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Content und KI: Mensch bleiben in der Welt der Maschinen

Die KI-Revolution ist für viele Contentprofis spannend und furchteinflößend zugleich. In seiner neuen Kolumne schreibt Jan Tißler über dieses Spannungsfeld. Dabei bleibt er hoffnungsvoll: Wer seine menschlichen Stärken pflegt und ausbaut, wird gut dastehen, sobald die KI-Contentflut unweigerlich abebbt. Zugleich ist es ihm aber wichtig, dass wir den Wandel in unserem Berufsfeld nicht nur wahrnehmen, sondern aktiv damit umgehen.

(Bild generiert mit ChatGPT)
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Es ist eine unbequeme Frage, aber wir müssen sie uns stellen:

Können wir Contentprofis uns gegen Maschinen durchsetzen, die (große Teile) unsere Arbeit erledigen und das sehr viel schneller, umfassbar billig und zudem unermüdlich?

Damit du das richtig einordnest: Ich nutze KI-Tools selbst und regelmäßig. Ich habe sogar eine ganze Website plus Newsletter (in zwei Sprachen!) neben dem UPLOAD Magazin zu diesem Thema gestartet.

Ich bin also nicht etwa jemand, der KI grundsätzlich ablehnt. Zugleich bin ich ebenso niemand, der sie unkritisch bejubelt.

Ich finde mich selbst in der Mitte: manchmal fasziniert von den neuen Möglichkeiten, manchmal fassungslos angesichts der Auswirkungen.

Das alles betrifft es uns Contentprofis natürlich ganz direkt. Wir müssen härter denn je um unsere berufliche Zukunft kämpfen und unser Gegenspieler ist diesmal der Terminator.

Die Sache ist die: Manchmal macht KI absurde Fehler, fällt sozusagen krachend hin, aber dann rappelt sie sich auf, staubt sich kurz ab und rennt schneller als je zuvor.

Sie kann an einer Aufgabe heute noch kläglich scheitern, sie morgen mit Bravour meistern und übermorgen ist sie uns vielleicht schon meilenweit voraus.

Zugleich bin ich mir sicher: Wir haben das Ende der Fahnenstange bei der Qualität von KI-Ergebnissen noch nicht erreicht. Bislang versuchen Anbieter wie OpenAI, Google oder Anthropic schließlich nicht einmal, eine exzellente Schreib-KI zu entwickeln. Dass wir ChatGPT, Gemini oder Claude zum Schreiben nutzen können, ist eher ein zufälliges Beiprodukt.

Was, wenn sich das einmal ändert? Wie viel Arbeit bleibt da noch für Contentprofis wie uns? Müssen wir uns damit abfinden, dass wir als Human in the Loop schon bald nur noch KI-Manager:innen sind und dass echtes, manuelles Schreiben zum Hobby wird, weil es kaum noch jemand bezahlen will?

Ist das dann noch der Beruf, den wir uns einmal ausgesucht haben?

KI-Angst unter Kreativen wurde wissenschaftlich untersucht und wenig überraschend belegt. Ein Begriff bringt es auf den Punkt: Fear of Becoming Obsolete (FOBO, Angst überflüssig zu werden). Mehr dazu in meinem Artikel.

Eine wichtige Frage für unsere berufliche Zukunft ist deshalb: Wissen Menschen es zu schätzen, wenn ein Inhalt von einem anderen Menschen erstellt wurde?

Die Antwort darauf fällt nicht ganz so eindeutig wie erhofft aus. So können etwa viele nicht klar unterscheiden, ob ein Musikstück KI-generiert ist oder nicht. Aber das sagt natürlich ebenso etwas über den Zustand der heutigen Musikindustrie aus, die vielleicht zu sehr auf bewährte Muster setzt, welche sich entsprechend leicht maschinell nachahmen lassen.

Daraus ergibt sich meiner Meinung nach ein wichtiger Umkehrschluss: Wir müssen uns in Zukunft mehr denn je auf unsere Menschlichkeit konzentrieren.

Das ist der einzige Weg für alle, die eben nicht zu KI-Manager:innen werden wollen, sondern kreative Herausforderungen suchen.

Meine Hoffnung setze ich nicht zuletzt darauf, dass sich die KI-generierte Content-Kakophonie letztlich selbst übertönen wird.

Denn wie viel Content können und wollen wir konsumieren? Wie interessant und anregend sind die immer wieder gleich wirkenden Inhalte? Wie erfrischend ist es dagegen, auf etwas zu treffen, das aus dem Rahmen fällt, überraschend ist, verblüfft oder auch mal irritiert?

Ich sehe das so: Wer allein auf KI-unterstützte Massenproduktion setzt, macht sich am Ende selbst überflüssig. Siehe ergänzend dazu meinen Artikel zum „Human in the Loop“-Prinzip in dieser Ausgabe. Dort erkläre ich genauer, warum es im Contentbereich eben nicht genug ist, Menschen nur noch als KI-Überwacher einzusetzen.

Daneben wird echte Menschlichkeit immer einen Platz haben. Und das ist genau der Ort, an dem ich mein Zelt aufschlage.

Als abschließender Gedanke, der zunächst abgedroschen klingt: Nichts ist so stetig wie der Wandel. Entscheidend ist an dieser Stelle, dies nicht nur zu wissen oder intellektuell zu verstehen, sondern es als Realität voll und ganz zu akzeptieren.

Das ist ein erheblicher und wichtiger Unterschied.

Denn unsere Probleme werden nicht kleiner, wenn wir vor allem damit hadern, dass wir sie überhaupt haben.

Das bedeutet zugleich nicht, dass wir von nun an alles hinnehmen. Ganz im Gegenteil: Es bedeutet, sich in erster Linie auf die aktuelle Herausforderung zu konzentrieren.

Wenn wir etwa arbeitslos werden oder einen wichtigen Auftrag verlieren, können wir uns laut darüber beklagen, die Welt dafür verfluchen und uns Vorwürfe für unsere Lebensentscheidungen machen. Das geht, sehr gut sogar. Es ändert nur leider nichts. Noch schlimmer: Damit verlieren wir Energie, die wir in dieser schwierigen Zeit mehr denn je brauchen.

Alternativ können wir nach dem ersten Schock tief durchatmen und uns fragen: Okay, wie geht’s jetzt weiter? Welche Möglichkeiten habe ich? Was sind die nächsten Schritte?

Ich weiß, dass das nicht einfach ist. Ich kämpfe damit immer wieder selbst.

Die gute Nachricht ist letztlich, dass der stetige Wandel ebenso positiv und hoffnungsvoll sein kann: Unsere Situation ist nicht von Dauer.

Das gilt für schöne Momente, die wir deshalb umso mehr genießen und umso tiefer erleben sollten.

Das gilt aber ebenso für die unschönen Momente und schwierigen Zeiten. Auch sie werden vorübergehen.

In der Zwischenzeit müssen wir, so gut es geht, durch die Ungewissheit navigieren, nach vorn schauen und einen klaren Kopf behalten.

Neu: The Happy Creator

Unter dem Titel „The Happy Creator“ werde ich zukünftig häufiger darüber schreiben, wie es Kreativschaffenden hinter den Kulissen geht. Mich beschäftigt, wie wir erfolgreich und glücklich werden und vor allem bleiben.

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Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 126

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