Weblogs: gekommen, um zu bleiben

Weblogs sind in Deutschland eine Randerscheinung. Die regelmäßige Leserschaft macht nur einen kleinen Teil der Internetnutzer aus. Dabei finden sich auf diesen Webseiten viele interessante, nützliche und vor allem korrekte Informationen, die man bei den klassischen Medien oft vermisst. Hier einmal drei Gründe, warum Weblogs in Deutschland eine Randgruppe der Informationsmedien sind – und warum sie es nicht bleiben müssen.

Aber zunächst einmal: Sind Weblogs in Deutschland wirklich so unbedeutend? Die Antwort lautet vor allem “Ja” und ein bisschen “Nein”.

Ja, wenn man einen Blick auf die Zugriffszahlen beispielsweise bei Blogscout wirft. Was für einen Hobbyschreiber teilweise beeindruckend aussieht, ist für eine ernsthaft betriebene, bundesweite Informationsseite absolut indiskutabel. Ein Beispiel: Das Bildblog ist wahrscheinlich über die Blogosphäre hinaus bekannt, ist allerdings von der Machart her kein typisches Blog. Aber sehen wir einmal darüber hinweg. Laut Blogscout hat es etwa 2,1 Millionen Seitenabrufe im Monat. Das ist laut IVW auf dem Niveau einer Lokalzeitung wie dem Fränkischen Tag. Die Seite Bild.de hat als bundesweites Angebot mit einer starken Marke hingegen mehr als 510 Millionen Seitenabrufe.

Und dabei ist das Bildblog mit seinen Abrufzahlen noch eine Ausnahmeerscheinung. Die meisten Blogs könnten morgen eingestellt werden und bis auf die wenigen Stammleser würde es niemand bemerken. Versuch das mal mit Spiegel Online (400 Millionen Seitenabrufe).

Du meinst, die Bedeutung und Zugriffszahlen von Spiegel Online sind zu hoch gegriffen, sind ein größenwahnsinniger Vergleich?

Dann hast Du eine andere Perspektive als ich.

Nach meiner Meinung wäre es sehr wohl möglich, ein Blognetzwerk aufzubauen, das dieselbe Größe und Bedeutung erreicht wie Spiegel Online. Wie wahrscheinlich das ist, steht auf einem anderen Blatt.

Aber der Reihe nach.

Dass Weblogs heutzutage bestenfalls indirekt eine Rolle spielen, hatte beispielhaft das Bamblog herausgefunden. Es hat Umfragedaten zum Fall StudiVZ ausgewertet und kommt dabei zu dem Schluss:

Sowohl für die erstmalige Kenntnis als auch für den Fortgang der Diskussion spielten Artikel bei SPON, Gespräche mit Freunden oder Bekannten und das studiVZ-Blog selbst die wichtigste Rolle, während andere Quellen vergleichsweise wenig genutzt wurden.

Das ist umso erstaunlicher, wenn man einen Blick auf die Intensität der Berichterstattung in der Blogosphäre zum damaligen Zeitpunkt wirft. Ganz richtig stellt Bamblogger Jan Schmidt außerdem fest, dass Weblogs zwar direkt keine Rolle gespielt haben, indirekt aber schon. Schließlich wäre ohne die Berichterstattung in den Weblogs wohl kein Journalist zu diesem Zeitpunkt auf diese Geschichte mit all ihren Details gestoßen. Okay: Aber reicht es uns, Wasserträger für die alten Medien zu sein? Warum sollten Blogs nicht auch für Nicht-Blogger und Nicht-Journalisten zu einer Informationsquelle werden? Der Medienlandschaft in Deutschland würde das guttun.

Was aber hindert Blogs heute daran?

Grund 1: Chaos

Nur mit Techniken wie RSS, einem gut funktionierenden RSS-Reader, einem ausgefeilten System beim Sortieren der Feeds und viel Interesse lassen sich Weblogs als Informationsquelle nutzen. Für die derzeitigen Leser der Blogs geht das in Ordnung, obwohl auch hier manch einer stöhnt. Vielblogger mit einer Flut von Artikeln zu verschiedensten Themen und verstümmelte Feeds mit nur einem Anreißer oder gar nur der Überschrift machen den Lesern das Leben schwer.

Ein Dienst wie Rivva lässt auf eine Besserung hoffen. Frank Westphals laufend verbessertes Angebot versucht, die aktuellen Diskussionen der Blogosphäre per Algorithmus zu erkennen, zu ordnen, zu gewichten und darzustellen. Schon heute ein guter Überblick für Profis und eine Einstiegshilfe für Neulinge.

Neulinge, die bislang “professionelle” Angebote gewohnt sind, haben es mit Blogs meistens schwer. In vielen Weblogs gehen die Themen bunt durcheinander. In der Regel interessiert die Leser aber nur ein Teil davon. Um zu den interessanten Informationen zu gelangen, müssen sie sich oftmals täglich durch ein Dickicht aus YouTube-Videos, unkommentierten Linklisten und Gedankenfetzen schlagen. Das ist anstrengend und auf Dauer frustrierend.

Eine Vorauswahl der Themen findet nicht statt, weil die Blogger oft zu wenig über ihre Leser wissen oder nichts wissen wollen. Weblogs entstehen aus dem Bauch heraus, was sie für ihre spezielle Leserschaft interessant, für die Masse der Internetnutzer aber nahezu unbrauchbar macht.

Leser mögen es, wenn man ihnen etwas vorbereitet und für sie ordnet. Ich spreche hier nicht über die Leser, die Blogs heute haben. Ich spreche über die Leser, die Blogs haben könnten, sofern es ihnen auf eine hohe Reichweite ankommt.

Eine andere Hürde für Blog-Neulinge: Die Artikel werden oft runtergerotzt, Zusammenhänge und Vorgeschichten zu Themen nicht erklärt sondern als bekannt vorausgesetzt. Blogger schreiben für Blogger und werden daher fast ausschließlich von Bloggern gelesen – Ausnahme: Leute, die durch Suchmaschinen auf das Blog treffen, eine Information rausziehen und wieder verschwinden.

Aber nicht nur in den Weblogs selbst geht es chaotisch zu. Die Blogosphäre an sich ist wild gewachsen. Manche Themen sind zigfach besetzt. Andere Themen und Zielgruppen sind hingegen komplett unterbelichtet. Ich sehe das positiv: Das eröffnet in der Zukunft noch viele Chancen für neue Weblogs. Schon deshalb halte ich den Abgesang auf Weblogs für wesentlich verfrüht, der gelegentlich von den alten Medien zu hören war. Natürlich: Manche Blogger geben auf. Ein Weblog zu führen ist anstrengend. Und wenn die Leserzahlen stagnieren und andere Dinge im Leben wichtiger sind, dann fällt das Blog herunter. Das ist eine vollkommen natürliche Sache.

Wäre das Bloggen beispielsweise schon heute für manchen eine Einnahmequelle, sähe die Situation anders aus. Ließe sich mit dem Bloggen schon heute regelmäßig Geld verdienen, würden wir mehr Blogs sehen, die mit Leidenschaft und Professionalität zugleich gemacht sind. Dann müsste man sich seine Zeit fürs Bloggen nicht zusätzlich zu einem Hauptberuf nehmen. Dann müssten viele Autoren nicht irgendwann auf andere bezahlte Jobs außerhalb der Blogosphäre ausweichen. Dann würden im Gegenteil viele Autoren kommen und endlich ihre Leidenschaften ungebremst von Redaktionszwängen ausleben und damit Geld verdienen können. Es wäre eine Bereicherung für alle.

Natürlich gäbe es auch noch mehr Blogs, die nur des Geldes wegen existieren. Okay. Aber ich richte meinen Blick lieber auf das andere Ende der Skala.

Was kann man aber ganz praktisch tun? Wer dem Chaos entgegentreten will, setzt auf thematisch spezialisierte Blogs oder bietet seinen Leser zumindest an, sich nur über bestimmte Themen zu informieren. RSS-Feeds und Newsletter lassen sich auch für Rubriken erstellen. Die Leser werden es danken. Ebenso kommt eine gezielte Auswahl an Themen und Argumenten, ein gekonnter Aufbau der Artikel und eine Beschränkung auf das Wesentliche gut an. Artikelmonster wie dieses hier sollten die Ausnahme sein. Bei vielen sind sie hingegen die Regel.

Um in der Vielfalt der Blogstimmen gehört und im Dickicht des Informations-Urwaldes gefunden zu werden, könnten Blognetzwerke und Blogplattformen eine gute Idee sein. Mehr dazu unten und in diesem UPLOAD-Artikel zum Thema “Blogverbund”.

Zur Sicherheit zwischendurch einmal eine Klarstellung: Das ist alles kein Zwang. Ich schwadroniere nur ein wenig vor mich hin, warum wohl so viele wertvolle Informationen im Netz versauern. Mir geht es nicht darum, irgendwem Vorschriften zu machen. Ich mag chaotische Blogs. Aber ich bin sicher nicht repräsentativ… ;-) Und vielleicht findet der eine oder andere ja die Idee spannend, Spaß zu haben und dabei trotzdem mehr Leser und mehr Aufmerksamkeit zu gewinnen.

Aber jetzt weiter im Text:

Grund 2: Unglaubwürdigkeit

Da ein Blog in der Regel keine bekannte Marke hat und keinen Ruf, muss es gegenüber jedem neuen Leser wieder seine Kompetenz beweisen, bei jedem Artikel, auf jeder Seite. Dazu gehört, dass die Leser mehr über den Autor und seine Hintergründe erfahren. Woher nimmt er das Wissen, um Dinge zu erklären, zu gewichten und zu beurteilen? Wenn das nicht klar ist, ist die ganze Mühe mit dem Schreiben fast umsonst. Dann sind die Artikel nur für den Autoren gut und einen elitären Zirkel von Lesern, denen ohne seine Hilfe klar ist, warum er weiß, worüber er schreibt. Das sind Blogs fürs Ego und für den Freundeskreis. Nett, aber größtenteils harmlos.

Will man nicht nur gegenüber seinen Freunden und Bekannten bestehen, sondern auch in den Augen wildfremder Leser, muss man ihre Fragen beantworten. Worum geht es in dem Text? Was sind das für Begriffe? Was ist die Vorgeschichte dazu? Wo finde ich weiterführende Informationen? Und ganz wichtig: Was sind Vermutungen, was sind Meinungen, was sind Fakten? Und bei den Fakten: Wo kann ich nachlesen, dass sie stimmen?

Es mag ungerecht sein: Die alten Medien halten sich an diese Regeln auch viel zu selten. Dabei sind sie eine gute Sache: Sie helfen dem Leser, die Informationen einzuordnen. Kann er das nicht, werden sie pauschal unter “fragwürdig” abgelegt. Bei den alten Medien ist das etwas anderes: Eine Institution wie die Tagesschau oder der Spiegel bekommen einen Glaubwürdigkeitsbonus. Manchmal bekommen sie diesen zu unrecht, aber so ist die Welt da draußen…

Nicht zuletzt macht man sich unglaubwürdig durch Tippfehler, Rechtschreibprobleme und schlecht aufgebaute Artikel. Leser sind es gewöhnt und haben es verdient, dass man sich für sie Mühe macht. Manchen ist das egal, sie pfeifen drauf. Viele andere nicht.

Ich meine damit nicht, dass Tippfehler nicht vorkommen können. Mir passieren sie, Dir passieren sie, allen passieren sie. Aber Du hast Dich vielleicht auch schon einmal durch einen Text gearbeitet, der offensichtlich nur in die Tasten gehackt und dann veröffentlicht wurde. Das wirkt schnell so, als hätte der Autor nicht ordentlich gearbeitet. Dieser Eindruck färbt auf die Informationen ab, die der Text transportiert.

Schlecht konstruiert heißt, dass die Argumentation innerhalb des Textes nicht nachvollziehbar ist, der Autor hin- und herspringt, viel zu viele Informationen verarbeitet und sich nicht auf das eine Thema fokussiert, das er eigentlich behandeln will.

Grund 3: Unbekanntheit

Ist das Internet ein Strand, ist das einzelne Blog nicht mehr als ein Sandkorn. Manche Blogs sind vielleicht ein kleines Sandhäufchen.

Kein Wunder also, dass sie unbekannt sind.

Wollen Blogger, dass ihre mühsam erstellten, fachlich versierten und lesenswerten Beiträge entdeckt werden, kommen sie nicht drumherum, sich mit anderen zusammenzutun. Vielen Bloggern wird das schwerfallen, weil das Mitwirken in einer Gruppe immer mit Kompromissen und Absprachen zu tun hat. Und war es nicht das, was man an Blogs gerade so mochte: das Unkontrollierte, das Ungebremste, das Freie?

Natürlich. Und das eine schließt das andere nicht aus. Es ist wichtig, hier das richtige Maß zu finden. Wie das aussieht, wird erst die Praxis zeigen. Und es werden noch viele Blognetzwerke zugrundegehen, bevor man dazu einige Aussagen treffen kann.

Klar ist aber: Gemeinsam können die Sandkörner eine Sandburg bilden am Strand Internet. Ein extrem kitschiges Bild, ich weiß. Aber es wird wohl klar, worauf ich hinaus möchte.

Ist man erst einmal eine Gemeinschaft, lassen sich die vereinten Kräfte besser nutzen. Gemeinsame Aktionen sind möglich, die einer allein nicht zustande gebracht hätte. Nun kann man sich auch über die Grenzen der Blogosphäre hinauswagen und nach außen gehen. Die Möglichkeiten fürs Selbstmarketing sind heute alle da. Von der kostenlosen Plattform für Pressemitteilungen bis hin zum Promovideo auf YouTube, von Wettbewerben und Gewinnspielen bis hin zu Vernetzungsaktionen wie den berühmten “Blogstöckchen”. Welcher Einzelkämpfer hat schon die Kraft und die Zeit, hier immer dranzubleiben, weiterzumachen, Neues anzuschieben?

Christian Schenkel von swissblogpress hat in seinem Gastbeitrag bereits einiges zu seinen Beweggründen erklärt. Meine Ideen, Gedanken und Behauptungen hatte ich, wie oben schon verlinkt, in diesem Artikel dargelegt.

Zum Schluss

Warum schreibe ich das alles? Will ich Blogs verbieten, die nicht so sind, wie ich sie hier beschrieben habe? Will ich alle Blogs gleichschalten, ihnen journalistische Grundregeln aufzwingen, sie uniformieren?

Nein.

Ich sehe in Weblogs und vielen Bloggern das Potenzial zu einer alternativen Informationsquelle neben den etablierten Medien. Und diese Alternative wäre aus meiner Sicht bitter nötig. Ich bin jeden Tag dankbar dafür, dass ich in Weblogs Informationen finde, für die sich in den klassischen Medien niemand interessiert, weil die Zielgruppe zu klein oder das notwendige Hintergrundwissen zu groß ist.

Zugleich wünsche ich mir, dass sehr viel mehr Menschen entdecken, dass es im Internet Möglichkeiten gibt, sich ausführlicher und fundierter zu informieren und sich mindestens eine zweite Meinung einzuholen. Aber das wird nur klappen, wenn es wenigstens einige Weblogs gibt, die ihren ursprünglichen Charakter behalten und trotzdem auf die Leser ein, zwei Schritte zugehen. Ich würde mich freuen, wenn viele Weblogs genau so bleiben wie sie heute sind, sich aber einige von ihnen aufmachen, mehr Leser zu gewinnen, aus der Enklave Blogosphäre ausbrechen und sich dorthin wagen, wo derzeit die alten Medien mit ihrer alten Arbeitsweise, ihrer alten Sicht der Dinge und ihren alten Ritualen alles beherrschen.

Jetzt vorbestellen: E-Book + Mini-Onlinekurs zu LinkedIn

LinkedIn: Profil und Unternehmensseite – Die schnelle Einführung
(Coverfoto: © alphaspirit, depositphotos.com)

Mehr über die Inhalte erfahren ...

 

19 Gedanken zu „Weblogs: gekommen, um zu bleiben

  1. Ausgezeichneter artikel, ich habe mir zu meinem krautundrübenblog auch schon gedanken gemacht, einstampfen oder umorientieren. da ich gern schreibe, werde ich mir deine gedanken nochmals in ruhe zu gemüte führen und als inspiration für den relaunch nutzen.

  2. und ich dank dir für die ausführlich auflistung.
    bin tatsächlich ins nachdenken gekommen!
    wünsch dir noch ein schönes wochenende!

  3. Hundertprozentige Zustimmung! Oder genau genommen, neunundneunzigprozentige Zustimmung. Denn gerade bei den monothematischen Fachblogs schätzen die Stammleser lange Texte – wenn sie denn gut recherchiert und gut geschrieben sind.

    Lustig ist, dass man in der Blogosphäre heute (noch) was auf die Mütze bekommt, wenn man:

    – konsequent Netzwerke bildet,
    – mit einem Blog-Karneval “sein” Thema pusht,
    – Selbstmarketing betreibt und
    – die klassischen Medien mit einspannt.

    Der schönste Vorwurf eines Bloggers: “Das machst Du ja nur, um mehr Leser zu bekommen!”

  4. Sehr interessante Gedanken – und dringend notwendig dazu! Ich stehe mit meinem Blog zwar noch am Anfang, aber ich mache mir viele Gedanken dazu, wie man mit seinen Inhalten einen größeren Leserkreis gewinnen kann. Und ich sehe da auch noch jede Menge Potenzial. Diese Diskussion sollten wir unbedingt fortführen ;-).

  5. Das wäre doch mal eine Idee, die Ideen für den Spreeblick Verlag, die Blogger-Gewerkschaft von Herrn Mayer und Germanblogs zusammen in einen Topf zu werfen, über Rivva zu aggregieren und …. (keine Angst, wache bestimmt gleich auf. Kneift mich mal einer;)

  6. „Du meinst, die Bedeutung und Zugriffszahlen von Spiegel Online sind zu hoch gegriffen, sind ein größenwahnsinniger Vergleich?“

    Die IVW-Zugriffszahlen der Onlineauftritte diverser Zeitungen sind vor allen Dingen eins: Künstlich aufgeblasen. In jeder der unzähligen Fotostrecken von SPON steckt der IVW-Counter und zählt jeden Klick als eine neue Page Impression, obwohl dadurch weder Inhalt noch gewinnbringende Werbung (was die IVW ja eigentlich interessiert) transportiert wird. Die Süddeutsche erreicht das gleiche, indem sie ihre Artikel auf mehrere Seiten verteilt und natürlich hat man auch hier sinnfreie Fotostrecken im Angebot.

    Unabhängig davon ist das hier ein ausgesprochen interessanter Artikel. Ich bin momentan sehr stark am Grübeln ob ich einigen der genannten Punkte zustimme oder nicht.

  7. Netzwerke bilden sich … und zwar auf der Basis von gemeinsamen Interessen, Anliegen. Reichweitensteigerung als gemeinsame Zielsetzung ist da m.E. zu wenig. Auch eine gemeinsame Vermarktung ist noch kein tragfägiges (und nützliches) Netzwerk – es ist ein Anzeigen-/Vermarkungs-Netzwerk.

    ‘Die Schweizer ham’s (nicht erfunden)’ Die Schweden haben ein Bloggerportal, das konzeptionell auch in Deutschland funktionieren könnte …
    http://www.bloggportalen.se/

  8. Zunächst einmal meine 100%ige Zustimmung zu dem Bericht. Im Gegensatz zu Peter muss ich nicht überlegen, ob ich dir Recht gebe ;-)

    Was mich nur nachdenklich macht ist die Frage, weshalb – auch in Erkenntnis der geschilderten Situation – die ganzen kommerziellen Wir-sind-die-Blog-Community Unternehmungen im deutschsprachigen Bereich bislang gescheitert sind bzw. maximal Achtungserfolge erzielt haben.

    Nur eine Vermutung: Könnte es sein, dass viele Blogger sich über den Vorteil einer Vernetzung gar keine Gedanken machen?

    Falls die der Grund ist, dann wäre die Sandburg tatsächlich eine ferne Vision. Wobei: Wenn erst einmal Sand aufgeschüttet ist, sammelt sich erfahrungsgemäß schnell Treib- oder Flugsand an. ;-)

    Ein schönes WE

  9. Mit http://www.creative-weblogging.de gibt es ja bereits ein Weblog-Netzwerk mit thematisch differenzierten Blogs. Sogar auf internationaler Ebene. Die derzeitigen Werbeeeinnahmen der deutschsprachigen Blogs bei Creative Weblogging erlauben sogar ein monatliches Honorar für die Blogger.

    Das entspricht in etwa den von Robert Basic bei seiner letzten Umfrage ermittelten Durchschnittswerten bei den Werbeeinnahmen, reicht aber längst nicht zum Leben. Und das trotz professionellem Anzeigenmarketing, guten Kontakten zu Mediaagenturen usw.

    Von daher bin ich etwas skeptisch, ob Weblogs in Deutschland auf absehbarer Zeit ihr Nischendasein verlassen werden. Ein Netzwerk, thematische Fokussierung sowie Werbeeinnahmen und/oder Sponsoring alleine reichen dafür auf jeden Fall nicht aus. Sondern da muss sich etwas grundsätzlich an der Akzeptanz bei den Leserinnen und Lesern ändern. Und soweit sind wir hier zu Lande leider noch nicht.

  10. Schöne Gedanken, schön interpretiert. Da habe ich wirklich Lust bekommen, etwas Neues zu starten, was über meinen privaten Blog hinaus geht.

  11. Das ist zwar ein netter und guter Beitrag, aber Du konterkarierst Dich doch selbst. Das Thema “Zukunft und Bedeutung von Blogs” wird hier zum x-ten Male durchgekaut; ein stiller Schrei nach Traffic Liebe; mehr geben die Zeilen nicht her.

    Ich schätze mal, das es weniger als 500 Blogs (wie Niggermeiers & Co.) gibt, die sich hauptsächlich um Themen drehen, die auch für eine breite Leserschaft von Interesse sind. Und eben das “Problem” haben, das hier aufgezeigt wird. Aber weshalb sollten Leser Blogs als die einzige Wahrheit erachten? Auch bei den Top-Blogs, die sich mit Politik, Wirtschaft, aktuellem Tagesgeschehen etc. beschäftigen, gibt es imho genügend, die eben nicht glaubwürdig sind, weil sie eine sehr subjektive Betrachtungsweise publizieren. Und die ist eben nicht für die masse gemacht; findet aber sicher eine breite Leserschaft, die jene Betrachtungsweise teilt.

    Und ein wenig zeigt dieser Beitrag auch jene Arroganz gegenüber all jenen Blogs (die die breite Masse an Blogs darstellt!), die sich eben nicht um den Scheiss kümmern, der ihnen täglich in den “Blogs”, Radio, TV, SPON und sonstwo uner die Nase gerieben wird. Ich will N I C H T S von Demos, StudiVZ, SPON, Don Alphonso, Trafficoptimierung, BarCamps, Flickr etc etc etc lesen; Infos zu diesen Themen picke ich mir am Tag höchstens in Form von eins, zwei gelisteten Beiträgen bei Blogscout heraus. So wie jenen Beirag, den ich gerade kommentiere.

    Irgendwie wird hier (mal wieder) in Deinem Beitrag die Existenzberechtigung der breiten Masse an Blogs abgesprochen, die sich eben nicht um Inhalte kümmern, die für eine breite Leserschaft von Interesse. Die zum Beispiel Satire pur sind, die kulturell, künstlerisch, intellektuell, fachtheamtisch etc etc etc für Leser von Interesse sind.

    Versteh mich nicht falsch, das hier ist keine “harsche” Kritik an Dir und Deinem Beitrag; den ich zum x-ten Mal auch unterschreiben würde; aber fokussiert Euch doch nicht immer auf selbst und jammert, dass ihr nie aus dem Schatten der klassischen Medien heraustreten werdet. So klappt das nämlich nie, wenn man als Blogger sich ständig nur mit sich selbst und dem Bloggen an sich beschäftigt. Dieses seit Jahren andauernde Widerkäuen von Eitelkeiten kotzt mich und inzwischen die Masse des Mittelmaßes an Blggern an. Kümmert Euch mehr um wirklich interessante Inhalte und nicht um Euch selbst, dann klappts auch mit dem breiten Wirkungsgrad.

    Ach ja, eigentlich wollte ich diesen Kommentar so in dieser Art bei mir im Blog posten. Aber der hat da nix zu suchen. Er würde meine Leser nur langweilen ;-)

    so long, Phil aka Stefan.

  12. Vielen Dank für die spannenden und interessanten Rückmeldungen. Und wie ich in dem Text schon schrieb: Ich will nicht alle Blogs gleichschalten und auf Massentauglichkeit trimmen. Aber ein paar Blogger würde ich schon sehr gern anregen, weiter zu denken und mal etwas Neues auszuprobieren – naja, träumen wird ja noch erlaubt sein ;-)

    Eigentlich würde ich das Experiment Blognetzwerk zu gern selbst wagen, nur dafür bleibt zumindest momentan absolut keine Zeit. Leider. Dabei würde es ausgezeichnet zu UPLOAD passen, wie ich finde.

  13. Absolut zutreffende Anmerkungen und Gedanken. Was die Glaubwürdigkeit betrifft, gibt es nichts an deinen Ausführungen auszusetzen, ebensowenig, was die (fehlende) Bekanntheit und die Unübersichtlichkeit angeht.
    Allerdings denke ich genaus wie schon einige der Vorredner, daß der Vergleich der PageImpressions mit Vorsicht zu genießen ist und die Zahlen von Spon etc. nicht aussagekräftig sind. Außerdem müssen es nicht Millionen Zugriffe sein, um von Reichweite zu sprechen. ;-)

    Eine andere Sicht habe ich auf die Frage, ob es wünschenswert wäre, daß mehr bzw. überhaupt Blogger durch Bloggen ihren Lebensunterhalt verdienen könnten. Es wird zwar für einige wenige soweit kommen (so meine Prognose) allerdings wird das die große Ausnahme sein. Wenn eine finanzielle Abhängigkeit besteht, dann ist es im Bezug auf die inhaltliche Abhängigkeit stets problematisch. Möglicherweise lebt die Blogsphäre bislang auch dadurch, daß ihre Protagonisten diese Arbeit aus Idealismus machen, bei manchem kommt Geltungsdrang und ein überbordendes Mitteilungsbedürfnis dazu, gut. Aber: die finanzielle Komponente gibt es nicht. In meinen Augen ist das kein Nachteil.

  14. Als absoluter Neuling im Bereich Blog bin ich derzeit noch auf der Suche nach aktuellen Meinungen zu diesem Thema – schade nur, dass hier keine weitere Diskussion mehr stattfindet…

  15. Hallo Martina,

    bei den älteren Artikeln gibt es meistens keine Diskussion mehr, aber wir werden uns sicherlich noch häufiger mit solchen Dingen auseinandersetzen. Würde mich freuen, wenn Du wieder reinschaust.

Kommentare sind geschlossen.