Analytics-Tipps für Redakteure und Blogger

Ein Vorteil des Schreibens im Internet ist, dass man sehr genau mitbekommen kann, was gelesen wird und was nicht. Und über einen Statistikdienst wie Google Analytics kann man sogar noch mehr herausfinden. In diesem Beitrag gebe ich einige Tipps aus meinem Alltag weiter: Was ich mir bei Analytics anschaue und welche Schlüsse sich daraus ziehen lassen.

Symbolfoto Zahlen
Foto: Katey Nicosia, Flickr.com. Lizenz: CC BY-NC 2.0

Kurze Vorbemerkung zu Google Analytics generell

Aufgrund der Datenschutzproblematik ist Google Analytics in Deutschland immer mal wieder ins Gerede gekommen. Deshalb und aus anderen Gründen gibt es Leute, die den Einsatz vollkommen ablehnen. In diesem Beitrag soll es auch gar nicht darum gehen, Werbung für Google Analytics zu machen. Es gibt gute Alternativen wie beispielsweise Piwik. Aber Analytics ist das Tool, das ich am besten kenne und am meisten einsetze. Die von mir hier genannten Auswertungen sollten aber so oder ähnlich auch mit anderen Diensten möglich sein.

Worum es mir bei den Auswertungen geht und worum nicht

Zweite Vorbemerkung: Es geht hier allein darum, eine Website aus redaktioneller Sicht zu betrachten. Es geht nicht um E-Commerce und auch nicht um eine allgemeine Optimierung einer Website – das ist leicht einen eigenen Artikel wert. Die grundsätzliche Fragestellung ist: Was interessiert die Leser und was nicht und welche Schlussfolgerungen kann ich daraus ableiten?

Wichtig ist mir dabei, nicht nur blind für Zugriffe zu schreiben. Mir geht es mehr darum, ein besseres Gefühl für Themen zu entwickeln und auf diese Weise vielleicht sogar neue Ideen für Artikel zu bekommen. Mehr dazu am Schluss des Beitrags.

Drei Dinge, die ich mir anschaue

Wenn es um Analytics oder einen ähnlichen Dienst geht, dann habe ich damit aus meinem redaktionellen Blick heraus vor allem drei Dinge, die mich interessieren:

  1. Mir bei einer Website grundlegend anschauen, wie gut sie läuft, was vor allem gut läuft, wie die Nutzer zusammengesetzt sind etc.
  2. Mir einen aktuellen Überblick verschaffen, wie eine Website im Moment aktuell läuft, bei mir vor allem in der aktuellen Woche, im aktuellen Monat bzw. die vergangenen vier Wochen.
  3. Mir bei einzelnen Beiträgen anschauen, wie sie sich entwickelt haben und warum.

Überblick zum Analytics-Backend

Google Analytics Startseite
Auf dieser Übersicht landet man standardmäßig.

Ein Hinweis: Bei mir ist Analytics auf Englisch, es gibt aber auch eine deutsche Version. Kurzer Überblick zu den Navigationspunkten links:

  • “Real Time” kann ganz interessant sein. Aber nicht für das Thema dieses Beitrags. Man sieht hier, was genau jetzt auf der Seite los ist.
  • “Audience” ist interessant, wenn man grundlegende Dinge über eine Website herausfinden möchte. In diesem Fall alles, was man über die Besucher weiß.
  • Ähnliches gilt für “Traffic Sources”: Woher kommen die Besucher?
  • Meistens schaue ich im Bereich “Content”, weil man hier die Zahlen im Verhältnis zu den Inhalten sieht. Und das ist das, was mich in der Regel interessiert.
  • “Conversions” kann man nutzen, um den Erfolg von Kampagnen auszuwerten. Das wird z.B. interessant, wenn man Downloads anbietet und eventuell bewirbt.

Was ich bislang nicht benutze sind Segmente und individuelle Berichte. Damit kann man noch tiefer einsteigen und häufig abgefragte Dinge automatisieren. Segmente bedeutet: Man kann die angezeigten Zahlen auf einen bestimmten Traffic eingrenzen. Beispiel: Besucher, die über Google kommen oder wiederkehrende Nutzer oder Benutzer, die über ein bestimmtes Keyword gekommen sind usw.

1. Website grundlegend anschauen

Google Analytics Jahresuebersicht
Durch den Blick auf große Zeiträume wie ein ganzes Jahr kann man sich einen ersten Eindruck verschaffen und dann bspw. Trafficspitzen genauer ansehen.

Wenn ich eine Seite erst einmal grundsätzlich beurteilen will, interessieren mich beispielsweise diese Daten:

  • Gesamtzugriffe, vor allem auch im Jahresvergleich, erstmal für große Zeiträume wie ein Jahr.
  • Verweildauer
  • Zahl der Klicks pro Besuch
  • Verweisende Quellen. Wie hoch ist der Anteil von Suchmaschinen? Wie viel kommt über Social Media? Gibt es andere große Trafficbringer wie bspw. Wikipedia?
  • Trafficspitzen
  • Die meistabgerufenen Artikel. Welche Themen haben sie? Von wann stammen sie?

2. Wie läuft die Website aktuell?

Das ist etwas, was ich vor allem dienstlich bei Seiten wie neuerdings.com täglich mache: Was ist in den letzten sieben Tagen und den letzten vier Wochen auf der Seite passiert.

Mich interessiert dabei vor allem unter dem Hauptunkt “Content” der Unterpunkt “Site Content” und hier wiederum “All Pages”. Das listet alle Inhalte nach Zugriffen für den oben rechts eingestellten Zeitraum auf. Sehr sinnvoll ist es, unter “Show rows” rechts unten die Zahl der angezeigten Zeilen zu erhöhen, beispielsweise auf 50 oder mehr.

Interessant ist hier eventuell auch der Vergleich mit dem Vorjahreszeitraum. Dazu gibt es bei Analytics oben rechts im Datumswähler einen eigenen Punkt im Pulldown-Menü.

Die Liste kann man zudem nach bestimmten Zeichenfolgen in der URL filtern. Hier kommt es darauf an, wie die URLs auf der Seite aufgebaut sind, damit das sinnvoll ist. Bei neuerdings haben Artikel beispielsweise immer das Datum in der Adresse: /2013/03/10/artikelname. Deshalb kann man durch das Filtern mit “/2013/” zum Beispiel die Ansicht hier auf alle Artikel aus dem Jahr 2013 beschränken. Wie gesagt: Das hängt davon ab, ob es die eigenen URLs hergeben.

Auf alle Fälle sieht man in dieser Liste, welche Beiträge in den genannten Zeiträumen ankommen. Sind es neu veröffentlichte Posts? Sind vielleicht einige “Dauerläufer” aus früheren Zeiten darunter? Taucht plötzlich ein Beitrag oben auf, weil er von Google besser gelistet wird oder auf einer großen Seite verlinkt wurde?

3. Einzelne Beiträge analysieren

Wenn man nun feststellt, dass ein Thema gut ankommt oder angekommen ist, kann man etwas tiefer einsteigen. Bei Analytics klickt man dazu einfach auf die URL des Beitrags, um ihn einzeln zu betrachten.

Beispiel Evernote-Artikel
Typisch für viele Beiträge: Sie haben am Anfang einmal eine Spitze und fallen dann ab.
Evernote-Artikel plus Trafficsources
Blendet man bei “Secondary Dimension” die “Sources” ein, sieht man, woher die Nutzer kommen.

Je nach Art des Artikels und je nach Thema ist es vollkommen normal, dass der Beitrag einmal eine Trafficspitze hat und dann steil abfällt. Das Beispiel oben ist unser Beitrag über Evernote, der sich auf Google+ sehr gut verbreitet hat, wie man anhand der Trafficquellen sofort erkennt.

Wenn das eigene Thema zeitlos ist und von Google in der Websuche weit vorn gelistet wird, bekommt man auch später noch Besucher. Ganz typisch ist dabei, dass die Zugriffszahlen des Beitrags zunächst genauso abstürzen wie im obigen Beispiel, sich dann aber mit der Zeit berappeln und für einen dauerhaften Besucherstrom sorgen:

Beispiel Screencasting-Artikel
Unser Beitrag über Screencasting-Software bekommt dauerhaft neue Besucher.
Screencasting-Artikel und Keywords
Die Keywords, mit denen die Besucher auf den Screencasting-Artikel kommen.
Screencasting-Artikel und Quelle Google
Und hier noch der Beweis: Bei der ersten Spitze spielte Google (orange) noch keine Rolle, später fast ausschließlich.

Die Auswertung der Keywords ist oftmals sehr interessant, da man hier gelegentlich auch Überraschungen erlebt. Aus Sicht eines Seitenbetreibers, Bloggers oder Redakteurs gibt es allerdings ein “leider” hinzuzufügen: Leider wird nur noch ein Teil der Keywords ausgewiesen. Das schlägt sich in der Angabe “(not set)” oder “(not provided)” nieder. Für die Nutzer eine gute Sache, denn wenn man beispielsweise  bei Google eingeloggt ist, wird die Suchanfrage nicht mit übergeben, um die Privatsphäre zu schützen. Insofern bleibt eine gewisse Dunkelziffer.

Themenideen entwickeln

Was macht man nun mit diesen Daten und manchmal vagen Erkenntnissen? Eine Möglichkeit ist es, darüber auf neue Themenideen zu kommen. So kann es beispielsweise sein, dass man über ein Thema sehr allgemein geschrieben hat, man aber in den Keywords sieht, dass sich die Leser für einen Aspekt daraus besonders interessieren. Den kann man natürlich noch einmal gesondert vornehmen. Und generell ist es so, dass man ein Thema nicht deshalb als erledigt ansehen sollte, nur weil man ein einziges Mal darüber geschrieben hat. Vielleicht ist das bereits etliche Monate her und zwischenzeitlich gibt es neue Entwicklungen. Oder man nimmt sich das Thema noch einmal auf eine andere Weise vor.

Neben den Keywords in Google Analytics kann man beispielsweise auch das Google Keywordtool nutzen, das eigentlich für Nutzer von AdWords gedacht ist. Das wäre allerdings schon wieder einen eigenen Beitrag wert. Ähnlich verhält es sich mit den Google Webmastertools. Eine Anmeldung hier lohnt sich auf jeden Fall, denn man erfährt einiges darüber, wie die Suchmaschine die eigene Website einschätzt. Dazu gehören u.a. auch die Keywords.

Vorsicht bei der Interpretation

Abschließend sei noch vor voreiligen Schlüssen bei der Interpretation der Zahlen gewarnt. Man bekommt lediglich einen ungefähren Eindruck, was passiert.

So gibt es zahlreiche Faktoren, die man aus Analytics nur schwer oder gar nicht ablesen kann. Beispiel: Wie war die Themenlage an dem Tag insgesamt auf der Seite oder andernorts im Netz? Was hat dazu geführt, dass sich ein Beitrag im Social Web verbreitet hat? Woher kommen all die Leute, die laut Statistik die Seite “direkt” aufrufen (siehe dazu unseren Post zu “Dark Social”)?

Meine Erfahrung: Wenn ein Thema einmal nicht gut gelaufen ist, kann es zu einem andere Zeitpunkt, mit einer anderen Grundidee, einer besseren Überschrift oder einfach durch Zufall besser laufen – z.B. weil ein wichtiger Multiplikator den Artikel sieht und weiterempfiehlt, der den ersten übersehen hat. Oder aber das Thema war vor sechs Monaten nur für einen kleinen Kreis interessant, ist inzwischen aber in der Bedeutung gewachsen.

Deshalb der grundlegende Hinweis: Der regelmäßige Blick in Google Analytics hilft einem, die eigenen Leser besser zu verstehen. Manchmal aber führt er auch einfach zu Kopfkratzen und Ratlosigkeit. Und man sollte stets auf das hören, was man selbst denkt und fühlt. Die Zahlen sind eine Ergänzung, eine Hilfestellung und manchmal ein Ideengeber. Sie ersetzen aber nicht die Kreativität des Schreibers.

Lesetipp: Dossier Content für Marketing und Kommunikation

(Cover-Illustration: © enotmaks, depositphotos.com)

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10 Gedanken zu „Analytics-Tipps für Redakteure und Blogger

  1. Danke Jan für Deinen Einblick. Ist interessant, welche Google-Analytics-Berichte Du anschaust und welche nicht.

    Für mich interessant ist immer die Verteilung Suchzugriffe, direkte Zugriffe, Verweise.

    Und dann natürlich “welche Keywords” bei den Suchzugriffen und “welche URLs” mit “welchem Erfolg” (Page on Time, Pageviews, Bounce Rate) bei den Verweisen.

    Zu den Segmentierungen, die Du nur kurz streifst: Spannend sind die z.B. für “Zugriff über Suche, die nicht den eigenen Markennamen als Keyword enthält”. Manchmal möchte ich einfach wissen, wie viele der Besucher die eigene Marke (in unserem Falle unseren Agenturnamen) kennen und wie viele über generische Keywords auf uns stoßen.

    Grüße nach San Francisco
    Jan

    P.S.: Dass “alte Beiträge” nach so langer Zeit plötzlich “abgehen” war mir ehrlich gesagt noch nicht bewusst.

  2. Ja, Segmente werde ich mir auch auf jeden Fall noch einmal genauer anschauen, wobei die zumindest für neuerdings.com im Tagesgeschäft kein so große Rolle spielen werden. Aber für den großen Überblick und generelle Auswertungen wird auch das nützlich sein.

  3. Ich schaue leider immer viel zu wenig in die Statistiken meiner Seiten. Doch dank deiner kleinen Einführung weiß ich zumindest einmal, wo es sich lohnt, einen der fünftausend Schalter zu drücken. Danke dafür!

  4. Ich habe leider viel zu wenig Zeit für Statistiken, da ist es sehr hilfreich, ein paar Tipps zu bekommen! Ich nutze Analytics quasi als Standard bei den von mir erstellten Websites, bin aber lange kein Profi, was die Auswertung betrifft. Danke für den Beitrag.

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