Warum New Work und Remote Teams (noch) mehr Vertrauen brauchen

So manches Unternehmen hat bisher für die Mitarbeiterführung auf das Instrument „Kontrolle“ gesetzt, das in einer sich wandelnden Welt nun nicht mehr wie gewohnt funktioniert. Stattdessen braucht es Vertrauen. Diese Umstellung fällt wenig überraschend schwer. Warum Vertrauen so wichtig ist und wie man es in Zeiten von New Work und Remote Teams aufbaut, erklärt Antje Heimsoeth in diesem Beitrag.

(Illustration: © Filata_nata, depositphotos.com)

Eine Krise als Auslöser

Erstaunlich, dass es erst einer Krise bedarf, damit Unternehmen mehr remote arbeiten. Erstaunlich, dass plötzlich funktioniert, was lange Zeit undenkbar war. Vielleicht aber auch nur nicht gewollt seitens der Geschäftsleitung und der Führungskräfte. Viel zu lange hat man Mitarbeitern die Ausdauer, Fokus, Zielorientierung und das Können für New Work abgesprochen. Und ihnen damit auch die wesentliche Grundlage jeder guten Zusammenarbeit entzogen: das Vertrauen.   

Misstrauen ist, wie auch in der analogen Welt, nicht das richtige Mittel, um Mitarbeiter zu motivieren. Blindes Vertrauen gefährdet hingegen den Unternehmenserfolg. Gut, dass jetzt nicht nur versucht wird, beides unter einen Hut zu bringen – es ist sogar dringend notwendig! Denn unsere Welt wird immer globaler, digitaler und vernetzter. Unser Leben immer komplexer, transparenter und schneller. Alleine können wir die Herausforderungen im New Work nicht meistern. Nicht im Unternehmen, nicht in einzelnen Büros und noch viel weniger in Remote Teams oder virtuellen Meetings, wie wir sie in diesem Jahr verstärkt erlebt haben und erleben. 

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Wie viel Vertrauen ist – remote – notwendig?

In vielen Unternehmen ist sie angebrochen – die Zeit des Home-Office. Durch gute Erfahrungen in den letzten Wochen und Monaten können sich auch immer mehr Mitarbeiter vorstellen, zumindest einen Teil ihrer Arbeitszeit im Home-Office zu bestreiten. Und es spricht ja auch einiges dafür: Weniger nerviges Pendeln, geringere Kosten für Büroflächen, konzentrierteres Arbeiten und mehr Flexibilität hinsichtlich Work-Life-Balance … aber auch: Fehlen sozialer Kontakte, fehlende Wertschätzung, problematisches Teambuilding und der Kontrollverlust, vor allem auf Seiten der Führung.

Womit wir beim Thema dieses Beitrags sind: Wie viel Vertrauen ist generell notwendig, um gemeinsam erfolgreich zu sein? Und wie viel mehr Vertrauen braucht Remote Work? 

Sitzen wir in einem Raum beieinander, sehen wir, was der andere macht. Arbeiten wir in einem Gebäude, haben wir jederzeit die Möglichkeit, uns davon zu überzeugen, womit sich der andere gerade beschäftigt. Anders in der digitalen Zusammenarbeit. Aus der Ferne können wir nur hoffen, dass jeder seine Aufgaben erfüllt. Steht der Schreibtisch zuhause, wird der Laptop auf dem Esstisch aufgeklappt, gehen wir davon aus, dass jeder für sich alleine genauso arbeitet wie er das auch tun würde, wenn er im Büro sitzen würde.

Die digitale Zusammenarbeit kann nur gelingen, wenn wir uns vertrauen. Von Seiten der Führungskräfte ebenso wie zwischen Kollegen im (Projekt-)Team. Und noch mehr, als wenn wir uns täglich im Büro persönlich sehen, von Angesicht zu Angesicht diskutieren und gemeinsam eng an Themen arbeiten.

Immer seltener reicht die Zeit allerdings aus, um dieses Vertrauen lange aufzubauen oder sich zu verdienen. Die Digitalisierung sorgt für ein verändertes Arbeiten. Feste Arbeitsplätze nehmen ab, Co-Working-Spaces und Crowdsourcing hingegen zu. Immer mehr Menschen arbeiten von unterschiedlichen Standorten aus, und manchmal sogar in unterschiedlichen Zeitzonen.

Umso wichtiger ist es, dass Führungskräfte gerade in digitalen Zeiten auf eine menschenorientierte Führung setzen.  

New Work verändert nicht nur die Art der Zusammenarbeit, sondern auch die Form der Kommunikation. Remote bedarf sehr viel mehr Kommunikation und Austausch von Informationen. Weil der zwischenmenschliche Kontakt verloren geht oder zumindest auf ein Minimum beschränkt ist. Weil Mimik und Gestik eben doch anders ankommen, wenn man sich persönlich gegenübersteht, als wenn man sich per Zoom oder Microsoft Teams trifft. Weil das kleine Augenrollen nicht bemerkt, der Seufzer nicht gehört wird …

Umso wichtiger, ja sogar unerlässlich, sind deshalb gezielte Präsenztreffen. Mitarbeiter erleben so den Sinn in der Arbeit anders. Und Führungskräfte können besser vermitteln, dass ihre Arbeit wichtig ist. Das Ganze braucht also ein eigenes Konzept für die Vertrauensarbeit. 

Noch nie war Vertrauen so wertvoll und wichtig wie heute

Mitarbeiter müssen „vertrauen“, dass die Entscheidungen, die an der Unternehmensspitze getroffen werden, zu dem Zeitpunkt für das Unternehmen die besten sind. Auch, wenn das schon immer galt, ist es im virtuellen Arbeitsumfeld ein noch viel wesentlicherer Faktor. Führungskräfte müssen Mitarbeitern vermitteln, warum etwas getan wird und nicht nur was getan werden soll. In vielerlei Hinsicht sind sie gerade remote Vorbild und Inspirationsquelle für Mitarbeiter.

New Work zeichnet sich hier durch ein ganz anderes Mindset aus. In dieser neuen Form der Zusammenarbeit ist die Kultur des Vertrauens immens wichtig. Die jahrzehntelang praktizierte „Wissen ist Macht“-Geheimniskrämerei wird von einer radikalen Transparenz abgelöst. Einer Transparenz im gesamten Unternehmen, solange diese nicht in persönliche Belange eingreift oder vereinbarte Vertraulichkeit verletzt.  

Die Lebensqualität in Zeiten von New Work entsteht durch die gelungene Symbiose von Freizeit und Arbeit. Hat man es selbst und im Team noch nicht erlebt, „fully remote“ räumlich global verteilt zusammenzuarbeiten, dann braucht es in jedem Fall einen gewissen Vertrauensvorschuss. Es hilft, daran zu glauben, dass es (zwischen-)menschlich funktioniert und auch, dass man dem System in technischer Hinsicht vertrauen kann. 

Eines muss dabei allerdings passé sein: Auch nur der geringste Gedanke, dass man die volle Kontrolle darüber hat, was Teammitglieder tun bzw. wie sie ihre Zeit verbringen. 

Unabhängig von Kernzeiten, die in bestimmten Branchen und Bereichen absolut Sinn machen – wenn es um Abstimmungen intern oder die Erreichbarkeit von Kunden extern geht – braucht es natürlich eine gewisse Struktur im Homeoffice. Die kann das Vertrauen von allen Seiten aber nur stützen und nie ersetzen. Und dieses Vertrauen entsteht – wie bereits beschrieben – nur durch Transparenz, Austausch und viel Kommunikation.

Vertrauen ist keine Einbahnstraße!

Mitarbeiter müssen Vertrauen in die Führung haben. Weil Führungskräfte eine gewisse Machtposition innehaben, sollte der erste Schritt zum Aufbau einer vertrauensvollen Beziehung von ihnen ausgehen. Indem sie in Vorleistung gehen, sind sie zugleich Vorbild. Im Idealfall vertraut eine Führungskraft ihren Mitarbeitern – und zwar allen und (fast) immer.

Grundlegend muss der Gedanke sein: Mitarbeiter sind im Unternehmen, weil sie ihr Bestes geben wollen. Und das Unternehmen ist verpflichtet, den dafür notwendigen Rahmen und Organisation zu bieten. Dieser schaut übrigens für jeden anders aus. Daher ist es gut, wenn Mitarbeiter diesen Rahmen selbst mitgestalten können. 

Grundlegend muss der Gedanke sein: Mitarbeiter sind im Unternehmen, weil sie ihr Bestes geben wollen.

Der natürliche Feind von New Work ist die Kontrolle. Der Gegenentwurf zu Vertrauen sozusagen. Nicht umsonst gibt es in Unternehmen so viele Meetings, Standups und Mitarbeitergespräche.

Und weil bislang in vielen Unternehmen extrem viel kontrolliert wurde, ist es jetzt schwierig, Führungskräfte davon zu überzeugen, dass Mitarbeiter ihre Arbeit auch ohne Kontrolle vernünftig erledigen. Und das, obwohl New Work eben genau das bedeutet: Chefs üben sich in Vertrauen, geben Verantwortung ab, lassen Mitarbeiter einfach mal machen. 

Das ist besonders schwierig, wenn Menschen das Urvertrauen fehlt. Oder es auch nur angeknackst ist. Mitarbeitern und Führungskräften fällt es dann extrem schwer, Menschen und Vorgänge nicht mehr zu kontrollieren.

Positiv ist: Man kann lernen, zu vertrauen – auch, wenn es nicht einfach ist. Hilfreich ist, es auf einen Versuch ankommen zu lassen. Vielleicht auch einmal etwas auszuprobieren und es darauf ankommen zu lassen. Lieber mal scheitern, als dass alles so bleibt wie es ist. 

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Vertrauen für Vertrauen – und 5 No-Gos

Vertrauen hat etwas damit zu tun, dass die Führungskraft daran glaubt, dass jeder Mitarbeiter/jede Mitarbeiterin wirklich einen Beitrag leisten will, wenn man ihn/sie lässt. Wissen ist für alle verfügbar und nicht je nach Hierarchie, weil man in Unternehmen, das das Konzept New Work erfolgreich umsetzt, davon ausgeht, dass alle damit richtig und verantwortungsbewusst umgehen. Natürlich gehört zum Vertrauen auch Zuhören und dass jeder sich zu Wort meldet, wenn er denn etwas beitragen möchte. 

Schenken Sie Vertrauen für Vertrauen! Und vermeiden Sie alles, was dem Wachstum des Vertrauens schaden könnte, wie nachfolgende 5 No-Gos:

  1. Entziehen Sie sich dem Kontrollzwang. Wer misstrauisch ist, braucht sich nicht zu wundern, wenn ihm Misstrauen zurückschlägt. Andere können es auch – vielleicht nur ein wenig anders als Sie.
  2. Befreien Sie sich vom Konkurrenzdenken. Sie stehen nicht in Konkurrenz mit Ihren Mitarbeitern. Ganz im Gegenteil. Seien Sie froh um jeden, der mehr weiß und kann als Sie. Gemeinsam schaffen wir so viel mehr – vor allen Dingen eines: Vertrauen. 
  3. Fällen Sie keine vorschnellen Urteile. Schubladen im Kopf sind hinderlich. Nichts gilt für immer und ewig. Menschen können sich ändern und müssen sich ändern dürfen.
  4. Verfallen Sie nicht dem Perfektionismus- und Optimierungswahn. Wir sollen immer noch besser, schneller, effektiver – was-weiß-ich-noch-alles – werden. Wenn Sie Vertrauen in Ihre Mitarbeiter haben, können Sie dem Perfektionismus abschwören. Es lohnt sich!
  5. Seien Sie nicht nachtragend. Menschen machen Fehler. Manchmal passiert einfach Mist. Bewahren Sie sich eine optimistische Grundhaltung. Damit lassen sich Fehler besser verarbeiten. Schließlich beweist ein Fehler, dass sich jemand eine Entscheidung getroffen und gehandelt hat, statt zu hadern und zu zaudern.

Zwischen Digitalisierung und Agilität kämpfen wir alle mit der Transformation. Technik soll helfen, dabei macht sie Vieles nur noch um so vieles komplizierter. Und bei all diesen täglichen Herausforderungen geht uns oftmals eines verloren: der Mensch – wir selbst wie auch unsere Mitarbeiter, Vorgesetzten und Kollegen.

Vertrauen kann dazu beitragen, dass wir genau diese Menschen wieder mit ins Boot holen, dass wir uns gegenseitig dabei unterstützen, uns nicht verrückt machen zu lassen von all den neuen Themen und Dingen, die uns täglich zu überrollen drohen. Reduzieren wir diese komplexe Welt doch wieder auf das Wesentliche: den Menschen und das Vertrauen in unsere Spezies. Ob analog oder digital, ob am Schreibtisch gegenüber oder virtuell und remote.

Lesetipp

Erfahren Sie mehr in Antje Heimsoeths Buch „Vertrauen entscheidet – Die vergessene Basis der Führung“. Der Verlag über das Buch:

Der Kern von Erfolg im Unternehmen und am Markt ist Vertrauen. Unsere Welt und unser Leben wird immer komplexer, transparenter, schneller, vernetzter. Deshalb ist es für die Karriere wichtiger denn je Vertrauen in sich selbst und in andere zu haben und sich selbst etwas zuzutrauen!

Vertrauen ist die Basis dafür, dass Unternehmen agil werden und wirken können. Das gelingt nur, wenn Führungskräfte bereit sind, Verantwortung abzugeben – Vertrauen in die Mitarbeiter vorausgesetzt. Und Mitarbeiter bereit sind, Verantwortung zu übernehmen – das setzt Vertrauen in die Führungskraft voraus. Wie diese positive Spirale in Gang kommt, darüber soll das Buch Auskunft geben.

Sie können diesen Titel als gedrucktes Buch oder E-Book direkt beim Verlag kaufen. Sie finden es außerdem bei Amazon*.

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Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 86

Vertrauen ist wertvoll und bekanntlich muss man es sich erst verdienen. Das gilt für eine Website gegenüber den Besuchern, aber auch für den Chef gegenüber seinen Mitarbeitenden. In sechs Artikel beleuchten wir dieses Thema im Schwerpunkt dieser Ausgabe. Sie erfahren, wie Sie Markenbotschafter richtig einsetzen. Wie Ihr Corporate Blog gerade im B2B-Bereich helfen kann. Wie gute Feedbackkultur funktioniert. Warum New Work und Remote Teams (noch) mehr Vertrauen brauchen. Wie Ihre Internetseite vertrauenswürdig aussieht und wie Personalisierung dabei unterstützt. Bonus-Artikel: Was hat es mit „Kookkurrenzen“ auf sich und wie helfen sie mir, bessere Beiträge zu schreiben?

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