Warum wir das Lernen wieder lernen müssen

In Zeiten steten Wandels verändert sich auch die Bedeutung des Lernens zunehmend: Wenn wir Veränderungen gleichermaßen als Herausforderungen und Chancen begreifen, wird Lernen zur idealen Reaktion auf den Wandel. Doch was können und sollten wir eigentlich über das Lernen lernen, um es noch besser zu organisieren und erfolgreicher als Werkzeug für uns einsetzen zu können?

(Illustration: © alexdndz, depositphotos.com)

Lernen nach Schule, Studium oder Ausbildung ist anders

Lernen ist häufig mit Schule, Studium und Ausbildung verknüpft, dabei ist Lernen viel mehr als die Pflichtaufgabe, die wir damit fast automatisch verbinden. Alles, was wir wissen, haben wir irgendwann einmal gelernt. Das Mantra vom lebenslangen Lernen ist also keinesfalls nur ein theoretisches Konzept, sondern gelebte Praxis. Es gibt allerdings zwei entscheidende Unterschiede zwischen dem institutionalisierten und dem lebenslangen Lernen: Während wir in der Schul- und Ausbildungszeit zielgerichtet lernen und uns die Lernziele vorgegeben werden, funktioniert das Lernen im Anschluss weniger zielgerichtet und nach unserem eigenen Fahrplan.

Wir werden immer lernen, ob wir wollen oder nicht. Es muss uns nicht bewusst sein und wir müssen dazu auch nicht in einem Klassenzimmer sitzen. Wir lernen beispielsweise, uns an Veränderungen anzupassen. Wie wichtig diese Fähigkeit ist, haben wir in der Pandemie erlebt: Wir haben gelernt, wie wir unser Risiko für eine Ansteckung reduzieren können. Wir haben gelernt, welche Vor- und Nachteile verteiltes Arbeiten haben kann. In der Energiekrise lernen wir, wie wir sorgsamer mit Ressourcen umgehen können.

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Und wenn wir uns einmal selbst fragen, welche Dinge wir in den letzten zwölf Monaten für unser Arbeitsleben gelernt haben, so wird uns mit wenig Mühe eine ganze Menge einfallen. Tatsächlich befinden wir uns nämlich mitten in einer Phase der Veränderung, die noch einige Zeit anhalten wird. Für Unternehmen bedeutet diese Ära der Veränderung, dass sie Lernen in ihre Unternehmenskultur integrieren müssen.

Doch auch für uns als Individuen wird das Lernen wieder wichtiger. Wir reagieren damit auf neue Herausforderungen, können uns in unserer Persönlichkeit weiterentwickeln und insgesamt neue Chancen im Leben und in der Karriere ergreifen. Dafür müssen wir aber das Lernen wieder erlernen und möglichst optimal in unseren Arbeitsalltag integrieren.

Grundlagen: Was du über das Lernen wissen solltest

Lernen ist eine grundlegende Fähigkeit, die Menschen schon in den ersten Lebensmonaten anwenden können. Das ist auch dringend notwendig, denn wir kommen im Grunde völlig unvorbereitet auf diese Welt und haben von Anfang an jede Menge zu lernen.

Frühkindliches Lernen: Signal und Antwort

Besonders zu Beginn funktioniert lernen über eine sehr simple Methode: Wir senden ein Signal und bekommen darauf eine positive oder negative Antwort. Was wir als angenehm empfinden, speichern wir als positiv ab. Was uns dagegen nicht behagt, legen wir als negative Antwort im Gedächtnis ab. 

Ein bekanntes Beispiel dafür ist die verbrannte Hand: Unser Signal ist hier die Hand, die wir auf die heiße Herdplatte legen. Der Schmerz, den wir dabei empfinden, ist die negative Antwort. Für die Zukunft merken wir uns: Legen wir unsere Hand auf eine heiße Herdplatte, ist das unangenehm.

Zu unserem Glück ist unser Gehirn so etwas wie ein Lern-Supercomputer, der permanent, bewusst und unbewusst arbeitet. Seine Rechenkapazität lässt sich nur schwer erfassen: Die Nervenbahnen eines menschlichen Gehirn haben aneinandergereiht die geradezu unvorstellbare Länge von 5,8 Millionen Kilometer, das entspricht in etwa sechsmal die Strecke von der Erde bis zum Mond und zurück. 

Späteres Lernen: Erfolgserlebnisse und Belohnungen

Zeichnet sich das frühkindliche Lernen vor allem durch Reaktionen auf Reize aus, so ändert sich das im Laufe der Zeit. Lernen durch Erfolg ist die nächste Stufe der Lernevolution. Kinder lernen so beispielsweise, wie sie verschieden geformte Bauklötzchen aufeinander stellen können, ohne dass sie sofort umfallen. Schau sich ein anderes Kind diesen Erfolg ab und kann ihn reproduzieren, sprechen wir von Lernen durch Einsicht.

Zwar ist der Weg bis zum erfolgreichen Architekten auch dann noch weit, doch er lässt sich über externe Belohnungen beschleunigen. Wenn ein Lernprozess in kleine Schritte unterteilt wird und die Lernenden für jeden Erfolg eine kleine Belohnung bekommen, so spricht die Lerntheorie von der operanten Konditionierung.

Lernen kann uns niemand abnehmen

An dieser Stelle beenden wir die kurze Reise durch die Grundlagen des Lernens auch schon wieder. Sie ist hier längst nicht vollständig skizziert und das ginge auch gar nicht, denn die Wissenschaft muss selbst noch viel über das Lernen lernen. Eine Sache sollte aber dennoch klar geworden sein: Lernen ist der Austausch eines Individuums mit seiner Umwelt und damit ein sehr persönlicher Vorgang. Niemand kann jemand anderes bitten, für sich zu lernen. 

Gleichwohl lernen wir auch als Masse. Haben wir einen Lernerfolg erzielt, können wir ihn an andere Personen weitergeben und dabei Abkürzungen anbieten. Nichts anderes machen wir, wenn wir Kindern raten, nicht die Hand auf die heiße Herdplatte zu legen. Macht ein Kind es dennoch, war unsere Lern-Abkürzung nicht gut genug. Es ändert letztlich aber nichts am Lernerfolg.

Wie kann ich besser und effektiver lernen?

Nachdem wir jetzt wissen, dass Lernen ein hohes Maß an Individualität besitzt, wird plausibler, warum Menschen unterschiedlich lernen. Unsere Lernfähigkeit wird durch unsere Umwelt geprägt und entwickelt. Diese Rahmenbedingungen können sehr unterschiedlich sein, lassen sich aber auch von uns aktiv beeinflussen:

  • Wir haben zum einen verschiedene Möglichkeiten, unsere Lernumgebung so zu gestalten, dass wir besser und effektiver lernen können.
  • Und zum anderen gibt es bestimmte Verhaltensweisen, die uns beim Lernen unterstützen können. 

Die folgenden Aspekte sind nicht nur für sich genommen wichtig, sondern erzeugen mit vielfältigen Verflechtungen ein Gesamtpaket an Verhaltensregeln:

Lernen als Gewohnheit etablieren

Eine Gewohnheit ist eine durch Wiederholung gelernte Reaktionsweise, die in bestimmten Situationen ein immer gleiches Reaktionsschema abruft. Um Lernen langfristig als gewünschtes Verhalten zu etablieren, ist es also eine gute Idee, daraus eine Gewohnheit zu machen.

Doch so einfach, wie es klingt, ist es leider nicht.

Oft liest man, dass es nur 21 Tage braucht, bis neue Gewohnheiten etabliert sind. Doch das ist ein unbelegter Mythos, der ursprünglich aus einem Ratgeber aus den 1960er-Jahren stammt. Dort aber ging es gar nicht um Gewohnheiten im Sinne von Verhalten, sondern um die Gewöhnung an ein verändertes Spiegelbild nach einer Schönheitsoperation. Dennoch ist dieser Mythos nicht ganz unnütz: Wenn du 21 Tage lang durchhältst, sind deine Chancen auf eine dauerhafte Verhaltensänderung schon stark gestiegen. 

Der Anfang ist bekanntlich immer am schwierigsten, aber auch am wichtigsten. Du solltest dir also unbedingt vornehmen, die ersten 21 Tage ohne Ausnahmen durchzuhalten. Für dieses Etappenziel überlegst du dir schon zum Start eine attraktive Belohnung. Ebenso für die Absolvierung von 42 und schließlich 66 Tagen – das ist die Zeit, bei der Wissenschaftler von einer etablierten Gewohnheit ausgehen.

Hilfreich kann zudem ein spezieller Auslösereiz sein. Wir verbinden Gewohnheiten fast immer mit speziellen Situationen und Umgebungen, daher müssen wir unsere Umgebungssituation ändern, wenn wir eine neue Gewohnheit etablieren wollen. Wer beispielsweise zum Start am Freitagmorgen eine Gewohnheit zum Lernen am Arbeitsplatz etablieren möchte, kann das initiieren, indem andere Gewohnheiten bewusst ausgeschaltet werden: Das Telefon wird stumm geschaltet, der E-Mail-Client beendet, die ansonsten offene Bürotür geschlossen. Der persönliche Auslösereiz kann dabei natürlich sehr unterschiedlich ausfallen.

Habit Stacking

Ein besonderer Auslösereiz kann aus einer Kopplung von Gewohnheiten bestehen. Du hast vielleicht eine Gewohnheit, der du zu gerne und zu häufig nachgehst und eine andere, die du häufiger machen möchtest, was dir aber schwerfällt. Dann kann eine Kopplung sehr effektiv sein. Du möchtest beispielsweise weniger Kaffee und dafür mehr Wasser trinken. Die Kopplung wäre dann: Ich trinke erst dann einen Kaffee, wenn ich mein Glas Wasser ausgetrunken habe.

Die Verhaltensforschung spricht hierbei von „Habit Stacking“ und erklärt die Effektivität dieser Kopplungsstrategie damit, dass dabei ein gewünschtes Verhalten (Auslösereiz) eine Belohnung zur Folge hat. 

Ablenkungen bewusst ausschalten

Die folgende Situation kennen wir wohl alle: In einem Moment widmen wir uns sehr konzentriert einer wichtigen Aufgabe, nur um im nächsten Moment feststellen zu müssen, dass eine kurze Ablenkung später bereits die Mittagspause ansteht. Ein Kollege hatte eine wichtige Frage und jetzt kennst du seine Pläne fürs Wochenende. Eine Benachrichtigung in einem Social Network verlangte nach deiner Aufmerksamkeit. Das Telefon klingelte. Ein kurzer Blick in die E-Mails eskalierte ein klein wenig. 

Diese Ablenkungen wirken sich natürlich nicht nur auf die Produktivität unserer Arbeit aus, sondern im besonderen Maße auch auf ein geplantes Lernen. Gerade in Verbindung mit einer festen Lernzeit können Ablenkungen den gesamten Lernerfolg gefährden. Lernen benötigt unsere volle Aufmerksamkeit, wenn daraus vertieftes Wissen entstehen soll.

Für ein bewusstes Ausschalten von potenziellen Ablenkungen ist zunächst eine Analyse notwendig: Was sind mögliche Ablenkungen und wie können sie für einen definierten Zeitraum problemlos vermieden werden? 

Feste Zeiten

Ein häufiges Problem beim Lernen ist, dass wir es zwar wollen, aber einfach nicht anfangen. Immer kommt was dazwischen oder wir (er-)finden Dinge, die gerade noch wichtiger sind. Daher ist es von entscheidender Bedeutung, eine konkrete Lernzeit festzulegen. Im Idealfall ist es ein festes Zeitfenster an einem festen Wochentag. Das hilft nicht nur bei der Etablierung einer neuen Gewohnheit, sondern kann bei einer transparenten Kommunikation auch für die Kolleg:innen eine wichtige Information sein: Sie werden damit nicht zu einer Ablenkung.

Hast du einen konkreten Lernwunsch, starte sofort. Schiebe es nicht auf, sondern gehe gleich in die Planung: Wie kannst du zu dem Thema etwas lernen und wann kannst du dafür ein festes Zeitfenster einrichten? Dinge, die wir irgendwann einmal machen möchten, haben wir aus der Vergangenheit noch massenhaft als Wunschzombies in unseren Köpfen.

Feste Lernziele

Was für konkrete Zeiten zum Lernen gilt, ist auch für die Lernziele wichtig. Ein selbst aufgestellter Lernplan hilft dir dabei, das eher zufällige Lernen in ein gezieltes und strategisches Lernen zu überführen. Dein Lernplan ist so etwas wie dein Navigationsgerät, mit dem du nicht nur irgendwie ans Ziel kommst, sondern effektiv.

Du kannst hier Erfahrungen aus anderen Bereichen einsetzen. Wenn du im Content-Bereich arbeitest, kannst du deinen Lernplan analog zum Redaktionsplan gestalten. Oder du hast Erfahrungen mit dem Projekt-Management und kannst so dein Lernen organisieren.

Sammle zunächst alle Themen, zu denen du etwas lernen möchtest. Dann sortierst du sie so, dass die inhaltlich gut aufeinander aufbauen. Idealerweise startest du mit einem etwas leichterem Thema, damit du gut in deine neue Routine hinein findest.

Aufschreiben

Das Gehirn kann Wissen passiv oder aktiv aufnehmen. Wir neigen zur passive Variante, indem wir uns „berieseln“ lassen, weil uns das weniger abverlangt. Wenn es dir aber wirklich um ein tiefes Verständnis geht, musst du in den aktiven Modus schalten.

Am einfachsten gelingt das, indem du dir gleich beim Lesen, Hören oder Ansehen zusammenfassende Notizen machst. Wirklich verstanden haben wir nämlich neues Wissen erst, wenn wir es mit eigenen Worten beschreiben können.

Das Aufschreiben erzeugt nicht nur ein persönliches Lehrbuch, in dem du später nachschlagen kannst, es passiert auch neuronal etwas: Das Gehirn kann sich besser an Wissen erinnern, wenn es verschiedene Verknüpfungen gibt. Und das Aufschreiben in eigenen Worten erzeugt gleich mehrere dieser Verknüpfungen.

Wenn du in einer Gruppe lernst, könnt ihr zusätzliche neuronale Verknüpfungen erzeugen, indem ihr neues Wissen untereinander erklärt. 

In verschiedenen wissenschaftlichen Tests wurde belegt, dass bei handschriftlichen Notizen bessere neuronale Verknüpfungen entstehen und die Lernenden den Lehrstoff stärker verinnerlichen. 

Anwenden

Ein zeitnahes praktisches Anwenden verfestigt neues Wissen zusätzlich. Das geschieht durch neue neuronale Verknüpfungen, die beim Transfer von der Theorie zur Praxis entstehen. Du lernst außerdem noch besser, was du wirklich verstanden hast und wo du eventuell noch Lücken hast.

Wenn wir dagegen etwas lernen und es danach nie anwenden, vergessen wir es wieder. Das ist keinesfalls eine Schwäche des Gehirns und des Gedächtnisses, sondern eine sehr nützliche Fähigkeit. Auch wenn ein Gehirn sehr viel speichern kann, so ist die Kapazität im aktiven Speicher dennoch begrenzt. Wir können uns das vorstellen wie die Speicherkapazität bei einem Computer: Auf dem großen Speicher (Festplatte) werden sämtliche Daten abgelegt, während das, was gerade für die Nutzung benötigt wird, in den kleineren Arbeitsspeicher (RAM) geladen wird. Der Arbeitsspeicher muss regelmäßig aufgeräumt werden, um Speicher wieder freizugeben, der für wichtigere Dinge benötigt wird. Könnten wir nichts vergessen, wäre unser Arbeitsspeicher schon nach sehr kurzer Zeit überladen.

Wenn wir neues Wissen zeitnah nach dem Lernen anwenden, fällt es uns sehr viel leichter zu erinnern. Gleichzeitig wird das Gelernte durch die Wiederholung und den Transfer in die Praxis als „wichtig“ markiert und langfristig gespeichert.

Belohnung

Mit erstrebenswerten Belohnungen für Lernerfolge kannst du dich quasi selbst konditionieren: Dein Gehirn lernt, dass sich Lernen lohnt. Eine Belohnung ist nichts anderes als ein positives Feedback, das uns motiviert weiterzumachen. 

Zu Beginn sollten die Belohnungen bereits erste Teilerfolgen begleiten, damit sich das Lernen besser als Gewohnheit etablieren kann. Im Laufe der Zeit können die Abstände bis zur nächsten Belohnung größer werden.

Überlege dir verschiedene Belohnungen und Belohnungsstufen. Was das genau eine gute Belohnung ausmacht, ist sehr individuell. Wichtig ist allerdings, dass die Belohnung nicht auf einem anderen Weg ausgelöste werden kann. Außerdem sollten es unterschiedliche Belohnungen sein, damit keine Gewöhnung eintritt.

Motivation

Du wirst nicht jeden Tag die gleiche Motivation zum Lernen verspüren. Das ist vollkommen verständlich und auch kein Problem, wenn es die Ausnahme bleibt.

Wenn du deiner Motivation etwas auf die Sprünge helfen möchtest, kannst du es mit einem kleinen Trick versuchen: Statt der Lern-Prokrastination einfach nachzugeben, setze dir ein zeitliches Limit. Beispiel: Versuche für 10 Minuten zu lernen und so die Motivationsblockade zu überwinden. Nach den 10 Minuten entscheidest du, ob es doch funktioniert oder ob du es für den Tag sein lässt.

Selbst wenn dieser Trick nur jedes zweite Mal klappt, hast du damit 50 Prozent der motivationsbedingten Lernausfallzeiten reduziert.

Welche Lerntypen gibt es?

Jeder Mensch lernt anders. Dennoch gibt es Gemeinsamkeiten, die in der Lerntheorie zu einer Einteilung in vier unterschiedliche Lerntypen geführt hat. Wer sich selbst in einem bestimmten Lerntypen wiedererkennt, kann ganz gezielt Lernformate wählen, die diesen Typ unterstützen.

1. Visueller Lerntyp

Wer gerne Grafiken, Schaubilder, Bilder und Videos zum Lernen nutzt, gehört der Gruppe der visuellen Lernenden an. 

Passende Lernformate sind: Infografiken, anschauliche Videos, Mindmaps und andere Visualisierungen, aber auch Texte mit bildhafter Sprache.

2. Auditiver Lerntyp

Wer gerne zuhört und darüber gut Wissen aufnehmen kann, gehört zur Gruppe der auditiven Lernenden.

Passende Lernformate sind: Vorträge, Seminare, Webinare und Videos im Talking-Head-Format sowie Podcasts.

3. Kommunikativer Lerntyp

Wer am besten über Diskussionen und Gespräche lernt, gehört zur Gruppe der kommunikativ Lernenden.

Passende Lernformate sind: Workshops, Diskussionsrunden, Lerngruppen.

4. Motorischer Lerntyp

Wer sich beim Lernen gerne bewegt, gehört zur Gruppe der motorisch-kinästhetisch Lernenden.

Passende Lernformate sind: Alle Formate, die beispielsweise bei einem Spaziergang oder auf dem Crosstrainer nutzbar sind.

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Welche Lernmethoden können helfen?

Die Wahl einer effektiven Lernmethode steht in einem direkten Zusammenhang mit dem Lerntyp. Grundsätzlich sprechen Lernmethoden verschiedene Sinne an, die ebenfalls die Grundlage für die Lerntypen darstellen. Eine Lernmethode, die auf visuelle Wissensvermittlung setzt, ist folglich ideal für den visuellen Lerntyp. Der auditive Lerntyp lernt am besten über aktives und störungsfreies Zuhören, während der kommunikative Lerntyp die Diskussion als Lernmethode wählt. Der motorische Lerntyp verbindet das Lernen dagegen methodisch mit Bewegungen.

Doch es gibt auch übergeordnete Lernmethoden, die sich unabhängig vom Lerntyp nutzen lassen. Wichtig: Es handelt sich hier weniger um wissenschaftlich ergründete Methoden, sondern vielmehr um Methoden, die aus Lernerfahrungen entstanden sind. Daher gibt es davon eine ganze Menge, die alle ihre Berechtigung haben. Es gibt aber nicht die eine Methode, die allen einen überragenden Lernerfolg garantiert. 

Alle Lernenden sollten herausfinden, welche Methode ihnen am besten hilft. Hier eine kleine Auswahl zur Inspiration:

Kontextuelles Lernen

Wenn wir neue Dinge lernen, müssen wir uns häufig auch mit einer neuen „Sprache“ beschäftigen. Das Themenfeld Marketing ist hier ein besonders eindrückliches Beispiel: Während Marketer sich untereinander bestens verstehen, empfinden Außenstehende ihre Sprache als unverständliches Marketing-Blabla.

Mit dem Ansatz des kontextuellen Lernens können wir relativ einfach eine Verbindung zwischen solchen Sprachwelten herstellen und unser Wissen weiter vertiefen. Lesen wir beispielsweise einen Text in einem für uns neuen Themenfeld, so schreiben wir uns unbekannte Begriffe auf eine Liste. Dazu gehören auch bekannte Begriffe, die in dem Themenfeld offensichtlich anders verwendet werden.

So geht’s: Nach einem inhaltlichen Absatz nimmst du dir diese Begriffe vor und gibst sie in eine Suchmaschine ein. Versuche dabei einen Inhalt zu finden, der dir den Begriff im kontextuellen Zusammenhang mit dem Themenfeld erklärt. Meist reicht dafür eine Kombination der Suchbegriffe: Themenfeld + Begriff. Wichtig ist zudem eine klare Zeitregel: Investiere nicht mehr als 2-3 Minuten für jeden Begriff, damit du nicht deinen Fokus verlierst und effektiv bleibst.

Zusatz-Tipp: Wenn du beim nächsten Mal auf einen bereits recherchierten Begriff triffst, versuche dich an den Kontext zu erinnern. Gelingt das nicht, wiederhole die Suche.

Neben begrifflicher Erklärungen kann diese Methode auch für die Verfestigung von faktischem Wissen genutzt werden. Auf einer weiteren Liste notierst du dazu interessante Fakten, deren Hintergründe du anschließend mit einer Suchabfrage ergründest.

Integratives Lernen

Während wir uns beispielsweise mit dem Lernen einer komplett neuen Sprache recht schwertun, kann uns eine Verbesserung einer früher bereits rudimentäre erlernten Sprache viel leichter vorkommen. Verantwortlich dafür ist der Lernkontext, der bei einer neuen Sprache noch gar nicht vorhanden ist, während wir zumindest eine ungefähre Vorstellung von der Grammatik und dem Wortschatz einer früher mal erlernten Sprache mitbringen.

Im Grunde arbeitet unser Gehirn unbewusst wie eine Suchmaschine. Beim Lernen werden fast pausenlos Suchanfragen an das Gedächtnis gestellt, wenn neue Begriffe auftauchen. Gibt es keine passenden Antworten, empfinden wir das an anstrengend. Gibt es dagegen passende Antworten aus unserem Wissensschatz, empfinden wir das als positiv und motivierend.

Daher ist es eine gute Idee, sich zunächst Themen vorzunehmen, die nicht komplett neu sind. Wir integrieren Lernthemen so mit unserem bestehenden Wissen. Das schafft leichter Lernerfolge, motiviert unser Gehirn und erzeugt nebenbei nützliche Verknüpfungen zwischen altem und neuem Wissen. Dadurch können wir Bekanntes besser abrufen und das Neue besser abspeichern.

Deskriptives Lernen

Wenn wir neue Dinge lernen, weiß unser Gehirn noch nicht, wie relevant die neuen Informationen wirklich sind. Immerhin lernen wir jeden Tag auch ganz unbewusst und sehr viel davon müssen wir zwangsläufig wieder vergessen. Wir können unserem Gehirn aber einen Wink mit dem Zaunpfahl geben, indem wir frisches Wissen erneut abrufen.

Besonders effektiv ist diese Methode, wenn wir dafür eigene Worte benutzen. Wir beschreiben unser neues Wissen und „markieren“ es damit als relevant. Wenn wir es zudem noch anderen Menschen beschreiben und erklären, finden wir sehr zuverlässig heraus, ob wir einen Sachverhalt wirklich gut und tiefgehend verstanden haben. 

Wir treffen immer wieder mal auf uns fremde Menschen, die sich für das interessieren, was wir beruflich machen. Solche Situationen können wir bewusst zum deskriptiven Lernen nutzen. Diese Zuhörer:innen sind gänzlich unbelastet und können uns ein neutraleres Feedback geben als beispielsweise Kolleg:innen, die im gleichen Themenbereich arbeiten.

Schlusswort

Mit diesen Grundlagen über das Lernen solltest du besser verstehen, wie du effektiv lernen kannst. Vielleicht hast du an der einen oder anderen Stelle auch einen kleinen Aha-Moment erlebt und dabei erkannt, warum du in der Vergangenheit beim Lernen nicht so recht vorangekommen bist. Die idealen Rahmenbedingungen für das Lernen bestehen zumindest gleichermaßen aus Aspekten, die du nutzen und Aspekten, die du vermeiden solltest.

Eine letzte Voraussetzung für ein effektives Lernen: Dein Wille, wirklich etwas lernen zu wollen, ist der mit Abstand wichtigste Faktor.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 105

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(Illustration: © AlisaRut, depositphotos.com)

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