Content-Strategie 2026: Strategische Anpassungen für das KI-Zeitalter

Eine Content-Strategie ist kein Brettspiel, das man bei einem spontanen Spieleabend anlässlich eines Stromausfalls aus dem Regal zieht. Sie ist vielmehr das Fahrzeug, das dich zuverlässig an deine Ziele bringt. Wenn du sie steuerst, pflegst und auf dem aktuellen Stand hältst, bringt dich deine Content-Strategie voran. Welche strategischen Anpassungen für das KI-Zeitalter nötig sind, erklärt Falk Hedemann in diesem Artikel.

(Foto: © alphaspirit, depositphotos.com)

Zusammenfassung

  • Traffic-Wandel akzeptieren: Der organische Suchtraffic schwindet, da Nutzer direkte KI-Antworten bevorzugen – klassisches SEO reicht nicht mehr.
  • Qualität vor Quantität: In der Flut automatisierter KI-Texte gewinnst du nur noch mit Inhalten, die echte Probleme tiefgehend lösen.
  • Neue KPIs wählen: Verabschiede dich von der reinen Reichweiten-Jagd und miss Erfolg künftig an echtem Engagement und Leserbindung.
  • Spezialisierung wagen: Statt Themen-Breite brauchst du „Comprehensive Content“ (Tiefe), um eine vertrauenswürdige Nischenautorität aufzubauen.
  • Faktor Mensch nutzen: Persönliche Erfahrungen, Meinungen und echte Expertise sind dein wichtigstes Alleinstellungsmerkmal gegenüber der KI.

Für Content-Strategen startet das Jahr 2026 so, wie 2025 endete: mit zahlreichen Herausforderungen. Es bieten sich ihnen aber auch Chancen, die sich aus den Lösungen der Probleme ergeben. Die erste und wichtigste Herausforderung besteht im Verständnis, dass strategische Anpassungen nicht mehr optional sind, sondern höchste Priorität haben müssen.

Rahmenbedingungen im Wandel: Auf diese Veränderungen musst du reagieren

Das pragmatische „Set it and forget it“, nach dem viele Content-Strategien aufgesetzt wurden, funktioniert heute nicht mehr. So schnell, wie sich die Rahmenbedingungen in der neuen KI-Ära verändern, müssen auch die Strategien angepasst werden. Um das eingangs beschriebene Bild aufzunehmen: Wenn du deine Content-Strategie bisher nur im Inspektionsintervall überprüft und angepasst hast, solltest du jetzt einen kürzeren Rhythmus wählen. Vielleicht sogar in Analogie zum Auftanken oder Aufladen?

Kennst du uns schon? Auf den Punkt gebracht: Wenn Content Marketing, dann UPLOAD Magazin! Das große deutsche Portal für alle Fragen rund um erfolgreiche Inhalte. Vieles kannst du vollkommen kostenlos lesen und jeden Montag kommt ein Artikel wie dieser hinzu. Bleib am Ball mit dem „Update am Montag“ …

Direkte Antworten statt Linklisten!

Viele Jahre lang war Suchmaschinenoptimierung ein wesentlicher Aspekt von Content-Strategien. Es galt als State of the Art, regelmäßig SEO-optimierte Artikel zu veröffentlichen, die auf Keyword-Recherchen basierten und für organische Sichtbarkeit in den Suchmaschinen sorgen sollten.

Mit dem Durchbruch bei der Entwicklung von Large Language Models (LLMs) und generativer KI haben sich jedoch die Spielregeln grundlegend verändert. So schnell, wie sich die Nutzung von ChatGPT & Co. verbreitet hat, verliefen auch die Veränderungen der Rahmenbedingungen für das Content-Marketing. Während wir bei vorherigen Veränderungen, wie dem Aufkommen von Social Media und dem Mobile-Shift, noch die Möglichkeit hatten, mitzuwachsen, haben wir es jetzt mit einer tiefgreifenden Disruption zu tun, die sehr viel schneller wirkt.

Bereits heute lässt sich eindeutig feststellen, dass der organische Webtraffic über Suchmaschinen eingebrochen ist und sich auch nicht wieder erholen wird. Die Art und Weise, wie sich Menschen im digitalen Raum Informationen beschaffen, hat sich bereits gravierend gewandelt. Sie suchen nicht mehr nach Webseiten, die ihnen die gewünschten Informationen präsentieren, sondern erwarten direkte Antworten auf ihre Fragen. Dabei spielt es kaum eine Rolle, ob sie dafür direkt auf KI-Tools setzen. Denn selbst wenn sie das nicht tun, erhalten sie mit der KI-Übersicht von Google eine KI-Antwort, ohne dass sie sich durch Webseiten klicken müssen.

Da diese Form der Informationsbeschaffung deutlich direkter und schneller ist, haben sich bereits viele Menschen daran gewöhnt. Sie lassen sich auch nicht davon abschrecken, dass es bei den KI-Antworten immer wieder zu Fehlern und kompletten Halluzinationen kommt. Schnelligkeit und der geringe Aufwand zählen hier oft mehr als akkurate Informationen.

Siehe ergänzend dazu den Beitrag bei unserem Schwesterprojekt Smart Content Report: „Google AI Mode: Was Content Creator jetzt tun sollten“

Veränderung Nr. 1: Die klassische Customer Journey (Websuche, Klick auf einen Link, Besuch einer Website) ist ein Auslaufmodell. Immer mehr Informationsanfragen werden direkt beantwortet.

Früher SEO, heute GEO?

Die SEO-Branche hat diese Entwicklung längst verstanden und bietet mit GEO (Generative Engine Optimization), LLMO (Large Language Model Optimization), GAIO (Generative Artificial Intelligence Optimization) oder AEO (Answer Engine Optimization) gleich „verschiedene Lösungen“ an. Diese und weitere Konzepte hören sich nach einem plausiblen SEO-Nachfolger an. Doch sie lassen einen Aspekt mehr oder weniger unberücksichtigt: Das Nutzungsverhalten sieht keine Link-Klicks mehr vor. Dabei spielt es für die Suchenden keine Rolle, ob ihnen Links in klassischen Suchanfragen oder in KI-Antworten präsentiert werden.

Zudem agieren die LLMs selbst als Gatekeeper. Sie beantworten Fragen schnell und direkt. Dabei synthetisieren sie Informationen aus verschiedenen Quellen, mit denen sie trainiert wurden, und integrieren sie per Live-Websuche. Das Ergebnis ist dann nicht mehr ohne Weiteres einer bestimmten Quelle zuweisbar, sodass vielleicht gar keine Quellen genannt werden. Wer schon einmal explizit nach Originalquellen gefragt und sie sich angesehen hat, wird festgestellt haben, dass LLMs hier ganz anders agieren als klassische Suchmaschinen. Die Suche nach konkreten Informationen in den Quellenlinks ist aufwändig und auch nicht immer erfolgreich.

GEO & Co. können in bestimmten Bereichen relevant sein, beispielsweise bei Produktsuchen. Auch für das Brand Building können Erwähnungen in KI-Antworten hilfreich sein. Für das nicht werbliche Content-Marketing werden SEO und GEO jedoch zukünftig nur noch eine Randfunktion erfüllen.

Eine persönliche Anmerkung: An dieser Stelle könnte nun ein weiterer GEO-Leitfaden stehen. Ich habe mich jedoch bewusst dagegen entschieden. Zu der gerade beschriebenen Problematik kommt noch die enorme Entwicklungsgeschwindigkeit in der KI-Landschaft hinzu. Schon bei SEO haben größere Updates immer wieder für neue Spielregeln gesorgt. Bei GEO gibt es dagegen beinahe wöchentlich größere Veränderungen. Die einzige Gemeinsamkeit ist, dass die jeweils geltenden Spielregeln nicht offiziell dokumentiert werden. Das bedeutet, dass wir sie durch Experimente erraten müssen. Ist uns das gelungen, ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass es bereits eine neue inoffizielle Version der Spielregeln gibt und wir wieder neu anfangen müssen.

Bist du am Thema interessiert, findest du bei unserem Schwesterprojekt Smart Content Report eine grundlegende Übersicht zum Thema GEO für Content Creator. Und hier beim UPLOAD Magazin hat Marco Peter interessante Fakten und Tipps zu GEO zusammengestellt.

Veränderung Nr. 2: SEO ist kein Erfolgsgarant mehr. Selbst wenn dein Content auf Platz 1 rankt, garantiert das keinen Webtraffic mehr.

Kurzer Exkurs: Algorithmen als Kuratoren und Gatekeeper

Auch wenn Algorithmen nicht zu den KI-Tools gezählt werden, müssen sie bei der Analyse der Rahmenbedingungen für das Content Marketing erwähnt werden. Social-Media-Plattformen entscheiden mit ihren Algorithmen maßgeblich darüber, wer welche Inhalte zu sehen bekommt. Ähnlich wie beim Thema SEO stochern wir hier seit Jahren mit unterschiedlichem Erfolg im dichten Nebel.

Trend-Reports zeigen uns zwar regelmäßig erfolgreiche Parameter, Formate und Verhaltensweisen, doch auch hierbei handelt es sich meist um Vermutungen, Beobachtungen und spezifische Erfahrungen. Die Spielregeln sind ebenfalls nicht offiziell bekannt und die Plattformen können sie nach eigenem Belieben ändern.

Langfristig gesehen ist die schwindende organische Sichtbarkeit auf fast allen Plattformen der sicherste Trend. Das Prinzip „Post and pray“ funktioniert so gut wie gar nicht mehr. Stattdessen treiben die Plattformen die Nutzer in Richtung „Post and pay“, also einer erweiterten Sichtbarkeit durch bezahlte Promotion. Das gilt vor allem für Link-Posts, die für das Content-Marketing wichtig sind.

Content-Shock reloaded

Über den „Content-Shock“ diskutieren wir nun bereits seit mehr als zehn Jahren. Seitdem hat sich Mark Schaefers Prognose einer übermäßigen Anzahl von Inhalten mehr als erfüllt. Nun überfluten KI-generierte Inhalte zusätzlich das Netz. Eine zweite Content-Shock-Welle, die die erste sogar noch weit übertrifft.

Die Produktion von Inhalten aller Art scheint nicht mehr an spezielle Fähigkeiten, große Budgets oder einen hohen Aufwand gekoppelt zu sein. Jeder kann mithilfe verschiedener KI-Tools Texte, Bilder, Audio- und Videodateien generieren lassen. Unter bestimmten Umständen wäre das eine ähnlich positive Entwicklung wie das Aufkommen der Blogsysteme rund um den Jahrtausendwechsel. Damals wurde die Verbreitung von Informationen demokratisiert, da sie nicht mehr allein den Verlagen vorbehalten war.

Das Problem ist jedoch, dass KI-Tools überwiegend eingesetzt werden, um effizienter zu werden und Budgets zu sparen, wodurch gleichzeitig noch mehr Inhalte in die Contentflut gespült werden.

Dabei könnten KI-Tools auch ganz anders eingesetzt werden und ein bestehendes Problem lösen, statt ein neues zu erzeugen. Wir haben schon seit Jahren keinen Mangel an Inhalten, gleich welcher Art. Stattdessen haben wir einen eklatanten Mangel an wirklich guten Inhalten. Also Content, der wie eine rettende Insel im Meer der überflüssigen Inhalte wirkt.

Der massenhaft produzierte KI-Content reduziert die durchschnittliche Content-Qualität, wodurch das gesamte Content-Marketing in Verruf gerät. Inhalte werden von den Konsumenten als nerviger KI-Müll wahrgenommen. Dadurch wird es auch für die wenigen Inhalte mit herausragender Qualität immer schwieriger, sich durchzusetzen. Hinzu kommt ein strukturelles Problem, mit dem das Content-Marketing in vielen Unternehmen zu kämpfen hat.

Oft liegt die Verantwortung in den Händen von Marketern, die performancegetrieben denken. Für sie ist Content-Marketing eine Ersatzlösung für Performance-Marketing, das unter der Werbemüdigkeit der Konsumenten leidet. Oft arbeiten sie noch mit den gleichen Metriken und beurteilen Inhalte nicht nach deren Qualität, sondern danach, wie viele Klicks und Produktkäufe sie generieren. In ihrer Logik ist es daher egal, ob 1.000 Webseitenbesucher über einen Inhalt generiert werden oder über 100.

Premiumcontent mit herausragender Qualität wird gegen Massencontent immer wirksamer bleiben. Dennoch nimmt auch dessen Sichtbarkeit ab, wenn in Massen produzierter KI-Content einen Teil der Aufmerksamkeit bindet. Aus Sicht der Konsumenten bedeutet diese Entwicklung, dass es für sie immer schwieriger wird, gute Inhalte zu finden. Sie vergeuden stattdessen viel Zeit mit Inhalten, die sie nicht wollen.

Veränderung Nr. 3: Der erneute Content-Schock reduziert die Sichtbarkeit guter Inhalte und hinterlässt genervte Konsumenten.

Strategische Anpassungen: So kannst du gegensteuern

Auf den ersten Blick scheinen die veränderten Rahmenbedingungen das Ende des Content-Marketings zu bedeuten. Das ist aber nicht der Fall! Tatsächlich können die Veränderungen zu einer längst überfälligen Weiterentwicklung führen. Die meisten Probleme gab es schon vor der KI-Ära. Die Verbreitung generativer KI hat sie allenfalls so sehr verstärkt, dass strategische Anpassungen keine Option mehr sind, sondern eine Pflichtaufgabe.

Wer in der KI-Ära mit Inhalten erfolgreich sein will, muss bereit sein, grundlegende Veränderungen und Perspektivwechsel vorzunehmen. Es geht nicht um neue Taktiken, die eine Zeit lang funktionieren, bis sie wiederum von neuen Taktiken abgelöst werden. Es geht auch nicht um mehr Effizienz oder noch mehr Inhalte. Es geht um konkrete strategische Anpassungen, die langfristig wirken.

Anpassung 1: Von Masse zu Relevanz

Es geht nicht mehr darum, mit hohen Reichweiten möglichst viele Menschen zu erreichen. Die alte Logik „Je mehr Inhalte, desto mehr Traffic, desto mehr Leads” kann nicht länger funktionieren, weil die Masse an Inhalten einen kritischen Stand erreicht hat.

Stattdessen wird es wieder wichtiger, die richtigen Menschen mit für sie relevanten Inhalten zu erreichen. Das erfordert einen Paradigmenwechsel: Statt einer klassischen Redaktionsplanung auf Basis einer SEO-Strategie und der Frage, mit welchem Keyword möglichst viele potenzielle Kunden erreicht werden, steht nun eine kundenzentrierte Content-Arbeit im Mittelpunkt, bei der die zentrale Frage lautet: „Löst dieser Content ein echtes Problem?”

Da sich die chatbasierten KI-Tools wie ChatGPT, Gemini oder Claude ebenfalls dazu eignen, Antworten zu liefern, sind diese Probleme nur der Ausgangspunkt für einen relevanten Artikel. In der Ausarbeitung und Kreation geht es anschließend darum, das Problem besser, umfangreicher und hilfreicher zu lösen als andere Quellen – inklusive KI.

Solche Inhalte erfordern sehr viel Wissen, Erfahrung und Tiefgang. Hier kommt Qualität deutlich vor Quantität, was unweigerlich zu weniger Inhalten führt. Der geringere Output wird sich zunächst ungewohnt anfühlen, vielleicht sogar falsch, denn die letzten Jahre waren von der „Viel-hilft-viel-Strategie“ geprägt: Mehr Inhalte haben als Masse mehr Chancen auf Aufmerksamkeit. Doch der erneute Content-Shock macht diese Strategie obsolet.

Anpassung 2: Von Page Views zu Engagement

Wenn wir ehrlich sind, war es für das Content-Marketing noch nie besonders hilfreich, die Views als einfachste Metrik zu betrachten. Ob ein Inhalt erfolgreich ist oder nicht, wird nicht über die Anzahl der Aufrufe definiert, sondern über die Wirkung, die er auf die Konsumenten hat. Für die Legitimierung der Budgets war es jedoch pragmatisch, auf die Kennzahlen zurückzugreifen, die sich einfach erheben lassen und aus dem Performance-Marketing bekannt sind.

Das Content-Marketing muss sich jetzt endgültig emanzipieren und neue Messgrößen für die Erfolgsmessung entwickeln. Dabei rücken qualitative Indikatoren in den Mittelpunkt, die Aussagen über das Engagement zulassen:

  • Wie lange beschäftigen sich Nutzer mit einem Inhalt?
  • Kommen sie wieder?
  • Teilen sie den Inhalt aktiv?
  • Abonnieren sie einen Newsletter?
  • Schauen sie sich weitere Inhalte an?
  • Gibt es andere Conversions?
  • Oder gar qualifizierte Anfragen?

An diesen Fragen wird deutlich, dass die Erfolgsmessung deutlich komplexer wird. Der Aufwand lohnt sich jedoch, da so ein ehrliches Bild davon entsteht, wie erfolgreich die Inhalte tatsächlich sind. Und noch einmal zur Erinnerung: Es geht nicht mehr um Masse, sondern um Wirkung.

Anpassung Nr. 3: Tiefe statt Breite

Die Content-Hubs einiger Unternehmen wirken wie ein digitaler Bauchladen: Es soll möglichst für alle etwas dabei sein. Bei gleichbleibenden Ressourcen wird das schon durch die Anpassung „Von Masse zu Relevanz“ nicht mehr zu leisten sein. Statt zu versuchen, alle Themen im eigenen Bereich abzudecken (Breite), sollten Unternehmen sich auf ihre echten Expertise-Bereiche spezialisieren und konzentrieren (Tiefe).

Es geht dann künftig um einzigartiges Wissen, besondere Erfahrungen und originäre Perspektiven. In weniger Themenvielfalt liegt zudem die Chance, Kernthemen besonders umfassend zu bearbeiten und aus verschiedenen Blickwinkeln zu beleuchten. Der Anspruch sollte lauten: Wer einen Inhalt von uns konsumiert, sollte anschließend keine Fragen mehr zu dem Thema haben.

Der Fachbegriff dafür lautet „Comprehensive Content”. In einem Inhalt werden alle wichtigen Aspekte behandelt: Grundlagen, weiterführende Details, praktische Anwendungsbeispiele, Alternativen und mögliche Fehlerquellen. Die Konsumenten erhalten einen echten Mehrwert, den sie zu schätzen wissen werden.

Gleichzeitig etablieren solche Inhalte eine Nischenautorität. Die Konsumenten erkennen, in welchem Themenbereich das Unternehmen über besondere Expertise verfügt, und werden mit hoher Wahrscheinlichkeit wiederkommen, wenn sie Informationen aus diesem Bereich benötigen. Im Laufe der Zeit lernen sie, dass sie dem Content-Hub vertrauen können, weil sie hier tiefergehend informiert werden als anderswo – inklusive der KI-Konkurrenz.

Siehe dazu auch das Thema des „Pillar-based Marketing“. Das wird zwar oft als SEO-Taktik beschrieben, hat aber ebenso positive Auswirkungen darauf, wie die Leserschaft eine Website wahrnimmt und ob sie sich gut informiert fühlt.

Anpassung Nr. 4: Mehr Menschlichkeit wagen!

Zu Beginn des Content-Marketings waren die Menschen dahinter noch sehr sichtbar. Sie wurden als Autoren in den Inhalten genannt, hatten Autorenprofile und agierten auch als Multiplikatoren auf Social-Media-Plattformen. Es gab sogar eine Zeit, in der Google eine authentisierte Autorenschaft mit besseren Rankings belohnte und die Autoren bereits in den Suchergebnissen nannte.

Davon haben wir uns bis heute maximal entfernt. Unternehmensinhalte kommen oft ohne Autoren aus, aus Corporate Blogs mit persönlichen Geschichten sind hochglanzpolierte Magazine geworden und Keywords für die Sichtbarkeit in Suchmaschinen sind wichtiger geworden als die Probleme der Kunden. All diese Inhalte kann generative KI massenhaft reproduzieren. Das macht sie obsolet.

Was KI-Tools bisher jedoch nicht gut imitieren können, sind Inhalte, die von Menschen erstellt wurden. Erfahrene Contentschaffende erkennen solche KI-Inhalte meist besser als darauf spezialisierte Tools. Noch wichtiger ist allerdings, dass bei weniger versierten Menschen ein verwirrendes Gefühl der Leere entsteht, wenn sie KI-Inhalte konsumieren. Dieses Gefühl lässt sich nicht genau beschreiben, aber es veranlasst nicht zu Engagement.

Um sich von der Masse an KI-Inhalten eindeutig abzusetzen, müssen wir wieder zu den Wurzeln zurückkehren und menschlichere Inhalte wagen. Dieser Content beinhaltet beispielsweise Erfahrungen, Meinungen, Einschätzungen und persönliche Expertise. Und er spricht Menschen direkt an.

Mit diesen konkreten Maßnahmen kannst du deine Strategie anpassen

Die vorgestellten Veränderungen und Anpassungen erheben keinen Anspruch auf Vollständigkeit oder dauerhafte Gültigkeit. Einerseits sind die spezifischen Rahmenbedingungen für den Einzelfall zu unterschiedlich, andererseits ist die Geschwindigkeit des Wandels so groß, dass wir Strategien agiler denken müssen.

Die Content-Strategie wird künftig eher ein Prozess als ein fertiges Produkt sein. Das hat den Vorteil, dass Veränderungen nach und nach einfließen können und du sofort loslegen kannst. Folgende Maßnahmen können dir dabei helfen:

Definiere neue Qualitätskriterien

Entwickle einen schriftlich dokumentierten Qualitätsstandard für sämtlichen Content in deinem Unternehmen. Lege dabei fest, welche Mindestanforderungen gesetzt sein sollen: Recherche-Tiefe, Quellenangaben, Originalität, Praxisnähe.

Definiere außerdem die Nische, in der der Content eine Autorität werden soll: Welche Themen werden behandelt, welche nicht?

Lege fest, wie „Expertise“ definiert sein soll und wie sie in den Inhalten sichtbar werden soll. Das beinhaltet beispielsweise das Einholen von Experten-Statements, die den Content aufwerten.

Etabliere redaktionelle Standards

Führe einen Review-Prozess ein, der die neuen Qualitätskriterien sicherstellt. Eventuell brauchst du auch eine inhaltliche Prüfung durch Fachabteilungen, wenn es um die Expertise geht.

Qualität vor Geschwindigkeit: Zeitliche Abläufe müssen an die neue Arbeitsweise angepasst werden, damit die Qualität nicht unter Zeitdruck leidet.

Definiere genau, wann/wofür KI eingesetzt werden darf und wann/wofür nicht. Du kannst beispielsweise KI für Recherche, Briefings oder Rechtschreibung und Grammatik freigeben. Um den menschlichen Charakter zu betonen, sollten Texte aber von Menschen geschrieben werden.

Tipp: Anregungen für besseren Content – kostenlos und wertvoll

Das UPLOAD Content Briefing liefert dir alle 14 Tage:

  • eine hilfreiche Anregung für deine Content-Arbeit
  • Links auf lesenswerte Beiträge und nützliche Tools
  • Hinweise auf neue UPLOAD-Angebote und woran wir gerade arbeiten

Kein Spam! 100% wertvoll. Schon knapp 400 Leser:innen sind dabei.

Jetzt eintragen …

Content-Audit

Verschaffe dir einen Überblick über den aktuellen Stand der Inhalte und beziehe dabei die neuen Qualitätsmerkmale ein.

Ordne die Inhalte in drei Kategorien:

  1. hochwertige Inhalte, die so bleiben können
  2. mittelmäßige Inhalte, die überarbeitet werden sollten
  3. schwache Inhalte, die nicht mehr passen und auf „no index“ gesetzt oder gelöscht werden sollten

Priorisiere dabei jene Inhalte, die dem Kernthema am nächsten kommen. Du kannst auch mehrere Inhalte zusammenführen, um Comprehensive Content aufzubauen.

Weitere Anregungen zur Arbeit mit deinem Archiv findest du in Jan Tißlers Artikel „Content smart wiederverwenden und vorausschauend planen“. Und Ruth Pfahler zeigt dir auf, wie du bestehende Inhalte so optimierst, dass sie besser in Suchmaschinen dastehen.

Schlusswort: Es ist Zeit für ein neues Content Marketing

Zugegeben, die eingangs beschriebenen Veränderungen sind massiv und können Zweifel aufkommen lassen, ob es für das Content-Marketing überhaupt noch eine verlässliche Zukunft gibt.

Für mich persönlich stellt sich diese Frage jedoch nicht. Mit der richtigen Perspektive lassen sich Herausforderungen auch als Chancen und Möglichkeiten deuten. Zudem könnte man sarkastisch fragen, welche Alternative es denn gibt.

Nehmen wir die Veränderungen also besser an und kümmern uns darum, unser Content-Marketing so anzupassen, dass wir am Ende sogar profitieren. Die Empfehlungen in diesem Artikel sollten dir dabei helfen. Ich bin überzeugt, dass sich das neue Content-Marketing nicht nur für die Zielgruppen, sondern auch für die Content-Teams besser anfühlen wird.

Möchtest du nach der Strategie nun mehr über die praktische Umsetzung erfahren, lies in einem weiteren UPLOAD-Artikel, wie sich Content Creation in Zeiten der KI anpassen muss. Dort gehen wir neben der Inhaltserstellung auch auf Themen wie Community Building ein.


Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 124

Schon gewusst? Mit einem Zugang zu UPLOAD Magazin Plus oder zur Content Academy lädst du Ausgaben als PDF und E-Book herunter und hast viele weitere Vorteile!

 

Schreibe einen Kommentar