Metaverse, Web3, AR, VR: Was sind die Unterschiede?

Wer mit Content-Marketing langfristig erfolgreich sein will, sollte natürlich die technische Entwicklung im Auge behalten. Und hier sind in den letzten Monaten viele Begriffe aufgetaucht, die teils neu sind, teils altbekannt. Oftmals werden sie aber nicht korrekt benutzt und verstanden. Dazu gehören Metaverse, Web3, Augmented Reality und Virtual Reality. In diesem Artikel erklärt Jan Tißler, was diese Begriffe bedeuten und was sie miteinander zu tun haben.

(Illustration: © muchmania, depositphotos.com)

Warum ist das für Content-Profis relevant?

Ich persönlich beschäftige mich mit solchen Zukunftsthemen wie in diesem Artikel gern, weil ich mich erstens privat dafür interessiere und weil ich zweitens gern wissen möchte, worauf ich mich in meinem Beruf vorbereiten sollte. Wohin geht die Reise? Welche Fertigkeiten sind in einigen Jahren gefragt? Welche neuen Ideen, Plattformen und Kanäle kommen da auf mich zu?

Ein Vergleich, der in diesem Zusammenhang immer wieder aufkommt, ist der zum Mobile Web. Smartphones und ständiger Zugang zum Internet haben entscheidend verändert, welche Rolle das Netz spielt und auch, wie, wann und wo wir uns informieren. Das Mobile Web ist in vielerlei Hinsicht heute das Standardweb.

Ob die hier vorgestellten Zukunftsthemen einen ähnlichen Umbruch auslösen können, ist aus meiner Sicht heute vollkommen offen. Ich gehe am Ende noch darauf ein, ob wir es hier einfach mit einem Hype zu tun haben oder mit etwas Substanziellem.

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Was ist Augmented Reality?

Als Augmented Reality (AR) wird bezeichnet, wenn unsere natürliche Umgebung durch digitale Elemente ergänzt wird. Dazu trägt man beispielsweise eine entsprechende Brille. Geforscht wird auch an Kontaktlinsen.

Als ein Beispiel wird hier oft Google Glass genannt. Aber das war eher ein Head-up-Display fürs Smartphone. Denn hier wurde nichts in die natürliche Umgebung integriert. Stattdessen konnte man in der rechten oberen Ecke seines Sichtfelds Informationen sehen.

Die eigentliche Vision der Augmented Reality geht viel weiter: Demnach sollen sich digitale und natürliche Elemente nahtlos miteinander kombinieren. Beispiel: Du siehst auf deinem Schreibtisch eine Wetterstation, die aber rein digital eingeblendet ist. Sie ist zugleich so täuschend echt eingefügt, dass du sie kaum von den echten Gegenständen unterscheiden kannst. Auch wenn du aufstehst oder von einer anderen Ecke des Raums hinüberschaust, siehst du die digitale Wetterstation auf deinem Schreibtisch als wäre sie ein echter Gegenstand.

Zukunftsmusik? Nicht ganz. Bekannte Beispiele hierfür sind Microsoft Hololens und Magic Leap. Sie können das mit gewissen Einschränkungen heute schon leisten. Eine Einschränkung ist, dass sie bislang nicht das gesamte Sichtfeld umfassen, sondern nur einen Ausschnitt in der Mitte. Man hat also eine Art Guckloch-Effekt.

Dies wird sich in den nächsten Jahren laufend verbessern, während die Rechenkapazität zunimmt und auch die optischen Bestandteile der Geräte kompakter werden.

In der Idealvorstellung haben wir in Zukunft eine Brille auf, die sich (kaum) von einer normalen Brille unterscheidet. Und die Grenzen zwischen digitaler und natürlicher Welt verschwimmen.

Würde Augmented Reality so funktionieren, könnte das tatsächlich faszinierende neue Anwendungen ermöglichen. Daten und Informationen, die bislang auf Bildschirme beschränkt sind, könnten sich daraus befreien. Inwiefern wir überhaupt noch phsysisch vorhandene Bildschirme bräuchten, ist eine große Frage.

Apples CEO Tim Cook spricht schon seit Jahren darüber, wie fasziniert er vom Thema AR ist und tatsächlich hat Apple fleißig an Soft- und Hardware dazu gearbeitet. Mehr dazu in diesem UPLOAD-Artikel.

HoloLens Promofoto
Dieses Promofoto von Microsoft zeigt, wie die Zukunft von Mixed und Augmented Reality aussehen könnte. (Foto: Microsoft)

Was ist Virtual Reality?

Virtual Reality (VR) ist eine ganz andere Anwendung als AR, auch wenn die beiden gern in einen Topf geworfen oder verwechselt werden. Bei VR taucht man vollkommen in eine künstliche Welt ein. Man setzt ein Headset auf, eventuell kommen noch Kopfhörer hinzu und Steuergeräte. In aktuellen VR-Anwendungen kann man sich frei bewegen. Hände und Handgesten werden erkannt.

VR ist heute schon in guter Qualität möglich. Hier kommt es vor allem darauf an, die Auflösung der Bildschirme im Innern des Headsets zu erhöhen und noch mehr des Sichtfelds auszufüllen. Zudem sollte die virtuelle Umgebung mit möglichst nicht wahrnehmbarer Verzögerung auf Bewegungen reagieren, ansonsten können schnell Schwindelgefühle auftreten.

Nachteil der VR ist vor allem, dass man sich von seiner natürlichen Umgebung weitgehend bis vollständig abschottet. Zudem sind die Headsets weiterhin recht klobig und schwer, so dass man sie nicht viele Stunden am Tag tragen möchte. Auch hier kann der technische Fortschritt in den nächsten Jahren natürlich für deutliche Verbesserungen sorgen. Chips werden schließlich leistungsfähiger und sparsamer. Auch drahtlose Verbindungen zu einem Hub mit der eigentlichen Recheneinheit sind denkbar, um die Headsets zu verschlanken.

Der hier genannte Nachteil von Virtual Reality ist und bleibt zugleich seine größte Stärke: das vollkommene Eintauchen in eine digitale Welt, in der im Prinzip alles möglich ist, da es sich von den Grenzen und Regeln der natürlichen Welt lösen kann.

Wie das abseits von Spielen aussehen kann, habe ich hier bei UPLOAD 2015 beschrieben.

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Was ist Mixed Reality?

Mixed Reality (MR) ist ein Begriff, der unterschiedlich genutzt wird und keine klare Definition hat. Microsoft setzt ihn für Hololens ein und möchte damit hervorheben, dass sich die natürliche und digitale Umgebung nahtlos miteinander vermischen.

Es gibt aber auch eine andere Anwendung für den Begriff: Geräte, die AR und VR in sich vereinen. Das sind beispielsweise Headsets mit Kameras, die im Innern ein Bild der Umgebung anzeigen oder einblenden können.

Solche AR/VR-Kombinationsgeräte könnten eine interessante Alternative sein, da sie Funktionen beider Welten miteinander vereinen und gewisse Schwächen ausgleichen. Dazu muss sich allerdings die Qualität der Hardware (vor allem der Displays) deutlich verbessern.

Was ist Extended Reality?

Extended Reality (XR) wird meist als Oberbegriff für alle hier genannten „Realities“ genutzt. Es steht also für alle Anwendungen, die unsere natürliche Realität in irgendeiner Form erweitern.

Was ist das Metaverse?

(Illustration: © 3DGearFOTO, depositphotos.com)

Das Metaverse wiederum ist zum heutigen Stand der Dinge vor allem ein Buzzword. Mark Zuckerberg nutzt es, um gegenüber seinen Investoren den Eindruck zu vermitteln, Facebook & Co. hätten eine goldene Zukunft vor sich.

Er meint mit dem Metaverse vor allem VR-Anwendungen, denn Facebook hat vor einigen Jahren den VR-Headsethersteller Oculus aufgekauft.

Nach Mark Zuckerbergs Visionen haben wir in Zukunft laufend ein solches Gerät auf unser Gesicht geschnallt, damit wir dann das machen können, was wir heute im Internet und auf unseren Smartphones bereits tun, dafür aber in einer umständlich zu bedienenden 3D-Umgebung, die zudem eine superschnelle, zuverlässige Internetverbindung benötigt.

Die Idee ist nicht neu. Spätestens seid „Second Life“ gab es Diskussionen darum, das Internet in die dritte Dimension zu überführen. Nur ein Beispiel: IBM kündigte im März 2007 an, 10 Millionen US-Dollar in Second Life zu investieren – unter anderem für Business Meetings. 15 Jahre später hat Mark Zuckerberg genau dieselbe Idee für seine Metaverse-Idee propagiert …

Wie alt das Thema ist, zeigt sich an diesen Aussagen von mir hier beim UPLOAD Magazin, die aus dem Juli 2007 (!) stammen:

Zwar werden Texte, Filme und Audio sicher durch 3D nicht leichter konsumierbar, es lassen sich aber neue Darstellungs- und Verknüpfungsarten denken. Neue Anlässe für Kommunikation können entstehen, wenn sich die gleichzeitig anwesenden Nutzer sehen. Nicht zuletzt können dreidimensionale Welten einen spielerischen Zugang zu Informationen und Funktionen bieten.

3D-Welten sind für mich nach dem jetzigen Stand der Dinge kein Ersatz für das zweidimensionale Internet. Sie können aber ein spannender neuer Bereich werden und sie werden Teile des Internets erweitern und beeinflussen.

Die Frage ist für mich immer: Was wird durch eine neue Technik besser? Welche neuen Anwendungen und Erlebnisse werden dadurch möglich? Mark Zuckerbergs Präsentationen und Demonstrationen geben dazu bislang aus meiner Sicht keine überzeugenden Antworten. 

Das kann sich aber natürlich noch ändern.

Lesetipp: In einem eigenen Artikel habe ich noch genauer erklärt, was du als Content-Profi heute über das Metaverse wissen musst.

Was ist das Web3?

(Illustration: © MininyxDoodle, depositphotos.com)

Der Begriff des Web3 (oder Web 3.0) schwirrt schon viele Jahre umher und wird immer wieder neu geprägt und genutzt. Derzeit umfasst er vor allem viele Ideen und Ansätze, um die Macht einzelner Anbieter wie Facebook, Google und Apple zu brechen. Das Internet mit seinen Anwendungen, Diensten und Funktionen soll wieder zurück in die Hände der Nutzer*innen gelangen.

Diese Ideenwelt hat sich zuletzt mit allerlei Gedanken rund um dezentrale Dienste vermischt. Dazu gehört beispielsweise die Idee der Blockchain, mit der sich Transaktionen aller Art ganz ohne zentrale Datenbank erfassen lassen. Dafür gibt es viele mögliche Anwendungsfelder. Die praktischen Beispiele sind aber rar gesät.

Bisweilen wird Web3 allerdings so genutzt, als sei es dasselbe wie das Metaverse. Oder beide Themen werden so miteinander kombiniert, als wäre ein 3D-Internet nur mit der Blockchain möglich. Das ist natürlich Unsinn. Web3 und Metaverse können Überschneidungen haben. Aber weder braucht das eine das andere, noch sind es Synonyme.

Lesetipp: In einem anderen Artikel von mir erfährst du noch sehr viel mehr zu den Ideen und Gedanken hinter dem Begriff Web3.

Schlusswort: Alles nur Schall und Rauch?

Mit Blick auf diese Visionen und Ideen drängt sich schnell die Idee auf, dass wir es nur mit Hypes zu tun haben. Erinnert sich noch jemand daran, wie Chatbots das Internet und E-Commerce und überhaupt alles umkrempeln sollten?

In einem eigenen Artikel habe ich bereits darüber geschrieben, wie Hypes entstehen und du sie durchschauen kannst. Eine Schwierigkeit dabei: Manchmal kommen sie wieder. Ich hatte oben bereits das Mobile Web genannt: Das war ein großes Thema beim Dot-Com-Boom 1999/2000. Die Hoffnungen haben sich damals nicht erfüllt, heute aber schon. Sprich: Die Gedanken waren richtig, nur das Timing war inkorrekt.

Den Effekt hat auch das Unternehmen Apple erlebt. Während Steve Jobs anderweitig beschäftigt war, sah es eine Zukunft für vernetzte Geräte, die man in einer Hand halten und per Touchscreen bedienen konnte. Ergebnis: der Apple Newton. Abgesehen davon, dass anfangs zentrale Funktionen wie die Handschrifterkennung nicht funktionierten: Die Zeit war einfach noch nicht reif für diese Vision eines Alleskönners in der Hosentasche. 14 Jahre später präsentierte Apple dann das iPhone. Es war eine sehr ähnliche Idee, die dank besserer Hardware und vieler guter Ideen zu einem durchschlagenden Erfolg wurde.

Apple Newton und iPhone („All in the family“ by someToast is licensed under CC BY-SA 2.0)

Insofern: Ja, momentan ist der Buzz rund um „Metaverse“ und „Web3“ enorm laut. Und, nein, nahezu niemand braucht jetzt eine Metaverse-Strategie oder eine Agentur für Web3-Marketing. Denn wie sich auch beim Mobile Web zeigt: Man muss nicht am Tag 1 dabei sein, um langfristig erfolgreich zu sein. Die „First Mover Advantage“ ist größtenteils ein Mythos.

Ausprobieren, experimentieren und am Ball bleiben ist hingegen immer eine gute Idee. Denn was heute noch wie ein schlechter Witz wirkt, kann morgen schon der nächste große Hit sein – oder übermorgen.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 104

Die Welt der Content-Berufe wird größer und komplexer. Im Schwerpunkt dieser Ausgabe schauen wir uns an, welche Kenntnisse und Fähigkeiten gefragt sind, wie verschiedene Berufe in diese Bereich aussehen, was den Job als Content-Manager:in so spannend macht oder auch wie du als Freelancer:in erfolgreich und zufrieden wirst. Außerdem haben wir zwei Kolumnen, einen Blick auf die Content-Gewohnheiten der Generation Z und einen Beitrag dazu, warum „Metaverse“ und „Web3“ nicht etwa ein und dasselbe sind.

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Illustration zeigt Personen beim Lernen online
(Illustration: © AlisaRut, depositphotos.com)

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