Mobiles Podcasten: Zoom H2 im Test (mit Video)

Sehr lange habe ich überlegt und gezögert, nun habe ich mir den Zoom H2 gekauft. Das kleine Gerät ist ein echtes Multitalent und ist für viele Podcaster zum unentbehrlichen Werkzeug geworden. Was das Kästchen so besonders macht, was es gut kann, was nicht so schön ist – das habe ich hier einmal für Euch zusammengestellt.

Die Aufgabenstellung war: flexibler werden beim Podcasten. Bisher hatte ich zum Podcasting eine Art Minimal-Studio als Podcasting-Ausrüstung: das MacBook als Aufzeichnungsgerät, ein Minimischpult von Behringer (Xenyx 802) und ein t.bone Mikrofon. Von der Aufnahmequalität und den Einstellmöglichkeiten finde ich das klasse – aber flexibel oder gar mobil ist das nicht. Eine Weile hatte ich ein recht günstiges Headset für den schnellen Podcast zwischendurch, aber zum einen war die Qualität hier deutlich schlechter und zum anderen brauchte ich auch dafür immer zwingend mein Laptop.

Ein transportables Aufnahmegerät bringt da eine Menge mehr Möglichkeiten mit.

Aber wie sieht so etwas eigentlich aus? Ich zeige Euch hier im Video einmal den Zoom H2 samt Zubehör:


Das kompakte Aufnahmegerät Zoom H2 vorgestellt auf Vimeo.

Ja, ja: Video zu lang, Beleuchtung schlecht, Kamera wackelt… – ich weiß. Aber das UPLOAD-TV-Studio war besetzt und Kameramann und Regisseur hatten frei – was sollte ich tun? ;-)

Zwei andere, recht unterschiedliche Geräte hatte ich vorher schon testen können: M-Audio Microtrack II und Olympus LS-10.

Der Microtrack II fällt vor allem wegen seiner zahlreichen Anschlüsse auf. Zwei Mikros lassen sich hier beispielsweise jeweils über Klinke oder Miniklinke anschließen – auch S/PDIF ist dabei.

Der LS-10 von Olympus wiederum ist besonders kompakt und hochwertig. Das Metallgehäuse liegt gut in der Hand. Der Olympus passt problemlos in die Hosentasche und hat dabei dennoch eine hohe Aufnahmequalität. Er ist allerdings auch gut doppelt so teuer wie der Zoom H2.

Neben dem Zoom H2 gibt es noch den Zoom H4 – im zeitlosen “Elektroschocker-Design”. Ihn konnte ich leider nicht testen und kenne ihn daher nur aus den zahlreichen Berichten. An ihm gefallen mir wiederum die Anschlussmöglichkeiten – sogar XLR-Anschlüsse für Mikrofone sind dabei. Am H4 hätte ich also mein bisheriges Podcasting-Mikrofon weiterverwenden können. Dafür kostet er zwischen 50 und 100 Euro mehr.

Was mir am Zoom H2 gefällt

Kurz gesagt: seine ungeheure Flexibilität. Er kann auf die eigene SD-Card aufnehmen, oder man schließt ihn als USB-Mikro an den Computer an. Er funktioniert per Stromversorgung oder mit handelsüblichen Batterien/Akkus der Größe AA. Er kann den Ton von vorn, hinten oder beidem zugleich aufnehmen – die Mikros haben zudem vorn (90°) und hinten (120°) eine andere Ausrichtung. Außerdem lassen sich drei Empfindlichkeitsstufen für die Mikros wählen.

Das alles zusammengenommen ergibt für mich die eierlegende Wollmilchsau des Podcastings. Ich kann den Zoom H2 vor mir auf dem Schreibtisch stehen haben und direkt ins MacBook aufnehmen. Ich kann mich auf die Couch legen oder in die Küche setzen und einfach reinquatschen. Ich kann unterwegs und auf Veranstaltungen aufnehmen. Ich kann Umgebungsgeräusche aufnehmen oder nur den Sound aus dem allernächsten Umfeld – zum Beispiel für ein Interview auf einer Konferenz. Zu meinen Nutzungsabsichten passt der Zoom H2 ausgezeichnet.

Schön finde ich außerdem den umfangreich gefüllten Karton. Da ist (bis auf die Batterien) alles drin, um sofort loszulegen: einfache Kopfhörer, USB-Kabel, Cinch-Kabel, Tischständer, Stativadapter, Windschutz, Schutzbeutel, Netzteil. Und: eine 512 MB SD-Card. Die reicht für bis zu vier Stunden Aufnahme – je nachdem, welche Qualität man wählt. Für mich wird das auf jeden Fall reichen.

Und, nicht zuletzt, das alles für weniger als 200 Euro. In dem Bereich ist das ein sensationeller Preis – besonders dann, wenn man Verwendung hat für die vielen Einsatzmöglichkeiten des Geräts.

Was am Zoom H2 nicht so gut ist

Im Vergleich zum Microtrack II oder dem Zoom H4 fehlt eine Reihe von Anschlüssen. Wer ein mobiles Aufnahmegerät für externe Quellen sucht, ist hier an der falschen Stelle.

Das Display ist winzig und die Menüs sind teilweise arg verschachtelt. Man gewöhnt sich dran. Spaß macht das nicht. Manche häufig genutzte Funktionen sind nur nach vielen, vielen Klicks erreichbar. Dazu gehört zum Beispiel der Punkt, um von mobilem Aufnahmegerät auf USB-Mikro umzustellen.

Das Plastikgehäuse ist von der Verarbeitung her in Ordnung, aber natürlich nicht besonders edel. Man sollte bei der Benutzung schon vorsichtig sein.

Einige Nutzer berichten auch von Problemen mit der mitgelieferten SD-Card. Bei mir ist das alles in Ordnung. Man muss dazusagen, dass die Firma Zoom den H2 durchaus pflegt: Die Firmware wurde seit Verkaufsstart mehrmals aktualisiert und Probleme, die in älteren Testberichten auftauchen, müssen heute nicht mehr aktuell sein.

Gesamtfazit

Nachdem ich mit dem Zoom H2 schon herumprobiert und den ersten Podcast aufgenommen habe, kann ich sagen: Das war für mich auf jeden Fall die richtige Entscheidung. Ich möchte beim Podcasten ortsunabhängig und flexibel sein. Der Zoom kommt zu Hause ebenso zum Einsatz wie unterwegs oder bei Interviews und Gesprächsrunden. Für das Geld bekommt man eine Menge geliefert. Da kann man einige Nachteile wie die sehr technische Menüführung verschmerzen. Dass er nur 200 Euro kostet merkt man natürlich an einigen Stellen: am Plastikgehäuse oder bei den mitgelieferten Kopfhörern. Aber ich sehe für mich keine bessere Alternative, auch nicht für mehr Geld.

Das muss allerdings nicht für jeden so sein. Die Geräte in diesem Segment haben alle ihre Spezialitäten und wenn ich vor allem Interviews machen oder Bandproben aufzeichnen will, ist vielleicht einer der Konkurrenten besser geeignet. Aber ich denke, das sollte auch deutlich geworden sein.

Weiterer Lese- und Hörstoff

Bekanntlich ist UPLOAD nicht das Testlabor für solche Geräte. Ich urteile vor allem danach, ob sie meinen Ansprüchen genügen, praktisch und ihr Geld wert sind. Frequenzgänge und Rauschabstände sind hingegen nicht meine Welt. Aber das Internet ist groß und vor allem die Seite Audiotranskription.de bietet interessante Informationen:

Uwe B. Werner hat ebenfalls einen ausführlichen Test mit vielen Fotos gemacht. Interessant sind hier außerdem die weiteren Meinungen in den Kommentaren:

Hier meine Podcasts mit den genannten drei Geräten:

Und auch wer sich allgemein fürs Thema Podcasting interessiert, wird hier bei UPLOAD im Blog und im Podcast fündig. Ich habe Euch einmal die interessantesten Artikel zusammengestellt:

Jetzt neu: Seminar „Praktische Tipps für bessere Onlinetexte“

(Foto: Burst, Pexels.com)

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14 Gedanken zu „Mobiles Podcasten: Zoom H2 im Test (mit Video)

  1. Der “Stativadapter” ist genau ein “Stativadapter”, keinesfalls aber ein “Handhalter” (oder wie man dem Ding sonst noch sagen kann). Hält man nämlich das Gerät mit besagtem Halter, übertragen sich schnell “Finger bzw. haltegeräusche” und das kommt dann ganz schlecht.

    Ich habe mir einen Schaumstoff um das Ding gewickelt, dann kann nichts mehr passieren und mann/frau darf richtig zupacken.

    Gruss aus Luzern

  2. @Roger: Vielen Dank für den Tipp! Allerdings ist die Alternative ja ansonsten, das Gerät selbst in die Hand zu nehmen. Das verringert die Umgreifgeräusche auch nicht gerade ;-) Aber ich nutze es sowieso am ehesten irgendwo stehend. Und als ich es mal in der Hand hatte, war es okay. Man muss sich eben ein wenig darauf trainieren, die Hand ruhig zu halten… Das mit dem Schaumstoff ist aber bestimmt einen Versuch wert :-)

    @Putzlowitsch: Cooler Link :-) Noch eine Sache, die ich definitiv nicht selbst zeigen kann – und will ;-)

  3. Die Einstellung dient nur dazu, damit die Batteriestandsanzeige halbwegs richtig funktioniert. Batterien und Akkus haben ja unterschiedliche Spannungen und Entladekurven.

    Es wäre nicht gut, wenn das Gerät versuchen würde, normale Batterien zu laden, falls man den Typ falsch einegstellt hätte.

    Ich kenne auch kein Gerät in dem die Akkus vom Netzteil geladen werden, wenn das normale Zellen (z.B. R6, R14, R20) sind und auch der Einsatz von Batterien möglich ist. Diese Ladefunktion gibt es in der Regel nur bei Geräten mit fest eingebautem Akku oder wenn es spezielle Akkus sind, wie bei Digicams, Handys usw.

  4. Alles klar! Du hast natürlich Recht. Also: Ein separates Ladegerät wird auf jeden Fall gebraucht. Das ist bei mir persönlich jetzt nicht so schlimm, da der Zoom H2 das dritte Gerät mit diesen Akkus/Batterien ist und ich dementsprechend eh alles da habe. Für andere ist das vielleicht eher umständlich.

  5. Das ist ja aus meiner Sicht auch ein großer Vorteil des Zoom H2 und anderer Geräte, die mit normalen Standardakkus (und auch Batterien) arbeiten.
    Meist hat man dafür ohnehin schon Akkus und Ladegerät im Haus.

    Wenn man noch keine Akkus hat, wird man sich ohnehin welche neu kaufen müssen, die gibt es dann oft auch als Set mit passendem Ladegerät.

    Gerade was die Akkus und Batterien angeht, da gibt es auch einen etwas ausführlicheren Test:
    http://akkordwechsel.de/85-audiorecorder-zoom-h2-die-mobilitaetsgarantie/

    Und nein, ich will jetzt hier nicht plumpe Werbung für akkordwechsel.de machen :-)

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