Loïc Le Meur: Frankreichs schillernder Wiederholungsgründer

Loïc Le Meurs Karriere in Sachen Web-Startups sah bislang so aus: Gründen, Aufbauen, Verkaufen, Gründen, Aufbauen, Verkaufen, Gründen, Aufbauen, Verkaufen, Gründen, Aufbauen, Verkaufen, Leiten, Gründen, Aufbauen. Mitgezählt? Sein aktuelles Startup Seesmic ist das fünfte, an dem er als Gründer beteiligt ist. Und dabei ist Loïc Le Meur gerade einmal 36 Jahre alt. Was mag da in den nächsten Jahren noch alles kommen? Ein Blick auf Frankreichs umtriebigen und bisweilen umstrittenen Wiederholungsgründer.

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Seine Gründerkarriere hat Loïc Le Meur gezielt gestartet: Nach seiner Schullaufbahn studierte er vier Jahre auf der HEC Paris, eine der führenden Management-Universitäten Europas. Beim Abschluss im Juni 1996 hatte er bereits seine erste Firma: B2L, eine der frühen Webagenturen in Frankreich. Die Stoßrichtung seiner unternehmerischen Ideen wurde damit klar: das Internet. Ein gutes Jahr später, im September 1997, gründete er parallel dazu bereits seine zweite Firma: RapidSite brachte die Idee des “shared web hosting” nach Frankreich. Für umgerechnet 20 bis 50 Euro im Monat konnte man sich hier eine eigene Website anlegen. Noch vor dem “Dotcom-Boom” und dem ersten Internet-Hype hatte sich Loïc Le Meur damit eine gute Ausgangsposition gesichert.

1999 war die Blütezeit überschwänglicher Internetphantasien und Loïc Le Meur konnte im Dezember 1999 seine beiden Firmen verkaufen. Die Agentur B2L ging an den Werberiesen BBDO, RapidSite ging an die France Télécom und wurde ein Teil des Internet-Zugangsanbieters Wanadoo. Wie viele Millionen bei diesen Verkäufen genau geflossen sind, ist nicht bekannt. 3 Millionen Euro sollen es bei B2L gewesen sein, 15 Millionnen Euro bei RapidSite. Wie viel es auch immer gewesen sein mag: Loïc Le Meur dürfte Weihnachten ’99 ohne Geldsorgen gefeiert haben. Er war 27 Jahre alt und mit großer Wahrscheinlichkeit mehrfacher Millionär.

Ruhte er sich nun aus? Nein, im September 2000 gründete er weiter. Und stolperte. Seine neue Firma Tekora bot “preiswerte Website-Lösungen für kleine Unternehmen”, wie Loïc Le Meur es in seinem Profil im Business-Netzwerk LinkedIn beschreibt. 6 Millionen Euro Risikokapital bekam er. Gut zwei Jahre später wurde die Firma von Access-Commerce SA gekauft. Als glänzender Erfolg wird das in Berichten dazu allerdings nicht beschrieben. Im Sog der geplatzten Dotcom-Blase allerdings eher die traurige Normalität. Zudem hatte er in zahlreiche Unternehmen investiert und dabei einiges Lehrgeld bezahlt, wie er später im Gespräch mit Oliver Gassner zugab.

Loïc Le Meur
Von links nach rechts: Loren Feldman, Michael Arrington, Loïc Le Meur, Robert Scoble. Das Foto hat Loïc Le Meur auf Flickr unter dieser Creative Commons-Lizenz veröffentlicht.

Es dauerte ein Jahr, bis Loïc Le Meur wieder in Erscheinung trat. “Ich war schon da, als sich noch kein Mensch für das Netz interessierte, ich war da, als der Riesenhype entstand und ich war da, als die Börsenblase platzte”, resümmierte er seine bisherige Karriere Ende 2004 im Gespräch mit Mario Sixtus. “Ich war da, als niemand mehr etwas vom Internet hören wollte und jetzt, wo es langsam wieder los geht, bin ich einfach immer noch da.” Zu dem Zeitpunkt hatte er bereits wieder ein neues Eisen im Feuer: Weblogs.

“Ublog” hieß seine neue Unternehmung. Sie ist einer der ersten Anbieter in Sachen Weblogs in Europa. Als “Gründer und Geschäftsführer” von Ublog bezeichnet sich Loïc Le Meur selbst. Die technologische Grundlage stammte allerdings von Stéphane Le Solliec. Loïc Le Meur kaufte sie, machte eine Firma daraus und es dauerte nicht einmal mehr ein Jahr, bis sie in etwas Größerem aufging. Dieser Schritt hatte diesmal noch mehr zur Folge, denn auch Loïc Le Meur wechselte zur neuen Firma: Er wurde “Executive VP & General Manager Europe” von Six Apart.

Blogs und andere neue Kommunikationswege sind seitdem seine ganze Leidenschaft geworden. Der Untertitel seines Blogs ist Programm: “Traditional media send messages, blogs start conversations”. Natürlich ist er an alle Brennpunkten des Web 2.0 zu finden: Twitter, YouTube, Friendfeed oder auch Identi.ca und MyBlogLog. Schon 2004 hatte er gegenüber Mario Sixtus geschwärmt: “Es geht darum, die Open-Source-Idee auf die Geschäftswelt auszudehnen. Bloggen ist ‘Open Sourcing Yourself.'”

Und es passt zu ihm, dass es ihn nach zwei Jahren und sieben Monaten nicht mehr auf dem Stuhl bei Six Apart hielt. Er musste einfach wieder gründen, scheint es. Seesmic ist sein neues Projekt, eine Plattform für Kommentare und Diskussionen per Video. Nebenbei ist er an vielen anderen Stellen aktiv: Unter anderem hat er mit der LeWeb-Konferenz die größte ihrer Art in Europa ins Leben gerufen und beteiligt sich an der Weiterentwicklung von RSS. Eigentlich müsste er nicht mehr arbeiten, hat er gegenüber Oliver Gassner gesagt. Aber er kann offenbar nicht anders.

Auch ein Privatleben hat Loïc Le Meur – doch, doch. Er ist verheiratet mit Geraldine Fleurence und Vater dreier Kinder. Seit Sommer 2007 leben sie in San Francisco. Er unterstütze Nicolas Sarkozy bei dessen Präsidentschaftswahlkampf. Kite Boarding, Segeln und Golf sind seine Leidenschaften. Und: Er ist zu dick – 104 Kilo bei 1,92 Meter. Das sei “zu weit weg” von seinem Ideal bei 88 Kilo, schreibt er in seinem Blog. In einem ersten Schritt will er nun wieder auf 96 Kilo kommen – soviel wog er bei seinen zwei Halbmarathons vor drei Jahren. Und natürlich nutzt Loïc Le Meur dafür jede Social Software, die ihm über den Weg läuft. Gemeinsam mit anderen will er nun fitter werden, siehe dazu diesen Eintrag im Loïc Le Meur Wiki. Öffentlich geben die Teilnehmer ihre Ziele bekannt und dokumentieren die Fortschritte auf Twitter, YouTube, Flickr oder Seesmic.

“Social Software Diet and Fitness” nennt sich das. Mh. Klingt nach einer neuen Startup-Idee.

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