Trigami – erster Blick auf den Tabubrecher

Der Anbieter Trigami will Blogger in Deutschland, Österreich und der Schweiz für Beiträge bezahlen. Als Gegenleistung schreiben die Blogger über ihre Erfahrungen mit dem Produkt eines Werbekunden von Trigami. Der Tenor eines solchen Testberichts ist nicht vorgegeben, nur die mindestens notwendige Länge des Textes und welche Links darin vorkommen sollen. Jetzt ist eine erste Version der Bedienoberfläche von Trigami online gegangen. Der Zutritt ist á la Google Mail nur per Einladung möglich.

Prinzip

Trigami vermittelt zwischen Werbekunden und Bloggern. Im Adminbereich findet man als Blogger eine einfache Oberfläche (in schreienden Farben) vor:

Screenshot Trigami

Die Funktionen:

  • eigene Daten ändern
  • Blog eintragen (mit Titel, Adresse, Beschreibung, Schlagworten sowie Zahl der Besucher und Abrufe)
  • Wunschliste

Besonders die Wunschliste ist eine hübsche Funktion für den kleinen Tagtraum zwischendurch. Hier können alle Teilnehmer für die Produkte und Dienstleistungen abstimmen, die sie gern testen würden. Das erinnert mich ein wenig an trnd.com. Derzeit liegt die Nintendo Wii-Konsole weit vorn. Mehr als fraglich ist allerdings, ob Nintendo noch zusätzliche Werbung braucht. Die weitere Liste ist lang und kann durch eigene Vorschläge ergänzt werden. Trigami will sich nach eigenen Aussagen darum bemühen, dass die Blogger über das schreiben können, was sie wirklich interessiert. Natürlich erleichert es für Trigami auch die Akquise, wenn schon konkrete Zahlen vorliegen, als wenn Projekte ins Blaue hinein gestartet werden.

Wie es aussieht, sucht Trigami selbst die Blogs aus, die für den jeweiligen Kunden in Frage kommen. Später soll es möglich sein, dass die Werbekunden alles selbst regulieren, wie bei einem Partnerprogramm. Trigami würde dann nur noch die Oberfläche bereitstellen und das System vermarkten.

Kunden sollen zwischen 10 und 1.000 Euro für eine Rezension bezahlen, Ausreißer nach oben und unten seien aber ebenfalls möglich, heißt es auf der Seite mit den häufigen Fragen. 70 Prozent der Einnahmen bekommt der Blogger, der Rest geht an Trigami. Ausgezahlt wird jeweils zum Monatsende per PayPal. Die Auszahlungsgrenze liegt bei erfreulich niedrigen 10 Euro.

Der Preis hängt in erster Linie “von der Reichweite und Qualität eines Blogs” ab, schreibt Trigami. “Insgesamt berücksichtigen wir über ein Dutzend Kriterien, um den Preis einer Rezension zu bestimmen”, heißt es weiter.

Mit Schleichwerbung will Trigami nichts zu tun haben. Jeder Beitrag wird mit einem Button “Sponsored” versehen, der mit der Informationsseite verknüpft ist. Ob das als Kennzeichnung genügt, wird sich zeigen.

Die redaktionelle Freiheit der Blogger ist dem Unternehmen nach eigenen Aussagen wichtig:

Bei Trigami wird sehr viel Wert auf redaktionelle Freiheit der Blogger gelegt. Die Rezensionen müssen also keineswegs nur positive Lobgesänge sein, sondern dürfen selbstverständlich auch negative Kritik enthalten (solange keine Rufschädigung oder Verbreitung unwahrer Tatsachen stattfindet). Sonst wären die Rezensionen ja nicht glaubwürdig. Außerdem erhalten die Werbekunden damit ehrliches Feedback, welches in Produktverbesserungen einfliessen kann.

Kritik

Das Angebot von Trigami rührt an einem Tabu in der Blogosphäre: Lass Dich nicht kaufen. Weblogs sind nach allgemeiner Lesart dann erfolgreich, wenn sie authentisch sind, also echt und glaubwürdig. Wenn der Blogger über etwas schreibt, dann weil es ihm ein Bedürfnis ist und nicht, weil er finanzielle Interessen hat.

Diese heile Welt der Blogosphäre ist schon länger in Gefahr. Langsam entdeckt die Industrie, dass Weblogs von einer bestimmten Zielgruppe gern und viel gelesen werden und für Kaufentscheidungen wichtig sind. In einem Domino-Effekt wirken sich Diskussionen in Weblogs bisweilen auf klassische Medien aus, die die Blogosphäre gelegentlich als Seismographen für Trends und Themen nutzen. Kein Wunder also, dass erfolgreiche Blogger um Beiträge gebeten oder ihnen kostenlose Testexemplare eines Produkts angeboten werden.

Bestechlichkeit und Schleichwerbung wird in Weblogs ebenso ein Thema werden wie in den klassischen Medien.

Trigami ist bei seinem Angebot zumindest offen und ehrlich. Die Macher investieren dort viele Überlegungen in die Frage, wie man die Beiträge klar als bezahlte Beiträge kennzeichnet – und sie trotzdem nicht für den Werbekunden wertlos macht. Das ist eine extrem schwierige Gratwanderung.

Eins ist aber auch klar: Auch wenn der Tenor der Beiträge offiziell nicht vorgeschrieben ist, wird sich mancher Blogger mit Blick aufs Geld erweichen lassen. Schließlich möchte man auch weiterhin bezahlte Einträge veröffentlichen. Und wer weiß schon, wieviele Unternehmen so mutig sind, auch einen kritischen und unbestechlichen Blogger zu bezahlen?

Fazit

Alles in allem ist Trigami ein interessantes Experiment. Solange das Unternehmen weiter so offen damit umgeht, dass es für Beiträge bezahlt, sehe ich darin kein großes Problem. Mancher Blogleser wird es allerdings nicht mögen, dass sich Werbung zwischen den redaktionellen Inhalten befindet. Und Werbung ist es, da kann Trigami noch so viel Wert auf die Unabhängigkeit des Bloggers legen. Ein bezahlter Beitrag wird auch nur selten viele Links von außen anziehen. Das wird nur funktionieren, wenn der Blogger etwas mehr tut als bloße Pflichterfüllung. Der Beitrag muss schon außerordentlich interessant, unterhaltsam oder kreativ sein, um trotz des Makels “Sponsored” beachtet zu werden. Und Unternehmen müssen sich an eine Werbeform gewöhnen, deren genauer Effekt unberechenbar ist. Fraglich ist also, ob sich jemals ein tragfähiges Geschäftsmodell und eine Einnahmequelle für Blogger ergibt.

Einladungen für Trigami zu vergeben

Wer Interesse an einer Einladung für Trigami hat, meldet sich einfach in den Kommentaren zu dieser Meldung. Bis zu sechs Stück sind insgesamt zu vergeben.

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(Illustration: © gorbachlena, depositphotos.com)

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5 Gedanken zu „Trigami – erster Blick auf den Tabubrecher

  1. Hallo Jan
    Sensationeller Beitrag, sehr gute Kritik, ich Danke Dir.

    >Das wird nur funktionieren, wenn der Blogger etwas mehr tut als bloße Pflichterfüllung. Der Beitrag muss schon außerordentlich interessant, unterhaltsam oder kreativ sein, um trotz des Makels “Sponsored” beachtet zu werden.

    Genau hier stellen wir uns noch immer die Frage, wie wir den Bloggern absolut klar machen können, dass ihre bezahlten Rezensionen am erfolgreichsten sein werden, wenn sie in genau dem Stil, mit derselben Kreativität und Authentizität schreiben, die ihnen eigen ist und das Blog vorher und nachher prägt.

    Wenn ich wüsste, dass mein Lieblingskolumnist auch die Publireportage verfassen hat, dann würde ich auch die lesen. (Es sei denn es geht um Kosmetika ;-)

    >Bestechlichkeit und Schleichwerbung wird in Weblogs ebenso ein Thema werden wie in den klassischen Medien.

    Deshalb hoffen wir mit trigami auf eine Werbeform, welche die Transparenz zulässt, die z.B. Sonys Engagement im neuen James Bond Film nicht mit sich bringt. Sein Handy und das schöne Vaio Notebook fallen wohl jedem auf, die Frage wieviel Sony dafür bezahlt hat, stellen sich wohl nur Werbe-affine Personen.

    Grüsse
    Alain

  2. Hallo Alain, vielen Dank für die Ergänzung. Ich vermute, Du bist Alain Aubert, einer der Gründer von Trigami? Erst einmal finde ich es gut, dass Ihr etwas wagt und versucht, diese Idee zu importieren. Ich freue mich über jede Einkommensmöglichkeit für Blogger. Denn jede Einkommensquelle vergrößert die Chancen, dass künftig talentierte Leute ihr Hobby zum Beruf machen können. Ob es für so ein Geschäftsmodell in unseren Breiten eine Chance gibt, wird interessant zu sehen sein. Ich bin gespannt auf die weitere Entwicklung.

  3. >Ich vermute, Du bist Alain Aubert, einer der Gründer von Trigami?

    Ja, entschuldige bitte, evtl. muss ich meine Gewohnheit zum Fullname upgraden ;-)

  4. Acht Monate später hab ich mir Trigami mal durch gesehen. Die Idee finde ich gut, die Business mäßige Umsetzung allerdings etwas fragwürdig. Payed per Entry finde ich etwas unterbezahlt (als Blogger) im Endeffekt ist das doch nichts anderes als eine Linkwerbung mit etwas mehr Text. Da bekomme ich bei Zanox & Co. pro Klick mein Geld, vermiete ich Links (was ich natürlich nicht mache) bekomme ich monatlich Cash.
    Im November war die höchste Auszahlung an einen Blogger 323 EUR, also nicht gerade ein nennenswerter Betrag.

    Mein Fazit: Gute Idee die aber noch in den Kinderschuhen steckt – die Werbeindustrie wird entscheiden wie es weiter geht. Viel Erfolg!

  5. Also 323 Euro zu verdienen, finde ich sehr nennenswert. Aber das ist eine Frage der Perspektive.

    Bei Zanox & Co. musst Du Dich ganz schön anstrengen, um auf solche Beträge zu kommen. Ich habe es in der Vergangenheit mal geschafft, aber das funktioniert nur mit konsequenter und kontinuierlicher Arbeit. Ich persönlich finde den Aufwand dort höher als bei Trigami. Natürlich ist es eine Frage, womit man seine Zeit verbringen will. Wenn ich langfristig mit meinen Webprojekten Geld verdienen wollte, würde ich ebenfalls auf Partnerprogramme setzen. Nur dann würden sich die Webprojekte nach den Partnerprogrammen richten, um richtig etwas verdienen zu können. Bei Trigami kann ich mir zusätzlich zu meiner Freizeitbeschäftigung gelegentlich etwas dazuverdienen, ohne mich verbiegen zu müssen.

    Von amerikanischen Verhältnissen sind wir bei den Einnahmen natürlich noch sehr weit entfernt. Aber der Markt dort zeigt ja, was eventuell auch hier bei uns möglich wäre – mit einigen Abstrichen.

    Vermietete Links sind natürlich sehr bequem und hatten lange Zeit ein absolut ungeschlagenes Verhältnis zwischen Aufwand und Einnahmen. Bekanntlich geht Google inzwischen recht gezielt dagegen vor. Das wird in den nächsten Jahren ein Wettrüsten zwischen Linkvermietern und Google. Aber es bleibt ein Geschäft, das von heute auf morgen plötzlich weg sein kann.

    Ich kann ansonsten das PDF-Magazin Nr.2 von UPLOAD empfehlen. Da habe ich auf den ersten Seiten einmal die wichtigsten Möglichkeiten des Geld verdienens beleuchtet und bewertet. ;-)

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