KI-Inhalte sind besser als viele Content Creator zugeben mögen. Wer langfristig bestehen will, muss sich von den Erzeugnissen der Maschinen klar abheben. Manche sehen nun ihre Chance darin, mehr Meinung einzubringen. Warum das eher nicht weiterhilft und was jetzt stattdessen gefragt ist, erklärt Jens Jacobsen in seiner neuen Kolumne.

Wir sind uns fast alle einig: KI -Content ist eine Gefahr. Aber was wäre, wenn KI-Content gut wäre und kein Schrott, mit dem das Internet geflutet wird?
Für mich als Konsument ist die KI an sich schon jetzt eine wunderbare Entwicklung. Ich muss mir nicht mehr seitenlange Listen mit vermeintlich häufig gestellten Fragen durchscrollen, von der vor allem das Marketing-Team sich wünscht, dass sie gefragt werden. Ich muss keine „Philosophie“-Seiten mit wolkigen Versprechungen mehr durchlesen, um herauszufinden, wofür ein Unternehmen steht. Ich muss keine Produktbeschreibungen durcharbeiten, die durchsetzt sind mit Call-to-actions oder, noch schlimmer, mit Werbung.
Auch als Dozent profitiere ich: Studierende, die ihre Arbeiten mit KI überarbeiten, liefern verständlichere Texte mit weniger Fehlern. Meine Aufgabe als Dozent ist es, durch angepasste Aufgabenstellung dafür zu sorgen, dass die inhaltliche Arbeit nicht auch die KI erledigen kann.
Als Content-Produzent ist es meine Aufgabe, dafür zu sorgen, dass meine Inhalte nicht von jeder beliebigen KI erstellt werden können. Ich muss mich fragen: Was ist mein ganz persönlicher Beitrag? Was kann nur ich wissen und weitergeben?
Dieses Einzigartige ist ganz schön schwer zu finden. Wir müssen uns richtig anstrengen, einen echten Beitrag leisten zu können. Der Knackpunkt: Mehr Meinung ist auf keinen Fall die Lösung. Allergisch bin ich auf so genannte „Thought Leader“. Noch mehr als auf „Influencer“. Denn was beide meist nur liefern, sind Meinungen. Die sind aber billig. Eine Meinung hat jeder. Und auch ein KI-Text enthält Meinung – meist die Meinung der Mehrheit, dem Durchschnitt von dem, was in den Trainingsdaten vorhanden war. Manchmal präsentiert die KI auch, dank der integrierten Zufallsfunktion der großen Sprachmodelle, eine ungewöhnliche Meinung. Doch auch die kommt letztlich nur aus einer Kombination von Bekanntem mit Zufallsabweichungen zustande.
Wenn wir uns differenzieren wollen, dann brauchen wir mehr als Meinung. Drei Dinge kann ich dazu anbieten (Achtung, Meinung):
- Erstens: Sehr gut geschriebene, leicht verständliche und inhaltsstarke Texte. Ein ordentlicher Text reicht nicht mehr, Mittelmäßigkeit ist Standard, das liefert die KI heute meist besser und vor allem viel schneller.
- Zweitens brauchen wir einzigartige Aspekte, Details, die sonst keiner hat, Perspektiven, die meist zu kurz kommen. Und wir brauchen Belege. Beweise, dass es stimmt, was wir sagen. Und zwar so klare Beweise, dass sie jede und jeder selbst nachprüfen kann.
- Und schließlich drittens: Wir können uns abheben durch die Aufbereitung unserer Inhalte. Neben Texten sind Diagramme, Visualisierungen oder interaktive Elemente gute Alleinstellungsmerkmale. Denn die zu erstellen, geht nicht auf Knopfdruck, da muss man ein bisschen drüber nachdenken und etwas mehr Arbeit investieren. Und es sind wunderbare Mittel, originär Menschen anzusprechen – KI tun sich mit solchen Inhalten deutlich schwerer als mit Texten. Menschen dagegen helfen sie sehr, Inhalte besser aufzunehmen, zu verstehen und im Gedächtnis zu behalten.
Ich spreche beim letzten Punkt nicht von Illustrationen, also hübschen Bildchen, die zu lange Texte auflockern und weniger einschüchternd machen sollen. Ich spreche auch nicht von Diagrammen, die kleine Veränderungen als riesigen Fortschritt verkaufen. Ich spreche von wissenschaftlich korrekten, sauber aufbereiteten Visualisierungen, die kritischer Überprüfung stand halten. Und die vor allem helfen, die Inhalte zu verstehen.
Wir müssen die Werkzeuge, die uns zur Verfügung stehen nutzen, um wirklich gute Inhalte zu machen – nicht mehr davon und auch nicht schneller.
Woher die Texte und die visuellen Inhalte letztlich stammen, ob von KI oder klassisch produziert, spielt am Ende weder für uns noch für unsere Zielgruppen eine Rolle. Klar ist: KI ermöglicht so viel schnellere Produktion von Mittelmaß, dass damit bald kein Blumentopf mehr zu gewinnen ist. Nutzen wir die Chancen, die sich uns dank KI bieten und produzieren wir richtig gute Inhalte.
Tun wir das nicht, dient unser Content bald nicht einmal mehr zum Training künftiger Sprachmodelle – denn auch die lernen schnell, Hochwertiges von Belanglosem zu unterscheiden. Und Menschen merken das sowieso.
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Jens Jacobsen begleitet Unternehmen auf dem Weg zu erfolgreichen interaktiven Anwendungen – von der Planung über die Umsetzung bis zur Optimierung. Als freiberuflicher Usability- und UX-Berater unterstützt er sowohl international etablierte Unternehmen als auch innovative Startups. Sein Fachwissen teilt er in seinen Büchern Praxisbuch Usability & UX (4. Auflage 2024), und Websites entwickeln mit KI (1. Auflage 2025), in Coachings und Seminaren sowie auf www.benutzerfreun.de