Die Zukunft des Internets: 12 Personen schauen in ihre Glaskugeln …

Für unsere Ausgabe 100 und das Schwerpunktthema „Zukunft“ haben wir einen kurzen Fragebogen verschickt. Wir wollten unter anderem wissen, wie das Internet in 10 Jahren aussehen könnte und worüber wir bis dahin sicher nicht mehr sprechen werden. 12 Personen waren so nett, ihre Glaskugeln hervorzuholen …

(Foto: cottonbro, Pexels)

Teilnehmer:innen

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Was ist ein großes Thema in 10 Jahren?

Rechtsanwältin Nina Diercks:

„Nach den vorfindlichen Headlines wie ,Die KI wählt die Bewerber aus‘, ,Polizei greift auf KI zurück‘ oder ,KI macht Lkw-Fahrer überflüssig‘ scheint es so zu sein, als sei die ,KI‘ schon mitten unter uns und in zehn Jahren folglich kein Thema mehr. Wer sich aber intensiver mit der Thematik beschäftigt weiß, dass es eine ,echte‘ künstliche Intelligenz, in dem Sinne als dass diese wie ein menschlichen Hirn Verknüpfungen herstellen könnte, nicht gibt und auf absehbare Zeit auch nicht geben wird. Was hingegen immer besser wird, ist hochkomplexes machine learning – gemeinhin eben als KI bezeichnet.

Ich denke, dass in 10 Jahren die ethischen wie rechtlichen Fragen um das Thema KI – und zwar in allen möglichen Lebensbereichen – ein großes, dominierendes Thema sein werden. Zwar gibt es selbstverständlich jetzt schon Menschen und Thinktanks wie etwa den Ethik-Beirat HR Tech oder das Zentrum für vertrauenswürdige Künstliche Intelligenz, die sich hier vertieft auseinandersetzen. Und auch findet das Thema KI bereits Eingang in die (europäische) Gesetzgebung, so etwa die Fragen zu KI und Strafverfolgung. Dennoch werden diese Fragestellung in 10 Jahren viel realer und viel lebensalltäglicher sein. Bis dahin müssen deswegen belastbare Regularien und Rechtsdurchsetzung für KI-Anwendungen und Systeme entstanden sein. Es wird ein außerordentlich spannender Rechtsbereich des täglichen Lebens werden.“

Leander Wattig: „Wir werden uns immer weiter dem Mensch und seiner Funktionsweise annähern. Also weg von Schrift hin zu Sprechen und Visuellem, weg von Standbildern hin zu Bewegtbildern, weg von Tippen hin zu Sprach- und Gestiksteuerung. Mit allen heute noch gar nicht absehbaren Konsequenzen und Wechselwirkungen. Vielleicht gelingt es uns bis dahin sogar, noch weitere Sinne wie das Riechen oder die taktile Wahrnehmung einzubinden.

Klaus Eck:

2032 gewinnt Retro-Media an Fahrt. Aufgrund der Verwirrungen und Verirrungen in den verrückten 20er Jahren geht es in den 30er Jahren darum, wieder mehr Orientierung zu erhalten. Der vergessene RSS-Feed ermöglicht es jedem Onliner – also allen – überall zu jederzeit individuelle Informationen passend zusammenzustellen.

Damit erfährt das Lesen im dominierenden Videozeitalter wieder eine Renaissance. Von den Videochats, dem Video-Entertainment und den Videonachrichten des Streamingzeitalters werden wir uns dann wieder lösen und feststellen, dass automatisierte Infowelten auf Text- und Bildebene uns glücklicher machen.

Alle Videos lassen sich unmittelbar in Comics übersetzen und passend zu den bisherigen Content-Nutzungsgewohnheiten einsetzen. Das zweite ,Goldene Zeitalter‘ der interaktiven Retro-Social-Media-Comics wird ’32 eingeläutet.“

Gunnar Sohn: „In zehn Jahren werden wir uns über verpasste Chancen im Klimaschutz und bei der Verkehrswende unterhalten. Wir leisten uns kleinteilige Diskussionen über Sinn und Unsinn von Homeoffice, etwa über die Gefahr des Alkoholismus in den eigenen vier Wänden. Dabei sind die Chancen doch eindeutig: Fast jeder zweite Arbeitsplatz in Deutschland könnte dezentral organisiert werden. Wir könnten in Deutschland auf zirka 9 Millionen Pkws pro Tag verzichten, die sich morgens und abends durch den Berufsverkehr quälen. Mit solchen Themen werden wir uns auch in zehn Jahren noch herumschlagen.“

Ute Blindert: „Momentan haben eigentlich die guten Leute gefühlt den Kaffee auf. Sie haben den Eindruck, dass das Netz eher zu einem oberflächlichen und verletzenden Ort wird. Ich finde, es ist ein wichtiges Thema, ob die Plattformen sich ihrer Verantwortung bewusst werden und auch danach handeln.

Christiane Brandes-Visbeck:

  • Neues Wirtschaften. Klassische Businessprozesse mit Systemen aus der Natur zu mergen.
  • Zunehmende Individualisierung vs. globale Vernetzung.

Torsten Materna: „Wearables und Sprache. Die Benutzung des Internets wird sich weiter verändern. Menschen werden noch bequemer kommunizieren wollen, als jetzt. Die Sprachbedienung kann und wird durch Fortschritte bei Technologie und Entwicklung besser und interessanter sein.“

Frank Bueltge:

„Die Vernetzung von Alltag, Berufsleben und Wirtschaftsthemen schreitet voran, so dass Themen der Zukunft sehr stark an Bandbreite, Netzausbau gekoppelt sind. Noch immer werden Teile der Gesellschaft dieser Welt unterschiedlich gut auf das Internet und die damit verbundenen Inhalte zugreifen können, noch immer haben wir Unterschiede in der Gesellschaft, die dies begünstigt.

Ein großes Thema ist für mich nur indirekt mit dem Internet in Bezug zu sehen, bildet sich dort aber ebenso ab – Geschwindigkeit. Menschen werden weiterhin mit einem hohen Tempo neue Lösungen fordern. Die Pandemie zeigt nicht, dass es mit Fokus auf weniger wirtschaftlich getriebene Themen ginge, dass Themen in mehr Zeit besser oder gleich getrieben werden können. So werden wir im Internet weiterhin sehen, wie Lösungen ohne vorherige Zugriffs-, Sicherheits- oder Kommunikationskonzepte landen, die zu diversen Folgeproblemen führen, die die Schnelllebigkeit fördern.

Das Internet wird mehr noch mit Dingen des Alltags verbunden sein, ein Verstehen der Menschen bleibt aus, es ist Teil unseres Lebens geworden. Prozesse werden so gestaltet sein, dass gar Einzelne in Abhängigkeit geraten und den Alltag ohne das Netz kaum bewältigen können. Das Automobil hatte den Stellenwert in den letzten Jahrzehnten, es wird vom Internet abgelöst.“

Sebastian Schürmanns:

  • Monopole
  • Regulierung
  • Privacy und Selbstbestimmung
  • IT-Sicherheit
  • Green-IT
  • Digital-Flucht

Meike Leopold: „Das Metaverse wird dann einige Entwicklungsstufen weiter sein. Wir bewegen uns idealerweise anonym und mit Hoheit über unsere Daten durch verschiedene Welten, die unterschiedlichste Bedürfnisse bedienen und seamless miteinander verbunden sind.“

Petra Sammer: Robotik, Metaverse, KI

Ich glaube, in zehn Jahren werden im Bereich Digitales drei Themen dominieren:

  1. Die Koexisistenz von Maschine und Mensch (Robotik)
  2. Das Internet als immersiver Raum (Metaverse)
  3. Chancen und Risiken selbstlernender Computer (künstliche Intelligenz)

Die Koexistenz von Maschine und Mensch

Schon heute dringen Roboter oder roboterähnliche Maschinen in unseren Alltag ein: sie staubsaugen oder mähen unseren Rasen. Und in vielen Unternehmen sind sie heute schon unumgänglich: sie setzen Autos zusammen und übernehmen gefährliche Jobs, wie Bombenräumung. Und doch stehen wir ihnen kritisch gegenüber und können uns den Einsatz in ganz anderen Bereichen wie zum Beispiel in der Krankenpflege, nur schwer vorstellen oder spielen diese Idee als japanische Technikverliebtheit herunter.

In  den kommenden zehn Jahren wird sich das ändern. Schleichend. Maschinen – Automaten und Roboter – werden bessere Software bekommen und ausgereiftere Motorik. Damit sind viel mehr Einsatzgebiete möglich. Sie werden eine entscheidende Rolle in unserem Alltag spielen, wir werden immer mehr Aufgaben an sie delegieren und sie nach und nach als selbstverständlich ansehen.

Wir werden uns an sie gewöhnen. Zum Beispiel im Transport mit selbstfahrenden Bussen, selbstfahrenden Autos und auch automatisierten Lieferdiensten. Roboter werden mehr und mehr das Thema Reinigung übernehmen mit sensorgesteuerten Kehrmaschinen auf öffentlichen Straßen und in öffentlichen Gebäuden. Auch im Service werden wir von mehr und mehr Automaten und Robotern bedient werden z.B. bei der Essensausgabe in Kantinen  und Schnellrestaurants oder auch im Einzelhandel.

Und diese Geräte werden mit uns kommunizieren. Sie werden uns erkennen, uns persönlich ansprechen und aufgrund ihres Algorithmus und Big Data unsere Wünsche erkennen und adaptieren. Und wir werden eine Beziehung zu ihnen aufbauen. Schon heute gibt ein Großteil der Besitzer von Saugrobotern oder Mährobotern ihrer Maschine einen Spitznamen. Viele sehen diesen Roboter als Teil der Familie an.

Diese „persönliche“ Beziehung zu Automaten und Robotern wird zunehmen und wir werden in zehn Jahren ethische Fragestellungen diskutieren, in wieweit Roboter eigene „Persönlichkeitsrechte“ haben. Das Verhältnis „Mensch zu Maschine“ wird massiv diskutiert werden.

Schon heute lassen wir Technolgie wesentlich näher an uns ran. Das Smartphone haben wir immer dabei. Smarte Uhren oder Brillen sind noch näher an unserem Körper und auch sie übermitteln uns heute schon Nachrichten und E-Mails. Diese Nähe wird zunehmen in Form von Wearable Electronics in Kleidungsstücken wie T-Shirts oder Schuhen.

Sind diese Geräte dann ein Teil von uns? In 10 Jahren werden wir uns ernsthaft mit der ethischen Frage von sog. „Cyborgs“ beschäftigen: Das sind Menschen, dies sich mechanische Teile oder auch computerunterstützte Mechaniken in ihren Körper einbauen lassen. Nicht nur, um ein persönliches Handicap oder eine Behinderung zu überwinden, sondern auch, um den menschlichen Körper gezielt zu optimieren.

Das immersive Internet

Das Internet, wie wir es heute kennen, wird es in zehn Jahren noch geben, es wird aber an Bedeutung verlieren. Denn Webseiten und Social-Media-Plattformen werden zukünftig in neuer Darstellungsweise konsumiert werden – als virtuelle, immersive Welt. Mark Zuckerberg nennt es das „Metaverse“. IT-Visionäre sprechn schon lange vom Metaversum.

Anstatt also auf Google nach eine Webseite zu suchen und Seiten zu scrollen, anstatt auf einer Unternehmens-Webseite das Menü zu studieren und dann Seite für Seite nach Informationen zu suchen, geht man im Metaversum in ein virtuelles Gebäude, das sehr real aussieht. Diese Darstellung ist zweidimensional am Bildschirm oder mittels einer Brille dreidimensional. Man geht von Raum zu Raum, begegnet „Menschen“, dies sind Avatare echter Menschen oder Bots. Ihnen kann man dann eine Frage stellen, mit ihnen diskutieren und interagieren und kommt so viel einfacher zur gesuchten Information. 

Social-Media-Plattformen sind dann auch keine langen Listen mehr, die man endlos durchscrollt und auf denen man unter kleinen Bildchen einen Kommentar oder ein Emoji eintippt. Sondern man geht in eine virtuelle Stadt mit öffentlichen Plätzen, virtuellen Bars und Cafes oder auch virtuellen Co-Spaces und Meetingräumen, um sich öffentlich mit seinen Followern zu treffen oder privat mit seinen Freunden – in Form von Avataren.

Der Vorteil dieser Darstellungsform: Sie ist intuitiv, einfach nutzbar und leicht zu steuern. Sie macht einfach mehr Spaß. Das Metaversum bietet ein wesentlich attraktiveres User Interface,  ist unterhaltsamer und hält unendlich kreative und monetäre Möglichkeiten bereit. Es wird nach und nach das alte Internet verdrängen. Damit wird sich die Art und Weise, wie wir Informationen aufnehmen, wie wir Medien konsumieren, wir wir andere informieren, wie wir soziale Kontakte virtuell pflegen verändern.

Die Kompetenzen von Programmierern, Game-Entwicklern, visuellen Künstlern und virtuellen Storytellern wird enorm wichtig werden. Gleichzeitig werden wir uns in zehn Jahren aber auch mit neuen Krankheitssymptomen beschäftigen müssen, mit psychologischen Folgen der Coexistenz von realer und virtueller Welt. Suchtprävention und Suchtbehandlung werden neue Betätigungsfelder für Ärzte und Therapeuten werden, denn immer mehr Menschen werden längere Zeit online verbringen – mit Auswirkungen auf deren Gesundheit, deren Psyche, aber auch auf das das soziale Miteinander in der Gesellschaft.

Lernende Computer

Und noch ein Thema wird in zehn Jahren dominierend sein – das wohl wichtigste: die Diskussion um die Gefahren selbstlernender Computer. Vieles, was wir heute „künstliche Intelligenz“ nennen, ist gar keine „KI“ (oder „AI“ – Artificial Intelligence). Wenn die Definition von KI ist, dass ein IT-System menschliche Fähigkeiten besitzt, dann währen wir heute schon ausschließlich von künstlich intelligenten Computern umgeben, denn die meisten unserer Alltagscomputer heute können sehen (Kamera) und hören (Mikrophon). KI muss also eine komplexere Bedeutung haben.

Spannend wir es dann, wenn Software so gebaut ist, dass sie nicht nur menschliche Fähigkeiten bzw. Sinne simuliert, sondern wenn sie so gestaltet ist, dass das IT-System selbständig lernt und ohne Hilfe menschlicher Programmierer weitere Fähigkeiten entwickelt und hinzugewinnt. Diese Softwareprogramme gibt es heute bereits, doch wir stehen erst am Anfang bei der Erforschung der Möglichkeiten und Risiken.

In zehn Jahren beginnen wir mit der Kraft von Quantencomputern zu arbeiten – die Möglichkeiten werden daher ins unendlich wachsen. Und damit auch die Möglichkeiten selbstlernender Systeme. Wie man sie nutzt und beherrscht, wird in zehn Jahren ein entscheidendes Thema sein.

Schlimm ist in diesem Zusammenhang leider der Ausblick auf mögliche Bedrohungen durch diese Systeme. In zehn Jahren werden wir massiv mit Cybercrime zu tun haben – und auch mit Cyberwars. Dieses wird zum größten Krisenszenario anwachsen – in einer Zeit, nach der wir hoffentlich die Klimakrise irgendwie noch in letzter Minute abgewendet haben, bzw. es geschafft haben, einigermaßen mit deren Folgen zu leben.


Über welches Thema sprechen wir in 10 Jahren hingegen nicht mehr?

Rechtsanwältin Nina Diercks:

In zehn Jahren sprechen wir hoffentlich nicht mehr über ,unsinnigen‘ Datenschutz. Was meine ich als Rechtsanwältin, die den lieben langen Tag Datenschutzrecht macht und die sowohl Datenschutz wie Datensicherheit für außerordentlich wichtig hält, damit? Das Folgende:

Derzeit gibt es nicht nur ernsthafte Debatten darüber, ob eine IP-Adresse, die bei Aufruf einer Webseite auch zeitgleich vom Nutzer an einen Cloud-Delivery-Network (CDN) übermittelt wird, die Verarbeitung eines personenbeziehbaren Datums im Sinne der DSGVO darstellt, sondern auch ob der Webseitenbetreiber (sic!) diese IP-Adresse ,übermittelt‘ und deswegen dem armen Nutzer Schadensersatz zahlen muss. Falsch. Es gibt nicht nur solche Debatten. Es gibt gar solche Gerichtsentscheidungen. (Konkret ging es in der Gerichtsentscheidung um Google Fonts, aber das ist das gleiche in grün.)

Ich gehe davon aus, dass 2032 solche Debatten und Gerichtsentscheidungen der Vergangenheit angehören. Die Debatten und Gerichtsentscheidungen werden ihren Kinderschuhen entwachsen, vor allem da das technologische Verständnis auch bei Behörden wie Gerichten größer wird. Das wird zwangsläufig dazu führen, dass derartige Entscheidungen, über die halbwegs technisch versierte Menschen nur den Kopf schütteln können, nicht mehr zur traurigen Erheiterung derselben beitragen.“

Leander Wattig: „Ich bin guter Hoffnung, dass wir in 10 Jahren nicht mehr sinnlose Diskussionen analog vs. digital führen, weil dann alles (noch stärker) verwoben ist und wechselwirkt. Für mich waren diese Gegensätze immer schon künstlich.“

Klaus Eck: „Die Debatte um den bisherigen Datenschutz, der uns lieber auf Fax als auf digitale Kommunikation ausweichen ließ, ist vorbei. Stattdessen geht es um Datenmut und Datensouveränität. Ansonsten hätte Deutschland keine Chance gegenüber dem Wettbewerb in den USA und China gehabt.“

Gunnar Sohn: „Kleinteilige Themen, die mit ,Die Leute‘ anfangen und dann in irgendwelchen moralistischen Appellen und Ermahnungen münden.“

Ute Blindert: „Langsames Internet und fehlende Beteiligung. Hier hat Deutschland in Europa enorm aufgeholt und auch die digitale Bildung vorangetrieben. Zu manchen Themen haben wir eine kluge, aufgeschlossene Haltung entwickelt: Datenschutz ja, aber im Sinne des Bürgers und der Demokratie. eGovernment ist ordentlich weit und die letzten Lücken werden geschlossen.“

Christiane Brandes-Viesbeck:

  • Diesel
  • Arbeitsort
  • Ablage (Ordner)
  • im Büro
  • Frauenquote

Torsten Materna: „Smartphones. Das Thema ist eigentlich schon ausgereizt. Es gibt keine wirklichen Innovationen bei dem Gerät mehr. Das Internet wird sich einen anderen Weg suchen …“

Frank Bueltge: „Ich hoffe, wir reden nicht mehr über Bandbreite und flächendeckender Zugriff. Ich mag es ab und an Offline zu sein, aber gern selbst gewählt und ich möchte nicht darüber streiten oder die Entscheidungen gar politischen Ebenen und Strukturen überlassen sehen, wer und wie man Zugriff haben sollte. Die Bandbreite dagegen wird wohl noch lange ein Thema bleiben, da Bedarfe steigen und Anwendungen damit wachsen.“

Petra Sammer:

  • Klimawandel … in zehn Jahren sind die Weichen gestellt. Ich hoffe, die richtigen. Und alle Maßnahmen, auch digitale – Software, Hardware – muss strengen klimaneutralen Richtlinien folgen.
  • Social Media als Begriff: Ähnlich wie der Begriff „Web 2.0“ wird auch der Begriff „Social Media“ verschwinden. „Media“ wird gesamthaft als „Informations- und Austausch-Medium“ verstanden werden. Social Media, sowie auch Journalismus und Unternehmenskommunikation werden im Metaversum nebeneinander und gleichwertig ihren Platz finden.
  • Facebook und Instagram: beide werden komplett anders aussehen, zu einer Plattform verschmolzen sein und sich eher als „Welt“ (wie Franchising) verstehen, anstatt als Medium. Vielleicht sprechen wir noch über TikTok … das hängt aber sehr von der politischen Lage ab und wie stark China diese Plattform als Propagandamittel nutzt.
  • Cookies … total totes Thema
  • Bots … sind ja jetzt schon tot.

Sebastian Schürmanns:

  • Breitbandausbau
  • Krypto-Währungen
  • Organe aus dem 3D-Drucker
  • Google, Facebook, Amazon

Meike Leopold: „Hoffentlich nicht mehr über voneinander getrennte (Social-Media-)Welten, in denen wir mit Daten bezahlen, die jeweils einem Unternehmen gehören. Und hoffentlich nicht mehr über Hate Speech und Totalüberwachung im Netz.“


Wenn du dir frei wünschen könntest, wie das Internet aussehen sollte in 10 Jahren, dann …

Rechtsanwältin Nina Diercks: „… hätten wir basierend auf technischen Grundverständnis sinnvolle Entscheidungen zum Datenschutz (die vorhandene Regelung in Form der DSGVO ist nicht schlecht, die Anwendung lässt einen zuweilen schaudern, siehe oben) und gute Regularien zu den Themen KI.

Darüber hinaus hätte jemand die brilliante Idee gehabt, wie das Thema ,Hate Speech‘ im Internet derart in den Griff zu bekommen wäre, dass der Abusus von digitalen Kommunikationswerkzeugen nicht nur schmerzhaft für die missbräuchlichen Verwender wäre, sondern auch gegenüber den Verwendern und Plattformbetreibern leicht durchzusetzen wäre. Und das alles, ohne die Meinungsfreiheit ungerechtfertigter Weise zu beschränken und ohne privaten Konzernen letztlich hoheitliche Maßnahmen zu übertragen. Tja, die Quadratur des Kreises. Hoffe wir, dass jemand schafft das zu lösen. Bis 2032. Wenn es geht, gerne schon früher.“

Leander Wattig: „Ich würde mir wünschen, dass das Internet in 10 Jahren wieder mehr den Geist des Internet vor 10 Jahren lebt, als das freie Teilen und Interagieren von Inhalten samt offenen Standards und Schnittstellen stärker im Fokus war. Außerdem hoffe ich, dass wir in 10 Jahren wirklich brauchbare Simultanübersetzer als Knopf im Ohr haben – das fehlt aktuell noch.“

Klaus Eck: „… hätten wir ein offenes Netz ohne Hatespeech, weniger Advertising, mehr persönliche Verantwortung und gesellschaftliches Engagement. Es wäre ein Inter-Net, in dem die Menschen wieder miteinander statt gegeneinander agieren.“

Gunnar Sohn: „… mit Gigabit-Geschwindigkeit, virtuellen Räumen, schneller Interaktion und spannenden Debatten.“

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Ute Blindert: „Dann wäre es ein Ort ohne Hatespeech. Leute, die hier Gewalt ausüben, werden erst wegmoderiert und wenn sie sich nicht ändern, ausgeschlossen. Es sollte überall moderierte Gespräche und Diskussionen geben, bei denen die Teilnehmer*innen ernst genommen werden – aber Trolls bekommen keine Chance. Auch von Seiten der Justiz werden Beleidigungen ernst genommen und Täter auch bestraft. Das Internet wäre ein Ort der Lernens, des Wissens, des Austauschs, der Offenheit, der Freiheit.

Christiane Brandes-Visbeck: „… kann es als Dashboard für mein Leben dienen, das sich selbst befüllt mit allem, was mich interessiert.“

Torsten Materna: „… sollte es freundlicher, hassfreier und menschlicher sein.“

Frank Bueltge: „Mein Wunsch ist weiterhin ein offenes, dezentralisiertes Internet. Das Internet ist der Knoten um Lösungen und Menschen zu verbinden, aber bitte ohne Abhängigkeiten einzelner kleiner oder großer Mitspieler. Es muss frei sein und unserer Gesellschaft dienen und deren Regeln folgen, Demokratie analog und digital.

Petra Sammer: „… würde ich mir das Internet als friedfertigen Kreativraum wünschen. Ein Ort, der als Oase gestaltet ist, den man zur Erhohlung und zur Entspannung aufsucht. Ja, auch zur Information. Aber alles, was man dort findet, hat eine hohe Qualität. Es wäre eine virtuelle Verlängerung einer Wunschwelt und nicht der realen Welt. Eine Welt, die ein Wettbewerb guter Ideen ist, mit denen wir Probleme der Welt lösen. Ein Ort, an dem konstruktiv diskutiert wird und an dem man sich inspirieren lassen kann. Eine schöne Utopie – die dann wahrscheinlich aber für viele zu langweilig ist. So ganz ohne Action.

Sebastian Schürmanns: „Weniger Popups, weniger Cloud, weniger Monopole, dafür mehr Privacy, mehr Selbstbestimmung mit vielen schlanken und unabhängigen Lösungen für kleine Player. Insgesamt eine stärkere Orientierung auf gesellschaftlichen Mehrwert digitaler Technologien.

Meike Leopold: „… schnell, frei, sicher, für alle Menschen auf der Welt zugänglich.“

Falk Hedemann: Das Internet in 10 Jahren

Die Wahrscheinlichkeit ist nicht sehr groß, dass wir uns diesen Artikel in 10 Jahren nochmals durchlesen. Sehr wahrscheinlich ist dagegen, dass wir im Jahr 2032 darüber lachen werden, was wir heute als unsere digitale Zukunft beschreiben.

Denn wenn sich in der Vergangenheit eins als verlässlich erwiesen hat, dann, dass wir die Zukunft nicht vorhersehen können. So waren Autos oder auch Personal Computer, selbst als es sie schon gab, für Experten nichts für die breite Masse der Gesellschaft. Selbst Trendforscher wie Matthias Horx irren mitunter gewaltig: Noch 2001 war er sich sicher, „das Internet wird kein Massenmedium”. Wir neigen einfach dazu, aktuelle Technologien mit unserem Wissen und den Erfahrungen von gestern auf die Zukunft zu projizieren. Das kann eigentlich nur schiefgehen, aber vielleicht liegt auch gerade darin der gewisse Reiz.

Ich versuche mich daher mal an der Zukunft des Contents und denke ganz bewusst über das hinaus, was wir heute schon kennen. Verschiedene technologische Entwicklungen werden sinnvoll miteinander verbunden und ganz neue Möglichkeiten entstehen lassen. Oder anders formuliert: Was uns heute als Zukunftsvision plausibel erscheint, ist nicht radikal genug gedacht. Denn wir dürfen nicht außer Acht lassen, dass Trends wie Automatisierung und die verschiedenen Stränge der KI nicht nur selbst Teil der Entwicklung von Zukunftstechnologien sein werden, sie werden diese mit ihren eigenen Möglichkeiten auch stark beschleunigen.

Schon heute prognostizieren Experten, dass wir die Kreation von Inhalten mehr und mehr an Künstliche Intelligenzen delegieren werden. Für den Augenblick ist das zwar nachvollziehbar, ich glaube es dennoch nicht. Ich denke eher, dass die KI uns dabei helfen wird, die technischen Hürden der Kreation zu überwinden. Inhalte, die wir heute als Texte, Videos oder Audio-Formate erstellen, könnten in 10 Jahren bereits als virtuell erlebbare Geschichten entstehen. Vielleicht können wir einen Bericht zu einem Fußballspiel nicht nur lesen oder ansehen, sondern selbst eine Rolle darin übernehmen, etwa als Schiedsrichter. Und damit uns die dafür eingesetzte Technik in der Erstellung solcher hyperinteraktiven Inhalte nicht überfordert oder uns in unserer Kreativität einengt, wird dieser Teil nahezu komplett von KI-Anwendungen übernommen.

Wir geben ihnen ein ausführliches Briefing, indem wir ihnen unsere Idee als Geschichte erzählen. Dazu noch einige Parameter für den Kontext und schon wenig später können wir in den ersten Draft eintauchen. Wir markieren dann alles, was geändert werden soll und es geht in die Überarbeitung. Im Grunde fast identisch, wie es heute mit Textinhalten geschieht.

Noch etwas weiter in die Zukunft gedacht, werden KI-Technologien, Konnektivität, Nanotechnologie und Bio-Medizintechnik mehr und mehr zusammenwachsen und durch Kombinatorik alles in den Schatten stellen, was wir uns bisher vorstellen können. Intelligente, vernetzte Miniatur-Implantate könnten die Grenzen zwischen Menschen und Maschinen verschwimmen lassen. Wir werden dann weder Eingabegeräte wie Tastaturen oder eine Mouse noch Ausgabegeräte wie Smartphones oder Laptops benötigen. Dafür werden wir bereits in der Grundschule lernen, wie wir diese neue digitale Welt mit unseren Gedanken steuern können.

Klar ist das noch weiter weg als 10 Jahre, aber da wir gar nicht mehr so weit von der Singularität entfernt sind, wie Technologieforscher eine Maschine bezeichnen, die intelligenter als wir Menschen ist, müssen wir darauf reagieren. Eine logische Reaktion scheint mir die Kombination von Mensch und Maschine zu sein, um die Vorzüge beider zusammenzubringen.

Mit dieser Vision im Kopf amüsiere ich mich jedenfalls sehr, wenn ich in populären Sci-Fi-Serien wie Black Mirror Menschen in der Zukunft immer noch mit Smartphones hantieren sehe, selbst wenn diese dann durchsichtig sind. Der Mensch evolutionierte sich zum aufrechten Gang, um die Hände freizuhaben – bis das Smartphone kam. Wäre es da nicht logisch, diesen Evolutionssprung noch mal zu wiederholen?


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 100

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2 Gedanken zu „Die Zukunft des Internets: 12 Personen schauen in ihre Glaskugeln …

  1. Worüber wir in 10 Jahren wohl auch nicht mehr sprechen werden:
    – Content. Der Begriff stammt aus den Anfängen des WWW. (Was ist heute KEIN Content?)
    – Werbung. Ein Konzept des letzten Jahrhunderts. (Unerwünschte Botschaften aufdrängen geht immer weniger.)
    – SEO. Denn so kann es nicht weitergehen. (99% schaffen es eben nicht auf SERP #1)
    – Customer Journey. Irgendwann wird dieses Konzept zu schwerfällig und zu kompliziert.
    – Engagement Messungen. 90% der User sind passiv, und das wird auch so bleiben.

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