ChatGPT, Gemini und Co. verändern die Welt der Content Creator in rasantem Tempo. Einerseits sind sie potenziell mächtige Helfer und andererseits mindestens ebenso mächtige Konkurrenten. Jan Tißler zeigt dir in seinem Beitrag, wie du Strategie und Herangehensweise anpasst, damit du auch in Zukunft deine Zielgruppe erreichst, begeisterst und an dich bindest.

Inhaltsverzeichnis
Zusammenfassung
- Der Traffic von Suchmaschinen sinkt und wird durch KI weiter zurückgehen.
- „GEO“ soll dies durch Zitate und Links von KI-Assistenten ausgleichen, dessen Potenzial ist bislang aber eher theoretisch.
- Social Media und vor allem besondere und menschliche Inhalte sind in Zukunft gefragt, um Leser zu gewinnen und zu begeistern.
- Community Building wird noch wichtiger, um die eigene Leserschaft an sich zu binden.
- KI kann in der Content Creation hilfreich sein, wenn sie mit Bedacht eingesetzt wird.
Einführung
ChatGPT ist noch keine drei Jahre alt. Ich finde es schwer zu fassen, wie stark „generative KI“ meine Arbeit in dieser kurzen Zeit bereits verändert hat. Und auch wenn die Fortschritte zuletzt nicht mehr so enorm aussahen wie noch in den Anfangstagen: Es gibt für mich keinen Zweifel, dass wir mitten in einem enormen Umbruch stecken.
Ich vergleiche es mit dem Internet und dem iPhone. Beide haben letztlich die Welt verändert, auch wenn es anfangs nicht unbedingt danach aussah.
Für diesen Artikel gehe ich davon aus, dass KI gekommen ist, um zu bleiben. Sie geht nicht wieder weg.
Welche Konsequenzen das letztlich haben wird, ist heute nur schemenhaft abzusehen. Insofern ist dieser Beitrag eine Momentaufnahme: Er gibt wieder, was bereits passiert ist und welche aktuellen Trends und Entwicklungen es gibt.
Außerdem aktiviere ich meine (begrenzten) seherischen Fähigkeiten für den einen oder anderen Blick nach vorn.
Dafür greife ich so gut es nur geht auf meine inzwischen mehr als 30 Jahre Berufserfahrung zurück, mehr als 25 davon online.
Zugleich mache ich deutlich, was reine Spekulation ist und was in die Kategorie „gut begründete Vermutung“ fällt.
Drei Ebenen des KI-Phänomens für Content Creator
Dabei habe ich diesen Artikel in drei Ebenen aufgeteilt, denn das Thema KI ist vielschichtig und betrifft dich und mich an mehreren Stellen:
- In der neuen KI-Welt gefunden werden. Wir schauen uns an, wie du dein Publikum erreichst, wenn KI augenscheinlich alle denkbaren Fragen beantworten kann.
- Leser begeistern und binden. Da deine Leserschaft in Zukunft noch wertvoller wird als sie ohnehin schon ist, wollen wir sicherstellen, dass du das Maximum aus jedem Besucher herausholst.
- Die KI, dein Freund und Helfer. Und zu guter Letzt geht es darum, wofür du KI einsetzen solltest und wofür eher nicht. Dort gehe ich auf konkrete Anwendungsfälle ein und gebe Beispiele aus meiner eigenen Praxis.
Mein Ziel mit diesem Beitrag
Mein Ziel ist es, dass du einen besseren Überblick zu diesem Umbruch gewinnst. Der Artikel wird nicht alle Fragen beantworten. Zum einen, weil er ansonsten Buchlänge erreichen würde. Zum anderen, weil viele Antworten noch gar nicht bekannt sind.
Meine Hoffnung ist es dennoch, dass er tatsächlich zu einem Leitfaden für deine neue Strategie wird, so wie ich es in der Überschrift verspreche.
Ebene 1: In der neuen KI-Welt gefunden werden

Ich habe schon an anderer Stelle geschrieben: Google ist jetzt dein schärfster Konkurrent. Denn die unausgesprochene Vereinbarung zwischen der Suchmaschine einerseits und den Website-Publishern andererseits ist aufgekündigt.
Früher galt: Erstellst du gute Inhalte, empfiehlt dich Google. Die Nutzer klicken und kommen auf deine Seite. Dort kannst du ihnen weitere Angebote unterbreiten.
Google war froh, dass es gute Inhalte empfehlen konnte, denn damit hatte es seine Nützlichkeit bewiesen.
Du als Websitebetreiber oder Inhaltsersteller warst froh, denn deine Mühe wurde mit Besuchern, Aufmerksamkeit und Reichweite belohnt.
Die Nutzer waren froh, denn sie bekamen Antworten auf ihre Fragen.
Frohsinn überall.
Diese schöne, frohe Welt aber ist Geschichte.
Über die Jahre hat Google bereits mehr und mehr Fragen direkt auf der Suchergebnisseite beantwortet. Das Phänomen der „Zero Click Searches“ war geboren: Nutzer mussten nicht mehr auf ein Suchergebnis klicken.
Diese langsame Entwicklung von der Suchmaschine hin zur Antwortmaschine hat KI nun radikal beschleunigt.
Die heutige Situation und ihre Konsequenz
Wir haben es heute und in naher Zukunft nicht mehr nur mit Google zu tun:
- Suchmaschinen mit KI-Funktionen: Sie sehen aus wie eine klassische Suchmaschine, bieten aber KI-generierte Antworten und Zusammenfassungen. Denke an Google mit den AI Overviews oder an Bing. Links zu Websites sind weiterhin vorhanden, sind aber nur ein Angebot unter vielen. Ein Klick darauf ist immer seltener notwendig.
- KI-gestützte Suchmaschinen: Sie sind eine neue Kategorie, die Links zu Websites auf den Status von Quellennachweisen degradiert. Stattdessen liefern sie eine Antwort mit Text, Bildern, Grafiken und Videos. Du kannst auch Nachfragen stellen. Denke an Perplexity, ChatGPT Search oder Googles AI Mode.
- KI-Assistenten: Sie stehen 24/7 bereit, um jede nur erdenkliche Fragestellung auf jede nur erdenkliche Art und Weise zu beantworten. Sie schöpfen dazu aus ihrem „Weltwissen“ oder unternehmen eine schnelle Webrecherche, um aktuelle (und hoffentlich korrekte) Informationen zu finden. Denke an ChatGPT, Gemini oder Claude.
- KI-Agenten: Das sind Tools, bei denen eine oder mehrere KIs für dich aktiv werden. Sie können etwa einen Browser benutzen, um Dinge über mehrere Schritte hinweg zu recherchieren. Ein Beispiel sind Deep Research Tools, auf die ich unten noch genauer eingehe. Ein anderes Beispiel ist ChatGPT Agent. UPLOAD-Kolumnist und Website-Experte Jens Jacobsen hat in seinem Newsletter darüber geschrieben, wie sich KI-Agenten auf Websites auswirken könnten.
- KI-Browser: Diese Browser bringen die KI direkt mit. Sie können deshalb etwa Seiten mit einem Klick zusammenfassen oder sie haben eine „Agenten“-Funktion integriert. Beispiele sind Perplexity Comet oder der Browser Dia. Es gibt außerdem entsprechende Erweiterungen für bestehende Browser wie Chrome. Und natürlich baut Google seinen Assistenten Gemini überall ein, wo es nur geht. Bei unserem Schwesterprojekt Smart Content Report stelle ich dir KI-Browser genauer vor.
Alles das hat dieselbe Konsequenz: Noch mehr Fragen als sowieso schon werden von KI beantwortet. Im Fall der KI-Assistenten können es auch komplexere und schwierige Themen sein. Und sollten KI-Agenten deutlich zuverlässiger werden, lassen sich selbst Dinge wie Onlineshopping zumindest teilweise automatisieren.
Deine Website und deine Inhalte werden also mehr und mehr von Bots abgerufen und genutzt und immer weniger von Menschen aus Fleisch und Blut.
Es sollte klar sein, dass du in dieser veränderten Welt nicht mit deiner bisherigen Content-Strategie weitermachen kannst als wäre alles beim Alten.
GEO: Von KI zitiert und verlinkt
Akzeptieren wir für einen Moment, dass diese Entwicklung so weitergeht und sich nicht aufhalten lässt, müssen wir umdenken.
Die Frage ist: Wie schaffen wir es, dass eine KI uns in seiner Antwort zitiert, empfiehlt und verlinkt?
Das hört inzwischen landläufig auf Generative Engine Optimization (GEO), angelehnt an die Search Engine Optimization (SEO). Es gibt diverse andere Namen und Abkürzungen dafür wie LLMO oder GAIO. Aber GEO ist schön griffig. Das wird sich als Bezeichnung durchsetzen. Da bin ich mir sicher.
Weniger klar ist, wie GEO exakt funktioniert und was sich damit genau erreichen lässt. Vor allem SEO-Spezialisten schreiben viele detaillierte Beiträge darüber. Zahlen und Fakten zu GEO sind aber noch rar.
Klar ist dagegen die Zielstellung: Idealerweise willst du direkt in der KI-Antwort genannt und zitiert werden, so dass es die fragliche Person tatsächlich sieht. Das ist für GEO, was bei SEO die „Position 1“ ist.
Deutlich weniger reizvoll ist es dagegen, lediglich in der oft langen Liste der Quellen genannt zu werden. In SEO-Begriffen ausgedrückt, entspricht das eher der „Seite 2“. Meint: Das wird dir nur minimale Klicks bringen.
KI-Firmen behaupten gern, dass zwar die Zahl der Klicks abnimmt, dafür aber die „Qualität“ der Besuchenden zunimmt. Das klingt durchaus logisch: Wer sich die Mühe macht, nach einer wahrscheinlich bereits erschöpfenden Antwort doch noch einen Link zu klicken, hat wohl ein besonders hohes Interesse. Einen Beweis habe ich dafür allerdings noch nicht gesehen. Es ist auch nicht bekannt, ob der gestiegene Wert der Besucher die insgesamt gesunkene Zahl ausgleichen kann.
Um direkt in der Antwort zitiert zu werden, gibt es wiederum zwei Ansatzpunkte:
- Im „Weltwissen“ der KI als Quelle zu deinem Thema verankert sein. Das ist der heilige Gral. Das Weltwissen sind die Informationen, die die KI während ihres Trainingsprozesses aufgenommen hat. Unabhängig von einer Websuche sollte die KI also automatisch wissen: Wenn’s um X geht, ist Y eine bekannte und geschätzte Anlaufstelle. Der Ansatz dafür ist: digitale Markenführung. Siehe dazu Olaf Kopps UPLOAD-Beitrag „Vom Branding zum digitalen Markenaufbau“.
- Bei einer Websuche der KI gefunden werden. Hier funktioniert die KI so wie jede andere Suchmaschine auch. Im Fall von Googles Assistenten Gemini greift das System gar auf die hauseigenen Daten zurück. Der Ansatz hier: klassische SEO. Siehe dazu Olaf Kopps UPLOAD-Artikel „Wie du ein richtiger guter SEO wirst“ und natürlich alle UPLOAD-Beiträge zum Stichwort SEO.
Damit wird zugleich deutlich, dass Berichte über den Tod von SEO verfrüht sind. Die grundlegenden Handgriffe und Techniken sind aktueller denn je. Unterschiede werden sich allerdings im Detail zeigen. Noch ist nicht geklärt, was sich als besonders wirkungsvoll herausstellt.
Empfohlen werden beispielsweise technische Maßnahmen wie die semantische Auszeichnung von Inhalten. Siehe dazu den UPLOAD-Artikel „So funktionieren strukturierte Daten für die Suchmaschinenoptimierung“. Die Grundidee ist hier, es den Maschinen so einfach wie möglich zu machen, Informationen zu finden. Das ist natürlich alles andere als neu. Aber es könnte eine noch größere Relevanz bekommen.
Eine andere Anregung ist es, schon bei der Planung und Umsetzung zu überlegen, welche Fragen die Leserschaft dazu haben könnte und diese im Text direkt zu beantworten. Auf die Gefahr, mich zu wiederholen: Auch das ist nicht neu. Es bekommt allerdings einen neuen Reiz, weil es vielleicht die KI dazu verleitet, deinen Beitrag in einer Antwort zu zitieren.
Es schwirren viele weitere Tipps in diesem Bereich herum, bei denen ich eher skeptisch bin. So wird bisweilen eine „llm.txt“-Datei in Ergänzung zur „robots.txt“ empfohlen. Aber das ist reine Spekulation, denn es gibt keinen offiziellen Standard dazu.
Ein anderes Beispiel ist der Tipp, alle Inhalte auch im Markdown-Format bereitzustellen, weil KIs angeblich dieses leichtgewichtige Textformat bevorzugen. Dabei wird aber ignoriert, dass es nicht die KI selbst ist, die deine Website aufruft: Sie nutzt vielmehr ein Tool, das sehr wahrscheinlich exakt genau so funktioniert wie jeder andere Crawler auch.
Sicherlich ist es eine gute Idee, Maschinen ihre Arbeit zu erleichtern (siehe oben). Aber ich persönlich glaube im Moment nicht, dass wir das Rad neu erfinden müssen. Wir müssen es nur neu justieren.
Mehr zum Thema in meinem Artikel für den Smart Content Report: „GEO erklärt: Generative Engine Optimization für Content Marketer“
Letztlich gilt außerdem: Klassische Suchmaschinen gehen nicht so schnell weg und nicht alle Nutzer:innen werden von heute auf morgen vollkommen zu KI wechseln und nur noch deren Antworten vertrauen.
Ich persönlich mag es sehr, eine KI zu fragen. Aber trotzdem nutze ich weiterhin jeden Tag eine Suchmaschine.
Insofern ist mein Rat: Bitte nicht SEO über Bord werfen, aber die Augen offen halten und die aktuellen Entwicklungen weiterverfolgen.
Eine gute Möglichkeit dafür ist übrigens mein 14-täglicher Newsletter Smart Content Report. Der richtet sich an Content Creator, die beim Thema KI dranbleiben wollen. Schau doch mal rein!
Was tun, wenn ich der KI gar nicht helfen will?
Stellt sich noch eine ganz grundsätzliche Frage: Willst du den KI-Tools und ihren Anbietern überhaupt helfen? Schließlich hatte ich weiter oben schon anhand des Beispiels Google aufgezeigt: Sie nutzen die Früchte deiner Arbeit, ohne dich dafür angemessen zu entlohnen.
Eine Untersuchung von Cloudflare hat dazu beachtliche Zahlen geliefert: Vor zehn Jahren hat Google für jeden Besucher, den sie zu dir schicken, zwei deiner Seiten abgerufen. 2:1 klingt aus meiner Sicht fair. Heute aber liegt Googles Verhältnis bereits bei 18:1 und ChatGPTs gar bei 1.500:1. Manche KI-Tools gehen zudem so aggressiv vor, dass sie Websites lahmlegen und enorme Kosten verursachen. Perplexity wurde dabei erwischt, Maßnahmen gegen solchen Missbrauch gar aktiv zu umgehen.
Zugleich sammeln diese KI-Anbieter atemberaubende Summen bei Investoren ein und verlangen Geld für ihre Dienste. Alles das basiert am Ende auch auf deinen Inhalten. Und du siehst dafür so gut wie nichts.
KI-Bots auszusperren ist eine Möglichkeit. Aber zum einen kannst du dich wie dargestellt nicht darauf verlassen, dass sich die Anbieter daran halten. Zum anderen musst du bedenken, dass du im Fall von Google damit jedwede KI-Funktion aussperrst. Das sollte gut überlegt sein.
Eine andere Möglichkeit ist es, Inhalte nur noch angemeldeten Nutzern zur Verfügung zu stellen. Das können Bots nicht so einfach und dauerhaft umgehen. Dieser Content ist dann aber im Zweifel auch für Suchmaschinen nicht mehr sichtbar. Du könntest zwar entsprechende Schlupflöcher offen lassen, die aber potenziell doch wieder von KI missbraucht werden.
Letztlich scheint mir, dass ein Mix aus beidem eine gute Idee sein kann: Inhalte, die allen zur Verfügung stehen und Inhalte, die nur angemeldeten oder zahlenden Nutzern zur Verfügung stehen. Was in welche Kategorie fällt, hat dann ganz klar mit der Zielstellung der Inhalte zu tun, den Themen, der Zielgruppe und einigem mehr. Letztlich kann dieses Vorgehen deiner eigenen Plattform und dem Community Building zu Gute kommen. Darauf gehe ich weiter unten noch genauer ein.
Social Media als weitere Option
Um in der neuen KI-Welt noch gefunden zu werden, gibt es aus meiner Sicht eine weitere sehr interessante Möglichkeit: Social Media.
Natürlich muss ich dir die „sozialen Medien“ nicht mehr vorstellen. Sie sind allgegenwärtig und sie sind heute bereits enorm wichtig für Content Distribution, Branding und vieles mehr.
In Zeiten der KI werden sie aus meiner Sicht aber noch wichtiger.
Es würde zu weit führen, an dieser Stelle Social Media Marketing zu erklären. Ich habe beispielsweise schon darüber geschrieben, was eine erfolgreiche LinkedIn-Unternehmensseite ausmacht.
Einen Punkt möchte ich aber hervorheben, der auch in meinem LinkedIn-Artikel vorkommt: Der Austausch von Mensch zu Mensch ist wichtiger denn je. Deshalb wird oft empfohlen, eher auf persönliche Profile für die Reichweite zu setzen und das Unternehmensprofil stattdessen als zentralen Hub anzusehen. Auch Formate wie Video bieten sich hier an.
Dieser Punkt des zwischenmenschlichen Austausches wird aus meiner Sicht praktisch zwangsläufig bedeutender, je mehr Inhalte automatisch generiert sind. Denn ist es nicht naheliegend, dass wir uns nach echten, manchmal auch kantigen Meinungen und Perspektiven sehnen als Ausgleich zu den immer so ausgeglichenen KI-Bots? Sind menschliche Fehler und Marotten nicht plötzlich sympathischer denn je, wenn wir von Texten und anderen Inhalten umgeben sind, die zwar technisch perfekt sind, damit aber eben auch seelenlos, unkreativ und gleichförmig?
Während also deine Konkurrenz ihre Maschinen auf Hochtouren laufen lässt, um immer mehr Content noch schneller und billiger zu produzieren, setzt du auf den Gegentrend.
Du hast eine wiedererkennbare Persönlichkeit. In deinem Unternehmen arbeiten echte Menschen und du zeigst das in Wort, Bild und Bewegtbild.
Das lenkt uns recht elegant auf die nächsten Ebene.
Ebene 2: Leser begeistern und binden

Wie aus dem vorherigen Abschnitt hoffentlich deutlich geworden ist: Es dürfte in Zukunft noch schwerer werden, dein Publikum zu erreichen.
Umso wertvoller ist also jede Person, die sich mit deinen Inhalten auseinandersetzt. Entsprechend solltest du sicherstellen, dass du sie erstens begeisterst und zweitens an dich bindest.
Neue Stoßrichtung für die Themenplanung
Das fängt schon bei der Themenplanung an. Überlege dir, bei welchen Fragestellungen und Herausforderungen deine Zielgruppe wohl eine menschliche Meinung und Einschätzung haben will.
Denn du weißt ja nun: KI hat fast immer eine Antwort parat. Und sicherlich gibt es Leute, die dem blindlings vertrauen. Aber ich bin zugleich überzeugt, dass die Perspektive von echten Menschen weiterhin gefragt sein wird. Denke auch daran, dass es sehr wahrscheinlich eine Kombination sein wird: Erst nutzen wir KI, um uns einen Überblick zu verschaffen. Um das zu überprüfen und mehr zu erfahren, greifen wir dann doch wieder auf Websites und andere Quellen zurück.
Es ist heute nicht hundertprozentig absehbar, wie sich das Nutzungsverhalten ändern wird und in welchem Zeitraum. Aber nach dem heutigen Stand der Dinge glaube ich, dass KI-Antworten allein nie ausreichen werden, egal wie gut sie sind.
Entsprechend solltest du deine Content-Strategie anpassen.
Neue Ansätze für Inhaltsformate
Es geht nun nicht mehr darum, vor allem auf Keywords zu starren oder für jede mögliche Frage einen Beitrag zu schreiben und dann auf Traffic zu hoffen.
Du musst stattdessen an Inhaltsformate denken und Ideen entwickeln, die dich klar von einer KI unterscheiden.
Drei Anregungen:
- Liefere zutiefst menschliche Inhalte. Sie kann eine KI so nicht glaubwürdig kopieren und nachahmen. Siehe dazu meinen Artikel „10 Inhaltsformate, die deine menschliche Seite zeigen“. Dort findest du Ideen von Kolumne über Reportage bis Livestream. Lies als Hintergrund dazu Falk Hedemanns Beitrag „Menschlichere Inhalte und ihre Bedeutung für das Content Marketing“.
- Setze auf Storytelling. Mehr dazu in meinem Artikel „Content Marketing & Storytelling: dein Leitfaden von Konzept bis Umsetzung“. Willst du tiefer einsteigen, hilft dir unser Storytelling Toolkit mit praktischen Tipps und Tools sowie zwei Magazinausgaben.
- Gib deiner Kreativität einen Boost. Ja, das geht auch mit KI. Nutze außerdem das kreative Potential deines Teams. Und als Hintergrund lies den UPLOAD-Artikel „Kreativität im Zeitalter der KI: Neue Rollen, Workflows und der Wert kreativer Arbeit“.
Du hast vielleicht schon erleben müssen, dass KI als Druckmittel genutzt wird, um mehr aus dir herauszupressen. Denn natürlich kannst du mit diesen Tools schneller denn je Inhalte erstellen.
Aber was gern vergessen wird: Alle tun das und nutzen weitgehend dieselben Tools mit den immer gleichen Ideen. Entfernen wir den Menschen aus der Content-Kreation, setzen wir den Effizienzhebel an der falschen Stelle an.
Richtig gute, kreative, ungewöhnliche, überraschende, experimentelle Inhalte und Formate werden wichtiger denn je.
Lies in Falk Hedemanns Artikel „Das KI-Paradox: Wie uns Maschinen kreativer machen“ wie dir KI-Tools dabei helfen können. Und als weitere Anregung dient sein Beitrag „Der begrenzte Content-Garten: Was man von der Taglilienzucht für die Contentarbeit lernen kann“. Er gibt dir eine neue Perspektive zu Planung und Umsetzung deiner Inhalte.
Meine Website, meine Community
Womit wir beim wichtigen Thema der Leserbindung angekommen sind. Richtig umgesetztes Content Marketing war ja schon immer ein Mittel des Community Buildings. Schließlich geht es darum, dir ein Publikum aufzubauen und für dich zu gewinnen. Das wurde bislang nur oft nicht gesehen.
Ums wichtiger ist es, diesen Aspekt jetzt in den Mittepunkt zu rücken und ernst zu nehmen.
Denn in der Vergangenheit konnte sich dein Contentprojekt vielleicht noch damit retten, dass du einen stetigen Zustrom neuer Besucher auf der Seite hattest. Google & Co. halfen dir tatkräftig. Das konnte Schwächen bei der Umsetzung der Inhalte kaschieren. Wenn dein Content nur teilweise an der Customer Journey ausgerichtet war und du dadurch bei jedem Schritt an Publikum eingebüßt hast, kamen immer genügend neue Leserinnen und Leser nach.
Grobe Schnitzer kannst du dir in Zukunft hier nicht mehr leisten.
Stelle daher sicher, dass du weißt, auf welchen Wegen und mit welchen Mitteln du deine Zielgruppe an dich binden kannst.
Zwei Beispiele:
- Das gute alte E-Mail-Marketing. Ja, Newsletter funktionieren immer noch. Nicht für jede Zielgruppe und jedes Thema. Aber sie haben mehr Potential als du vielleicht denkst. Schau dir bei uns an, was erfolgreiche Newsletter ausmacht.
- Deine eigene Community. Idealerweise startest du sie direkt auf deiner eigenen Website. Das ist eine große Herausforderung, aber der Trend hin zu Micro-Communities könnte dir in die Hände spielen. Sieh dazu außerdem: „Community Management & Content Marketing – eine Symbiose, die auf ihre Entdeckung wartet“.
In einer idealen Welt wird deine eigene Website so zur zentralen Anlaufstelle. Damit hast du das größte Maß an Freiheiten darüber, wen du wie und wann erreichst. Paradiesisch!
Ist das so nicht realistisch umsetzbar, weil etwa die notwendigen Ressourcen fehlen, dann ist eine gezielte Social-Media-Präsenz die nächstbeste Lösung. Hier bist du zwar immer von den entsprechenden Anbietern und deren Entscheidungen abhängig. Aber solange du dir dieses Risikos bewusst bist und entsprechend planst, ist es ein gangbarer Weg: Setze also nicht alles auf eine Karte und versuche, deine eigenen Kanäle wie etwa deine Newsletter weiter auszubauen.
Ebene 3: Die KI, dein Freund und Helfer?

Vielleicht lehnst du KI als Werkzeug grundsätzlich ab. Dann ist dieser Abschnitt nichts für dich und du kannst ihn überspringen. Gute Gründe für diese Ablehnung gäbe es, nicht zuletzt moralische und ethische. Einige der Kritikpunkte an KI-Tools und ihren Anbieter haben wir in diesem Artikel bereits besprochen.
Hast du hingegen grundsätzlich nichts gegen diese neuen Werkzeuge einzuwenden, möchte ich dir vor allem eine Empfehlung mit auf den Weg geben: Überlass der KI nicht das Schreiben.
KI als Assistent, nicht als elektronischer Kollege
Ich verstehe natürlich den Reiz, Texte von der Maschine verfassen zu lassen: Es funktioniert auf Knopfdruck und dauert nur ein paar Sekunden.
Aber wie ich oben schon dargestellt habe: Das ist eine kurzsichtige Herangehensweise, denn alle nutzen dieselben Tools mit sehr ähnlichen Ergebnissen. Willst du langfristig mit deinem Content erfolgreich sein, ist das genau der falsche Weg.
Das bedeutet nicht, dass du KI gar nicht zum Schreiben nutzen sollst. Solange du selbst das Lenkrad am Steuer behältst und die Texte entsprechend kritisch liest und bearbeitest, kann das gut funktionieren.
Lies mehr darüber, warum du KI-Texte bearbeiten musst. Und in der Content Academy lernst du, wie du sie richtig bearbeitest. Dort haben wir ein eigenes Modul zum Thema „KI im Content Marketing“.
Zugleich gibt es so viele weitere Ansatzpunkt für den Einsatz von KI, die aus meiner Sicht besser geeignet sind. Schau dir dazu die Schritte eines typischen Content Workflows an:
- Ideenfindung
- Themenfindung
- Themenauswahl
- Gliederung
- Inhaltserstellung
- Abnahme
- Distribution
- Erfolgskontrolle
Das sind summa summarum acht Punkte und nur ein einziger davon ist „Inhaltserstellung“. Möchtest du mehr dazu erfahren, empfehle ich dir den Beitrag „Content Workflow erklärt: Inhalte professionell und effizient erstellen“. Dort gehe ich auf alle Schritte genauer ein.
Die gute Nachricht: Bei jedem dieser Punkte kann dir KI helfen. Und das wiederum kann dazu führen, dass du am Ende bessere Inhalte erstellst! Lies ergänzend dazu meinen Artikel „ChatGPT: Bessere Inhalte erstellen mit KI-Hilfe“. Der grundsätzliche „Trick“ ist es, die KI als Assistent oder Helfer anzusehen und nicht etwa als elektronischen Kollegen. Davon ausgehend gebe ich dir in dem genannten Artikel neun Beispiele dafür, wie dir ChatGPT & Co. helfen. Außerdem gebe ich dort grundlegende Tipps für bessere Prompts.
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Zwei Beispiele aus meiner Praxis
Zum Abschluss habe ich noch zwei Beispiele aus meiner eigenen Praxis für dich.
Das erste dreht sich um die Recherche von Zahlen, Fakten und Zitaten. Ich bin ein großer Fan der Deep Research Tools geworden. Sie können auch umfangreichere Rechercheaufgaben übernehmen. ChatGPT bietet es. Ich selbst nutze inzwischen überwiegend Googles Gemini.
Diese Werkzeuge liefern dir einen umfassenden Bericht zu einem Thema deiner Wahl. Dabei verweisen sie direkt auf die jeweiligen Quellen, die du überprüfen und später in deinem eigenen Artikel verlinken solltest.
Diese Rechercheberichte sind für meine Arbeit unheimlich wertvoll. Ich kann damit Inhalte aufwerten und manchmal geben sie mir spannende Einblicke, die sich wiederum auf meinen Artikel auswirken.
Du findest beim Smart Content Report einen Überblick und Vergleich solcher Deep Research Tools.
Das zweite Beispiel ist Hilfe mit den vielen kleinen Handgriffen, um einen Artikel zu finalisieren. Du kennst das vielleicht: Du hast einen Beitrag geschrieben und denkst, du hättest die meiste Arbeit erledigt, aber dann kommen die Mühen der Ebene.
Ich lasse mich hier von einem „Gem“ unterstützen: Das ist eine individuelle Version von Gemini mit speziellen Anweisungen, der du bei Bedarf passendes Hintergrundwissen mitgeben kannst. Bei ChatGPT kennt man das als Custom GPT.
Meine KI namens „Artikelassistent“ nimmt einen Text entgegen und gibt mir diverse Elemente zurück: drei Varianten für die Überschrift, einen Vorspann, eine Zusammenfassung in fünf Spiegelstrichen, eine Liste der interessantesten Zitate und einen Vorschlag für den Social-Media-Post.
Da ich den fraglichen Artikel entweder selbst geschrieben oder zumindest bearbeitet habe, kann ich die Qualität der abgelieferten Texte gut einschätzen. Manchmal übernehme ich sie, manchmal passe ich sie an und manchmal ignoriere ich sie auch. Was sie aber in jedem Fall erreichen: Sie helfen mir, diese vielen kleinen Dinge zu erledigen.
Schlusswort
KI ist ein vielseitiges Thema, das uns Content Creator direkt und indirekt betrifft. KI-Tools sind Freund und Feind zugleich, um es etwas dramatisch auszudrücken: Sie nehmen uns einerseits Leser weg und gefährden unsere Karrierechancen, können sich aber andererseits auch als Helfer nützlich machen und unsere Arbeit auf ein neues Niveau heben.
Letztlich kommt es wie bei jedem neuen Trend und jedem neuen Tool darauf an, es richtig einzuschätzen und für sich herauszufinden, welche Herangehensweise am meisten weiterhilft.
Es geht also darum, mit offenen Augen durch die Welt zu gehen und für neue Entwicklungen aufgeschlossen zu sein.
Wenn dir dieser Artikel dabei geholfen hat, dann freuen wir uns über deine Empfehlung. Denn uns geht es genau so wie hier dargestellt: Immer weniger Menschen entdecken unsere Arbeit via Google & Co. Umso wertvoller ist es da, wenn du unsere Arbeit so nützlich findest, dass du sie anderen empfiehlst.
Dieser Artikel gehört zu: UPLOAD Magazin 122
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Jan hat mehr als 25 Jahre Berufserfahrung als Online-Journalist und Digitalpublizist. 2006 hat er das UPLOAD Magazin aus der Taufe gehoben. Seit 2015 hilft er als CONTENTMEISTER® Unternehmen, mit Inhalten ihre Zielgruppe anzuziehen und zu begeistern. Gemeinsam mit Falk Hedemann bietet er bei UPLOAD Publishing Leistungen entlang der gesamten Content-Marketing-Prozesskette an. Der gebürtige Hamburger lebt in Santa Fe, New Mexico.