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Dank KI ganz prompt zum Klischee

Hochglanz-Stockfotos von extrem fröhlichen (aber trotzdem sehr professionellen) Business-Teams kennen wir alle. Sie werten die Website auf den ersten Blick auf. Doch machen sie dein Produkt nahbarer? Jens Jacobsen zeigt, wie der schnelle Griff zum KI-Generator solche Klischees nun in Windeseile reproduziert und dadurch Stereotypen verfestigt. Er erklärt, wie du solchen Stockfoto-Kitsch hinter dir lässt, echte Diversität auf deiner Website zeigst und ganz nebenbei die Bild-KIs der Zukunft positiv beeinflusst. Kurz gesagt: Es ist Zeit für unperfekte, authentische Bilder!

(Diese Collage typischer Stockfoto-Klischees haben wir im Stil eines Stockfotos von ChatGPT generieren lassen. Stockfoto-ception!)
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Wer kennt sie nicht, die grinsenden Männer und Frauen, die sich im Konferenzraum abklatschen. Oder die Drei, die hochkonzentriert auf einen einzigen Bildschirm deuten. Oder die Frau im Business-Kostüm mit Coffee-to-go in der einen Hand, Rollkoffer in der anderen, die seit Jahren durch den immer sonnendurchfluteten Flughafen irrt. Es ist ein ganz eigenes Völkchen, das da auf Websites und in Hochglanzbroschüren lebt.

Dieses seltsame Völkchen haben wir alle gemeinsam über Jahre hinweg aufgepäppelt und immer größer gemacht. Die Nachfrage nach solchem Material war groß. Es entstanden Berge von austauschbaren Fotos bei Bildagenturen und auf Fotoplattformen, millionenfach kopiert, wiederverwendet, nur gelegentlich gespiegelt oder interessant beschnitten.

Das war bequem und vom Gedanken her nachvollziehbar. Wir Menschen fühlen uns einfach wohl, wenn wir fröhliche Menschen sehen. Wir spiegeln sie, wir sehen dorthin, wo sie hinsehen. Aber wird dadurch unser Produkt menschlicher? Unsere Website nahbarer?

Ein großer Teil dieser Fotos war für den US-Markt produziert – daher taucht etwa auf der Website eines schwäbischen Automobilzulieferers ein multinationales, multiethnisches Regenbogen-Team auf, das dort nie gearbeitet hat.

Eigentlich ist die Abbildung fröhlicher Menschen das Eingeständnis: Uns ist nichts Besseres eingefallen, um eine langweilige Seite voller Text aufzupeppen. Wir hatten nicht die Zeit, den Text emotional ansprechbar zu machen, die Seite gut aufzubereiten oder wirklich hilfreiche Informationen zu produzieren. Was diese Bilder fröhlicher Personen also sind, ist letztlich Kitsch. Sie simulieren ein Gefühl nur, lösen aber keines aus.

Und diesen Kitsch können wir jetzt noch viel schneller produzieren als vorher, KI sei Dank. Schnell ein kurzer Prompt – und schon haben wir in einer Minute eine Auswahl von einem halben Dutzend Klischee-Bildern, die wir auf die Website setzen können.

Jetzt können wir endlich die Diversität in unser Völkchen bringen, die wir immer schon gern gehabt hätten. Wir hängen einfach ein „– divers“ an unseren Prompt für die Bild-KI und schon bekommen wir ein perfekt ausbalanciertes Regenbogen-Team. Aber was ist damit gewonnen? Und sind diese Bilder denn wirklich inklusiver, weniger diskriminierend?

Das können sie kaum sein. Das liegt daran, wie die Bild-KIs trainiert wurden. Sie haben gewaltige Mengen an Bildern gesichtet und daraus den kleinsten gemeinsamen Nenner ermittelt und in ihr Model gegossen. Sie liefern uns immer den Durchschnitt, das Klischee zurück. Wenn wir nichts Konkretes prompten, bekommen wir immer das Vorurteil.

Durch ihr Training haben die KIs eine erstaunlich feste Vorstellung davon entwickelt, was Menschen so tun. Das Coding-Team im Unternehmen? Besteht aus Männern, alle jung, ein paar asiatischer Abstammung. Die Putzkraft? Immer weiblich, praktisch nie mit weißer Hautfarbe. Die Vorstandsetage? Besetzt von graumelierten Männern, und ein bis maximal zwei deutlich jüngeren, sehr gutaussehenden Frauen. Heiraten? Machen nur gutaussehende, schlanke Menschen um die 30. Und praktisch nie haben sie das gleiche Geschlecht.

Woher das kommt? Aus den Klischees, mit denen die KIs trainiert wurden. Das heißt aber auch: Wir haben es in der Hand, in Zukunft weniger Klischees und mehr echte Diversität zu sehen. Denn wir produzieren heute das Trainingsmaterial für die zukünftigen KIs. Ob wir wollen oder nicht, fast alle unsere Bilder werden die Basis für die nächsten Generationen der Bilderzeugung sein. Jedes Bild, das wir freigeben, ist eine Stimme dafür, wie die „Chefetage“ oder die „Putzkraft“ in Zukunft aussehen wird. Und wir haben es auch in der Hand, dass die KI in Zukunft sieht, dass man nicht jede Website mit fröhlichen Menschen illustrieren muss.

Also, zeigen wir doch in Zukunft mehr Produkte, wenn es um die geht. Von vorn, von hinten, von oben, im Detail oder aus der Ferne. Gerne auch in Benutzung von echten, natürlich aussehenden Menschen. Natürlich dürfen wir das Produkt nicht per KI perfekter machen als es ist, das schreiben schon Wettbewerbsrecht und Verbraucherschutz vor. Und genauso sollten wir auch die Nutzenden nicht perfekter machen als sie sind. Hier haben wir echte Diversität und Klischeefreiheit tatsächlich selbst in der Hand.

Und wenn es doch mal wirklich nichts zu zeigen gibt? Etwas Abstraktes wie eine Versicherung lässt sich nicht zeigen. Aber wir müssen bei der Hausratversicherung trotzdem nicht immer das glückliche Paar im Garten oder die perfekte Durchschnittsfamilie zeigen, die fröhlich lachend auf dem Sofa sitzt. Lasst uns auch hier kreativ werden und Klischees brechen. Menschen, die echt wirken, in Räumen, die es geben könnte. In Situationen, die man kennt – unperfekt, wie das Leben.

Lassen wir in Zukunft also ein Völkchen in unseren Illustrationen entstehen, das mehr mit uns, mit Nutzenden, mit Menschen zu tun hat. Das Bild, das wir vermitteln wollen, kostet uns keinen Cent mehr als das Klischee-Teamfoto – nur ein bisschen Mühe.

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Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 127

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