KI-Tools haben sich in Deutschland innerhalb eines Jahres deutlich mehr verbreitet, vor allem bei jungen Menschen. Gleichzeitig bleiben viele Nutzerinnen und Nutzer skeptisch, vermissen klare Quellen, greifen aber auch nicht immer zu den verlinkten Originalinformationen. Die aktuelle ARD/ZDF-Medienstudie zeigt außerdem: Der Plattformmarkt wächst kaum noch in die Breite, doch YouTube, Spotify und die Streamingangebote von ARD und ZDF behaupten ihre Rolle. Für Content-Verantwortliche ergeben sich daraus konkrete Fragen: Wie müssen Inhalte aufbereitet sein, damit sie auch in KI-Antworten erkennbar bleiben? Und welche Plattformen erreichen welche Zielgruppen?

Inhaltsverzeichnis
KI-Tools werden zum festen Teil des digitalen Alltags
Thomas Kupferschmitt ordnet die KI-Ergebnisse der ARD/ZDF-Medienstudie 2026 ein. Sein Befund: KI-Tools haben den Sprung aus der Nische in die breite private Nutzung geschafft. Inzwischen nutzen 59 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren entsprechende Anwendungen zumindest gelegentlich. Ein Jahr zuvor lag dieser Wert noch bei 42 Prozent.
Besonders deutlich ist das Wachstum bei der regelmäßigen Nutzung. 37 Prozent verwenden KI-Tools mindestens wöchentlich. Das sind 15 Prozentpunkte mehr als 2025. Täglich nutzen 13 Prozent Anwendungen wie ChatGPT, Google Gemini oder Perplexity. Diese tägliche Reichweite hat sich innerhalb eines Jahres verdoppelt, wenn auch von einem vergleichsweise niedrigen Ausgangsniveau.
Die Daten beziehen sich ausschließlich auf die private Nutzung. Berufliche Anwendungen, etwa für Recherche, Programmierung oder umfangreiche Texterstellung, fließen nicht ein. Dennoch zeigen die Zahlen, wie schnell sich KI als Werkzeug etabliert.
Die Nutzung trennt sich stark nach Alter
Der wichtigste Faktor für die KI-Nutzung ist das Alter. Bei den 14- bis 29-Jährigen verwenden 92 Prozent zumindest gelegentlich KI-Tools. Mehr als zwei Drittel dieser Altersgruppe nutzen sie mindestens einmal pro Woche. Bei den Menschen ab 70 Jahren liegt die gelegentliche Nutzung dagegen bei lediglich 15 Prozent, die regelmäßige Nutzung bei 8 Prozent.
- 14 bis 29 Jahre: 92 Prozent nutzen KI-Tools zumindest gelegentlich.
- 30 bis 49 Jahre: Rund drei Viertel nutzen sie zumindest gelegentlich, 48 Prozent mindestens wöchentlich.
- 50 bis 69 Jahre: Etwa die Hälfte nutzt KI, rund ein Viertel regelmäßig.
- Ab 70 Jahre: 15 Prozent nutzen KI zumindest selten.
Damit fällt die Alterslücke bei KI noch stärker aus als bei Gaming. Für die Content-Praxis ist das relevant, weil sich Informationswege nach Zielgruppen weiter auseinanderentwickeln. Wer jüngere Menschen erreichen will, muss damit rechnen, dass Inhalte nicht mehr ausschließlich über Google, Social Media oder klassische Nachrichtenseiten gefunden werden. Sie können auch in einer KI-Antwort verdichtet, paraphrasiert oder mit anderen Quellen kombiniert auftauchen.
KI wird kurz genutzt, dafür wiederholt
KI-Tools stehen bei der Nutzungsdauer nicht auf einer Stufe mit Video, Social Media oder Musikstreaming. Menschen, die am Vortag KI eingesetzt hatten, kamen im Durchschnitt auf 57 Minuten Nutzung. Bei 14- bis 29-Jährigen waren es 67 Minuten, bei den 50- bis 69-Jährigen lediglich 28 Minuten.
Die Studie weist jedoch auf eine methodische Einschränkung hin: Nutzungszeiten wurden in 15-Minuten-Intervallen abgefragt. Kurze Anfragen können dadurch überschätzt werden. Sehr kurze Nutzungen können umgekehrt auch vergessen werden. Die Zahlen sind deshalb vor allem als Hinweis auf die Größenordnung zu verstehen.
Wahrscheinlich ist weniger die lange einzelne Sitzung der Wachstumstreiber, sondern die wiederholte Verwendung im Tagesverlauf. KI wird für einzelne Fragen, Ideen, Zusammenfassungen, Formulierungen oder Erklärungen geöffnet und danach wieder geschlossen. Das unterscheidet die Tools von vielen etablierten Medienangeboten, bei denen Nutzungsroutinen stärker an eine längere Verweildauer gebunden sind.
Vertrauen in KI-Antworten ist begrenzt
Die schnelle Verbreitung der Tools bedeutet nicht, dass ihre Antworten als verlässliche Wissensquelle gelten. Eine relative Mehrheit von 38 Prozent hält Informationen aus KI-Tools für eher weniger vertrauenswürdig. Weitere 16 Prozent bewerten sie als nicht vertrauenswürdig. Auf der anderen Seite halten 33 Prozent die Ergebnisse für eher vertrauenswürdig, nur 3 Prozent für sehr vertrauenswürdig.
Zusammengefasst überwiegt also Skepsis. 54 Prozent der Bevölkerung bewerten KI-Informationen als weniger oder gar nicht vertrauenswürdig.
Unter Personen, die KI mindestens monatlich nutzen, verändert sich das Bild. Dort halten 58 Prozent die Informationen für eher oder sehr vertrauenswürdig. Uneingeschränktes Vertrauen bleibt aber auch in dieser Gruppe selten. KI wird offenbar überwiegend als Werkzeug behandelt, dessen Ergebnisse hilfreich sein können, das aber im Zweifel kontrolliert werden muss.
Quellen sind wichtig, aber häufig nicht ausreichend sichtbar
Genau an dieser Stelle zeigt sich eine Lücke zwischen Anspruch und Nutzungserfahrung. 81 Prozent der KI-Nutzenden halten Quellenangaben für wichtig oder sehr wichtig. Zugleich kann nur eine Minderheit auf den ersten Blick erkennen, woher die Informationen in ihrem bevorzugten KI-Tool stammen.
- 8 Prozent sehen die Herkunft der Informationen uneingeschränkt als transparent an.
- 35 Prozent halten sie eher für transparent.
- 43 Prozent sehen Quellen als eher nicht transparent.
- 15 Prozent können Quellen überhaupt nicht erkennen.
Damit nehmen insgesamt 43 Prozent die Quellentransparenz zumindest eher wahr. Eine Mehrheit von 58 Prozent erkennt Quellen dagegen eher nicht oder gar nicht ausreichend.
Allerdings reicht die bloße Existenz von Quellen nicht aus. 58 Prozent der KI-Nutzenden klicken nur gelegentlich oder nie auf Links zu Originalquellen. 38 Prozent tun dies in den meisten Fällen oder jedes Mal. Auffällig ist, dass jüngere Nutzerinnen und Nutzer weiterführende Links häufiger öffnen als ältere. Die Altersgruppe mit der intensivsten KI-Nutzung zeigt damit offenbar auch eine größere Bereitschaft, selbst weiterzurecherchieren.
Nachrichtenangebote verlieren bei jungen Nutzern an Boden
Für journalistische Angebote sind die Ergebnisse ambivalent. Eine klare Mehrheit von 64 Prozent der KI-Nutzenden sagt, ihre Nutzung von Nachrichtenangeboten im Internet habe sich seit der Verwendung von KI-Tools nicht verändert. Weitere 6 Prozent geben sogar an, journalistische Angebote häufiger zu nutzen.
Gleichzeitig nutzen 16 Prozent Nachrichtenangebote nach eigener Aussage seltener, seit sie KI-Tools einsetzen. Bei den 14- bis 29-Jährigen liegt dieser Wert bei 24 Prozent. In der Gruppe der 30- bis 49-Jährigen sind es 13 Prozent, bei den ab 50-Jährigen 10 Prozent.
Die Studie belegt damit keine vollständige Verdrängung journalistischer Angebote. Sie zeigt aber eine Veränderung der Informationsroutine bei Teilen des jungen Publikums. Wenn eine KI aktuelle Informationen dialogisch zusammenfasst, kann sie den Weg zur ursprünglichen Quelle ersetzen.
YouTube bleibt zentrale Videoplattform
André Rhody analysiert in seinem Beitrag die Entwicklung von Video-, Audio- und Social-Media-Plattformen. Sein Fazit: Der Markt wächst nicht mehr kontinuierlich, sondern befindet sich in einer Phase der Konsolidierung und Ausdifferenzierung. Die großen Plattformen behaupten ihre Reichweiten, während viele kleinere oder spezialisierte Dienste kaum noch zulegen.
Bei Video bleibt YouTube die mit Abstand wichtigste Plattform. 71 Prozent der Bevölkerung ab 14 Jahren nutzen den Dienst zumindest gelegentlich. Auch in der wöchentlichen Nutzung konnte YouTube weiter zulegen, während die meisten anderen Videodienste eher stagnieren oder Reichweite verlieren.
Für die Reichweite von Bewegtbildinhalten bleibt YouTube damit zentral. Der Dienst vereint unterschiedliche Nutzungssituationen: Musikvideos, Tutorials, Livestreams, journalistische Formate, Unterhaltung, Produktrecherche und kurze Clips. Im Gegensatz zu klassischen Streamingdiensten ist YouTube zugleich Suchmaschine, Empfehlungsumgebung und Social-Plattform.
Öffentlich-rechtliche Streamingangebote erreichen mehr als die Hälfte
Die Streamingangebote von ARD und ZDF haben in der Gesamtbevölkerung inzwischen jeweils eine Reichweite von mehr als der Hälfte. Die ARD Mediathek beziehungsweise das ARD-Streamingnetzwerk erreicht 56 Prozent, das ZDF-Streamingangebot 51 Prozent. Netflix und Amazon Prime Video liegen bei der Gesamtreichweite auf einem nahezu vergleichbaren Niveau.
In der mindestens wöchentlichen Nutzung zeigt sich jedoch ein anderes Bild. YouTube hebt sich deutlich von den anderen Videoplattformen ab. Netflix, Amazon Prime Video, die ARD Mediathek und das ZDF-Angebot gehören weiterhin zu den großen fünf Diensten, bewegen sich aber eher seitwärts. Disney+, WOW und DAZN verloren 2026 erstmals deutlicher an wöchentlicher Reichweite.
Spotify dominiert Audio, YouTube Music holt auf
Auch im Audiomarkt bleibt der Marktführer klar erkennbar. Spotify erreicht 44 Prozent der Bevölkerung und ist damit weiterhin der meistgenutzte Anbieter für Audio- und Musikstreaming. Trotz Preiserhöhungen konnte die Plattform ihre wöchentliche Nutzung leicht steigern.
YouTube Music wurde 2026 erstmals in dieser Form in der Studie berücksichtigt und erreicht 30 Prozent der Bevölkerung. Wöchentlich liegt der Dienst bei 16 Prozent. Die Abgrenzung zu YouTube ist laut Studie methodisch nicht immer einfach, weil Musik auch über die allgemeine Videoplattform genutzt wird. Dennoch wird sichtbar, dass YouTube Music der stärkste Herausforderer von Spotify ist.
ARD Sounds, das frühere Angebot ARD Audiothek, kommt mit Radio, Podcasts, Hörspielen und Hörbüchern auf 15 Prozent Reichweite. Die Umbenennung fiel in die letzte Phase der Erhebung. Mögliche Auswirkungen auf die Nutzung lassen sich daher noch nicht belastbar aus den Daten ableiten.
Für Audioformate bleibt Spotify damit ein wichtiger Zugangspunkt, besonders wegen der hohen Bindung seiner Nutzerschaft. Bei Spotify liegt der Anteil der täglich Nutzenden im Verhältnis zu den mindestens monatlich Nutzenden bei mehr als 50 Prozent. Die Plattform wird also nicht nur ausprobiert, sondern häufig in den Alltag integriert.
Social Media stagniert, tägliche Nutzung bleibt hoch
Bei Social Media verzeichnet 2026 keiner der untersuchten Anbieter ein Wachstum in der wöchentlichen Reichweite. Instagram bleibt dennoch auf Platz eins und vergrößert seinen Abstand zu Facebook, dessen Reichweite gegenüber dem Vorjahr zurückging. Auch Instagram und TikTok, die in den vergangenen Jahren regelmäßig zulegten, wachsen in der Wochenreichweite erstmals nicht weiter.
Die Stagnation bedeutet nicht, dass Social Media an Bedeutung verliert. Im Gegenteil: Die tägliche Nutzung bleibt auf vielen Plattformen hoch. Instagram, Snapchat, Facebook, TikTok und Spotify weisen eine besonders hohe sogenannte Poweruser-Ratio auf: Mehr als die Hälfte der mindestens monatlich Nutzenden verwendet diese Dienste täglich.
Die Plattformen erfüllen dabei unterschiedliche Funktionen. Das zeigt sich auch an ihren Nutzerstrukturen:
- Snapchat hat den höchsten Anteil an 14- bis 29-Jährigen.
- Pinterest weist als einzige erfasste Plattform eine deutlich überdurchschnittliche weibliche Nutzerschaft auf.
- Reddit, Twitch und X werden überdurchschnittlich stark von Männern genutzt.
- Facebook hat einen niedrigen Anteil junger Nutzerinnen und Nutzer, ähnlich wie die Streamingangebote von ARD und ZDF.
- Netflix, RTL+ und Joyn erreichen leicht mehr Frauen als Männer.
Über alle Altersgruppen hinweg nutzen Menschen im Durchschnitt 4,8 Video-, Audio- oder Social-Media-Plattformen pro Woche. Bei den 14- bis 29-Jährigen sind es mehr als acht. Aufmerksamkeit verteilt sich also auf viele Angebote. Für Content-Teams spricht das gegen eine rein reichweitengetriebene Strategie. Es wird wichtiger, die Rolle einzelner Kanäle klar zu definieren: Sichtbarkeit, Community, Service, Suchbarkeit, Unterhaltung oder vertiefende Information.
Über die Studie
Die ARD/ZDF-Medienstudie wird seit vielen Jahren von der ARD/ZDF-Forschungskommission beauftragt, um jährlich Grundlagen und Trends zur Mediennutzung in Deutschland zu erheben. Mit ihrer heutigen Veröffentlichung setzt sie eine Zeitreihe fort, die bis 1964 zurückreicht. Insgesamt wurden für die diesjährige Studie 2.462 deutschsprachige Personen ab 14 Jahren in Deutschland befragt: 70 Prozent davon per Telefon auf Basis einer repräsentativen Dual-Frame-Stichprobe, weitere 30 Prozent über ein Onlinepanel. Die Erhebung wurde vom Institut GIM zwischen dem 27. Januar und 19. April 2026 durchgeführt.
Quelle: Pressemitteilung
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