Money for blogging

…and the chips for free.* Wenn’s ums Bloggen geht, ist meist von Selbtverwirklichung die Rede und von Spaß. Manche sehen sich auch als fünfte Macht, neben den drei offiziellen Mächten und den alten Medien. Aber mit dem Bloggen Geld zu verdienen hat keinen guten Ruf. Man wird schnell zum Verräter an der guten Sache. Mit dem schweizer Anbieter Trigami und der deutschen Institution VG Wort tun sich nun zwei neue Möglichkeiten auf. Verdienen kann man mit ihnen bislang eher wenig. Zum Glück gibt es weitere Chancen, aber nur eine davon ist wirklich bequem.

Money, Money, Money - uuuh
Money, money, money – uuuh…! Foto: Pixelquelle.de

Trigami: bezahlte Blogeinträge

Unter dem Wischiwaschi-Web-2.0-Namen Trigami gibt es nun im deutschsprachigen Internet ein Angebot, das vergleichbar ist mit Pay Per Post oder Review Me. Diese Anbieter vermitteln Blogbeiträge für ihre zahlenden Kunden. Die Blogger werden für ihre Veröffentlichungen belohnt.

Eine positive Berichterstattung ist dabei nicht unbedingt Teil des Deals. Wichtiger sind die Links im Artikel und natürlich, dass das Produkt oder Angebot der jeweiligen Firma überhaupt im Gespräch ist. Die bezahlten Beiträge werden als solche kenntlich gemacht.

Ein Beispiel ist dieser Bericht auf Bloggingtom.ch über einen DVD-Tauschdienst. Der Artikel gehört zu einem ersten Testlauf, mit dem Trigami den Markt testet. In Ihrem Fazit schreiben sie unter anderem:

Der Marktforschungs-Effekt für Exsila hielt sich in Grenzen. In den Feedbacks wurde eher auf trigami und bezahltes Posting eingegangen als auf den DVD-Service. Dies ist auf der einen Seite schade für Exsila, aber auf der anderen Seite konnte man durchaus damit rechnen, wenn man so ein neues Modell im deutschsprachigen Raum einführt. (…) Aus den Kommentaren von Lesern wurden wir darauf aufmerksam gemacht, dass die Kennzeichnung der bezahlten Beiträge noch nicht optimal ist. Hier müssen wir uns Kritik gefallen lassen.

Wer experimentierfreudig ist, kann sich bei Trigami auf die Warteliste setzen lassen.

Nachtrag: Eine Anleitung zu Trigami habe ich inzwischen hier geschrieben: Bezahltes Bloggen: so funktioniert Trigami

Siehe dazu auch:
Connected Marketing: Authentische Blogeinträge kaufen…
Werbeblogger: Word of Kauf

VG Wort: bürokratisch zum Reichtum?

Bei Journalisten und Autoren ist die VG Wort schon gut bekannt. Wer brav seine jährliche Meldung abgibt, kann im Sommer mit einem Scheck rechnen. Das Geld soll ausgleichen, dass deren Werke wie Zeitungsartikel und Fachbücher in Bibliotheken ausgeliehen, kopiert und in Sammlungen wie Pressespiegel aufgenommen werden. Auf diese Weise erreichen die Werke sehr viel mehr Leser, ohne dass der Urheber etwas davon hätte. Die VG Wort kassiert beispielsweise bei Fotokopierern mit, sammelt alles Geld und verteilt es nach einem bestimmten Schlüssel.

Das gibt es nun auch für Internetseiten und somit auch für Blogs. Das Ganze hört auf den schönen Namen Metis – Meldesystem für Texte auf Internetseiten. Und wer sich hier noch nicht an bürokratische Ungetüme erinnert fühlt, dem wird es spätestens bei Begriffen wie “Nutzungsvorgang” so gehen.

Metis befindet sich in der Erprobungsphase und man kann nur hoffen, dass es vereinfacht wird. Im Moment geht es so: Man schreibt einen Text, dieser wird kategorisiert und an die VG Wort gemeldet. Die prüft den Text und die Kategorisierung. Als Belohnung erhält man eine Buchstaben-Zahlen-Kombination. Die wird benötigt, damit bei der anschließenden Zählung der Aufrufe (=”Nutzungsvorgänge”) der Artikel identifiziert werden kann. Diese Zählung läuft über ein 1×1-Pixel großes Bild, das in die entsprechende Artikelseite integriert wird. Selbst habe ich das noch nicht ausprobiert.

Weitere Informationen zu Metis auch in diesem Artikel auf Telepolis.

Adsense: Geld im Schlaf

Nach diesen anstrengenden Möglichkeiten, unverschämt reich zu werden, hier nun eine superbequeme: Google Adsense. Eigentlich muss dazu wohl nicht mehr viel gesagt werden. Im Wesentlichen sind es Textanzeigen, die pro Klick eines Nutzers bezahlt werden. Die Höhe der Vergütung richtet sich unter anderem nach dem Thema, denn mit Versicherungen lässt sich nun einmal mehr verdienen als mit Sicherheitsnadeln. Richtig viel Geld gibt es wohl rund ums Thema Detekteien… Google analysiert automatisch den Inhalt einer Website und blendet möglichst passende Anzeigen dazu ein. Je nach dem, wie wichtig die eigene Seite von Google eingeschätzt wird, gibt sich die Suchmaschine damit mal mehr, mal weniger Mühe. Auch gibt es zwar sehr viele Anzeigen, aber dann doch nicht zu jedem Thema eine hundertprozentig passende. So muss man mit Kompromissen leben.

Natürlich gibt es die Möglichkeit, das Pferd von hinten aufzuzäumen und den passenden Content für lohnende Adsense-Anzeigen zu schreiben. Klar.

Das Schicke an Adsense ist: Man integriert einmal die Werbeplätze und hat dann nichts mehr damit zu tun. Wer’s professioneller mag, analysiert allerdings regelmäßig, welche Werbeplätze wieviel einbringen und verbessert so seine Einnahmen. Sobald mehr als 100 US-Dollar zusammen sind, gibt’s das Geld von Google ausbezahlt. Manch einer verdient locker vierstellige Summen im Monat damit, andere kommen nie über 10 Dollar.

Mehr über Adsense habe ich in diesem Artikel auf meiner Seite Internet optimal nutzen geschrieben.

Affilimatch, Relevance Ads & Co: das bessere Adsense?

Weil Adsense so beliebt ist, gibt es natürlich Nachahmer. Die Relevance Ads von eBay beispielsweise analysieren ebenfalls automatisch den Inhalt der Seite und blenden passende Auktionen dazu ein. Bei Affilimatch von Affilinet sind es verschiedene Partnerprogramme, die beworben werden. Bei manchen funktionieren diese Anzeigen besser als die von Google. Bei anderen ist es umgekehrt. Hier hilft wie so oft nur: ausprobieren. Allerdings sollten Anzeigen, die so ähnlich wie Adsense aussehen oder funktionieren nicht gleichzeitig auf einer Seite verwendet werden. Das verstößt gegen die Richtlinien von Google Adsense und kann zur Folge haben, dass einem das Konto gekündigt wird. Die bis dahin aufgelaufenen Einnahmen sind dann futsch – alle künftigen natürlich sowieso…

Die eBay Relevance Ads und die Affilimatch-Anzeigen gibt es bei Affilinet.

Partnerprogramme: mehr Arbeit, mehr Einnahmen

Bei Affilimatch fiel der Begriff schon: Partnerprogramme. Firmen stellen dabei Werbelinks und Werbegrafiken zur Verfügung, Besitzer von Homepages integrieren sie in die eigene Seite und sobald sie erfolgreich einen Neukunden darüber werben oder gar einen Verkauf gibt es eine Belohnung. Die Margen sind hier deutlich höher als beispielsweise bei Adsense. Dafür werden aber in der Regel keine Klicks vergütet, sondern wirklich nur neue Kunden und Verkäufe. Das macht das Geschäft schwieriger. Das reine Einbauen von Werbung bringt einen dabei nicht auf den richtigen Weg.

Entweder hat man das Glück, dass es Partnerprogramme passend zum eigenen Thema gibt. Oder man geht wie oben bei Adsense schon erwähnt den anderen Weg und schafft passende Inhalte zum lohnenden Partnerprogramm. Hier ist es wichtig, die Interessenten zu beraten und gut zu informieren, damit sie tatsächlich auf den Werbelink klicken und einen Kauf tätigen. Und nach meiner eigenen Erfahrung ist Ehrlichkeit ebenfalls wichtig. Jedes Produkt hat Nachteile, man sollte sie nicht verschweigen. Das macht ansonsten die Empfehlung unglaubwürdig. Und man sollte Werbelinks auch nicht tarnen, sondern offen zu ihnen stehen. Ganz nebenbei müssen Werbung und redaktionelle Inhalte auch rechtlich gesehen deutlich getrennt sein.

Rund ums Thema Geld verdienen hatte ich auf meinem nun vernachlässigten Webog IONblog häufiger mal geschrieben.

Ist das alles?

Nein, das ist nicht alles. Vor allem darf man nicht unterschätzen, dass Weblogs auch indirekt für Einnahmen sorgen können. Das gilt vor allem für Selbstständige. Sie können mit einem Weblog hervorragend auf ihre Kompetenzen und ihr Fachwissen aufmerksam machen und darüber neue Kunden gewinnen. Auch Arbeitgeber lassen vermehrt im Internet nach potenziellen Kandidaten für ihre offene Stelle suchen.

Eine Weile konnte man auch gegen eine monatliche Pauschale bloggen. Das Projekt Germanblogs war da sehr großzügig. Leider ist diese experimentelle Geldquelle inzwischen wieder versiegt. Das schließt allerdings nicht aus, dass es nicht doch ähnliche Projekte in Zukunft geben wird. Nur werden sich die Betreiber dann die Blogger wahrscheinlich selbst aussuchen, die sie per Honorar auf die eigene Seite holen.

Nicht unterschätzen sollte man auch das Potenzial von bezahlten Inhalten (“paid content”). Weblogs sind in der Regel frei zugänglich und diese kostenlose Verfügbarkeit von Meinungen und Wissen ist auch ihre große Stärke. Dafür sind sie aber in der Regel nicht geordnet. Themen tauchen beispielsweise immer mal wieder auf. Wer sich dafür interessiert, müsste dranbleiben oder sich die Artikel mühsam zusammensammeln. Fakten und Tipps in einer gut lesbaren Form zum bezahlten Download anzubieten, ist aus meiner Sicht eine gute weitere Möglichkeit, etwas dazu zu verdienen. Darüber einmal in einem eigenen Artikel mehr.

Nachtrag: Wie man vom Blog zum Buch kommt, habe ich in einer dreiteiligen Artikelserie beschrieben.

Fazit

Es gibt Möglichkeiten, mit dem eigenen Weblog Geld zu verdienen. Das ist aber in der Regel mit zusätzlicher Arbeit oder ansonsten nur mit geringen Einnahmen verbunden. Bezahlte Inhalte spielen im Gegensatz zur Printwelt bislang nur eine kleine Rolle. Wer heute ein Weblog startet, tut das meist nicht aus der Überlegung heraus, damit seinen Lebensunterhalt zu bestreiten. Das ist in mancherlei Hinsicht ganz gut so, weil man es Projekten anmerkt, ob sie aus Leidenschaft oder Kalkül entstehen. Andererseits ist es schade, denn es würde sicher noch mehr Bewegung in die Medienlandschaft bringen, könnte man mit höheren Einnahmen aus Werbung und Abos kalkulieren. Schließlich gibt es am Kiosk auch Zeitschriften wie Mare oder Brand Eins, die mit sehr viel Leidenschaft gemacht sind. Geld verführt also nicht immer zum Schlechten…

* Ja, ich weiß, dass es im Original “…and the chicks for free” heißt ;-)

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9 Gedanken zu „Money for blogging

  1. Endlich mal jemand, der Geldverdienen nicht verteufelt. Viele User/innen erwarten ja, dass man täglich im Internet stundenlang zum Nulltarif arbeitet. Einziger Lohn: mehr oder weniger gnädige oder ungnädige Kommentare …

  2. Ergänzung zu: VG Wort: bürokratisch zum Reichtum?: Blogger und andere Autoren gehen bei der VG-Wort leider meistens leer aus, weil das Zählpixel nicht nach dem Body-Tag in den Quelltext der HTML-Seite eingebunden werden kann.

  3. Danke für die Ergänzung. Ich habe jetzt nur mal einen kurzen Blick in die “FAQs” geworfen unter http://www.vgwort.de/metis_faq.php und da steht, dass das Zählpixel “sofern realisierbar” direkt nach dem Body-Tag eingebaut werden sollte. Es käme vielleicht auf einen Versuch an.

    Im Prinzip finde ich das interessant, aber dazu brauche ich wirklich mal eine freie Stunde, um das Schritt für Schritt durchzugehen und umzusetzen…

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