Andere bloggen lassen: Gast- und Teamblogs

Robert Basic hat mit seiner “Speakers’ Corner” dieser Tage die Aufmerksamkeit wieder auf eine besondere Art des Bloggens gelenkt, die in der deutschsprachigen Blogosphäre bislang nur eine kleine Rolle spielt: das Gast- und Teambloggen. Anstatt dass ein Blogger sich allein in seinem virtuellen Kämmerchen abmüht, schuften mehrere. Modelle dafür gibt es verschiedene. Welches davon funktioniert, hängt von den Lesern ab, vom Thema und nicht zuletzt von den beteiligten Charakteren.

Man kann grob drei Varianten solcher Blogs unterscheiden.

Open Blog: Jeder darf schreiben

Ein besonderes Modell ist das komplett offene Blog. Beispiele dafür sind der Spreeblick-Ableger Sprblck oder das Abmahnungs-Blog. Wer mitmachen will, kann sich registrieren und seine Artikel veröffentlichen.

Diese Art des Teamblogs hat ähnliche Vor- und Nachteile wie ein Wiki. Was am Ende dabei herauskommt, ist weitgehend dem Zufall überlassen. Niemand fühlt sich verpflichtet. Das Projekt kann abheben oder versanden oder beides mal so mal so.

Ein offenes Blog wird immer experimentell bleiben kann aber spannend sein, wenn es um ein Thema geht, bei dem potenziell viele Leute etwas zu erzählen haben – wie man am Abmahn-Blog auch sieht.

Ein Blogger und seine Gäste: die Lizenz zum Mitbloggen

So funktioniert es beispielsweise bei UPLOAD: Es gibt eine zentrale Figur, die sich grundsätzlich um das Blog kümmert und auch darum, dass andere als er selbst dafür schreiben. Ich gehe aktiv auf die Suche nach Themen und ihre Autoren. Gelegentlich bekomme ich auch Angebote, was mich natürlich freut.

Dann wird noch abgesprochen, wie die Idee oder der Artikel in die grundsätzliche Ausrichtung von UPLOAD passen und er geht online.

Man darf dabei den Aufwand hinter den Kulissen allerdings nicht unterschätzen. So etwas wie gerade neulich die Serie “Basiswissen Journalismus” hätte ich zwar allein nie schreiben können. Es hat aber viele Wochen von der Idee bis zur Veröffentlichung gedauert. Das muss nicht immer so sein. Aber sofern man die Sache mit den Gastbloggern aktiv betreibt, hat man dadurch zusätzliche Arbeit. Anstatt selbst zu schreiben, investiert man die Zeit in Gastbeiträge. Das nur als Vorwarnung ;-)

Teamblogs: mehrere Schultern

Zu guter Letzt gibt es noch ausgesprochene Teamblogs, bei denen von vornherein mehrere Leute fest beteiligt sind. Die Blogpiloten funktionieren so oder auch Schwerin Schwerin.

Hier stellt sich noch die Frage, wie stark man das Team koordiniert. Das hängt vom eigenen Geschmack und Anspruch ab. Natürlich hat man heutzutage im Netz alle Möglichkeiten, um sich auch kurzfristig über Themen abzustimmen und wer was wie behandelt. Wem das zu aufwändig ist, lässt es einfach geschehen.

Aus meiner Sicht ist es allerdings eine vergebene Chance, wenn man sich nicht zumindest gelegentlich einmal als Team zusammentut, um gemeinsam ein Thema zu beackern. Blogger sind häufig Einzelkämpfer, aber glaubt mir: Ihr werdet erstaunt sein, wieviel mehr herauskommen kann, wenn mehrere Leute an einem Strang ziehen und ihre Ideen, Sichtweisen, Erfahrungen, Vorlieben usw. einbringen.

Mischformen

Natürlich gibt es auch Mischformen, wie beispielsweise Teamblogs mit Gästen usw. Hier sind der Phantasie keine Grenzen gesetzt. Was Robert Basic derzeit versucht ist ja praktisch ein Einzelblog mit einer offenen Rubrik. Es wird spannend zu beobachten sein, inwiefern das angenommen wird, was dabei rauskommt und vor allem, welches Fazit Robert aus der Sache zieht. Und wie man ihn kennt, nimmt er dabei ja kein Blatt vor den Mund…

Wozu das alles?

Eine gute Frage. Viele Blogs leben von der Persönlichkeit des Bloggers. Man kennt ihn persönlich, man interessiert sich aus anderen Gründen für ihn oder man mag seine Art zu Schreiben und die Welt zu sehen. Das Verhältnis zwischen Blogger und Leser ist meistens sehr eng – jedenfalls, wenn alles gut und nach dem klassischen Modell funktioniert. Ein Dogma ist auch das, wie so vieles, natürlich nicht.

Die meisten Blogleser verfolgen aber sowieso mehrere Blogs. Warum also nicht gleich Autoren, Ideen und Kräfte bündeln? Warum immer Sandkorn bleiben?

Schwierigkeiten

Die größten Hürden sehe ich in den beteiligten Charakteren. Entweder respektiert man sich gegenseitig und lässt den anderen ihren Freiraum oder es gibt eine anerkannte Führungspersönlichkeit, deren Autorität aber nicht bewiesen werden muss und daher auch nicht in Frage gestellt wird.

Wenn Teams auseinanderbrechen, dann doch gerne dann, wenn einer die Führung übernehmen will, der von den anderen nicht akzeptiert wird. Oder wenn jemand die Richtung vorgibt und die anderen nicht mehr folgen mögen. Oder wenn sich die Interessenlagen und Konstellationen innerhalb der Gruppe schlichtweg verändert haben.

Zudem ist es so verdammt leicht, ein eigenes Blog zu starten und dort einfach zu tun und zu lassen, was man will. Dieser Ausweg lockt immer. Es gibt derzeit kaum einen Grund, auch einmal schwierige Zeiten, Momente und Entscheidungen auszuhalten. Wären Blogs beispielsweise schon so erfolgreich, dass die Beteiligten zumindest einen Teil ihres Lebensunterhalts davon bestreiten könnten, würden sie eventuell auch Kompromisse eingehen.

Aber andererseits: Zeichnet es gute und spannende Blogger nicht gerade aus, dass sie keine Kompromisse eingehen?

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(Cover-Illustration: © VisualGeneration, depositphotos.com)

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10 Gedanken zu „Andere bloggen lassen: Gast- und Teamblogs

  1. schwerin-schwerin.de, du hast es ja schon erwaehnt, ist ein teamblog. jeder aus dem team kann seine geschichten schreiben, wie er mag. klar: es gibt regeln. aber die einhaltung dieser setze ich bei menschen mit klarem ver- und anstand voraus. im endeffekt entscheidet auch niemand ausser dem autor darueber, welcher beitrag wie erscheinen darf.
    was natuerlich spannend sind, sind beitraege, die dann doch gemeinsam entstehen. und die gab es in der vergangenheit bei uns reichlich. ob politisch brisante, die man zumindest den ein oder anderen thematisch involvierten nochmal gegenlesen laesst oder auch die formal richtige kritik an irgendetwas/-jemandem – eine zweite meinung dazu ist nie verkehrt. und bei beitraegen, die wesentlich mehr recherche erfordern, tut man dieses auch gerne mal zu zweit. das gibt einen haufen an zusatzinformationen. allerdings stellt sich dann auch bei uns die frage: wer erscheint als autor? bei einem technisch durchgestylten redaktionsworkflow ala wordpress ist es nicht ohne aufwand moeglich, beitraege zwei autoren zuzuordnen. oder gar zwei autoren direkt am beitrag als solche erscheinen zu lassen. da muss man sich hilfskonstrukte ueberlegen (z.b. weitere nutzer anlegen, die aus autor a und autor b bestehen). (wenn jemand ein plugin fuer sowas kennt….).

    und in letzter zeit entstehen beitraege auch so, dass ein autor schreibt, ein weiterer autor, der aber grafiker ist, das ding illustriert. das macht dann richtig spass. ist schon fast wie eine kleine redaktion.

    da wir von unserem blog (noch) nicht leben (wollen, muessen), gibt es keinen “leistungsdruck”. klar: hin und wieder versucht man, autoren zu themen zu motivieren, die in deren fachbereichen liegen. aber ansonsten gibts nur hin und wieder mal direkte absprachen ala “was machen wir denn als naechstes”. oder gar einen themenplan.
    obwohl wir uns dahin bewegen, wenn ich mir das recht ueberlegen. mittlerweile werden bestimmte termine in der zukunft notiert, geschichten auf halde geschrieben. man will sich ja auch immer verbessern.

    ich bin froh, schwerin-schwerin.de (und auch andere, z.b. dosenfischer.de) nicht als einzelperson zu machen. jeder hat mal ein paar tage/wochen/monate einfach null bock auf bloggen. da ist es mehr als angenehm, wenn andere autoren das schwarze loch auffangen. und es macht bedeutend mehr spass. mitreden darf auch jeder und schwerin-schwerin.de zeigt, dass sowas funktionieren kann.

    puh.

  2. Basic thinking ist ein sehr großes und beliebtes Blog. Es ist eine absolut großartige Idee andere schreiben zu lassen. Die User werden hochwertige Artikel liefern, da sie sich geehrt fühlen werden auf einem sehr großen Blog schreiben zu dürfen. So kommen mehr Besucher für robert, mehr pulicity, mehr Einnahmen, etc.

  3. Open Team Blogs halte ich für Quatsch, da fehlt einfach der Bezug der Beiträge zueinander.
    Aber dass es wenig Team Blogs gibt, da möchte ich widersprechen. Auch in den USA kommen Blogger-Teams meist nur bei kommerziellen Blogs vor und in der deutschen kommerziellen Blog Szene sind diese ebenso vorhanden.

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