Profile und Portfolios für Journalisten, Designer und Kreative

Egal ob als Journalist, Schreiber, Designer, Schauspieler oder Architekt: Wer kreativ arbeitet, möchte sich und seine Arbeiten auch ansprechend präsentieren. Neben der eigenen Webseite kann das über Profilseiten wie Flavors.me oder Portfolio-Netzwerke wie Behance geschehen. Meistens kann man damit seine eigene Webseite jedoch nur ergänzen und nicht immer ersetzen. Wir zeigen ein paar Beispiele.

Pressfolio
Startet bald in die Open-Beta: Pressfolio – ein Profilnetzwerk für Journalisten

Nachdem wir uns im ersten Teil der Serie mit Website-Buildern (oder Blognetzwerken) wie Squarespace,  Salon.io und Tumblr beschäftigt haben, schauen wir uns heute ein paar Services an, mit denen sich Profil- oder Portfolio-Seite im Netz erstellen lassen. Da das Angebot ziemlich grenzenlos ist, greifen wir uns exemplarisch drei Typen heraus: Profil-Aggregatoren wie Flavors.me, Kreativ-Netzwerke wie Behance für Designer und Portfolio-Seiten wie Pressfolio für Journalisten und Schreiber. Wer ein wenig entwickeln kann und seine Profil- oder Portfolio-Seiten lieber selbst hostet und erstellt, dem sei unser Tutorial zu Statamic ans Herz gelegt. Statamic kann eine Alternative zu WordPress sein und ist ein schlankes Framework, mit dem sich vergleichsweise einfach Portfolio- und Profilseiten bauen lassen.

Flavors.me und About.me

Flavors.me und About.me sind keine echten Alternativen zu Squarespace und Co., da es sich – zumindest weitestgehend – um Aggregationsdienste handelt: Wer auf Facebook, Twitter, Bandcamp, Dribbble und Co. aktiv ist, der kann seine Aktivitäten dort in einer hübschen Flavors.me- oder About.me-Seite zusammenfassen.

Bei beiden Diensten kann man in der Pro-Version eine eigene Domain nutzen (Flavors.me: 20$ pro Jahr / About.me: 4$ pro Monat). Bei Flavors.me kann man zusätzlich auch statische Seiten anlegen und die Seite so etwas stärker individualisieren. Dagegen wirken die Seiten von About.me mit ihrem immer gleichen Aufbau doch recht ermüdend, während bei beiden Diensten die langen Ladezeiten für die externen Inhalte den hochwertigen Eindruck deutlich mindern.

Die Dienste bringen natürlich nur etwas, wenn man in sozialen Netzwerken aktiv ist und es  genügend Inhalte zum Aggregieren gibt. Aufgrund des höheren Funktionsumfangs und des besseren Designs dürfte die Wahl dann auf Flavors.me fallen. Eine neuere Alternative ist der Service enthuse.me aus London, mit dem man eine Art Single-Profilseite erstellen kann. Allerdings habe ich so meine Zweifel, ob der Markt noch mehr Tools aufnehmen kann und enthuse.me hat bislang noch keine große Publicity erfahren.

Flavors.me
Mit Flavors.me lassen sich zumindest ansatzweise individuelle persönliche Web-Präsenzen erstellen. Hier das Beispiel Drehmoment

Am besten macht man sich anhand der Directories von Flavors.me und About.me einen eigenen Eindruck, für einige User reicht so eine einfache Visitenkarte möglicherweise schon aus.

Für Kreative und Designer: Behance und Dribbble

Es überrascht kaum, dass es gerade im Bereich Gestaltung und Webdesign mehrere Dutzend Portfolio-Services und -Netzwerke gibt. Die beliebtesten und reichweitenstärksten dürften die Dienste Dribbble und Behance sein. Daneben gibt es aber noch zahlreiche andere Netzwerke und Portfolio-Services wie DeviantART, design:related, Glossom und so weiter.

Geht man von einer vollwertigen Portfolio-Seite aus, die sogar den eigenen Webauftritt ersetzen könnte, dann ist Behance für Designer sicherlich die erste Wahl, denn die eigene Profil-Seite bei Behance ist ein recht ausführlicher Showcase der eigenen Arbeiten und zudem in ein Netzwerk integriert. Dabei kann man die einzelnen Arbeiten sehr ausführlich in Bild und Text beschreiben. Dagegen geht es bei Dribbble vor allem um das Posten und Kommentieren einzelner Bilder und Screenshots, die man zu einem persönlichen Portfolio zusammenstellt.  Textbeschreibungen, die Werke in einen Kontext einzubinden oder eine Entwicklung darzustellen sind bei Dribbble nicht vorgesehen.

behance
Bei Behance können Designer ihre Arbeiten ausführlich vorstellen und von der Community Feedback einholen.

Eine Unmenge an weiteren Diensten für Designer und Künstler haben vor einiger Zeit das tripwiremagazine und designinstruct vorgestellt, neben den oben genannten werden dort z.B. Dienste wie Carbonmade, Krop, Viewbook oder Coroflot aufgelistet.

Für Journalisten – Clippings.me, Contently und Pressfolio

Im Gegensatz zu den Designern gibt es speziell für die schreibende Zunft nur wenige Angebote. Der Pionier auf dem Gebiet war Cutting.me, der sich vor einiger Zeit in Clippings.me umbenannt hat. Der Dienst schaut recht einfach aus: Unter der Kurzvorstellung des Journalisten im Header  werden die einzelnen Artikel in bekannter Bookmarking-Manier pro Kategorie aufgelistet. Inzwischen steht Clippings.me Journalisten aus aller Welt offen, aus Deutschland werden immerhin etwas 50 Journalisten gelistet (von denen allerdings die meisten Studenten aus Erlangen sind). Das Manko bei Clippings.me ist aus meiner Sicht das doch etwas zu lieblos geratene Design.

Ein weiterer Anbieter ist Contently.com, der mich allerdings nicht so richtig überzeugt, insbesondere weil es dort kein Journalisten-Directory gibt. Besonders interessant ist die Idee, eine Bilderserie von Journalisten zu zeigen, die dann aber nicht auf die Portfolio-Seite verlinkt. Wenn man trotz aller widrigen Umstände doch eine Portfolio-Seite gefunden hat, dann sieht sie so aus. Immerhin, das Design ist vergleichsweise ansprechend. Ein noch älterer Dienst (seit 2009) ist MuckRack, allerdings hat mich der Preis von 99$ pro Monat für die Intro-Version davon abgehalten, mir den Service genauer anzuschauen.

Auch Pressfolio.com verzichtet derzeit noch auf ein Journalisten-Directory, dafür sehen sowohl die Startseite, als auch die Portfolio-Seiten vergleichsweise ansprechend aus. Der Service ist derzeit noch in der Closed Beta (nur mit Einladung), was hoffen lässt, dass der vielversprechende Ansatz noch ausgebaut wird und vielleicht einmal als vollwertige Webpräsenz für Journalisten dienen kann. Laut Ankündigung per Twitter wird Pressfolio noch in diesem Monat in die Public Beta gehen, als Journalist sollte man sich also schon mal in Startposition begeben.

Pressfolio
Pressfolio ist ein recht vielversprechendes Portfolio-Netzwerk für Journalisten

Ein weiterer interessanter Dienst stammt aus Deutschland: get.torial, ein Nebenprojekt von Audible. Grundsätzlich funktioniert Torial ähnlich wie die Angebote aus den USA, allerdings gibt es ein paar nützliche Ergänzungen: Man kann Social-Media-Profile hinzufügen, nach Journalisten suchen (frei oder anhand von Tags) und die Inhalte einzelner Journalisten abonnieren. Auch das Design von Torial ist ansprechend und für Mobile- und Tablet-Geräte optimiert. Allerdings scheint die Handhabung nicht ganz optimal zu sein, denn zumindest laut der Hilfe kann man neue Beiträge nicht einfach per Bookmarklet oder Browser-Plugin hinzufügen, sondern man muss den Link auf Torial selbst eintippen. Vielleicht ein Grund, warum zahlreiche Profile etwas verwaist wirken …

Fazit

Man sieht, dass man beim Thema “Portfolio im Web” ständig zwischen Profil-Seiten, Portfolio-Netzwerken und Website-Buildern schwankt. Entsprechend wurden hier auch nur beispielhaft ein paar Dienste vorgestellt. Es macht sicherlich Sinn, in seinem eigenen Berufszweig nach bestehenden Lösungen zu recherchieren. Allerdings dürfte man wohl nirgendwo eine vergleichbare Auswahl wie im Design-Bereich vorfinden. Viele der Angebote (wie z.B. Carbonmade) richten sich auch nicht nur an Designer, sondern ebenso an Architekten, Fotografen oder Motion-Designer. Und die Anforderungen an eine Profilseite unterscheiden sich ja auch nicht immer fundamental, sodass spezielle Angebote auch nicht nötig sein dürften.

Gleichzeitig bin ich bei dieser Recherche wieder auf unzählige mir bislang unbekannte Dienste gestoßen (allyou.net, pixpa, virb), sodass ich mir kaum vorstellen kann, dass alle diese Dienste eine Zukunft haben bwz. man in der Lage ist, alle Angebote detailliert zu vergleichen. In vielen Fällen dürfte es daher die einfacherer und auf Dauer sicherere (und womöglich sogar kostengünstigere) Variante sein, seine Webseite selbst zu hosten  und etwas Geld für die individuelle Entwicklung und Gestaltung in die Hand zu nehmen. Um genau das Thema soll es dann im nächsten Teil gehen …

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(Cover-Illustration: © VisualGeneration, depositphotos.com)

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