass es hierfür nicht die eine richtige Lösung gibt, liegt an dem unterschiedlichen Kundenverhalten – je nach Zielgruppe und Branche. Junge, tech-affine Kunden haben oft hohe Ansprüche an die technische Einbindung und möchten mit den neuesten Payment-Möglichkeiten wie Apple Pay bezahlen können. In Fashion Shops wären die ohnehin hohen Retourenquoten zwar durch das Einschränken auf Vorkasse-Methoden wie PayPal, Klarna Sofort, Kreditkarte & Co. etwas reduzierbar, allerdings würde die Abbruchquote rasant in die Höhe steigen. Für Kunden ist der Rechnungskauf in diesem Bereich nun mal ein entscheidendes Kriterium im Auswahlprozess.

Gerade in Branchen mit einem hohem Betrugsrisiko, wie bei Tech-Shops oder Online-Juwelieren, ist die Sicherheit des Zahlungsmittels für den Betreiber unerlässlich. Hier können zusätzliche Angebote wie Ratenkauf oder Finanzierung zusätzliche Verkäufe generieren. 

Schlusswort

Letztendlich ist es also entscheidend, die Zielgruppe im Vorhinein gut zu analysieren, um auf dieser Grundlage die Entscheidung für ein ausgewogenes Zahlungs-Portfolio zu treffen. Besonders wichtig ist es dann, das Verhalten der Kunden und deren genauen Zahlungsvorlieben kontinuierlich zu prüfen. Nur so lässt sich sicherstellen, dass keine wichtigen Zahlungsmethoden übergangen wurden und bei Bedarf kann nachgebessert werden. 


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 85

Wir bezahlen heute zwar meist noch immer mit Euro oder Franken, aber wie wir den Kauf abschließen, wie wir unser Geld verwalten und wie die Abläufe hinter den Kulissen funktionieren, wandelt sich. In dieser Ausgabe schauen wir uns das aus drei Perspektiven an. Der erste Beitrag versammelt viele Zahlen und Fakten dazu, wie sich die Zahlungsgewohnheiten ändern. Gerade in diesem Jahr hat die Coronaviruskrise das Bild stark verändert. In einem weiteren Artikel zeigen wir auf, wie der richtige Payment-Mix für einen erfolgreichen Onlineshop aussehen muss. Und der dritte im Bunde ist ein Fachbeitrag zum Wandel der Finanzwelt und erklärt, was es mit „Decentralized Banking“ auf sich hat. Dazu haben wir wieder zwei Bonus-Artikel für Sie: Lesen Sie darin, wie Sie eine internationale Linkmarketing-Kampagne aufziehen können und wie was Ihr Shopsystem mitbringen muss, damit es fit für SEO ist.

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