Tonspion.de: Klangagenten im Internet

In den vergangenen Jahren konnte man oft den Eindruck gewinnen, über das Thema Musik im Internet werde häufiger im Zusammenhang mit illegalen Downloads und staatsanwaltlichen Ermittlungen gesprochen als hinsichtlich Künstler und Musik im Netz an sich. Die Digitalisierung und das Komprimierungsverfahren MP3 haben umwälzende Entwicklungen vorangetrieben. Tauschbörsen entstanden, wurden geschlossen, öffneten neu und Termini wie „geistiges Eigentum“ und „Urheberrecht” waren Kern vieler Diskussionen.

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Foto: Pellegrina, Photocase.com

Hey, ging es eigentlich nicht auch um Musik? Doch, darum auch. Und es sollte auch hauptsächlich darum gehen, vor allem um gute, dachten sich die Betreiber von Tonspion.de, die – zwischenzeitlich quer durch die Medienlandschaft gelobt – vor acht Jahren ihr Angebot im Cyberspace lancierten.

Da die Veröffentlichung von MP3-Dateien schwierig und vor allem mit GEMA-Gebühren verbunden ist, ging man anders an die Sache heran: Die Agenten bei Tonspion.de durchschnüffeln das Netz nach hörenswerten Künstlern und machen auf ihrer Website auf legale und kostenlose Musikstücke aufmerksam. Kostenlos? Legal? Und ob, denn längst haben viele Interpreten verinnerlicht, dass die teilweise Gratis-Verbreitung ihrer Werke auch in ihrem Sinne funktionieren kann, denn allen Unkenrufen zum Trotz erwerben sehr, sehr viele Menschen ihre CDs oder Downloads völlig legal. Vor allen Dingen die Indielabels profitieren hiervon.

Allerdings: Das Netz wächst und wächst und damit auch das Angebot von Musik darin. Hier setzen die Betreiber des Tonspions an, die sich fortlaufend der Suche nach guter Musik widmen und täglich frische, frei verfügbare MP3-Downloads vorstellen, die sich im digitalen Ozean tummeln.

Aber warum nicht einen der Betreiber des “Geheimdienstes” selbst zu Wort kommen lassen? Udo Raaf von Tonspion.de nahm sich die Zeit, auf meine nachstehenden Fragen einzugehen:

Euer Angebot im Internet ist jetzt bereits seit rund acht Jahren etabliert und neben der Nominierung zum Grimme Online Award 2005 und 2006 habt Ihr von vielen Medien und Labelbetreibern Anerkennung erfahren. In der Rückschau: Gab es in der Anfangszeit auch Ablehnung und inwiefern trat diese zutage?

Udo Raaf, Tonspion.deNein, in der Anfangszeit gab es eigentlich nur Ignoranz, wie wohl jeder kleine Seitenbetreiber erst einmal feststellen wird. Eine neue Webseite interessiert zunächst niemanden. Das galt auch für Tonspion. Erst als wir mit dem Thema MP3 zunehmend in der Presse auftauchten, kamen auch mehrere Versuche aus der Musikindustrie, uns mit Anwaltsschreiben zu erschrecken. Diese entbehrten aber jeder Grundlage. Ansonsten gab’s eigentlich überwiegend positives Feedback von Nutzern, Künstlern und Labels, auch wenn’s bei den Labels ein bisschen länger gedauert hat, bis sie den ersten MP3-Schock verarbeitet haben.

Wie sieht Euer Angebot derzeit aus? Würdest Du sagen, dass sich die Bereitschaft von Künstlern in den vergangenen Jahren geändert hat, einzelne Songs als Gratis-Download anzubieten? Und hat sich die Hoffnung, dass derjenige, der sich einen Song herunterlädt, sich öfter auch danach das Album oder andere Tonträger des Künstlers zulegt, bestätigt?

Die Zustimmung bei Künstlern, auch mit kostenlosen Downloads im Internet zu arbeiten, ist eigentlich fast einhellig. Zumindest unter denen, die sich mit dem Thema ein wenig beschäftigt haben. Das Problem sind und bleiben die großen Major-Companies, die kostenlose Downloads nach wie vor global verbieten. Ausnahmen bestätigen diese Regel. Auch die GEMA sorgt mit horrenden Gebühren für Downloads dafür, dass man in Deutschland de facto keine kostenlosen MP3s von Musik anbieten kann, während in den USA eine rasante Entwicklung festzustellen ist und immer mehr US-Anbieter auch den deutschen Markt geradezu überrollen. Stichwort: MySpace, YouTube, Last.FM und wie sie alle heißen.

Aber es gibt zum Glück genügend Indielabels, für die Tonspion ein wichtiger Kanal geworden ist, um auf ihre neuen Veröffentlichungen aufmerksam zu machen und neue Hörer zu erreichen. Man kann das sicher nicht 1:1 auf Plattenumsätze umrechnen, aber wenn man sich anschaut, wie viele Indiebands in den letzten Jahren die Charts stürmen, von Franz Ferdinand über Arctic Monkeys bis Maxïmo Park, dann scheinen die Leute heute besser über Musik informiert zu sein als je zuvor.

Wie oft wird auf Eure Seite monatlich zugegriffen?

Im Schnitt hat Tonspion rund 200.000 Besucher pro Monat.

Zum Thema Qualität von MP3-Dateien: Viele Hörer werfen sämtliche MP3-Dateien in einen Topf. Dabei gibt es entscheidende Unterschiede bei der Qualität einzelner Dateien. So wirbt der englische Download-Shop BLEEP.COM beispielsweise mit hochqualitativen MP3-Dateien. Kannst Du knapp skizzieren, welche Kriterien bei einer MP3 eine Rolle spielen?

Wir sehen das halb so wild. Viele Gerüchte über die Soundqualität von MP3 wurden meiner Meinung nach von konkurrierenden Herstellern in Umlauf gebracht, um ihr eigenes Audiokomprimierungsformat oder – wie Bleep – ihren eigenen Shop zu bewerben. Ich persönlich höre bei 192 kBit/44 kHz kaum mehr einen Unterschied zu einer CD. Und im Vergleich zu den Kassetten meiner Jugendzeit ist das ein geradezu traumhafter Sound. Für uns gilt: Es muss sich gut anhören, sonst stellen wir’s nicht vor.

Der Markt für CDs kommt aus seinem Tief scheinbar kaum noch heraus. Einige Labels sind in Insolvenz gegangen, andere haben massiv Stellen abgebaut. Illegale Tauschbörsen und exzessives Vervielfältigen eigener CDs wurden von der Musikindustrie als Begründung angeführt. Kritiker hingegen werfen der Musikindustrie Einfallslosigkeit und das Verschlafen der Digitalisierung vor. Welchen Standpunkt hast Du in dieser Diskussion?

Die Diskussion ist inzwischen scheinbar eingeschlafen. Kein Wunder: Seit Jahren sind die Fronten verhärtet und die Funktionäre der Musikindustrie versuchen ihre schrumpfende Pfründe rigoros zu bewahren. Da kann man nicht gegen anstinken. Schon gar nicht mit Diskussionen über Musik-Flatrates oder die Legalisierung von Tauschbörsen. Leider! Ich persönlich glaube, es gäbe da extrem viel Potential, wenn man endlich aufhören würde, die schützende Hand über das sterbende CD-Geschäft zu halten und dies in die neue Zeitrechnung hinüberretten zu wollen. Aber ganz ehrlich: Es ist nicht mein Job, das neue Musikgeschäft zu erfinden. Andere werden dafür sehr teuer bezahlt. Offenbar zu teuer, wie die Zahlen belegen.

Das Kölner Label KOMPAKT betreibt einen florierenden MP3-Shop und ist ein viel zitiertes Musterbeispiel für den Erfolg kommerzieller digitaler Downloads. Welche Perspektiven siehst Du selbst für den physischen Tonträger an sich und die zukünftige Arbeit von Plattenlabeln? Naht nun endgültig der von einigen Produzenten prognostizierte Abschied von Silberling und Vinyl?

Der Abschied ist längst eingeläutet, daran zweifelt wohl keiner mehr. Sobald es Download-Shops ohne lästiges DRM und mit allen verfügbaren Titeln zu fairen Preisen gibt, wird nur noch eine Minderheit Tonträger kaufen. Allerdings müssen wir darauf offenbar noch ein bisschen warten. Natürlich wird es wie die Schallplatte auch weiterhin die CD geben, daneben vielleicht auch noch einige neue Tonträger, man denke nur an USB-Sticks etc. Aber im Vergleich zum Download ist das alles doch viel zu umständlich und eher für Liebhaber, DJs oder Leute, die sich gerne was Schickes ins Regal stellen möchten. Downloads machen natürlich nicht viel her und sind sehr flüchtig.

Über das Thema Urheberrecht wird leidenschaftlich diskutiert. Es liegt auf der Hand, dass ein Künstler für seine Arbeit ebenso bezahlt werden möchte, wie jede andere Person auch. Häufig mag man den Eindruck gewinnen, als würde die ständige Diskussion um hohe CD-Preise vereinzelt auch deshalb geführt, um die eigene “Kostenlos-Kultur” zu legitimieren und sämtliche Musik nur noch gratis zu konsumieren. Bist Du der Ansicht, dass Musikhörer ein verstärktes Bewusstsein dafür entwickeln sollten, welche Anstrengungen und Kosten hinter einer Musikproduktion stecken und welche wirtschaftlichen Prozesse sich dahinter abspielen?

Musikhörer “müssen” zunächst einmal gar nichts, außer Musik hören. Ich finde diesen ganzen Erziehungsquark, der teilweise propagiert wird, extrem überheblich. Überhaupt ist die Eitelkeit mancher Brancheninsider ein Riesenproblem. Natürlich findet jeder “sein Produkt” so toll und so wertvoll, dass er bestimmen möchte, wo und zu welchen Bedingungen das läuft. Aber das ist Utopie. Fakt ist, dass heute komplette Festplatten gigabyteweise kopiert und in Freundeskreisen weiterverbreitet werden. Und zwar ohne ein Fünkchen schlechtes Gewissen, schließlich geht man ja anschließend auch mal aufs Konzert – natürlich möglichst auf Gästeliste. Es ist nicht immer erfreulich, aber man kann das nicht aufhalten, ohne die Freiheit der Menschen massiv beschränken zu wollen. Man kann darauf nur mit neuen kreativen Ideen reagieren, Dingen die den Menschen einen Mehrwert bieten und für die sie gerne bezahlen. Also: Nicht die Musikhörer müssen ein Bewusstsein fürs Business entwickeln, sondern das Business muss ein Bewusstsein für die Realität der Musikhörer im neuen Jahrtausend entwickeln und neue Wege finden, wie man auf dieser Grundlage Umsätze erwirtschaften kann. Dass es ohne Geld nicht geht, ist klar. Man kann nicht auf Dauer erfolgreich als Musiker durch die Weltgeschichte reisen oder im Studio sitzen und dann auch noch einen Nebenjob als Kellner oder Grafikdesigner haben. Das geht einfach nicht. Musik auf hohem Niveau zu produzieren ist ein sehr harter Fulltime-Job und ist nicht durch ein paar Minuten Fame aufzuwiegen.

Digital Rights Management (DRM) ist immer noch ein Zankapfel; über Sinn und Unsinn solcher Maßnahmen wird heftig debattiert. Gleichzeitig ist zu beobachten, dass vermehrt neu erscheinende CDs ohne Kopierschutz ausgestattet werden. Hältst Du DRM, ggf. in abgewandelter Form, in der Zukunft für einen sinnvollen Mechanismus oder befürwortest Du vielleicht alternative Modelle?

DRM ist ungefähr so sinnvoll, wie sich ein Loch ins Knie zu bohren und hat seinen Beitrag zum beschleunigten Niedergang der Musikbranche geleistet. Man kann den Leuten, die Musik kaufen nicht vorschreiben wie und mit welchen Geräten sie die Musik anschließend hören sollen.

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Foto: *pina, Photocase.com

Mittlerweile sind auch Vermutungen zu vernehmen, die Bedeutung von MP3 in den kommenden Jahren könne sinken, wenn sich leistungsstärkere Datenleitungen und größere Speichermedien wie Blu-ray etablieren, die ein Komprimieren überflüssig machen – wenn also die WAV-Datei genauso schnell auf die Festplatte flitzt wie derzeit die datenreduzierten Musikdateien. Könnte die Zeit der MP3 vielleicht tatsächlich schneller passé sein als gedacht?

Ich glaube nicht, dass es so schnell gehen wird, und selbst wenn die Leitungen entsprechend dick und die Festplatten riesengroß sind, spricht trotzdem kaum etwas dagegen, die Daten möglichst klein und kompakt zu halten, so lange der Sound nicht darunter leidet. Für mich ist aber nicht die entscheidende Frage, wie das Format heißt, sondern ob die Musik gut ist.

Holger Biermann, Redakteur des Blattes STEREOPLAY, hat nach Langzeittests zusammen mit der Redaktion in einem Beitrag auf SPIEGEL ONLINE vor drei Jahren eine interessante These formuliert: Datenreduzierte Musik ermüde schneller und stresse stärker als der Genuss unkomprimierter Songs. Biermann und die Redaktion schätzten, dass das Gehirn eines Hörers datenreduzierter Musik mehr arbeiten müsse, um die verdeckten Signale beispielsweise einer MP3-Datei zu ergänzen. Hältst Du diese Vermutung für nachvollziehbar?

Ich halte solche Spekulationen für unsinnig, so lange sie nicht wissenschaftlich nachgewiesen sind. Meines Wissens sind sie das nicht. Ich schlafe zumindest selten beim Musikhören ein und höre fast nur MP3-Dateien.

Unabhängig von der vorgenannten These sehen viele Musiker und Hörer in datenreduzierter Musik einen Verfall der Hörkultur. Eine ganze Generation konsumiere Musik häufig nur noch im 128 kBit-Format. Kritiker bringen diese Gewöhnung auch in Zusammenhang damit, dass hörtechnisch anspruchsvollere, aber auch teurere Formate wie DVD-Audio oder SACD ein Schattendasein fristen. Wie denkst Du darüber und siehst Du Perspektiven für hochqualitative Tonträgerformate in den kommenden Jahren?

Wie gesagt: ich bin mit analogen Mix-Kassetten groß geworden. Ich habe es überlebt und hatte viel Spaß mit Musik in dieser Zeit. Soviel zum Thema Hörkultur. Irgendwelche Surround-Super-HiFi-Klangwelten überfordern mich schnell. Ich glaube, dass wir hier von einer sehr überschaubaren Nische sprechen. Und ich glaube nicht, dass es jetzt um Nischenlösungen geht, sondern es müssen Standards etabliert werden, die von allen akzeptiert werden. 128 kBit-MP3s gehören aber auch nach meiner Meinung rigoros von der Festplatte gelöscht, da hier ganz entscheidende Frequenz-Bereiche fehlen, die der Musik und dem Ruf des MP3-Formats nicht gut tun.

Patrick Bodmer, Mitbetreiber des Berliner Labels GET PHYSICAL RECORDS, hat in einem Interview mit der Zeitschrift GROOVE* einen “Wertverlust von Kultur und Kunstgütern wegen digitalen Produktionen, Medien und Transportmöglichkeiten” hervorgehoben. Welche Entwicklungen kann die ständige Verfügbarkeit eines stetig wachsenden Angebots von Musik auf den Musikhörer Deiner Meinung nach zeitigen?

Ganz klar: Man hört übers Netz viel mehr Musik, als man wirklich verarbeiten kann. Vieles davon ist Schrott. Entsprechend kann das schon sein, dass man das als Wertverlust empfindet, auch wenn man in Wahrheit so viel Auswahl wie nie zuvor hat, was ja ein klarer Wertezuwachs ist. Doch diese Auswahl zu treffen, ist mit Arbeit verbunden. Wir nehmen unseren Nutzern einen Teil dieser Arbeit ab, indem wir ausschließlich Empfehlungen vorstellen. Labels, Musikmagazine, Musik-Blogs – es gibt viele die daran arbeiten, dass Musik mehr ist als nur “Filez” und die helfen, den Müll vom wirklich Wertvollen zu trennen.

In der Rückschau: Tonspion.de hat auch besonders dazu beigetragen, den Hörern zu vermitteln, dass eine Menge Künstler ihre Songs gerne bereitstellt und nicht prinzipiell um das Thema MP3 im Internet einen Bogen macht. Kannst Du dem zustimmen oder was an Eurem Angebot siehst Du unter einem besonders wichtigen Blickwinkel, den Du herausstellen möchtest?

Ich denke tatsächlich, dass wir in der Vergangenheit ein wenig zwischen Hörern, Künstlern und Labels vermittelt haben. Künstler und Labels sind ja oft auch “nur” Hörer und Fans. So schwarz-weiß, wie es zu Beginn der MP3-Revolution gemalt wurde, war das Verhältnis zwischen “Kreativen” einerseits und “Piraten” andererseits nie. Auch Musiker laden teilweise Musik über Tauschbörsen und schöpfen daraus neue kreative Ideen. Wir haben von Anfang an über das kontroverse Thema berichtet und werden das auch weiterhin tun, denn wir befinden uns immer noch in einer Zeit des radikalen Umbruchs und kaum einer weiß momentan, wohin die Reise tatsächlich geht. Das ist ja auch das Spannende für uns seit über sieben Jahren.

Habt Ihr konkrete Pläne, das Angebot von Tonspion.de entscheidend zu ändern oder speziell zu erweitern?

Wir müssen natürlich sehen, was sich im Bereich der Communities in den letzten beiden Jahren getan hat. Hier werden wir den Tonspion in diesem Herbst weiter ausbauen und neue Funktionalitäten anbieten, die unseren Nutzern mehr Möglichkeiten an die Hand geben, sich selbst einzubringen und zu vernetzen. Schließlich gibt’s bei uns viele Musikhörer mit 1A-Geschmack und viel Ahnung von Musik. Trotzdem werden wir Tonspion im Kern weiter so machen wie bisher. Das heißt: täglich handverlesene Musik von überwiegend jungen, frischen Bands und Künstlern redaktionell vorstellen, bevor sie dann jeder kennt. Und dann betreuen wir neuerdings auch Netselektor.de, eine Seite auf der wir neue spannende Webseiten vorstellen, ganz nach dem Prinzip Tonspion. Es tut sich also eigentlich immer was bei uns.

Über den Autor

Christian Noe ist freier Publizist. Seine Website: www.christian-noe.de

*Das Interview erschien unter dem Titel “Analog vs. Digital” in der GROOVE, Ausgabe März/April 2007, Nr. 105. www.groove.de

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(Coverfoto: © alphaspirit, depositphotos.com)

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7 Gedanken zu „Tonspion.de: Klangagenten im Internet

  1. Da ich eben so nett gebeten wurde, versuch ich mal grad meine Aussage, dass ich einige Passagen in Bezug auf die GEMA irreführend finde, zu erläutern. Richtig ist: Sobald einer der Textdichter oder Autoren eines Werkes Mitglied bei der GEMA ist, löst eine Veröffentlichung eines Songs von ihm sofort eine Vergütungspflicht aus. Davon freigestellt sind (in einem engen Rahmen) lediglich Eigenpräsentationen der Künstler, die diese Werke vertont bzw. aufgenommen haben. Soweit so schlecht.

    Irreführend find ich die pauschale Aussage, dass dies immer so ist. Schranken der Verwertung ergeben sich aus unterschiedlichen Gründen:

    1. Keiner der Autoren ist GEMA-Mitglied. Hier muss ich, wenn ich solch ein Werk veröffentlichen möchte, lediglich die Zustimmung des Urhebers/Rechteverwerters besitzen.

    2. Ein Werk aus dem GEMA-Reportaire eines ausländischen Künstlers wird unter einer Lizenz wie der Creative Commons veröffentlicht. Hier argumentiere ich derzeit so, dass der GEMA-Anspruch in diesem Falle nicht besteht. Leider ist das noch nicht endgültig geklärt, also im Zweifel lieber lassen. Beispiele dafür sind unter anderem Pearl Jam oder Kristin Hersh.

    3. Ich verlinke auf meiner Webseite direkt auf öffentlich zugängliche MP3 im Netz, welche offensichtlich *nicht* rechtswidrig eingestellt wurden. Auch dies löst keine Vergütungspflicht aus, da es keinen urheberrechtlich relevanten Eingriff darstellt. (Gilt im Übrigen auch für Youtube-Videos)

    Noch komplizierter wird die ganze Geschichte allerdings dadurch, dass es sehr wohl sein kann, das ein Autor die Digitalverwertungsrechte aus seinem Wahrnehmungsvertrag mit der GEMA ausgeklammert hat. Hier kann man im Zweifel ja auch beim Urheber nachfragen.

    Denke das düfte meinen Satz erklären.

  2. Hallo Falk, vielen Dank für diese sehr interessante Ergänzung. Die Sache mit den Verwertungsrechten scheint ja wieder ein Fall für einen Anwalt zu sein… Ich hatte auch beim Lawpodcast schon gehört, das “freie” Musik z.B. aus dem “Podsafe Music Network” gar nicht so unproblematisch ist.

  3. Letzteres ist tatsächlich problematisch, da Urheberrechte nach wie vor länderspezifisch unterschiedlich geregelt sind. So kann in den USA beispielsweise ein ausübender Künstler Liveaufnahmen freigeben, ohne den Autor fragen zu müssen. Diese Aufnahmen sind dann aber aufgrund Gegenseitigkeitsverträgen mit der GEMA hierzulande wieder vergütungspflichtig. Und günstige Pauschalen für die Onlinenutzung bis auf Webradios nicht in Sicht.

    Allerdings ist auf die Reportairesuche der GEMA auch kein Verlass. Fußangeln gibts also zur Genüge, aber mit ein bisschen gutem Willen ist Vieles machbar.

  4. Zum Thema Blogs und MP3 im Internet und den dadurch veränderten Umgang mit Musik ist eine interessante Abhandlung von Hendrik Lakeberg in der September-Ausgabe der DE:BUG (Nr. 115) erschienen. Darüber hinaus findet sich in derselben Ausgabe
    ein Interview mit Eloy Lopez vom Download-Portal BEATPORT.
    http://www.de-bug.de

  5. Schöner Artikel der mir in vielen Teilen aus der Seele spricht.

    Die Musikindustrie hat einfach zulange zu viel verpennt. Sahen sie das Internet lange Zeit als Böse an das ihnen die Gewinne Klaut.

    Es lag einfach nicht an dem Bösen Internet das ihre gewinne eingebrochen sind sondern an Ihrem alten Konzepten an denen sie Krankhaft festgehalten haben und uns mit ihren Milchmädschien-Rechnungen vormachen wolten wie viel Milijarden sie ja doch verlieren.

    Wen man alein überlegt was wir ITunes und Co verdanken. Muste man früher eine ganze CD für 15 Euro kaufen wobei man eigentlich nur ein oder zwei Lieder gut fand kann man heut bequem von zuhause genau die Lieder Kaufen die man will und bezahlt nicht sinlos mehr. Für uns Käufer ein enormer vorteil 1-2 Euro staat 15 Euro. Für die Musikindustrie ergibt sich der Vorteil das sie zusätliche Kunden gewinnen die eine CD für 15 Euro einfach nicht kaufen nur wegen 2 Liedern.

    Last.fm und Co sind nun der Nexte Schrit und ergänzung. Man Browst sich durch Musik hört sie Kostenlos entdeckt vieles neue ohne zwang und das was einnehm wirklich gefält wird im endefekt gekauft da man es in einer Anständigen Qualität hören möchte.
    Zudem haben die Platenfirmen auch bei diesen Portalen auch direkte einnahmen durch Sharing der Werbeeinnahmen. Im Endefekt eine Reine Win-Win Situation.

    Nicht versuchen den Wandel der Zeit zu Trotzen sondern mitgehen und das eigene Geschäftsmodel anpassen.

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